Etikettenschwindel ist das Letzte, was man diesem Film vorwerfen könnte. Schon vor der ersten Szene schleust der Titel, ein Hybrid aus religious und ridiculous, das Leitmotiv einer hundertminütigen Verunglimpfung des Glaubens ein. Und weil Larry Charles Regie führt, der vor drei Jahren Borat in Szene setzte, ist die geistige Nähe zur politisch inkorrekten Anarchie nicht weit. Von der ersten Minute an betrachtet Religulous monotheistische Religionen als gewalttätig, mörderisch, verlogen – ganz gleich, ob Judentum, Christentum oder Islam. Das ist ein alter Hut; völlig schief sitzt er bekanntlich nicht – dem geschliffenen Besteck der aufgeklärten Vernunft halten jungfräuliche Empfängnis, Wasserwandel und Zehn Gebote nicht wirklich Stand.

In der Absicht, Beweise für die Existenz Gottes und seiner Wunder zu finden, reist der ehemalige Stand-up-Komiker und Late-Night-Talker Bill Maher, atheistischer Sohn einer Jüdin und eines Katholiken, nach Israel, England, Italien, in die Niederlande und quer durch die »christliche Nation« USA. Wir sehen Maher im Auto sitzen und hören ihn während der Fahrten über Kindheit, Jugend und seine Sicht der Dinge Gottes räsonieren. Und natürlich sehen Pfarrer Joe Copeland und seine Gemeindemitglieder, die Maher in der Truckerkapelle von Raleigh in North Carolina als Erstes aufsucht, denkbar schlecht aus, wenn es um den Beweis für die jungfräuliche Empfängnis geht. Schnell wird klar, dass Maher sich an der verzweifelten Selbstentlarvung jener teils schlichten Gemüter delektiert, die das Glaubensbekenntnis zur metaphysischen Grundlage ihrer Existenz gemacht haben. Er beleidigt oder attackiert niemanden. Er heimelt sich an und stellt dann unerschrocken Fragen, die jeden Christen in Bedrängnis bringen: Warum lässt euer Gott Krieg und Auschwitz zu? Warum sind »Du sollst Kinder nicht missbrauchen«, »Du sollst nicht foltern« und »Du sollst nicht vergewaltigen« keine christlichen Gebote? Warum wird die Welt regiert von moralischen Prinzipien aus der späten Bronzezeit? Höhepunkt ist ein Besuch bei Mark Pryor, dem demokratischen Senator des US-Bundesstaats Arkansas. Pryor, ein evangelikaler Christ, hat größte Probleme, vernünftig auf die Sache mit der Evolution zu antworten und lässt sich zu dem Satz hinreißen: »Um Senator zu werden, müssen Sie keinen IQ-Test bestehen.«

Nur: Ist die Haltung, dem Glauben nicht zu glauben, nicht auch nur ein Glaube? Das Heiterste an diesem Abgesang auf den irrationalistischen Regress der Bush-Ära ist das ansteckende Lachen von Maher selbst. Ein Lachen, das sich nach der gezielten Desavouierung wie eine Erlösung entlädt. Religulous ist das prototypische Produkt einer Zyniker-Guerilla, welches an den klamaukischen Anarchismus von Borat lange nicht heranreicht, in seiner ätzenden Inquisitions-Attitüde aber streckenweise höllisch kurzweilig ist.