re:publica 2009 Wie schön, wenn jemand blättertSeite 2/2

Was haben die Menschen vor einem Jahrzehnt in der Berliner U-Bahn getan? Außer mitzufahren. Von Massentransport kann heute keine Rede mehr sein, jeder ist hier ein Individuum. Kaum ein Ohr ohne Knopf. Oft stecken sie in einem MP3-Player, mal in einem von Apples iPhones. Typische Bewegung in der U-Bahn: Fußwippen.

Berlins Untergrund ist mit einer Menge kleiner Mobilfunkstationen ausgestattet. Sie übergeben einander bei rasender Fahrt die Fahrgäste, die von alldem wenig merken. Nur wenn ihr Telefongespräch einmal plötzlich abbricht, die SMS oder E-Mail nicht losgeschickt wird. Dann gibt es genervte Gesichter.

Alle reisen gemeinsam, aber jeder ist für sich im Netz, in Gedanken weit weg vom Sitznachbarn. Und weit weg von Kontrolleuren, Straßenzeitungsverkäufern, unvermittelt lossingenden Musikern, die auf Kleingeld aus sind. Man muss dann nur etwas lauter drehen und noch fester auf das kleine Display seines Blackberrys schauen. Wer kein mobiles Internetgerät dabeihat, konzentriert sich auf die Werbewiederholungsschleifen der U-Bahn-Bildschirme.

Wer sich dem Digitalen noch nicht zugewendet hat oder sich schon wieder von ihm entfernt, kann zur Zeitung greifen: Das "Berliner Format" der am Ort erscheinenden Blätter ist handlicher als das "Nordische Format" der großen Zeitungen aus Hamburg und München. Ach, wie schön, wenn jemand blättert, statt immerfort nur zu tippen und zu klicken.

 
Leser-Kommentare
  1. ... wenn die Web-2.0-Blase platzt. 2 Jahre gebe ich ihr noch.

  2. ... feed the troll, ThFuegner ;-)

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