Grossbritannien
Londons stille Seite
Der Regent's Canal, vierzehn Kilometer lang, verläuft quer durch die Millionenstadt. Ein Spaziergang entlang der Treidelpfade.

© Kathrin Spirk
Kohle und Bauholz wurden im 19. Jahrhundert auf dem Kanal von West nach Ost verschifft
Die Treppe führt in eine andere Welt. Stufe um Stufe entferne ich mich von der vierspurigen, abgasverseuchten Commercial Road und steige zum Kanal hinunter. Hier ist es still. Ich befinde mich zwei Meter unter dem Straßenniveau – allerdings nicht unter der Erde, sondern unter freiem Himmel. Der Kanal ist nur wenige Meter breit, daneben verläuft ein handtuchschmaler Pfad, dem ich folge. Das Wasser neben mir steht eher, als dass es fließt, die Luft hier unten ist feucht und doch klar, als wäre man an der Küste. Stille und Frischluft lassen den Weg durch die Millionenstadt wie einen Spaziergang durchs Umland erscheinen, selbst die Sirenen der Ambulanzen heulen nur noch von fern.
Genau das war der Plan: entlang des historischen Regent’s Canal ein anderes, ruhigeres London zu entdecken, fern von Touristenströmen und Verkehrsinfarkt. Vierzehn Kilometer zieht sich der Regent’s Canal durch die Stadt, von der Themse im Osten bis nach Paddington im Westen, ein Freilichtmuseum aus Backsteintunneln und Schleusen, funktionsfähig bis heute. Mein Spaziergang beginnt im East End, jenem sagenumwobenen Einwandererviertel, in dem Jack the Ripper 1888 fünf Prostituierte ermordete und das bis heute als rau und unsicher gilt. Hier, wo der Kanal in die Themse mündet, entstand Ende des 19. Jahrhunderts Londons größter Umschlaghafen. Heute ist das Limehouse Basin zu einer mondänen Freizeitmarina geworden, nur noch eine Hinweistafel zeugt von seiner Handelsgeschichte.
Ursprünglich wurde hier die Fracht der großen Themseschiffe auf narrowboats verladen, die schmal genug waren für die Kanäle. Sie verbanden die Docks auf der Themse mit den großen Städten in den Midlands, mit Birmingham etwa, auch mit Manchester und Liverpool, als die Industrialisierung im 18. Jahrhundert nach einfachem Warenaustausch verlangte. Zwar waren Themse und River Lee, Londons zweitgrößter Fluss, schon immer schiffbar, doch führten nur weite Umwege über die See in den Norden. 1760 aber versuchte der Duke of Bridgewater etwas Unerhörtes: Zwischen Manchester und seinen zehn Meilen entfernten Kohleminen ließ er einen künstlichen Kanal graben – was die Herstellungskosten für seine Kohle halbierte. Wenig später breitete sich eine wahre canalmania auf der Insel aus, mit zweitausend Meilen erstreckte sich das Kanalnetz bald über die Insel.
1820 war auch in London das letzte Verbindungsstück fertiggestellt, um ohne Umweg in die Midlands zu gelangen: der mitten durch die Stadt verlaufende Regent’s Canal. Bereits im Jahr der Eröffnung wurden 120000 Tonnen Güter darauf verschifft, neben Kohle auch Bauholz. Londoner Pferdemist ging über den Kanal dahin zurück, wo Londoner Pferdefutter hergekommen war. Ganze Industrien siedelten sich in Kanalnähe an, Gaswerke und spezialisierte Betriebe wie etwa die Ice Wharf bei King’s Cross, in der zwölf Meter unter der Erde norwegisches Eis lagerte, um Londons bessere Kreise auch in heißen Sommern damit zu versorgen.
Die Blütezeit des Kanals währte nicht lang. Bereits 1840 eröffnete die Eisenbahnstrecke von London nach Birmingham. Und nach der Jahrhundertwende wurde der härteste Konkurrent der Kanalwirtschaft massentauglich: das Automobil. Wirklich wirtschaftlich war der Kanal also nur im 19. Jahrhundert. Trotz aller Krisen aber blieb er bis in die 1960er Jahre ein wichtiger Verkehrsweg. Dann schlossen die Docks auf der Themse, und der Handel erlebte seinen endgültigen Niedergang. Als im Winter 1962/63 die Temperaturen wochenlang weit unter null fielen, steckte die Kanalschifffahrt im Wortsinne fest – und kam auch nach dem great freeze nie mehr frei.
Ich lasse die Infotafel am Limehouse Basin hinter mir und folge dem Kanal in nordwestlicher Richtung. In der nächsten Stunde begegne ich kaum jemandem. Es ist nicht irgendein Pfad, auf dem ich hier am Wasser entlanggehe, sondern der ehemalige towpath, der sogenannte Treidelpfad. Vor der Motorisierung des Schiffsverkehrs trabten Pferde und Maulesel darauf, um die Barken an langen Seilen von der Themse durch halb London und dann in Englands Norden zu ziehen – oder eben zu treideln, wie der Fachausdruck dafür heißt. In Tunneln, die zu schmal für einen eigenen Treidelpfad waren, mussten sich die Bootsmänner im Liegen mit den Füßen am Gewölbe abstoßen, um ihre Barken voranzubekommen.
Die schmalen Kohlebarken von einst sind längst zu Hausbooten umgebaut, in Seitendocks liegen sie so ruhig und bewegungslos, als wären sie auf Grund gelaufen. »Barnable Bill« prangt ornamental verziert auf einem blauen Rumpf, »Tiger Lilly« auf einem roten, bei »Paul & Heather« sind die Gardinen hinter den Bullaugen zugezogen, an Deck steht eine leere Flasche portugiesischen Weins. Mitten in London leben einige Dutzend Menschen auf dem Wasser, keine Aussteiger oder gar Obdachlose, eher Liebhaber eines Lebens unter freiem Himmel – das zeigen die kostspielig und liebevoll restaurierten Boote.
Ich gehe weiter nach Westen, es wird bereits dunkel. Bin ich wirklich schon drei Stunden unterwegs? Die alte Verkehrsachse wird allmählich zu einem in die Länge gezogenen Park. Es gibt sogar Eichhörnchen hier. »High voltage under your feet«, warnen Schilder an den Brückenpfeilern. Es fällt einem schwer, das zu glauben. Als ich an eine alte Straßenunterführung gelange, weist ein verrostetes Blechschild mich an, entgegenkommenden Fußgängern den Vortritt zu lassen. Aber wenn jetzt ein Spaziergänger oder gar ein Jogger aus dem Dunkel des Backsteingewölbes vor mir auftauchen würde, wäre zum Ausweichen gar kein Platz. Der Treidelpfad ist hier so schmal, dass ich mit einem Schritt zur Seite bereits ins Wasser fiele. Zum Glück ist niemand unterwegs. Vorsichtig betrete ich die Unterführung, man muss mit abgewinkeltem Kopf weitergehen, um sich nicht am Gewölbe zu stoßen. Unvorstellbar, wie hier Pferde durchpassten. Am anderen Ende der Unterführung kann ich noch heute die Rillen ertasten, die die Schleppseile in den Torbogen gefressen haben.
Es ist immer hilfreich, an fremden Orten ohne Plan und ohne Führer unterwegs zu sein. So kommen die Highlights als echte Überraschung daher. Es ist bereits dunkel, als ich Camden Lock erreiche, eine der zwölf Schleusenanlagen des Regent’s Canal. Trotz leichten Nieselregens und unangenehmer Temperaturen gerate ich unversehens in eine Freiluftparty. Mädchen in Miniröcken versuchen so auszusehen, als ob sie nicht frören. Nur wenn die Jungs nicht hinsehen, ziehen sie ihre Röcke zurecht und reiben die Handflächen aneinander. In schwarzen Strumpfhosen lehnen sie an der feuchten Mauer, selbst ihre Haare sind schwarz gefärbt, nur die Gesichter leuchten weiß. Gothic scheint hier in zu sein, aus einem Ghettoblaster kommen harte Bässe. Der Ort sei berühmt für seine abendlichen Spontanpartys, erfahre ich später.
Von einem Marktstand hole ich mir ein indisches Biryani in einer Aluschale und beobachte, wie sich die Angel Wing, ein feuerrotes Hausboot, der Schleusenanlage nähert. Das Flutlicht taucht die Szenerie in ein gelbliches Weiß. Auf dem Regent’s Canal liegen immer zwei Schleusenkammern nebeneinander, sodass zwei Boote gleichzeitig gehoben oder gesenkt werden können. Schwere, schwarz lackierte Eisentore halten das Wasser in Schach.
Das Prinzip der Kammerschleuse geht auf Qiao Weiyue zurück, der die genial einfache Konstruktion 983 in China erfand: Zwei Tore bilden eine Kammer, in der sich der Wasserpegel auf das untere, abfließende Niveau senken lässt – beziehungsweise auf das obere, zufließende Niveau heben. Für die Erfindung der bis heute gängigen Schleusenart mussten allerdings noch einige Jahrhunderte vergehen. Dann erst ließ Leonardo da Vinci die Schleusentore in einer Gehrung schließen, also in einem pfeilförmigen Winkel. So halten die Tore dem Wasserdruck am besten stand. Bis heute sah man keine Notwendigkeit, das Camden Lock zu motorisieren, das Wasser erledigt die Arbeit noch immer fast von allein.
Eine junge Frau steigt aus dem feuerroten »Engelsflügel«, der vor der Schleuse festgemacht hat. In der Hand hält sie eine Kurbel. Wie sie das Boot nun nach unten befördere, frage ich. Man müsse zunächst eine kleine Klappe unten im Schleusentor öffnen, erklärt sie mit einem müden Grinsen. Ich bin wohl nicht der Erste, der fragt. Durch die Klappe strömt Wasser in die Schleusenkammer. Als es die Höhe des oberen Pegels erreicht, kurbelt die Frau das Schleusentor auf. Dann steigt sie wieder in ihren Kahn, der lautlos in die Schleuse hineingleitet. »Have a good trip«, sage ich noch, aber die Angel Wing senkt sich schon überraschend schnell nach unten. Wenig später klettert die Frau eine Leiter empor und öffnet das zweite Schleusentor. Jetzt hat sie freie Fahrt nach Osten.
»Liverpool 302 miles«, steht auf einem Wegweiser neben dem Camden Lock. Für einen Moment verspüre ich den Impuls, bis dahin weiterzulaufen, Meile um Meile auf dem Treidelpfad, unter Brücken hindurch und an Schleusen vorbei. Ich entferne mich von der Schleusenparty, das Rufen und die Musik werden leiser, schon bald erreiche ich die Macclesfield Bridge, die 1874 samt drei Männern und einem Pferd in die Luft ging, als ein Kahn mit einer fragwürdigen Mischfracht aus Schießpulver und Petroleum darunter explodierte. Seither trägt die Brücke den schönen Beinamen »blow-up bridge«. Der Kanal zu meiner Linken ist eine schwarze, unbewegte Fläche, ein Schwan landet zischend im Wasser, Enten putzen ihr Gefieder, minutenlang begegne ich niemandem, ich bin in London und bin es nicht.

Für den gesamten Verlauf des Regent’s Canal sollte man einen halben Tag einplanen. Falls ein Teilstück genügt, bieten sich zwei Möglichkeiten an: Wer Industriecharme und Backsteinromantik mag, beginnt am besten im Limehouse Basin in Londons Osten (nächste Haltestelle der Docklands Light Railway DLR ist Limehouse). Wer es etwas herausgeputzter vorzieht, läuft den Kanal in entgegengesetzter Richtung ab. Mit Start in Little Venice, einer Wasserkreuzung in der Nähe des Bahnhofs Paddington. Auf Höhe des Regent’s Park folgen hier bald herrschaftliche Villen.
Björn Kern, 30, veröffentlichte zuletzt den Roman »Die Erlöser AG« bei C. H. Beck. Im November und Dezember lebte er als »writer in residence« im Queen Mary College der University of London
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- Datum 3.4.2009 - 14:59 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14
- Kommentare 9
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Ein sehr schön geschriebener Artikel, der Lust macht, sich das in London anzugucken. Was fehlt - und das betrifft alle Artikel im Ressort Reisen - sind mehr Bilder. Reisen bedeutet in erster Linie neue Dinge mit den Augen zu entdecken. Insofern sind 1-2 Bilder pro Artikel für Reisethemen einfach sehr mager und etwas mehr für die Augen wäre meiner Meinung nach wünschenswert. Die Süddeutsche, der Spiegel und selbst die journalistisch zweifelhafte Welt machen das online mit ihren Bildgalerien besser.
London ist verdreckt und alt und schaebig. Und am schlimmsten ist das Essen dort! Da isst meine Katze ja besser!!!
Die englische Kueche ist genauso widerlich wie englische Gebisse/Zaehne!
Ich habe da selber 2 1/2 Jahre gelebt, wegen dem Beruf, und kann es nur jedem empfehlen dort nicht hinzugehen.
Die Kriminalitaet ist dort auch schlimm. Da gibt es in fast jedem Viertel eine Jugendbande, die mitunter Menschen vergewaltigen oder abstechen! Sicher ist es da auf jeden Fall nicht!!
Ich kann jedem nur davon abraten dort hinzuziehen!
Und bei der ZEIT gibt es zu fast jedem Thema einen psychisch gestoerten Kommentator, der mitunter die deutsche Sprache vergewaltigt oder absticht! Zum Beispiel indem er Saetze wie diesen schreibt: "Ich habe da selber 2 1/2 Jahre gelebt, wegen dem Beruf, und kann es nur jedem empfehlen dort nicht hinzugehen."
[Der Teilnehmer wurde inzwischen gesperrt und ein Großteil seiner Kommentare entfernt/ Redaktion; svb]
gibt es wirklich mehrfach vergewaltigungen und messerstechereien. wenn sie nur die zeit lesen kriegen sie davon natuerlich nichts mit!
und bei der wirtschaftslage ist es wirklich dumm dort hinzuziehen, zudem auch kein deutscher standard in englischen wohnungen herrscht! naja, jedenfalls nicht wenn man sich in der mittleren einkommensschicht bewegt!
england ist und bleibt fuer mich ein unzumutbares land. kulturell, kulinarisch und auch sozialoekonomisch! ich meide die insel ebenfalls !
[Anmerkung: Bitte vermeiden Sie Pauschalisierungen und bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ew]
gibt es wirklich mehrfach vergewaltigungen und messerstechereien. wenn sie nur die Y lesen kriegen sie davon natuerlich nichts mit!
und bei der wirtschaftslage ist es wirklich dumm dort hinzuziehen, zudem auch kein J standard in T wohnungen herrscht! naja, jedenfalls nicht wenn man sich in der mittleren einkommensschicht bewegt!
S ist und bleibt fuer mich ein unzumutbares land. kulturell, kulinarisch und auch sozialoekonomisch! ich meide V ebenfalls !
X, Y, J, T, S und V je nach bedarf substituieren.
Welcome to planet earth :)
gibt es wirklich mehrfach vergewaltigungen und messerstechereien. wenn sie nur die Y lesen kriegen sie davon natuerlich nichts mit!
und bei der wirtschaftslage ist es wirklich dumm dort hinzuziehen, zudem auch kein J standard in T wohnungen herrscht! naja, jedenfalls nicht wenn man sich in der mittleren einkommensschicht bewegt!
S ist und bleibt fuer mich ein unzumutbares land. kulturell, kulinarisch und auch sozialoekonomisch! ich meide V ebenfalls !
X, Y, J, T, S und V je nach bedarf substituieren.
Welcome to planet earth :)
da bin ich aber überrascht, dass diejenigen die in London gelebt haben dieses so verurteilen. Grossbritanien hat schlechteres essen als Deutschland? welches tolle essen haben wir denn? Saumagen vielleicht, kulinarische anspruchsvolle Schweinshaxen oder die tolle Currywurst? oder warum sind Giros, Pizza und Döner so erfolgreich?
zur gewalt kann ich nur sagen, dass es in jeder grösseren stadt gewalt gibt. man kann London nicht mit Hannover oder kleiner vergleichen! in Hamburg und Berlin gibt es auch ecken in die sich nicht jeder trauen sollte. aber in keinen von denen wird man sofort erstochen oder vergewaltigt, sobald man einen schritt reinwagt. das kommt wahrscheinlich daher, dass man angst vor dieser kultur hier entwickelt hat. was auch zeigen würde, dass die kultur nicht verstanden wurde.
ich selbst bin überrascht gewesen wie anders die britische kultur gegen die deutsche ist! man tendiert leicht dazu, dies anhand von äusserlichkeiten zu beurteilen. die briten haben auch ihre kulturen hightlights und domänen. genauso wie die deutschen (woran sich armen Londoner nun messen müssen). die deutschen werden tatsächlich wegen ihrer genauigkeit geachtet, aber hier in London hört und hörte keiner deutsche musik!
Auch zum Radeln in London ist der Regent's Canal ideal. Solltet ihr kein Rad dabei haben (z.B. in Eurostar-Zügen), ruft an bei 0171-928 7220 oder fragt bei London Cycling Campaign, 228 Great Guildford Business Square, 30 Great Guildford Road, London SE1 0HS. Keiner glaubt es, aber ein London-Besuch mit Rad ist frischer und lustvoller als jedes andere Verkehrsmittel! Man rollt über verzauberte towpaths (Leinpfade) und erreicht fast alle interessanten Ecken ohne die Höllenhektik auf den Straßen, und die Leute, die man unterwegs trifft, sind offener als die im Gewühl. Wechselt man vom towpath hoch auf die Straße, ist es wie wenn man aus einem Märchenland auftaucht und in den Lärm einer Börsenhalle stolpert. Und wer ausschließlich Sightseeing-Plätze ansteuert, kommt schneller voran als mit jedem anderen Fahrzeug.
Beim Lesen Eurer Beiträge hat man folgenden Eindruck:
a) Ihr kennt London aus den Nachrichten
b) Ihr seid entweder jünger als 18 oder älter als 60
c) Ihr wart entweder noch nie dort oder zuletzt ca. 1982
Soviel Vorurteilsbehaftetes habe ich lange nicht mehr gelesen. Jugendbanden gibt es in Barcelona, Stuttgart, Birmingham, Venedig, Wladiwostok oder auch...London. Wie auch überall sonst auf der Welt. Als Tourist ist man aber nirgends auf der Welt gezwungen, sich an deren Treffpunkten aufzuhalten. Umgekehrt haben die vergewaltigenden und messerstechenden Jugendbanden i.d.R. kein Interesse daran, sich dort aufzuhalten, wo die Touristen sind. Selbst wenn man in London arbeitet, kann man sich dort ohne jedes Problem jahrelang aufhalten, ohne je Kontakt zu haben. Wer sich Drogen kaufen will und dann Trouble bekommt, weil er die "englische Kultur" nicht versteht, ist selbst schuld.
Was die englische Küche angeht: sie ist mittlerweile wieder wesentlich besser als ihr Ruf und steht der deutschen in nichts nach. Wer natürlich in London nur bei den üblichen Touristenfängern speist, wird sicherlich keine euphorischen Erzählungen des erlebten zum Besten geben - ist aber auch selbst schuld, nicht genügend Interesse für sein Reiseziel aufgebracht zu haben, um ein normales und ordentliches Restaurant aufzusuchen. Pizza, Gyros und Döner sind in DE übrigens nur deshal so erfolgreich, weil man sie im Gegensatz zur Schweinshaxe in anderhalb Minuten und "en passant" bekommen kann. Des Weiteren kann die deutsche Küche nur derart heruntermachen, der keine Ahnung von ihr hat. Doch ohne Ahnung sollte man lieber Dieter Nuhrs bekannter Empfehlung folgen. Oder: komm doch mal zu mir zum Essen, dann zeige ich Dir gute deutsche Küche.
London jedenfalls ist zu jeder Jahreszeit eine Reise wert, denn ein so massiertes Auftreten unterschiedlichster Kultur und unterschiedlichster Kulturen trifft man anderswo nicht in äquivalenter Weise. Dazu die absolut liebenswürdige Art der meisten Engländer, hervorragende Biere und Ales, leckere Küche und vieles mehr. Wenn man jedoch die wirklich hervorragende Idee des Fahrradfahrens vor Ort aufgreifen möchte, empfehle ich die Monate Mai bis September.
Wer sehr gut essen möchte, hat in London die absolute Qual der Wahl; hier mal ein paar persönliche Favoriten:
- Firefly, 18 - 20 Old Bailey, London, EC4M 7EP
- Adam Street, 9 Adam Street, The Strand, London, WC2N 6AA
- Betjeman’s Wine Bar and Restaurant, 43-44 Cloth Fair, London, EC1A 7JQ
- Benares, Berkeley Square House, 12 Berkeley Sq, London, W1J 6BS
- Alain Ducasse at The Dorchester, Park Lane, London, W1K 1QA
- Soseki, 20 Bury Street, London, EC3A 5AX
- The Ritz Restaurant, The Ritz Hotel, 150 Piccadilly, London, W1J 9BR
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