Gentechnik ErntezeitSeite 4/4

Um alle Zweifel zu zerstreuen, luden die beiden Konzerne im vergangenen Herbst Journalisten aus aller Welt zur Besichtigung ins belgische Gent. Hier wachsen bei einem Start-up namens CropDesign, das die BASF übernahm, schier endlose Reihen von Versuchspflanzen unter Glas. Jede einzelne Pflanze wird von Hand geerntet, gewogen und anschließend analysiert, um herauszufinden, welches Gen für eventuelle Zuwächse verantwortlich ist. Der Beitrag der BASF sei »ungeheuer wertvoll«, lobte Monsanto-Manager Steve Padgette. Durch die Kooperation sei die Forschungspipeline von Monsanto um ein Drittel gewachsen. Zu sehen ist davon noch nichts: Frühestens in drei Jahren soll der erste Turbomais reifen, erklärte Padgette.

Vorher haben die zwei Konzerne noch ein ganz anderes Problem, und zwar in Brüssel: Zulassungsstau. So liberal die Europäer inzwischen bei der Einfuhr von Genpflanzen als Viehfutter sind – der Anbau auf den Äckern des Kontinents ist ein Politikum.

Er fürchte, dass Europa damit seine Zukunft verspielt, meint BASF-Manager Hans Kast. Er sagt, dass die Genforschung in Gefahr sei, nach Amerika verdrängt zu werden. Und dass BASF vor Gericht gegen die EU-Kommission klage, um das zu verhindern. Von Trockenheit und Hunger ist bei ihm kaum noch die Rede.

Umso mehr bei Hugh Grant in St. Louis. Der Monsanto-Chef denkt nämlich darüber nach, auch Nahrungsmittelpflanzen wieder genetisch zu tunen. »Wir schauen uns den Markt an«, sagt er voller Euphorie. »Ich sehe durchaus Chancen, vor allem für Weizensorten, die weniger Wasser benötigen.«

Bauer Roush in Indiana dagegen hält wenig von der Welthungerhilfe aus dem Genlabor. »Die Bauern in den ärmeren Regionen der Welt können sich das teure Saatgut doch gar nicht leisten«, gibt er zu bedenken. Klar wären gerade für die Dritte Welt dürreresistente Pflanzen nützlich oder solche, die keinen Stickstoffdünger mehr brauchen, sagt er. »Die Frage ist aber, können wir die Zukunft der Menschheit einem Konzern wie Monsanto anvertrauen?«, meint Roush und seufzt. Schnell blickt er noch einmal auf den Flachbildschirm und die Maispreise. Dann eilt er wieder zu seinem Traktor. Er hat draußen noch eine Menge zu tun.

 
Leser-Kommentare
    • MyBaum
    • 27.03.2009 um 12:02 Uhr

    Dieser Artikel ist mit das Schlechteste, was ich dieses Jahr in der Zeit gelesen habe!

  1. 2. Einmal

    möchte ich einen Artikel lesen, in dem die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem US-amerikanischen Patent- und Sortenschutzrecht klar und sauber herausgearbeitet werden und die Frage gestellt wird, ob ein vergleichbares juristisches Vorgehen in Deutschland (oder einem anderen Staat Europas) ohne weiteres möglich wäre, statt das immer dieselben Geschichten aus den USA von den Gentechnikgegnern breitgetreten werden... Warum gibt es so etwas nicht? Weil das Sachkenntnis anstelle von Vorurteilen erfordert.

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    • MyBaum
    • 27.03.2009 um 13:08 Uhr

    Da es meistens um Mais geht, ist die Zahl der Betroffenen ohnehin sehr gering. Selbst im biologischen Landbau betreibt benutzt niemand eigenes Saatgut für die Folgesaison. Betroffen sind daher ohnehin nur die Saatgutproduzenten. Da Hybridsaat auf der Grundlage genetisch homogener Elternsorten produziert wird, müssen diese Populationen bestäubt werden. Bei der Produktion werden beide Sorten in Reihen gemischt.
    Da Maispollen nur wenige Meter weit fliegt (nicht 250m wie Seehofer suggeriert) bedarf es grober Nachlässigkeit oder Vorsatz, wenn GM-Pollen auf das Saatgutfeld gerät. Im Ökolandbau sind 40cm als Schutzabstand zwischen zwei Sorten vorgeschrieben um die Sortenreinheit zu gewährleisten!
    Im Unterschied zu den USA, wo das Transgen als Vorteil betrachtet wird, gilt in Deutschland, dass dies eine Verunreinigung ist. Eine "Seed Police" ist also undenkbar, da kein GM-Landwirt ein Interesse hat eine Verunreinigung nachzuweisen. Vielmehr gibt es in Deutschland bereits eine Ökofaschistische Schlägertruppe. (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)

    • MyBaum
    • 27.03.2009 um 13:08 Uhr

    Da es meistens um Mais geht, ist die Zahl der Betroffenen ohnehin sehr gering. Selbst im biologischen Landbau betreibt benutzt niemand eigenes Saatgut für die Folgesaison. Betroffen sind daher ohnehin nur die Saatgutproduzenten. Da Hybridsaat auf der Grundlage genetisch homogener Elternsorten produziert wird, müssen diese Populationen bestäubt werden. Bei der Produktion werden beide Sorten in Reihen gemischt.
    Da Maispollen nur wenige Meter weit fliegt (nicht 250m wie Seehofer suggeriert) bedarf es grober Nachlässigkeit oder Vorsatz, wenn GM-Pollen auf das Saatgutfeld gerät. Im Ökolandbau sind 40cm als Schutzabstand zwischen zwei Sorten vorgeschrieben um die Sortenreinheit zu gewährleisten!
    Im Unterschied zu den USA, wo das Transgen als Vorteil betrachtet wird, gilt in Deutschland, dass dies eine Verunreinigung ist. Eine "Seed Police" ist also undenkbar, da kein GM-Landwirt ein Interesse hat eine Verunreinigung nachzuweisen. Vielmehr gibt es in Deutschland bereits eine Ökofaschistische Schlägertruppe. (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)

    • Manul
    • 27.03.2009 um 12:18 Uhr

    ... und nichts anderes steckt hinter solchen Projekten, denn die haben nichts anderes im Sinn als den wichtigsten Teil der Landwirtschaft zu kommerzialisieren und damit praktisch die Macht über das wichtigste Gut der Menschen zu erlangen, nämlich über das Saatgut, was ihre Ernährung sichert. Parallel dazu, übrigens, findet seit Jahren auch der Nebenkriegsschauplatz 'Weltwasserforum' statt, wo es um ähnlich pikante Fragen geht, ob man den Lebewesen, die zu 70% aus Wasser bestehen, es eingesteht, dass Wasser für ihre Existenz wichtig ist - auch hier angetrieben von Grosskonzernen, die nur die Umsatzzahlen interessieren, aber nicht die Auswirkungen ihres expansiven Handelns und dass am Ende solcher Überlegungen tatsächliche Menschen stehen, die aufgrund von wirtschaftlich verursachten Mangels das Einzige hergeben müssen, was sie haben, nämlich ihr Leben.

    Es würden sich noch viele weitere Gründe dafür nennen lassen, warum grüne Gentechnik weder marktreif noch wünschenswert ist, aber, wie leider in vielen anderen Fällen, findet auch hier eine massive Lobbyarbeit statt, die alles daran setzt die entsprechenden Entscheidungsträger und Parlamente weich zu kochen und auch die Länder unter Druck setzt, die grüne Gentechnik auf ihren Äckern verboten. Unabhängige Studien werden unterdrückt, Wissenschaftler eingeschüchtert, denn hier steht auf dem Spiel eine sichere Einnahmequelle, die absolut krisensicher ist und die auch eine gewaltige Kontrolle mit sich bringt. Gentechnik ist aber vor allem eines: eine Lizenz zum Gelddrucken, aber keineswegs die Lösung unserer künftigen Ernährungsprobleme, es sei denn man meint damit, dass man langfristig einfach einem gewissen Teil der Weltbevölkerung die Möglichkeit nimmt für ihre Existenz selbst zu sorgen. Dafür gibt es aber eine viel humanere Lösung, die ohne viele Umweltgifte machbar ist, und die nennt sich nachhaltige und ökologische Landwirtschaft, bedarfsorientiert, statt profitorientiert...

    Zum Schluss empfehle ich noch eine schöne, schon etwas ältere, aber immer noch brandaktuelle Arte-Dokumentation zu diesem Thema:

    http://www.nuoviso.tv/ind...

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    "Dafür gibt es aber eine viel humanere Lösung, die ohne viele Umweltgifte machbar ist, und die nennt sich nachhaltige und ökologische Landwirtschaft, bedarfsorientiert, statt profitorientiert... "

    Willkommen in der Jungsteinzeit.

    "Dafür gibt es aber eine viel humanere Lösung, die ohne viele Umweltgifte machbar ist, und die nennt sich nachhaltige und ökologische Landwirtschaft, bedarfsorientiert, statt profitorientiert... "

    Willkommen in der Jungsteinzeit.

    • MyBaum
    • 27.03.2009 um 12:20 Uhr

    1. Ein Großteil dessen, was im Artikel steht, wurde im Januar bereits im Spiegel veröffentlicht.
    2. Einige Aussagen sind entweder falsch oder dumm: "Geringere Erträge der GM-Sorten" - Dies ist absoluter quatsch. Die ersten Sorten von vor 20 Jahren wiesen leicht reduzierte Erträge auf. Seitdem gibt es dieses Problem nicht mehr. Aber selbst damals war der für die Landwirte relevante ökonomische Ertrag bereits mit GMO höher, als ohne.
    3. Amerikanische Landwirte sind intelligente und wohlorganisierte Menschen. Wenn es ein Problem mit der Saatversorgung gäbe, würde im Mittleren Westen die Hölle losbrechen.
    4. GM wird auf einer Fläche angebaut, die größer ist als die Agrarflächer der gesamten EU. Gäbe es gesundheitliche Probleme, wüssten wir dies mittlerweile.
    5. KEIN Bauer im Westen betreibt noch Nachbau. In Deutschland stammt genau 0% des Mais Saatgutes aus Nachbau. Jener Landwirt, der dort gebustet wurde, hätte wissen müssen, dass er, wenn er Saatgut produziert, Schutzvorkehrungen hätte treffen müssen. Der war einfach mal naiv und schlecht ausgebildet.
    6. Durch die Vermischung von Gentechnik, Saatgutmarkt und EU-Sortenrecht gleitet der Artikel ins dümmliche ab. Zu keinem dieser Themen leistet der Artikel einen interessanten Beitrag.
    Die überfällige Zulassung von Amflora öffnet überhaupt nichts für niemanden. Es würde lediglich entsprechend den selbst gegebenen Regeln gehandelt.
    Zum Thema Gentechnik gibt es hier auf Zeit.de bessere Artikel.

    Das eigentliche Thema, dass Frau Hoffritz komplett verfehlt, sind monopolistische Strukturen auf einem für die Allgemeinheit sensiblen Feld. Ähnlich wie bei der Bahn stehen sich hier private und öffentliche Interessen mitunter im Wege. In so einem Fall muss der Staat besonnen eingreifen. Panikmache hilft da nicht. Im Gegenteil: Durch die Verhinderung von GM-Technologie in Europa wird die Alleinstellung von Monsanto noch verstärkt, da sich Konkurrenten nicht etablieren können.

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    Und:

    3. Amerikanische Landwirte sind intelligente und wohlorganisierte Menschen. Wenn es ein Problem mit der Saatversorgung gäbe, würde im Mittleren Westen die Hölle losbrechen.

    Aha. Sie machen es sich einfach! Über den Mittleren Westen und die dortige Bevölkerungszusammensetzung habe ich andere Erfahrungsberichte gehört.

    4. GM wird auf einer Fläche angebaut, die größer ist als die Agrarflächer der gesamten EU. Gäbe es gesundheitliche Probleme, wüssten wir dies mittlerweile.

    Aha. Und Sie sind gut ausgebildet? Woher wissen Sie, dass "wir" davon etwas erfahren würden? Sofort leuchtet ein: da viele Umwelt-Einwirkungen zusammen negativ einwirken, könnte es ggf. schwierig sein, verringerte Fruchtbarkeit von Menschen auf Monsanto-Produkte direkt oder indirekt konsumiert zurückzuführen.

    Hier geht es um etwas, für das Sie keinerlei Gespür aufweisen: es geht um Machstrukturen und Monopole auf einem Gebiet, wo dies noch weniger akzeptabel ist als für andere Bereiche der Wirtschaft!

    Und:

    3. Amerikanische Landwirte sind intelligente und wohlorganisierte Menschen. Wenn es ein Problem mit der Saatversorgung gäbe, würde im Mittleren Westen die Hölle losbrechen.

    Aha. Sie machen es sich einfach! Über den Mittleren Westen und die dortige Bevölkerungszusammensetzung habe ich andere Erfahrungsberichte gehört.

    4. GM wird auf einer Fläche angebaut, die größer ist als die Agrarflächer der gesamten EU. Gäbe es gesundheitliche Probleme, wüssten wir dies mittlerweile.

    Aha. Und Sie sind gut ausgebildet? Woher wissen Sie, dass "wir" davon etwas erfahren würden? Sofort leuchtet ein: da viele Umwelt-Einwirkungen zusammen negativ einwirken, könnte es ggf. schwierig sein, verringerte Fruchtbarkeit von Menschen auf Monsanto-Produkte direkt oder indirekt konsumiert zurückzuführen.

    Hier geht es um etwas, für das Sie keinerlei Gespür aufweisen: es geht um Machstrukturen und Monopole auf einem Gebiet, wo dies noch weniger akzeptabel ist als für andere Bereiche der Wirtschaft!

  2. Wikipedia
    Spiegel
    Terminator-Saatgut
    Machtstrategien
    und Telepolis
    1., 2., 3., 4., 5.

    Nicht versäumen sollte man auch die Eigenwerbung von Monsanto.
    Viel Vergnügen!

  3. 6. Zitat:

    "Dafür gibt es aber eine viel humanere Lösung, die ohne viele Umweltgifte machbar ist, und die nennt sich nachhaltige und ökologische Landwirtschaft, bedarfsorientiert, statt profitorientiert... "

    Willkommen in der Jungsteinzeit.

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    ... kann, ist klar im Vorteil. Auch Ex-Soeldner, sofern Sie noch zum lesen motiviert sind!

    ... kann, ist klar im Vorteil. Auch Ex-Soeldner, sofern Sie noch zum lesen motiviert sind!

  4. Gentechnik in der Landwirtschaft: Ein Musterbeispiel ekelerregender Lobbyarbeit.
    Warum wird hier unterschlagen, daß die Mehrheit der europäischen Bevölkerung kein Gen-Sattgut haben möchte? Warum gibt es überhaupt eine Diskussion darüber?

    • MyBaum
    • 27.03.2009 um 13:08 Uhr

    Da es meistens um Mais geht, ist die Zahl der Betroffenen ohnehin sehr gering. Selbst im biologischen Landbau betreibt benutzt niemand eigenes Saatgut für die Folgesaison. Betroffen sind daher ohnehin nur die Saatgutproduzenten. Da Hybridsaat auf der Grundlage genetisch homogener Elternsorten produziert wird, müssen diese Populationen bestäubt werden. Bei der Produktion werden beide Sorten in Reihen gemischt.
    Da Maispollen nur wenige Meter weit fliegt (nicht 250m wie Seehofer suggeriert) bedarf es grober Nachlässigkeit oder Vorsatz, wenn GM-Pollen auf das Saatgutfeld gerät. Im Ökolandbau sind 40cm als Schutzabstand zwischen zwei Sorten vorgeschrieben um die Sortenreinheit zu gewährleisten!
    Im Unterschied zu den USA, wo das Transgen als Vorteil betrachtet wird, gilt in Deutschland, dass dies eine Verunreinigung ist. Eine "Seed Police" ist also undenkbar, da kein GM-Landwirt ein Interesse hat eine Verunreinigung nachzuweisen. Vielmehr gibt es in Deutschland bereits eine Ökofaschistische Schlägertruppe. (Anmerkung: Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Die Redaktion/jk)

    Antwort auf "Einmal"
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    an einer Verunreinigung hat, ist klar. Die Frage lautet aber ein wenig anders: Gibt es überhaupt eine gesetzliche Grundlage für ein juristisches Vorgehen gegen einen - ja, was? Angeblichen Patentverletzer? (Stichwort: §§ 9a-9c PatG) Oder ist die juristische Basis in good old Europe vielleicht doch etwas schmaler als im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

    an einer Verunreinigung hat, ist klar. Die Frage lautet aber ein wenig anders: Gibt es überhaupt eine gesetzliche Grundlage für ein juristisches Vorgehen gegen einen - ja, was? Angeblichen Patentverletzer? (Stichwort: §§ 9a-9c PatG) Oder ist die juristische Basis in good old Europe vielleicht doch etwas schmaler als im Land der unbegrenzten Möglichkeiten?

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