Frau von der Leyen, eine Vertreterin der oft (zu Recht) gescholtenen Klasse politischer Entscheidungsträger, tritt zum Thema Demenz als denkender und fühlender Mitbürger in Erscheinung. Sie beleuchtet ein menschliches und gesellschaftliches Problem verantwortungsvoll, ohne es gleich auf eine ökonomische Dimension zu reduzieren. Das entlastet und unterstützt Betroffene sowie Angehörige und macht ihnen Mut. Glücklich ist ein Land, das auch solche Politiker hat.

Dr. Peer Löbmann, Gerbrunn

Die Ministerin fordert mehr Wissen und bessere Pflege, dann soll sie sich mal darum kümmern, dass ausgebildete Pflegekräfte selbst in staatlichen und kommunalen Wohlfahrtseinrichtungen nicht ständig unter Druck gesetzt werden, indem sie genötigt werden, weniger als 100 Prozent zu arbeiten, damit mehr kostenlose Ehrenamtliche oder Zivis eingesetzt werden können, und zudem versucht wird, trotz geringerer Arbeitszeit die gleiche Pflegeleistung abzuverlangen.

Bernd Roth, Stuttgart

Sie will Würde – mit Schiller – nicht idealistisch, sondern ganz praktisch verstanden wissen: zu essen geben, Blöße bedecken.

Vielleicht hängt das, was mich an diesem Beitrag so ärgert, wütend macht, damit zusammen, dass Frau von der Leyen etwas anspricht, was ja auch stimmt: Handeln erwächst auf der Grundlage einer Haltung – von Menschlichkeit. Nur, sie verliert – idealistisch, mit Schiller – die praktischen, sozialen, politischen Konsequenzen völlig aus den Augen, die kommen ihr gar nicht in den Blick – und die Demenzkranken sind auf sich selbst und ihr Glück, Vögel zwitschern zu hören, die Angehörigen sind auf sich selbst und ihr zutiefst menschliches Verständnis et cetera verwiesen und damit allein gelassen.

Dr. Manfred Jobst, Marburg