Sparkassen »Moralische Anstalt«
Drei Prominente erzählen, was sie mit der Sparkasse verbinden
Burkhard Spinnen
Ich war immer schon Sparkassen-Kunde. Zu meiner Geburt schenkte mir unsere Filiale ein Sparbuch mit fünf Mark Guthaben. Später bekam ich von dort die Spardosen. Eine davon hatte zwei Zahnreihen neben dem Schlitz: War eine Münze auch nur halb darin versenkt, gab die Büchse sie nicht mehr frei. Folgerichtig verführte ich Verwandte dazu, Fünfmarkstücke probehalber – und dann: Ätsch! Am Weltspartag trug ich die Büchse in die Filiale. Zur Gutschrift gab es ein dickes Lob. Die Sparkasse als moralische Anstalt! Sparkassen-Kunde zu sein war in Familien wie meiner selbstverständlich. Meine Eltern trugen die Erfahrung von zwei Geldentwertungen in sich. Nachvollziehbar, dass sie allenfalls denen vertrauten, die regional agierten und nicht (nur) auf den Profit bedacht waren. Den Filialleiter kannte man persönlich; unserer war Mitglied im Seniorensportverein meines Vaters. Eine Unregelmäßigkeit der Bank hätte er mit seiner sozialen Existenz bezahlt.
Sparkassen-Kunde zu sein ist eine der wenigen Selbstverständlichkeiten, die ich später in mein eigenes Leben übernommen habe. Freilich wurde es eine, um die ich (mit mir selbst) kämpfen musste. Als gegen Ende der achtziger Jahre erstmals nennenswerte Beträge auf mein Konto eingingen, war der Zeitgeist einer geworden, der dem Geld Beine machte und Flügel verpasste. Leute unter 30, die passabel verdienten, hießen Yuppies. Die Globalisierung hieß noch nicht so, doch es gab sie schon. Mein Geld sollte jetzt weltweit für mich »arbeiten«. Es zur Sparkasse zu tragen galt als beinahe schon debil. Ich versuchte den Wechsel – und schaffte ihn nicht. Dafür habe ich mich geschämt. Aber die Sorge um die Unbeständigkeit freilaufenden Geldes hatte ich wohl geerbt wie Nase und Haarausfall. Deshalb fällt es mir jetzt leicht, nicht zu triumphieren, sollte meine Sparkasse wie ein Fels im Sturm der Krise stehen. Ich habe mich ja nicht für sie entschieden, sie ist mir angeboren.
Burkhard Spinnen ist freier Schriftsteller in Münster
- Datum 22.05.2009 - 11:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 26.03.2009 Nr. 14
- Kommentare 7
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Da war doch Jung van Matt am Werke, oder? Virales Marketing und so... Aber sollte das ganze nicht als Anzeige deklariert werden?
Das ist so plump, da muss nicht mal "Anzeige" drüber stehen.
Aber ausgerechnet noch Jean-Remy von Matt redaktionellen Platz für einen sentimentalen Lobgesang auf die Sparkassen einzuräumen - das ruft beim Leser nur noch Kopfschütteln hervor.
Der Zusatz "Jung von Matt arbeitet für die Sparkassen" sollte wahrscheinlich Kritikern gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Aber es zeigt doch vielmehr, dass der Redaktion hier nicht mal mehr aufzufallen scheint, welchen Beigeschmack dieser Beitrag hervorruft.
Von anderen Zeitungen ist man Vergleichbares fast schon gewohnt. Aber von der Zeit hatte ich anderes erwartet...
Das ist so plump, da muss nicht mal "Anzeige" drüber stehen.
Aber ausgerechnet noch Jean-Remy von Matt redaktionellen Platz für einen sentimentalen Lobgesang auf die Sparkassen einzuräumen - das ruft beim Leser nur noch Kopfschütteln hervor.
Der Zusatz "Jung von Matt arbeitet für die Sparkassen" sollte wahrscheinlich Kritikern gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Aber es zeigt doch vielmehr, dass der Redaktion hier nicht mal mehr aufzufallen scheint, welchen Beigeschmack dieser Beitrag hervorruft.
Von anderen Zeitungen ist man Vergleichbares fast schon gewohnt. Aber von der Zeit hatte ich anderes erwartet...
Ach ja, die so wunderbare Sparkasse. Diese moralische Insitution, die Freunde und Bekannte zu fallenden Aktien und schlechten Investmentfonds beraten hat. Wirklich nen toller Laden...
Ja, wer prominent ist und/oder vermögend, der wird auch bei der Sparkasse noch als Kunde erkannt.
Für alle Nichtprominenten gilt das gleiche wie bei allen Banken: Wenn aus dir nichts mehr rausgepresst werden kann, wirste fallengelassen wie eine heisse Kartoffel.
Ich wüsste jedenfalls nicht, wo die Trennung zwischen Banken und Sparkassen verläuft. Gut, abgesehen von den Kontoführungsgebühren, da langt die Sparkasse zu, als gäbs keinen Morgen mehr. Mehr Service oder überhaupt Service gibts bei denen aber auch nicht.
Ich erwarte von einer seriösen Zeitung übrigens, dass sie offenkundige Werbung auch als solche kennzeichnet. Sind wir hier noch bei der Zeit oder doch schon bei BILD? Die vermischen nämlich auch gerne und nicht weniger offensichtlich redaktionelle Inhalte mit Werbung.
Der grösste Service-Vorteil der Sparkassen fällt Stadtmenschen, wie ich selbst einer bin, meist nicht auf: Das dichte Filialnetz, dank dem man selbst in kleinsten Dörfern noch eine Sparkasse findet. Und drinnen sitzen nicht bloss Selbstbedienungskonsolen, sondern richtige Menschen. Vergleichbar ist das allenfalls noch mit den Volksbanken.
Dass dieses Filialnetz Geld kostet und letztlich durch den Kunden über Kontoführungsgebühren und geringerer Rendite bezahlt wird, ist in meinen Augen verständlich und auch akzeptabel. Ob man sich nun für eine zinsstarke Direkt/Onlinebank oder eine relativ teure Sparkasse entscheidet, hängt eben nicht nur von der Familientradition, sondern auch von den persönlichen Bedürfnissen ab.
Der grösste Service-Vorteil der Sparkassen fällt Stadtmenschen, wie ich selbst einer bin, meist nicht auf: Das dichte Filialnetz, dank dem man selbst in kleinsten Dörfern noch eine Sparkasse findet. Und drinnen sitzen nicht bloss Selbstbedienungskonsolen, sondern richtige Menschen. Vergleichbar ist das allenfalls noch mit den Volksbanken.
Dass dieses Filialnetz Geld kostet und letztlich durch den Kunden über Kontoführungsgebühren und geringerer Rendite bezahlt wird, ist in meinen Augen verständlich und auch akzeptabel. Ob man sich nun für eine zinsstarke Direkt/Onlinebank oder eine relativ teure Sparkasse entscheidet, hängt eben nicht nur von der Familientradition, sondern auch von den persönlichen Bedürfnissen ab.
Der grösste Service-Vorteil der Sparkassen fällt Stadtmenschen, wie ich selbst einer bin, meist nicht auf: Das dichte Filialnetz, dank dem man selbst in kleinsten Dörfern noch eine Sparkasse findet. Und drinnen sitzen nicht bloss Selbstbedienungskonsolen, sondern richtige Menschen. Vergleichbar ist das allenfalls noch mit den Volksbanken.
Dass dieses Filialnetz Geld kostet und letztlich durch den Kunden über Kontoführungsgebühren und geringerer Rendite bezahlt wird, ist in meinen Augen verständlich und auch akzeptabel. Ob man sich nun für eine zinsstarke Direkt/Onlinebank oder eine relativ teure Sparkasse entscheidet, hängt eben nicht nur von der Familientradition, sondern auch von den persönlichen Bedürfnissen ab.
Das ist so plump, da muss nicht mal "Anzeige" drüber stehen.
Aber ausgerechnet noch Jean-Remy von Matt redaktionellen Platz für einen sentimentalen Lobgesang auf die Sparkassen einzuräumen - das ruft beim Leser nur noch Kopfschütteln hervor.
Der Zusatz "Jung von Matt arbeitet für die Sparkassen" sollte wahrscheinlich Kritikern gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Aber es zeigt doch vielmehr, dass der Redaktion hier nicht mal mehr aufzufallen scheint, welchen Beigeschmack dieser Beitrag hervorruft.
Von anderen Zeitungen ist man Vergleichbares fast schon gewohnt. Aber von der Zeit hatte ich anderes erwartet...
Was Herr von Matt mit der Sparkasse verbindet? Nichts, außer Business. Hätte er das auch in der Kürze geschrieben, wäre dem Zeit-Leser viel erspart geblieben. Was hier aufgetischt wird, ist reine PR. Dass viele Themen und Beiträge in unseren Zeitungen und Magazinen eigentlich von Werbeagenturen inszeniert werden, ist ja kein großes Geheimnis mehr. PR-Abteilungen schicken fein aufbereitete Informationsmappen à la „Wir hätten da eine interessante Geschichte für Sie“ an überarbeitete Journalisten und unterminieren damit subtil Journalismus, der eigentlich seriös sein möchte.
Subtil ist hier allerdings nichts. Ganz offensichtlich gibt DIE ZEIT Herrn von Matt ungeniert ausreichend Platz, den Jung von Matt-Kunden ordentlich zu pampern – wie es so schön in Werberdeutsch heißt. Nun mag das nicht unbedingt überraschend sein. Jedoch ist die Geschichte von der Goldbarren schleppenden Greisin, garniert mit generischen und inhaltslosen Floskeln wie „neue Standards setzen“, so daneben, dass es Zeit-Lesern wie Werbern gallig aufstoßen muss. Herr von Matt, ganz ehrlich: den Text müssen Sie nochmal überarbeiten. Oder noch besser: Liebe Zeit, verzichten Sie doch einfach auf Werbeeinnahmen dieser Art, denn der Leser als Kunde honoriert das sicher nicht mit Treue.
Es waren im Übrigen vor allem Sparkassen, die ihren Kunden Lehman Zertifikate angedreht haben. Da musste sich die Werbeagentur wohl etwas einfallen lassen um davon abzulenken.
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