Ich war immer schon Sparkassen-Kunde. Zu meiner Geburt schenkte mir unsere Filiale ein Sparbuch mit fünf Mark Guthaben. Später bekam ich von dort die Spardosen. Eine davon hatte zwei Zahnreihen neben dem Schlitz: War eine Münze auch nur halb darin versenkt, gab die Büchse sie nicht mehr frei. Folgerichtig verführte ich Verwandte dazu, Fünfmarkstücke probehalber – und dann: Ätsch! Am Weltspartag trug ich die Büchse in die Filiale. Zur Gutschrift gab es ein dickes Lob. Die Sparkasse als moralische Anstalt! Sparkassen-Kunde zu sein war in Familien wie meiner selbstverständlich. Meine Eltern trugen die Erfahrung von zwei Geldentwertungen in sich. Nachvollziehbar, dass sie allenfalls denen vertrauten, die regional agierten und nicht (nur) auf den Profit bedacht waren. Den Filialleiter kannte man persönlich; unserer war Mitglied im Seniorensportverein meines Vaters. Eine Unregelmäßigkeit der Bank hätte er mit seiner sozialen Existenz bezahlt.

Sparkassen-Kunde zu sein ist eine der wenigen Selbstverständlichkeiten, die ich später in mein eigenes Leben übernommen habe. Freilich wurde es eine, um die ich (mit mir selbst) kämpfen musste. Als gegen Ende der achtziger Jahre erstmals nennenswerte Beträge auf mein Konto eingingen, war der Zeitgeist einer geworden, der dem Geld Beine machte und Flügel verpasste. Leute unter 30, die passabel verdienten, hießen Yuppies. Die Globalisierung hieß noch nicht so, doch es gab sie schon. Mein Geld sollte jetzt weltweit für mich »arbeiten«. Es zur Sparkasse zu tragen galt als beinahe schon debil. Ich versuchte den Wechsel – und schaffte ihn nicht. Dafür habe ich mich geschämt. Aber die Sorge um die Unbeständigkeit freilaufenden Geldes hatte ich wohl geerbt wie Nase und Haarausfall. Deshalb fällt es mir jetzt leicht, nicht zu triumphieren, sollte meine Sparkasse wie ein Fels im Sturm der Krise stehen. Ich habe mich ja nicht für sie entschieden, sie ist mir angeboren.

Burkhard Spinnen ist freier Schriftsteller in Münster