Auszeichnung Eine Frau, ein Plan

Katja Windt ist Professorin für Produktionslogistik und bekam als erste Frau den Titel "Hochschullehrer des Jahres" verliehen. Das Protokoll eines langen Tages

In der Logistik geht es darum, dass etwas oder jemand zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist. An diesem Morgen geht es auch für Katja Windt zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Katja Windt ist 39 Jahre alt, Professorin für globale Produktionslogistik an der Jacobs University Bremen und als solche Hochschullehrerin des Jahres 2008. Das Optimieren von Abläufen ist ihr Beruf. Heute ist wieder so ein Tag, an dem die dreifache Mutter ihre beruflichen Fähigkeiten im Alltag nutzen kann.

Die zierliche Frau im schwarzen Kostüm eilt mit festen Schritten über den Campus, so schnell, dass es schwerfällt, mit ihr mitzuhalten. »Der Tag ist wieder vollgepackt: Erst das Seminar, dann der Gastvortrag des Kollegen aus Duisburg, das Meeting bei EADS – diese Termine stehen. Dann vielleicht noch der Kinderarzt, das muss ich noch planen«, sagt sie im Gebäude und ist auch schon die Hälfte der Treppe hochgehastet. »Meinen Studenten bringe ich immer bei, dass Pünktlichkeit eine der logistischen Zielgrößen ist«, erklärt sie den Grund ihrer Eile, »da kann ich schlecht zu spät kommen.«

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Seit einem Jahr lehrt Windt an der privaten Jacobs University im Norden Bremens. Sie ist eine der wenigen Frauen, die sich in der Männerdomäne Maschinenbau ganz nach oben gearbeitet haben. Als der Deutsche Hochschulverband im November letzten Jahres ihr als erster Frau den Titel »Hochschullehrer des Jahres« verlieh, wurde in der Laudatio ihre »wichtige Vorbildfunktion« gerühmt, durch die sie andere Frauen ermutige, Ingenieurwissenschaften zu studieren.

Gut ein Drittel der 36 Studenten, die an diesem Morgen im Seminar von Frau Windt noch ein wenig schläfrig ihre Laptops aufklappen, sind Frauen. »Leider legen die meisten Frauen später den Schwerpunkt ihres Logistikstudiums mehr auf Betriebswirtschaft als auf die Ingenieurwissenschaften«, sagt sie. »Die Frauen müssen es endlich wagen, in diesen Bereich hineinzugehen. Aber es fehlen wahrscheinlich immer noch die Vorbilder und Netzwerke.«

Die fehlten erst recht vor gut 20 Jahren, als Windt in Hannover ihr Maschinenbaustudium begann. Im Hörsaal saß sie dort als eine von zehn Frauen unter 600 Männern. Auch bei ihren späteren Stationen, sei es während ihres Auslandsstudiums am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston oder als Abteilungsleiterin an der Universität Bremen – das Kräfteverhältnis zwischen den Geschlechtern blieb immer ähnlich. »Unter all den Männern habe ich mich manchmal gefühlt wie ein Exot, aber ich habe nie empfunden, dass ich als Frau nicht ernst genommen werde«, erzählt sie. Auch heute ist sie im Logistikteam an der Jacobs University die einzige Frau unter Männern. Damit sich das ändert, geht sie auch an Schulen, um Interesse für den Ingenieursberuf zu wecken.

Das Seminar an diesem Morgen ist längst zu Ende, doch eine Gruppe von Studenten hat noch Fragen. Katja Windt nimmt sich Zeit, hört zu und spurtet dann weiter zum Gastvortrag ihres Kollegen aus Duisburg. Danach ein kurzes Händeschütteln, schnell zum Auto, Kindersitz in den Kofferraum stopfen, Mitarbeiter auflesen – der Zeitplan ist eng.

Während sie den Wagen zum nächsten Termin steuert, erzählt sie von den vielen Ideen und Projekten, die sie neben Vorlesungen, Seminaren, Klausuren und Studentenbetreuung umtreiben. Sie erzählt von den »selbststeuernden Objekten«. Von Waren, die sich selbst steuern, die mit dem Regal oder der Maschine in einer Fertigung per Funkchip kommunizieren. Diese Idee erlaubt es, mit der Komplexität in logistischen Prozessen besser umzugehen, und das Produktionssystem ist weniger anfällig für Störungen. Sie erzählt davon, wie sie gemeinsam mit einem Musikwissenschaftler versucht, Produktionsdaten hörbar zu machen. »Der Mensch hört mehr von seiner Umwelt, als er sieht«, sagt sie. Die Methode könnte die Produktionssteuerung verbessern.

Sie erzählt nicht, dass sie 2008 den Alfried-Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer bekommen hat, mit einer Million Euro einer der höchstdotierten Preise für Nachwuchsforscher in den Natur- und Ingenieurwissenschaften, und sie erwähnt auch nur beiläufig, dass sie Mitglied der Jungen Akademie ist, einer Gruppe von 50 hochkarätigen Nachwuchsforschern der unterschiedlichsten Fakultäten.

Leser-Kommentare
    • Anonym
    • 03.04.2009 um 15:24 Uhr

    Frau Windt hat sicherlich in ihrem Fach herausragende Fähigkeiten. Dies lässt sich nicht nur daran erkennen, dass sie MIT besucht hat und sich in der Produktionslogistik habilitieren konnte. Nein, ein dritter Grund, welcher den beiden anderen vorgelagert ist und den man aus dem Artikel klar herauslesen konnte, ist der, dass sie sich für ihr Fach INTERESSIERT - und ihre Leistungen folglich auch ohne "Vorbilder und Netzwerke" erreichen konnte.

    Und da haben wir auch schon den zentralen Widerspruch, welcher in diesem gendermotivierten Artikel auftritt, und zwar am deutlichsten an folgender Stelle:

    Die fehlten erst recht vor gut 20 Jahren, als Windt in Hannover ihr Maschinenbaustudium begann. Im Hörsaal saß sie dort als eine von zehn Frauen unter 600 Männern. Auch bei ihren späteren Stationen, sei es während ihres Auslandsstudiums am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston oder als Abteilungsleiterin an der Universität Bremen – das Kräfteverhältnis zwischen den Geschlechtern blieb immer ähnlich. »Unter all den Männern habe ich mich manchmal gefühlt wie ein Exot, aber ich habe nie empfunden, dass ich als Frau nicht ernst genommen werde«, erzählt sie. Auch heute ist sie im Logistikteam an der Jacobs University die einzige Frau unter Männern. Damit sich das ändert, geht sie auch an Schulen, um Interesse für den Ingenieursberuf zu wecken.

    An diesem Absatz lässt sich folgendes erkennen:
    - Wie erwähnt, hat sie keine Vorbilder für ihren Aufstieg gebraucht.
    - Sie wurde stets "ernst genommen". Dies deutet darauf hin, dass es keine "hinderlichen Machtstrukturen" gibt, gegen die man sich als Frau mit "Netzwerken" wehren müsse.
    - Das "Kräfteverhältnis der Geschlechter" (welch unsäglicher Kampfbegriff) sei immer gleich geblieben. Dies deutet darauf hin, dass auch der Feminismus der letzten 30 Jahre nicht gegen grundliegende Unterschiede in den Präferenzen angekommen ist. Wenn man bedenkt: in sprach- und kommunikationswissenschaftlichen Studiengängen ist das Verhältnis genau andersrum (geblieben), wobei die Frauen, die in den 70er Jahren zuhauf diese Fächer belegten, ebenfalls keinerlei weibliche Vorbilder hatten.

    Mein Fazit: ich wünsche Frau Windt alles gute für ihre berufliche Zukunft und weiterhin Durchhaltevermögen bei der Vereinigung von Beruf und privatem. Schließlich braucht Deutschland Ingenieure ihrer Kompetenz durch Motiviertheit. Sollte ihr allerdings genau an der Behebung dieses Fachkräftemangels gelegen sein und nicht stattdessen am blanken Egalitarismus, sollte sie den unterstellten grundsätzlich unterschiedlichen Präferenzen Rechnung tragen. Da ist es auch nicht nötig, jene Trends, wonach Frauen ihres Fachs später zur BWL tendieren, mit einem "leider" zu versehen. Schließlich kann man diesen als mündigen erwachsenen Studentinnen unterstellen, dass sie ihre Wahl aus dem gleichen Grund treffen, wie Frau Windt damals: ganz einfach, weil sie "Bock drauf haben"! Folglich meine ich, dass die Professorin, wenn ihr tatsächlich daran gelegen ist, Deutschland mit mehr Ingenieurskompetenz zu versehen, nicht deshalb in die Schulen gehen sollte, um hinterher vielleicht zu erreichen, dass sie "nicht mehr die einzige Frau im Logistik-Team" ist, sondern um zu versuchen, STUDENTEN (M/W) GLEICHERMAßEN ZU MOTIVIEREN. Das wäre eine wesentlich sinnvollere Investition ihrer großen, aber bereits breit gestreuten Energie.

    Nebenbei: unter Beobachtung der egalitaristischen Bestrebungen jenseits einschlägiger Medien, welche von politischen Institutionen ausgehen, bin ich stark geneigt, die Überschrift wie folgt zu erweitern:

    "Eine Frau, ein Plan - ein Gender Mainstreaming, eine Planwirtschaft!"

  1. Es wäre gut gewesen, in dem Beitrag auch etwas Klarheit darüber zu schaffen, _was_ _von wem_ genau mit einem Preis als Hochschullehrerin des Jahres eigentlich ausgezeichnet wird. Ich will Frau Windts Qualifikation im Allgemeinen ja nicht bewerten und kann mir hier auch gar kein abschliessendes Urteil erlauben, bin aber nach einem Blick auf ihre Publikationsliste im Speziellen etwas irritiert. Herausragendes scheint mir hier - zumindest soweit es anhand der Journals & Konferenzen zu erkennen wäre - nicht unbedingt zu finden sein. Ob dies nun das entscheidende Kriterium für Exzellenz im Professorenjob ist, ist natürlich wiederum diskutabel...

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