Insolvenzen Mehr Masse als Klasse
Wenn die Pleitewelle rollt, freut sich nur einer: Der Insolvenzverwalter. Doch dieser Berufsstand wird in Deutschland seiner Aufgabe nicht gerecht
Wenn es in der deutschen Wirtschaft mit rechten Dingen zuginge, müsste Klaus Pannen in diesen Wochen in Arbeit ertrinken. Der Mann ist Spezialist für Bankenpleiten. Ein Profi, der im Laufe von 27 Berufsjahren eine ganze Reihe von Kreditinstituten pietätvoll beerdigt hat: die Fischer-Bank in Hamburg, die Gontard & Metallbank in Frankfurt, zuletzt die Weserbank in Bremerhaven. Aber weil in Deutschland neuerdings keine Bank mehr untergehen darf, gibt es für Klaus Pannen auf seinem Spezialgebiet nichts mehr zu tun.
Der Hamburger Rechtsanwalt muss sich trotzdem keine Sorgen machen, dass er bald die Miete nicht mehr zahlen könnte für sein mit dunklem Edelholz ausgekleidetes Eckbüro, welches ihm einen Ausblick auf die Alster und den Rathausmarkt bietet. Auch die Gehälter der 44 Mitarbeiter, die Pannen in seiner Kanzlei mit drei weiteren Standorten in Deutschland beschäftigt, sind sicher.
Klaus Pannen ist ein Profiteur der Wirtschaftskrise. Er ist Insolvenzverwalter, Pleiten sind sein Geschäft. »Wir merken die Krise an einer Zunahme der Aufträge«, sagt er hanseatisch zurückhaltend. Freude zeigen ist nicht erlaubt.
Pannens Job ist es, von einem Tag auf den anderen die Regie in Unternehmen zu übernehmen, denen das Geld ausgegangen ist und die ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Mal ist er Abwickler und Totengräber, mal Retter und Sanierer. Nicht selten beides zugleich.
Die Schieder-Möbelwerke zum Beispiel, das Stammwerk eines großen europäischen Konzerns mit Hauptsitz im westfälischen Schieder-Schwalenberg, hat Pannen zwischen Sommer 2007 und Frühjahr 2008 geführt, saniert und schließlich verkauft. Die Arbeitsplatzbilanz ist nicht schlecht. Von 400 Mitarbeitern verloren 150 ihren Job, aber es gab auch 50 Neueinstellungen. Wenn alle Insolvenzen so ausgingen, wäre die aktuelle Wirtschaftskrise weniger bedrohlich.
»Wir haben das beste Insolvenzrecht der Welt«, sagt Konkursprofi Wilhelm
Das Land steuert auf eine neue Pleitewelle zu. Im vergangenen Jahr gingen in Deutschland 29.300 Unternehmen in Konkurs, in diesem Jahr werden es nach einer Prognose der Wirtschaftsauskunftei Creditreform bis zu 35.000 werden. Und das ist eher konservativ geschätzt.
Während die Megapleite des Jahres 2008 die eines sehr jungen Unternehmens war – die des Postdienstleisters Pin –, sind es im laufenden Jahr altbekannte Traditionsfirmen wie Märklin, Schiesser und Rosenthal, die zum Gericht gehen und ihre Zahlungsunfähigkeit zu Protokoll geben. Noch auf der Kippe stehen Industrieriesen wie Opel und Schaeffler.
In der Finanzkrise blicken überdies zunehmend Unternehmen in den Abgrund, die im Kern gesund sind, deren Märkte aber mit plötzlicher Wucht eingebrochen sind oder denen die Kreditinstitute mit einem Mal kein Geld mehr leihen. Oft kommt beides zusammen.
- Datum 29.05.2009 - 18:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 02.04.2009 Nr. 15
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Das Spekulationskartell
man sollte sich darüber im klaren sein, dass nach der inzwischen allseits bekannt gewordenen Spielbankenmethode, mit welcher die zu Glückspiel- und Zockervereinigungen verkommenen Banken - Privatbanken wie wohl auch öffentlich-rechtliche Banken - welche die Mehrheit ihrer gutgläubigen und naiven Kunden um Multimilliardenbeträge betrogen haben, nun auch die Eigenkapitaldiebstahlmethode der breiten Öffentlichkeit vertraut gemacht wird.
Dabei sind im wesentlichen die Unternehmen betroffen, die von Investoren genannten Unternehmenshandelsspekulanten okkupiert wurden. Übrigens ist einer der begeistertsten Befürworter dieses Unternehmenshandels ein gewisser Herr Gerhard Schröder, der mit der Hilfe seiner eloquenten Knappen Peer Steinbrück, Hans Eichel und Franz-Walter Steinmeier so gut wie alle Einfallstore für den Einfall der Eigenkapitaldiebe in die deutschen Produktionsunternehmen geöffnet hat. Hier nur der Hinweis auf das MoRaKG, die damit verknüpften Steuerbegünstigungen und teils sogar Steuersubventionen, die den sogenannten Private Equity Unternehmen zugeschanzt wurden, damit ihre Beutezüge in Deutschland auch wirklich richtig profitabel wurden.
Ob dabei persönliche Interessen des Herrn Schröder aufgrund von Verbandelungen mit Veranstaltern von Glücksspielsystemen des Typs Investmentfonds eine Rolle spielten, ob rechtliche Grenzen immer hinreichend respektiert wurden oder nicht, das liegt alles im Bereich der Spekulation, so wie die gesamte Investitionsbankenwirtschaft auf Spekulation gegründet ist.
Die Mehrheit der in 2009/2010 in den Bankrott treibenden Unternehmen in Deutschland, werden Unternehmen sein, die von Investitionsspekulationsfirmen mit dem Instrument des leveraged buyouts übernommen wurden, d.h. mit meistens 100%iger Fremdfinanzierung. Im System dieser Spekulationsmethode steht die Ausschleusung der Eigenkapitalsubstanz aus den übernommen Unternehmen und die Übertragung dieser Vermögenswerte auf das Private Equity Unternehmen. Die ihres Eigenkapitals beraubten Unternehmen wurden mit Fremdkrediten derart überladen, dass eigentlich so etwas wie eine Insolvenzsituation geschaffen wurde, die nur mit extrem verschachtelten und winkeladvokatorischen Konstruktionen noch im Bereich der theoretisch-formalen Legalität zu halten waren.
Aufgrund der extremsten Anspannungen der Liquiditätssituation in diesen Unternehmen, ist bei einer zu erwartenden, hinreichend negativen Geschäftsentwicklung zu erwarten, dass der Insolvenzfall eintritt, weil der sogen. Cash-Flow nicht mehr ausreicht, um die fälligen Fremdkredite zu bedienen. Angesichts der prekären Bankensituationen ist nicht damit zu rechnen, dass eine besonders ausgeprägte Nachgiebigkeit bei der Nichtbedienung der Kreditverbindlichkeiten dieser im Besitz von Private-Equity-Investoren befindlichen Unternehmen zu erwarten ist.
Diese zu erwartende Insolvenzlawine ist ursächlich auf die Finanzspekulations-wirtschaftsentwicklungs- und Förderungspolitik der Koalition Schröder-Fischer zurückzuführen. Dass weite Kreise der Parlamentarier der FDP und der CDU/CSU dieser massive Produktionswirtschaftszerstörungspolitik der Gruppe Schröder zugestimmt haben, bindet diese Spekulationswirtschaftsinsurgenten in die gesamtgesellschaftliche Verantwortung unabdingbar ein.
Es ist an der Zeit über die Problematik der Kapitalkonzentration im Besitz einer extremen Privatvermögensminderheit einen öffentlichen Diskurs zu beginnen und die Agitation und Propaganda solcher Lobbyorganisationen wie der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft als solche transparent zu machen. Wenn es uns nicht gelingt, dieser ruinösen Politik der Etablierung eines neuen Finanzspekulationsfeudalismus ein Ende zu bereiten, dann werden wir erleben, wie unsere gesamten Gesellschaftsstrukturen derart zerbrechen, dass uns allen noch Hören und Sehen vergehen wird.
Gehen Sie zu ihrem Bundestagskandidaten und fragen Sie ihn nach den Gründen, die zu dieser Politik im Deutschen Parlament führten / führen. Wenn Sie weitere Informationen brauchen, schauen sie nach bei: www.lobbycontrol.de und www.transparency.de und lesen sie einfach einmal ein kleines Büchlein: „Wir sind besser, als wir glauben – Wohlstand für alle“ von Peter Bofinger – ISBN-10: 3-499-62107-X.
Und damit Sie sich nicht länger von den Propagandisten, Agitatoren und von einschlägigen Organisationen „bezahlten Experten“ verladen lassen müssen, lesen Sie doch einfach selbst bei Ludwig Erhard nach, was „Marktwirtschaft“ in Wirklichkeit ist. http://www.ludwig-erhard-...
PS: Lesen Sie speziell auf der Seite 211 nach, was Erhard zum Thema "Lohnerhöungen" schreibt und lassen Sie es sich auf Ihrer Zunge zergehen.
Das Buch ist sogar umsonst, direkt von der Quelle und ein Kernbeitrag zum Kulturerbe Deutschlands.
Experience is the only way to understand.
aber das schöne Zitat aus dem Artikel, betreffend die Firma Märklin:
"Auch wenn ein großer Teil der Verluste durch Beraterhonorare verursacht wurde..."
ist wirklich zu schade, um sang- und klanglos zu verschwinden.
Mene mene tekel uphasin.
Erhalten die Richter der Insolvenzgerichte Insolvenzpläne auf Pennälerniveau (Habermas), die ganz offenbar nicht imstande sind, das notwendig Wissenschaftliche (Durkheim) eines solchen Plans einzuholen, sabotiert dies offen die judikative Gewalt. Weil selbst so genannte Stars der Branche der Insolvenzverwalter keine akademischen Grade besitzen und nahezu ausschließlich Rechtsanwälte sind, gefährden sie systemisch äußerst geltendes Insolvenzrecht. Gegenwärtig vereiteln daher Insolvenzverwalter eine wirksame Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vielmehr und lassen sich dieses verwerfliche Tun im Gegenzug sogar noch reichlich entgelten.
Insolvenzverwalter, die nicht sauber arbeiten und sich zuerst bereichern wollen, gibt es leider deutlich mehr als man denkt.
Ich persönlich kenne zwei, einen würde ich als dubios einstufen, den anderen als Betrüger.
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