Es war schon Winter, als der amerikanische Millionär Albert C. Barnes 1922 nach Paris kam, um für sein Privatmuseum in Merion Station bei Philadelphia einzukaufen. In der Wohnzimmergalerie des aus Polen emigrierten Dichters Léopold Zborowski erwarb der als verschroben geltende Barnes unter anderem 52 Gemälde des bis dahin ziemlich unbekannten Chaim Soutine, eines Freundes von Modigliani. Dieser Ankauf bildete nicht nur die bis heute größte zusammenhängende öffentliche Soutine-Sammlung weltweit. Er begründete auch den anhaltenden Ruhm des Malers Soutine, der 1893 in Weißrussland geboren worden war und nur fünfzig Jahre später, als verfolgter Jude im damals besetzten Paris, an einem Magendurchbruch starb.

Heute hängen seine Werke in jedem bedeutenden Museum der USA. In Deutschland hingegen gibt es gerade einmal drei Soutine-Gemälde in drei Museen. Die Galerie Thomas will die Bekanntheit des Malers nun auch hierzulande steigern. In ihren Münchner Räumen zeigt sie von Ende März an 18 Landschaften, Stillleben und Bildnisse von ausschließlich musealer Qualität. Mehrere Bilder tauchten erst in der Öffentlichkeit auf, nachdem 1993 im Taschen Verlag bereits das zweibändige Werkverzeichnis des Malers erschienen war. Doch auch sie wurden von den Autoren Maurice Tuchman und Esti Dunow für echt befunden.

Einige der Gemälde sind verkäuflich, andere hingegen stammen aus privaten Sammlungen und sind nur Leihgaben für die Dauer der Ausstellung. Raimund und Silke Thomas folgen damit einem Trend, der schon seit einigen Monaten zu beobachten ist – und so gar nicht zur angeblichen Krise auf dem Kunstmarkt zu passen scheint. Im Januar zeigte die Berliner Galerie Contemporary Fine Arts unter dem Titel Not for sale eine veritable Peter-Doig-Retrospektive, die ausschließlich als Hommage an den Hauskünstler gemeint war und aus der kein einziges Werk zum Kauf angeboten wurde.

Was bewegt die Galerien dazu? Seit Beginn der Wirtschaftskrise, bestätigen sowohl Galeristen als auch Auktionatoren, verkauft sich einigermaßen problemlos vor allem Kunst von hoher Qualität – und die soll nun gezeigt werden, auch wenn sie teilweise längst nicht mehr zu haben ist. Mit solch musealen Ausstellungen kann man in Zeiten, in denen wenig gekauft wird, den eigenen Qualitätsanspruch demonstrieren. Und so vielleicht doch noch das eine oder andere Meisterwerk an den Mann bringen. Soutines Fasane sollen übrigens eine Million Euro kosten. Stefan Koldehoff