Nato-Gipfel

Wir sind Europameister

Deutsche Kaufleute des Todes exportieren Waffen im Wert von fast neun Milliarden Euro. So manche Lieferung landet am Ende in Krisengebieten – die große Politik interessiert das jedoch nicht

Ein für die chilenische Armee bestimmter Panzer vom Typ Leopard 2A4 wird im Werk des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann präsentiert (Archivbild vom November 2007)

Ein für die chilenische Armee bestimmter Panzer vom Typ Leopard 2A4 wird im Werk des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei Wegmann präsentiert (Archivbild vom November 2007)

Soll man sich über diesen Titel freuen? 2007 wurde in Deutschland die Ausfuhr von Kriegswaffen im Wert von 8,7 Milliarden Euro genehmigt – damit waren die Deutschen Europameister unter den europäischen Kaufleuten des Todes. Krauss-Maffei Wegmann schickte Panzer in alle Welt, ThyssenKrupp machte mit Kriegsschiffen gute Geschäfte, EADS lieferte Hubschrauber, Rheinmetall Munition, Diehl Rüstungselektronik und Heckler & Koch Gewehre. Gegenüber 2006, schreibt die Gemeinsame Konferenz Kirche und Entwicklung (GKKE) in ihrem letzten Rüstungsexportbericht, sei der Wert der von der Bundesregierung erteilten Genehmigungen um etwa eine Milliarde Euro gestiegen – und damit um 13 Prozent.

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Deutschland ist damit der drittgrößte Waffenlieferant der Welt, nach den Vereinigten Staaten und Russland und vor den Exporteuren aus Frankreich und Großbritannien. Die Liste ausländischer Kunden deutscher Rüstungsgüter umfasst inzwischen 126 Staaten – allein 45 Nationen wurden 2007 mehr als 10000 Maschinenpistolen versprochen, 34 Länder bekommen 19014 Sturmgewehre. Rund ein Zehntel des weltweiten Rüstungshandels, schätzt das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri, entfällt mittlerweile auf deutsche Firmen. Amerikaner sind für ein knappes Drittel, Russen für ein Viertel des globalen Waffengeschäfts verantwortlich.

Die Sipri-Zahlen beziehen sich dabei nur auf die offiziell genehmigten Exporte – was darüber hinaus auf verschlungenen Kanälen heimlich beim Kunden landet, wird naturgemäß nirgends registriert. Aber auch die autorisierten Ausfuhren machen Kritikern zunehmend Sorge. Laut GKKE sind 2007 Lieferungen deutscher Waffen in instabile Regionen und Länder am Rande eines Krieges genehmigt worden – in die nach dem Rüstungsexport-Verhaltenskodex der Europäischen Union eigentlich keine Rüstungsgüter geschickt werden dürften. Ein Beispiel dafür ist, dass die Bundesregierung eine Anfrage Pakistans, drei U-Boote in die Krisenregion zu liefern, positiv beschieden hat. Dies zu genehmigen – und mit einer Hermes-Bürgschaft in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro abzusichern – überschreite eine durch die Rechtslage und internationale Vereinbarungen gezogene Grenze, schreibt die GKKE in ihrem Rüstungsbericht.

Ähnliches gilt nach Angaben des deutschen Rüstungsexperten Marc von Boemken auch für die Exporte von Leopard-Panzern nach Chile, von Spürpanzern in die Vereinigten Arabischen Emirate oder von G36-Sturmgewehren nach Saudi-Arabien. »Besondere Interessen« seien bei diesen Geschäften nicht zu erkennen, sagt von Boemken, der für das Bonner Internationale Konversionszentrum (BICC) die deutsche Rüstungspolitik beobachtet – »und rein wirtschaftliche Argumente dürfen auch nicht zählen«.

Vollends undurchsichtig werden die Folgen der deutschen Genehmigungspraxis bei den sogenannten »Sammelausfuhrgenehmigungen«, die 2007 einen Wert von mehr als fünf Milliarden Euro erreichten. Mit ihnen bekommen deutsche Firmen für die Lieferung von Vorprodukten für Rüstungsunternehmen aus Nato- oder EU-Staaten quasi einen Blankoscheck. Dabei weiß niemand so richtig, wohin die fertigen Kriegsgüter dann letztlich verkauft werden. Sicher ist jedoch, dass in israelischen Waffen, die wie der Merkava-Kampfpanzer während des Gaza-Kriegs zum Einsatz kamen, deutsche Teile stecken. Auch die Lizenzvergabe zum Nachbau deutscher Waffen im Ausland macht Probleme. So kann die Bundesregierung bis heute nicht erklären, wie G36-Gewehre in die Hände georgischer Truppen gelangen konnten, die sie während des russisch-georgischen Kriegs im Sommer 2008 einsetzten. Mordende Milizen in Darfur sind mit G3-Gewehren ausgerüstet. Wahrscheinlich stammen sie aus dem Iran, der schon vor 40 Jahren eine Lizenz zum Bau der von Heckler & Koch entwickelten Waffe erhalten hatte.

Rheinmetall und sein neuer Partner könnten nun ein »komplettes Produktportfolio« anbieten, schrieb die Presseabteilung des deutschen Rüstungsherstellers, nachdem das Unternehmen im vergangenen Sommer den südafrikanischen Produzenten Denel Munition übernommen hatte: gut für die Firma, die wie alle Kriegswaffenhersteller von einem wieder wachsenden Markt profitieren kann. Seit 1997 sind die globalen Ausgaben für das Militär, so Sipri, um knapp 40 Prozent gestiegen.

Gut aber auch für Deutschlands weltweite Reputation? Am 18. Dezember 2008 diskutierte das Parlament in Berlin zum ersten Mal seit drei Jahren über den jährlichen Rüstungsexportbericht der Bundesregierung. Das Hohe Haus gab sich dafür etwa eine halbe Stunde Zeit, kurz vor Mitternacht.

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Leser-Kommentare

    • 03.04.2009 um 10:42 Uhr
    • kkr

    natürlich interessieren deutsche Politiker die Waffenexporte. Aber nicht nur wohin, sondern auch wieviele. Und der beste Absatzmarkt sind halt Krisengebiete.

    PS: diese zur Schau gestellte Naivität ist einfach nur peinlich

  1. Es erfordert keine sonderlich ausgefeilten dialektischen Fähigkeiten, um das Arbeitsplatz-Argument zur Verteidigung von buchstäblich *allem* passend zu machen. Auch Gulags schaffen schließlich Arbeitsplätze -- Wachpersonal, Infrastruktur, Catering...

    Symptom einer perversen Weltsicht, in der nicht die Wirtschaft für den Menschen, sondern der Mensch für die Wirtschaft existiert. Das ist zwar ebensowenig neu wie irgendetwas anderes dieser Tage, aber die Neue Dreistigkeit ist doch irritierend.

    Sollte nun allerdings irgendwann verlangt werden, dass strauchelnde Rüstungsfabrikanten mit unseren Steuergeldern gerettet werden sollen, werde ich nach Liechtenstein umziehen.

  2. Mag vielleicht drastisch klingen - aber ob wir 1/10 der Waffenexporte tätigen oder die USA 1/3 + 1/10 tut nur eines zur Sache: Inwiefern wir wirtschaftliche Erfolge für uns verbuchen können oder nicht. Der Artikel merkt an, dass die Dunkelziffern, also schwarze Exporte gar nicht erst erfasst werden können. Dieser Schwarzhandel findet in völlig anderen Dimensionen statt.

    Und um nicht zu sehr abzuschweifen - nur weil Deutschland keine Waffen mehr exportiert, wäre die Welt nicht befriedet. Solchen simplen Gedankengängen sollte man abschwören und der Realität ins Auge blicken.

    Wirtschaftlich betrachtet ist die Waffen- und deren Zulieferindustrie ein großer Wirtschaftszeig in Deutschland - und die muss immerhin nicht mit Steuergeld subventioniert werden wie andere. Wenn wir schon dermaßen von moralischen Bedenken geplagt sind, sollten wir vielleicht die Wirtschaft generell aufgeben und zum Jagen und Sammeln zurückkehren - dann natürlich mit Steinen und Stöckern und nicht mit Waffen.

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    Vielleicht freut es sie,   Herostratos R.I.P

    wenn ein Quantum Zustimmung aus den endlosen Weiten des Netzes unter ihren Kommentar findet.
    Der Intellektuelle der heutigen Zeit verbringt seine Zeit mit Gesellschaftskritik, weil er glaubt, zu einem Gremium zu gehören, dass weiß, wie die Dinge wirklich sind. Und in seiner Eigenschaft als würdiger Aufklärer muss er seine Erkenntnisse in affektiert schockierter Erkenntnishaltung vorbringen, z.B. dass Deutschland Waffen verkauft und dass Waffen schlimm und in den Händen Anderer noch viel schlimmer sind.
    Dabei merken unsere wackeren Aufklärer und Kommentareschmiede leider nicht, dass der Spalt, der sie vom maulenden Kleingeist trennt... nun ja, das wäre ähnlich polemisch.

  3. Ihr lieben Journalisten habt ja Arbeitsplätze... mal ehrlich... Kaufleute des Todes. Denkt mal über Eure Wortwahl nach. Das ist Bildzeitungniveau! Sehr peinlich, liebe Zeit.

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    Was soll...   AnaisAnais

    ...daran peinlich sein? Stimmt doch. Kurz, knapp und schonungslos auf den Punkt gebracht. Wer mit Waffen handelt, handelt mit dem Tod.

  4. ...daran peinlich sein? Stimmt doch. Kurz, knapp und schonungslos auf den Punkt gebracht. Wer mit Waffen handelt, handelt mit dem Tod.

    Antwort auf "peinlich peinlich"
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    Nein...   patrickx

    (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) Das ist dasselbe Niveau wie die Killerspiel-Diskussion. Beherrscht von Leuten, die keine Ahnung haben und populistische Reden schwingen, so wie der Wind grad weht.

    Wir können der Bundeswehr ja Holzknüppel geben, damit können sie dann im Ernstfall ja auch IHR Heim verteidigen, AnaisAnais. Vielleicht weitet das mal den kurzsichtigen Blick auf Waffen als Tötungsinstrumente der ungerechten Sache.

  5. (entfernt. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/jk) Das ist dasselbe Niveau wie die Killerspiel-Diskussion. Beherrscht von Leuten, die keine Ahnung haben und populistische Reden schwingen, so wie der Wind grad weht.

    Wir können der Bundeswehr ja Holzknüppel geben, damit können sie dann im Ernstfall ja auch IHR Heim verteidigen, AnaisAnais. Vielleicht weitet das mal den kurzsichtigen Blick auf Waffen als Tötungsinstrumente der ungerechten Sache.

    Antwort auf "Was soll..."
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    Mein Heim...   AnaisAnais

    ...verteidige ich selbst. Mit Pech und Schwefel. Aber das ist ein anderes Thema.

    Es geht hier nicht um Holzknüppel für die Bundeswehr, sondern um Waffenlieferungen in die Krisengebiete unserer Erde. Und das mit diesen Lieferungen verdiente Geld ist Blutgeld. Ob Sie das nun wahrhaben wollen oder nicht.

    Aber machen Sie ruhig weiter die Augen zu. Ich kann Ihnen da wirklich nicht helfen.

    • 03.04.2009 um 11:15 Uhr
    • Rellem

    Hallo
    Zitat aus dem Artikel
    "Sicher ist jedoch, dass in israelischen Waffen, die wie der in den USA gebaute Merkava-Kampfpanzer während des Gaza-Kriegs zum Einsatz kamen, deutsche Teile stecken. "
    Ende
    Israel importiert zwar Teile für den Merkava aber
    a) die Teile kommen aus USA und NICHT aus Deutschland
    und
    b) den Merkava bauen die Israelis schon selber
    Bitte etwas mehr Sorgfalt bei der Recherche, sonst könnte man glatt vermuten das es wieder einmal um sehr billige Polemik geht.
    Gruss
    Rene

  6. ...verteidige ich selbst. Mit Pech und Schwefel. Aber das ist ein anderes Thema.

    Es geht hier nicht um Holzknüppel für die Bundeswehr, sondern um Waffenlieferungen in die Krisengebiete unserer Erde. Und das mit diesen Lieferungen verdiente Geld ist Blutgeld. Ob Sie das nun wahrhaben wollen oder nicht.

    Aber machen Sie ruhig weiter die Augen zu. Ich kann Ihnen da wirklich nicht helfen.

    Antwort auf "Nein..."
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    Wo...   patrickx

    ...steht hier geschrieben, dass es um Lieferung in Krisengebiete geht? Wer gibt das Recht, zu sagen, jeder der Waffen exportiert tut dieses bewußt und gezielt in Krisengebiete?

    Aber davon ab, ehrlich gesagt wäre mir das auch noch egal - denn kein Krisengebiet der Welt ist auf deutsche Waffen angewiesen! Unser Beitrag ist im Vergleich kaum nennenswert. Aber dafür sollen wir gleich einen ganzen Industriezweig köpfen? Nein danke.

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