Soldaten in Afghanistan Endlose AlbträumeSeite 3/3

ZEIT: Was ist der Sinn dieser dauernden Wiederholungen?

Biesold: In der traumatischen Situation gibt es zu viele Sinneseindrücke, die man nicht verarbeiten kann: Eine Explosion ereignet sich – da sieht, hört, riecht schmeckt man irgendwas. Es entsteht ein Bild, das wir aufgrund der Kürze des Augenblicks und der fehlenden Information nicht vollständig abscannen können. Dennoch ist es irgendwo im Gehirn gespeichert, nur dem Bewusstsein nicht zugänglich. Durch die für Traumata modifizierte Verhaltenstherapie versucht man dieses Mosaikbild wieder zusammenzukriegen. Erst wenn das Bild vollständig ist, ist es auch verstehbar, und die Handlung kann psychisch zum Abschluss gebracht werden.

Anzeige

ZEIT: Kann der Therapeut diese Bewusstwerdung unterstützen oder beschleunigen?

Biesold: Es gibt eine seit 2006 auch bei uns offiziell zugelassene amerikanische Methode namens EMDR; das Kürzel steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing und ist keine eigenständige Therapie, sondern nur eine Technik. Der Therapeut bewegt dabei seine Hand unmittelbar vor den Augen des Patienten schnell hin und her. Die Augenbewegung bewirkt, dass die Bilder und Assoziationen des Patienten schneller entstehen. Wir wissen zwar immer noch nicht genau, warum das Verfahren so katalytisch wirkt, aber die Wirksamkeit als solche ist inzwischen in vielen Studien nachgewiesen.

ZEIT: Wie erfolgreich ist die Behandlung der Afghanistan-Traumatisierten insgesamt?

Biesold: Wir erreichen bei fast allen Patienten doch eine Verbesserung der Lebensqualität, auch wenn manche Soldaten – rund 30 Prozent – nicht mehr einsatzfähig sind.

Das Gespräch führte Sabine Etzold

Karl-Heinz Biesold ist als leitender Arzt der Abteilung Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie am Bundeswehrkrankenhaus in Hamburg tätig. Dort behandelt er regelmäßig Soldaten, die nach einem Einsatz an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden. Der 59-Jährige hat selbst an vier Auslandseinsätzen teilgenommen: in Bosnien, im Kosovo und zweimal in Afghanistan.

 
Leser-Kommentare
    • wpev
    • 26.06.2009 um 0:47 Uhr

    Nun... das geht doch recht simpel... das Trauma vermeiden!!!

    Es ging zunächst... und politisch versichert... um einen Wiederaufbau... dabei sind doch die Zerstörungen im Vordergrund! Und genau das können die in Afghanistan doch bestens allein, oder?

    Nun wird unverhohlen von Krieg gesprochen... der Verteidigungsminister droht Maßnahmen an... ist das wirklich erforderlich? Und vor allem... wen beeindruckt das schon?

    Wer zahlt... der deutsche Wähler, auch mit seiner Stimme???

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service