Peter Sloterdijk Üben, üben, üben!

Die Katastrophe trifft uns im Zustand der Vollnarkose. Der Philosoph Peter Sloterdijk rät: »Du mußt dein Leben ändern«

Der Rat, dass man sein Leben ändern müsse, erscheint in zweifacher Hinsicht banal. Banal, da es der warnende Freundessatz ist, den wir hören, wenn sich jemand Sorgen macht um unser Wohlergehen: Du musst weniger rauchen! Mehr schlafen! Abnehmen! Derlei lebenspragmatische Veränderungen gelingen, wenn auch mühsam, bisweilen. Bezogen auf Gruppen – »Wir müssen unser Leben ändern« –, erscheint der Imperativ als naiv, verweist er doch auf ein Kollektivsubjekt und damit auf einen Adressaten, der in einer funktional differenzierten Gesellschaft kaum mehr als kohärente Größe greifbar ist und auf den man nach den fatalen Irrungen des 20. Jahrhunderts ohnehin ungern setzen mag. Kaum etwas ist desavouierter als die Masse, die sich verordneten Lehrsätzen beugt.

Es ist, untertrieben gesagt, nicht ohne koketten Reiz, wenn Peter Sloterdijk in seinem neuen Buch Du mußt dein Leben ändern weltreformatorische Ratschläge erteilt. Sein Duktus ist der des Sehers inmitten von Blinden, der mutig die Furche zum Heil zieht. Diese Furche ziehe nur, wer gewohnte Pfade verlasse. Wir seien, glaubt Sloterdijk, Gewohnheitstiere, unablässig Übende noch in den nichtigsten Verrichtungen. Und gleichzeitig waghalsige Durchbrecher unserer Alltagsriten: Einige wenige reißen regelmäßig aus der habituell festgefahrenen Herde aus, um noch unerreichte Gipfel innerer Einkehr zu erklimmen, bis es die anderen ihnen, zunächst widerwillig, nachtun.

Wer Menschen sucht, der wird Akrobaten finden

Sloterdijk entfaltet von dieser Gedankenfigur aus eine von biologistischen Implikationen entschlackte Phänomenologie des Übermenschen und Ausreißers, die er am Begriff der Übung ausrichtet. Übung meint die Gesamtheit sozialartistischer Praktiken: asketische Selbstgeißelungen von Mönchen, Fußballspielen, Addieren, das Violinenspiel des Armlosen, der seine Kunst mit Füßen ausübt. Diese rasante, über 700 Seiten starke, die gesamte Weltgeschichte umspannende Ideen- und Verhaltensanalyse führt ihn von den Arenen der Antike zu den frühen Christen, vom Karma indischer Teleologie zu Kafkas Hungerkünstler, von sezessionistischen Künstlerfiguren um 1900 zur modernen Arbeits- und Eventgesellschaft, die im Zeichen triumphalen Unheils strahlt – und krankt dabei an einem bis zur Metapher ausgehöhlten Übungsbegriff, den sie zur Voraussetzung hat.

Übung sei »jede Operation, durch welche die Qualifikation des Handelnden zur nächsten Ausführung der gleichen Operation erhalten oder verbessert wird, sei sie als Übung deklariert oder nicht«. Aktionen wirkten stets auf den Akteur zurück, die Gedanken auf den Denkenden, die Gefühle auf den Fühlenden. Dieses prinzipiell unendlich sich wiederholende Rückwirken, Voraussetzung von »Hochkultur«, hat Sloterdijk zufolge stets übungshaften Charakter: »Wer Menschen sucht, wird Akrobaten finden.« Übung sei von der »immunitären Verfassung« des Menschen abgeleitet, seiner anthropologischen Schutzbedürftigkeit und Todesfurcht, die ihn zur beständigen Perfektionierung seiner Lebensumstände umtreibe.

Unser aller Gipfeldrang ist eine Vertikalspannung, die fälschlicherweise, so Sloterdijk, ausgerechnet vom Aufklärungsdiskurs an als religiös begriffen wurde und in der Islamismusdebatte und Papstverehrung noch immer wird – ein Menschheitsmissverständnis, mit dem endlich aufgeräumt werden soll. Ritus (»spirituelle Übungssysteme«) sei immer dort am Werk, wo notorisch die Existenz von Religion vermutet werde. Mit dem weitherzigen Oberbegriff »Übung«, die sich in einem »homo artista« niederschlage, wird nicht nur der Homo Faber zu suspendieren versucht, sondern auch die Chimäre des Homo religiosus.

Doch der postsäkulare Eifer des Westens ist derart überhitzt nicht. Hier nimmt der Athlet Sloterdijk einen energischen Anlauf, um über eine recht niedrige Hürde zu springen. Wie denn überhaupt der Karlsruher Philosoph unter erheblicher Vertikalspannung steht. Er begreift sich als Pionier einer Philosophie der Anthropotechnik, die das übende Leben zum Gegenstand hat und die nahezu alles bisher Gedachte vom Kopf auf die Füße stellen soll, mithin die als verknöchert begriffenen universitären Einrichtungen, denen Sloterdijk eine Allgemeine Disziplinik entgegenstellt, die Athletik, Meditation, Gastronomik und allerlei mehr beinhalten müsse.

Von derlei performativer Selbstbezüglichkeit und methodischer Waghalsigkeit abgesehen, sind die unzähligen Exkurse, die lose durch den Übungsbegriff verkettet sind, von bisweilen bestechender Plausibilität und seltener sprachlicher Schönheit. »Du mußt dein Leben ändern« – diesen titelgebenden Satz etwa entnimmt Sloterdijk dem Schlussvers von Rilkes Gedicht Archaïscher Torso Apollos, das er interpretiert, und diese Passage allein wäre es wert, sie als kleines Buch zu veröffentlichen. Ausgerechnet ein kopf- und gliederloser Körper glüht einen Betrachter in Rilkes Gedicht vollkommen verlebendigt an, dieser »Stein«, der »entstellt und kurz« ist, bricht »aus allen seinen Rändern / aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle, / die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.«

Im Torso wird, so Sloterdijk, die Erwartung einer Gestaltganzheit brüskiert, das Prinzip der Naturnachahmung. Die erhaben-verletzte Statue ist auch noch nach Jahrhunderten »auf Sendung« und erzeugt quasireligiöse Ergriffenheitsgefühle. Es wird die Wandlung vom bloßen Betrachter zum im doppelten Wortsinn Angesehenen beschrieben (»denn da ist keine Stelle, / die dich nicht sieht«).

Doch die spirituelle Versenkung, die diesen Wandel veranlasst, ist eine rein weltliche Übung. Zwar feiert der beobachtete Beobachter eine Auferstehung des Fleisches, mit dem Imperativ »Du mußt dein Leben ändern« allerdings entlarvt sich diese als diesseitig-athletisch und korrespondiert nicht zufällig mit dem um 1900 explodierenden Massensport, der uns noch heute ungebrochen kraftvoll wie profan, da rein körperkultig, prägt und zum Kollektivdrill instrumentalisiert zu werden vermag.

Es leuchtet spontan ein, dass die einstigen Askesen, deren Ziel es war, sich im Sinne einer Vita contemplativa übend aller sinnlichen Verhaftungen zu entledigen, heute weitgehend ver- und entwertet sind; Projekte von Weltflüchtigkeit sind jenen allumfassender Weltzugehörigkeit gewichen. Die Moderne hatte Sloterdijk zufolge zwar in vom Kollektiv verehrten Athleten und Astronauten, in der als magisch erlebten Versenkung in Kunst unserer Vertikalspannung gehuldigt, gleichsam aber qua Vermassung und Profitstreben an ihr Raubbau betrieben.

Die Hoffnung, die Nietzsche hegte, der Mensch habe sich hinauf- statt sich fortzupflanzen, scheint hier versiegt. Der einst Gefahren zugewandte Mensch hat sich von den erhabenen Herausforderungen der Gegenwart abgewandt und lebt in matter Verfallenheit, obgleich sie ihm durch bis dato unvorstellbare Ausbeutung endlicher Ressourcen und globalisierte Konfliktherde begegnen. Doch nur aus weiter Ferne: In einer medial verheizten Welt wird die sich nähernde Katastrophe des distanzlosen Menschen als »dokumentarisches Horror-Genre« rezipiert und werden Mahner regelmäßig zu Wichtigtuern herabgestuft. Die Apokalypse sucht uns im Zustand der Vollnarkose heim. Sie ist unerhört und bleibt ungehört.

In den fulminanten Schlusspassagen dieses weitverzweigten Werkes beklagt Peter Sloterdijk zeitdiagnostisch plausibel die invasive Vulgarität, »die durch die Vehikel der Popularkultur in praktisch alle Bereiche vordringt« und die nichts als universales Prokrastinieren bewirkt.

Dieser weidlich ausgeschlachtete Übungsbegriff ist in diesem Zusammenhang allerdings nachrangiger, da ratschlaggebender Bedeutung, meint er hier schlussendlich kaum noch mehr, als dass wir mit unseren zerstörerischen Riten und unheilvollen Marotten brechen müssten, um unser Zusammenleben friedfertiger und zukunftsfähiger zu gestalten.

Sloterdijk plädiert mit Verve für eine »Ausweitung der Übungszone«, für die Ausbildung eines globalen, auf Solidarität verpflichteten »Ko-Immunismus«, für Schutzmechanismen notorisch Schutzbedürftiger, also uns aller; »in täglichen Übungen«, so schließt das Werk recht schlicht, sollen wir »die guten Gewohnheiten gemeinsamen Überlebens annehmen«.

Mit diesem Buch hat ein Prophet zwar stolz, doch ohne nachziehende Herde, ein Exerzitienmeister ohne nachrückende Gefolgschaft einen Berg erklommen. Ein menschliches, allzu menschliches Unterfangen, das womöglich nur besonders raffiniert, nämlich gezielt, einen aporetischen, zugleich wünschenswerten Imperativ zu formulieren versucht.

Peter Sloterdijk sieht, um an eine Wendung Thomas Manns zu erinnern, in die Dinge hinein, bis dorthin, wo sie kompliziert, vor allem aber sehr traurig werden.

 
Leser-Kommentare
    • ADoria
    • 07.04.2009 um 16:09 Uhr

    ...- und ich denke, vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es nur ein Schritt.

  1. Er sieht ganz witzig aus. Er hat bemerkenswerte historische Kenntnisse und z.T. interessante Thesen. Für einen netten Plausch ist er sicher zu gebrauchen.

    Aber aus meiner Sicht ist das, was er veranstaltet keine Philosophie, sondern Geschwafel und "Show". Wissenschaft muss grundsätzlich möglichst systematisch vorgehen, um nachvollziehbare Ergebnisse vorzuweisen. Dies gilt umso mehr für die Philosophie, weil es dort um nicht weniger als die Grundlagen von Wissenschaft schlechthin geht.
    Mir jedenfalls geht es jedesmal so, dass ich mir die Haare raufe, wenn ich diesen Geisterseher in irgendwelchen Medien erlebe und mir vorstelle, dass irgendwelche Fernsehzuschauer das für Philosophie halten.
    Der Artikel ist ganz ähnlich gestrickt. Viele Fremdwörter und Wissen bunt gemischt aber keine Stringenz. Wer so vorgeht handelt unwissenschaftlich, denn er verhindert Erkenntnis, anstatt sie zu ermöglichen. Und auch für mich hat das so keinen Nutzen.
    Aber es mag für einige einen gewissen Unterhaltungswert haben. Anders kann ich mir seinen offenkundigen Erfolg nicht erklären.

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    Die Erkenntnis, von der sie sprechen, die man durch striktes wissenschaftliches Vorgehen erhalten kann, woraus besteht sie? Ich habe mich auch mit analytischer Philosophie auseinandergesetzt und hatte gehofft, diese Erkenntnis dort zu finden oder zumindest Ansätze, wie man sie fassen könnte; diese Erwartungshaltung wurde aber bitter enttäuscht (paradigmatisch sei hierbei auf den Wandel Wittgensteins vom Frühwerk zum Spätwerk verwiesen). "Erkenntnis" in der Philosophie ist und bleibt ein Verstehen, das dem prophetischen "Schauen" oft (erschreckend?) ähnlich ist. Und IMHO kann die Philosophie auch nur auf diese Art und Weise wirklich Impulse für eine Gesellschaft geben (und das sollte sie meiner Meinung nach, jetzt mehr als je), denn die szientistischen Klaubereien, die in den philosophischen Fachzeitschriften zu lesen sind, ergehen sich eben NUR NOCH in diesen Fragen der Wissenschaftlichkeit und Gültigkeitsfragen und drehen sich dadurch sowas von im Kreis dass jeder Hermeneut seine helle Freude hat.
    Ich denke es ist absolut NOTWENDIG aus diesem Kreis auszubrechen und den Mut zu haben sich diesem derzeit leider (wie man hier ja auch sieht) nach wie vor dominanten Diskurs ENTGEGENZUSTELLEN, um die Impulse zu geben, die die Gesellschaft dringend braucht.
    Die Wahrheit liegt nun mal nicht in der internen Stringenz, sondern in der Gültigkeit der Prämissen, was immer heißt: Wirklichkeitsbezug. Man kann ihn nicht fassen. Man kann nur aus dem Fenster schauen und sagen: stimmt.

    Die Erkenntnis, von der sie sprechen, die man durch striktes wissenschaftliches Vorgehen erhalten kann, woraus besteht sie? Ich habe mich auch mit analytischer Philosophie auseinandergesetzt und hatte gehofft, diese Erkenntnis dort zu finden oder zumindest Ansätze, wie man sie fassen könnte; diese Erwartungshaltung wurde aber bitter enttäuscht (paradigmatisch sei hierbei auf den Wandel Wittgensteins vom Frühwerk zum Spätwerk verwiesen). "Erkenntnis" in der Philosophie ist und bleibt ein Verstehen, das dem prophetischen "Schauen" oft (erschreckend?) ähnlich ist. Und IMHO kann die Philosophie auch nur auf diese Art und Weise wirklich Impulse für eine Gesellschaft geben (und das sollte sie meiner Meinung nach, jetzt mehr als je), denn die szientistischen Klaubereien, die in den philosophischen Fachzeitschriften zu lesen sind, ergehen sich eben NUR NOCH in diesen Fragen der Wissenschaftlichkeit und Gültigkeitsfragen und drehen sich dadurch sowas von im Kreis dass jeder Hermeneut seine helle Freude hat.
    Ich denke es ist absolut NOTWENDIG aus diesem Kreis auszubrechen und den Mut zu haben sich diesem derzeit leider (wie man hier ja auch sieht) nach wie vor dominanten Diskurs ENTGEGENZUSTELLEN, um die Impulse zu geben, die die Gesellschaft dringend braucht.
    Die Wahrheit liegt nun mal nicht in der internen Stringenz, sondern in der Gültigkeit der Prämissen, was immer heißt: Wirklichkeitsbezug. Man kann ihn nicht fassen. Man kann nur aus dem Fenster schauen und sagen: stimmt.

  2. mensch leute! wollt ihr uns verscheissern?

    das ist mir hier alles viel zuviel geschwurbel bei viel zu wenig inhalt. mag sein, dass wortakrobatik und nebensatzgeschachtel bei manchen lesern gut ankommen, bei mir machen sich leute mit fehlgeleiteten analogien eher lächerlich.

    also, um es dem ach-so-erhabenen duktus des artikels anzupassen: zuviel semantische vertikalspannung bei gleichzeitiger inhaltlicher erschlaffung.

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    entsprechend mein Kommentar weiter unten. Wer nichts zu sagen hat, verschanzt sich hinter akademisch anmutender Wortakrobatik, die in die Zeit zwischen 1850 und 1910 gehört. Schade um die Zeit, sich damit auseinander zu setzen...

    entsprechend mein Kommentar weiter unten. Wer nichts zu sagen hat, verschanzt sich hinter akademisch anmutender Wortakrobatik, die in die Zeit zwischen 1850 und 1910 gehört. Schade um die Zeit, sich damit auseinander zu setzen...

  3. ...für alle zeitungsartikel rund um's thema philosophie wärmstens zu empfehlen: bitte diesen kurzfilm vor dem schreiben angucken.

  4. In der nachfolgenden Weltwirtschaftsordnung-des-KREATIVEN werden wir anders und besser leben, doch um dahin zu kommen bedarf es heute nicht des 'täglichen Übens' vieler Menschen. Das wäre äußerst ineffizient und un-genial, d.h. die Genialität-im-Evolutionsprozess hat für unseren Exodus aus der Crashperspektive bessere, eine Tipping-Point-Optionen vorbereitet. Allein der Start der Diskussion der erkannten Geniepunktänderung 'EPIKUR-Lohn statt Flächentariflohnerhöhungen' reich aus für den Exodus aus dem Tyrannei des Wachstumszwang-Regimes, aus dem Terror von Ökonomie und Konsum und Verschwendung. Die Geniepunktänderung im weltindustriellen Steuerungssystem etabliert dominmächtig jene gewünschte, machtsytemfreie Gesellschaftsordnung der nächsten Kulturepoche, ganz einfach deshalb, weil der oberste Konflikt, der ökonomisch grundlegende Verteilungskonflikt, zugunsten der Leistenden aufgelöst wird, u.a. via Trend in die Zinspromille. Mehr darüber, wenn Sie unter 'EPIKUR-Projekt' googeln. Damit wird die »Ausweitung der Übungszone« für die Menschen erreicht - mittels Selbstleistungs- statt Fremdleistungs-Orientierung und -Prämierung, - und all das, was Sloterdijk noch anführt: die "Ausbildung eines globalen, auf Solidarität verpflichteten »Ko-Immunismus«, für Schutzmechanismen notorisch Schutzbedürftigerf".

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    • knuham
    • 14.06.2009 um 15:50 Uhr

    Gibt es für den Verfasser des genannten sprachlichen Monsters/Musters kein Wachsfigurenkabinett, damit ihm und seinem Geltungsbedürfnis eine ausreichende Würdigung verliehen werden kann und die Mitwelt vor derlei zukünftig verschont werden kann ?

    • knuham
    • 14.06.2009 um 15:50 Uhr

    Gibt es für den Verfasser des genannten sprachlichen Monsters/Musters kein Wachsfigurenkabinett, damit ihm und seinem Geltungsbedürfnis eine ausreichende Würdigung verliehen werden kann und die Mitwelt vor derlei zukünftig verschont werden kann ?

  5. "Du mußt erst den Nippel durch die Lasche ziehen"....
    Wo sind denn hier die wichtigsten menschlichen Eigenschaften, wie Lebenslust und -freue, die Leichtigkeit des Seins, die Lust zu experimentieren und der Mut zum Irrtum geblieben? Dieser Artikel ist seelenlos und gefühlsarm. Ich bezweifele, dass sich hier irgendein normaler Mensch angesprochen fühlt.

  6. entsprechend mein Kommentar weiter unten. Wer nichts zu sagen hat, verschanzt sich hinter akademisch anmutender Wortakrobatik, die in die Zeit zwischen 1850 und 1910 gehört. Schade um die Zeit, sich damit auseinander zu setzen...

    Antwort auf "l'art pour l'art"
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    • nero64
    • 08.04.2009 um 18:24 Uhr

    schon oft habe ich überlegt, wie man das gesabbel von herr sloterdijk einordnen könnte. vordergründig sind seine wilden assoziationen faszinierend. wenn man aber den inhalt genauer anschaut, trifft ihr kommentar gut zu: "Wer nichts zu sagen hat..."

    • nero64
    • 08.04.2009 um 18:24 Uhr

    schon oft habe ich überlegt, wie man das gesabbel von herr sloterdijk einordnen könnte. vordergründig sind seine wilden assoziationen faszinierend. wenn man aber den inhalt genauer anschaut, trifft ihr kommentar gut zu: "Wer nichts zu sagen hat..."

  7. Die Erkenntnis, von der sie sprechen, die man durch striktes wissenschaftliches Vorgehen erhalten kann, woraus besteht sie? Ich habe mich auch mit analytischer Philosophie auseinandergesetzt und hatte gehofft, diese Erkenntnis dort zu finden oder zumindest Ansätze, wie man sie fassen könnte; diese Erwartungshaltung wurde aber bitter enttäuscht (paradigmatisch sei hierbei auf den Wandel Wittgensteins vom Frühwerk zum Spätwerk verwiesen). "Erkenntnis" in der Philosophie ist und bleibt ein Verstehen, das dem prophetischen "Schauen" oft (erschreckend?) ähnlich ist. Und IMHO kann die Philosophie auch nur auf diese Art und Weise wirklich Impulse für eine Gesellschaft geben (und das sollte sie meiner Meinung nach, jetzt mehr als je), denn die szientistischen Klaubereien, die in den philosophischen Fachzeitschriften zu lesen sind, ergehen sich eben NUR NOCH in diesen Fragen der Wissenschaftlichkeit und Gültigkeitsfragen und drehen sich dadurch sowas von im Kreis dass jeder Hermeneut seine helle Freude hat.
    Ich denke es ist absolut NOTWENDIG aus diesem Kreis auszubrechen und den Mut zu haben sich diesem derzeit leider (wie man hier ja auch sieht) nach wie vor dominanten Diskurs ENTGEGENZUSTELLEN, um die Impulse zu geben, die die Gesellschaft dringend braucht.
    Die Wahrheit liegt nun mal nicht in der internen Stringenz, sondern in der Gültigkeit der Prämissen, was immer heißt: Wirklichkeitsbezug. Man kann ihn nicht fassen. Man kann nur aus dem Fenster schauen und sagen: stimmt.

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    Darf ich Ihren Namen KAIROSOPHIA und Ihren Betrag 'Erkenntnis?' (= Aufforderung zur Relevanz und Wirklichkeitsbezug des Wahrheitsstrebens) mit 'sich der Geniepunkt-/Tipping-Point-Praxis hingeben' übersetzen? Oder auch, 'das als richtig Erkannte im Maximum tun' verstehen? Wenn Ja, dann liegen wir beim Wahrheitsbegriff richtig, den Goethe formulierte : 'der höchste Grad wechselweitiger Entwicklung ist wahr'.

    Auf der Grundlage von Chaosphysik und Evolutionsprozessphysik habe ich mich für diese Haltung entschieden. Erst auf der evolutionsprozess- und chaosphysikalischen Theoriegrundlage, die ich für meine Projektziel: 'Exodus in die folgende Weltordnung des KREATIVEN', entwickelt habe, wird der Begriff des Wahren operational und für Politik, Wirtschaft, Management und das eigene Leben umsetzbar. Für die Kunst war der 'subjektive Maximalismus', den ich hier formuliere, ja schon immer das existenzielle Muß. Und Sloterdijk war und ist für mich jener Philosoph/Literat, der den 'subjektiven Maximalismus' auch praktizierte. Ich schätze ihn sehr. Er kam, nach meiner Einschätzung, mit seiner 'Kritik der politischen Kinetik' in seinem Buch 'Eurotaoismus' sehr nahe an die Zusammenhänge heran, die ich als 'Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses' für meine politische Praxis entwickelt habe.

    Da könnte man nun viel zu sagen. Sie scheinen die Erkenntnis durch Wissenschaft anzuzweifeln und gleichzeitig aber Ihren Sinnen zu trauen, wenn Sie aus dem Fenster schauen. Eine derartige Position ist aus meiner Sicht erklärungsbedürftig, jedenfalls ergibt das möglicherweise deswegen wenig Sinn, weil z.B. Naturwissenschaften doch weitgehend auf empirischen d.h. sinnlich erfahrbaren Daten aufbauen.

    Mit Erkenntnis bezog ich mich auf relative Erkenntnisse. Wir können bisher nichts endgültig (absolut) beweisen, denn jeder Beweisversuch bisher ist, soweit ich weiss, am Münchhausen Trilemma gescheitert. Meine These entspricht damit im wesentlichen dem kritischen Rationalismus (mit der Einschränkung, dass ich nicht behaupte, dass Letztbegründungen unmöglich sind, denn man begeht einen performativen Widerspruch, wenn man mit Letztbegründungsanspruch die Unmöglichkeit von Letztbegründungen behauptet) d.h. ich glaube (!), dass es absolute Wahrheiten gibt, aber wir diese mit unseren eingeschränkten Erkenntnismöglichkeiten bisher nicht erkennen können. Auch was man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut ist nicht absolute Wahrheit, sondern eben nur genau das, was unser Gehirn durch unsere Sinne erfährt. Objektiv ist daran zunächst mal nichts. (Deswegen lässt sich bisher auch der Cartesianische Zweifel nicht widerlegen)

    Nun kann man natürlich fragen was soll das alles mit Wissenschaft, wenn man ohnehin nichts endgültig erkennen kann. Und ist das dann überhaupt noch Erkenntnis?

    Darauf würde ich antworten, dass ich mich dafür entschieden (!) habe, dass aus meiner Sicht relativ richtige Erkenntnisse immer noch besser sind als relativ falsche. Es gibt für mich gute und schlechte Argumente und es gibt Annahmen, die man nachvollziehen kann und andere die man nicht nachvollziehen kann. Das relativ richtige ist damit das beste was wir haben und damit müssen wir uns abfinden.
    Unser westliches Modell relativer Richtigkeit hat viele technische Errungenschaften hervorgebracht, obwohl es noch recht jung ist. Ich habe mich auch dafür entschieden, weil ich ein Interesse an Richtigkeit habe und dies mein Interesse bisher am besten befriedigt. Deswegen akzeptiere ich es grundsätzlich auch, wenn Menschen z.B. Religion gegenüber Wissenschaft bevorzugen.

    Ganz unabhängig davon ist die Philosophie strenggenommen nicht dazu da, um Impulse in die Gesellschaft zu tragen, denn auch der klügste Philosoph muss sich schlicht für bestimmte Werte entscheiden, wenn er z.B. der Politik konkrete Handlungsanweisungen gibt. Das ist ja ein zweischneidiges Schwert: Auch der Kommunismus und der Nationalsozialismus hatten eine philosophische Grundlage. Politische Inhalte sollte man nicht hinter dem Mantel vermeintlicher Objektivität oder Wissenschaftlichkeit verbergen, denn um zu konkreten politischen Inhalten zu gelangen bedarf es persönlicher und z.T. irrationaler Entscheidungen. Wenn ein Philosoph politische Impulse gibt, dann handelt er grundsätzlich nicht als Philosoph d.h. als Wissenschaftler, sondern als politischer Akteur. Seine Meinung ist dann nur noch eine Meinung und nicht gewichtiger, als z.B. die von meinem Friseur, denn der hat genauso eine Meinung über politische Themen.

    Philosophie ist trotzdem nicht nutzlos. Im Gegenteil. Es gibt kaum etwas wichtigeres aus meiner Sicht. Es hilft immerhin kritisch zu sein gegenüber allem, was mit Letztbegründungsanspruch oder vermeintlicher Notwendigkeit daherkommt. Es sind alles nur Theorien. Man sollte daher kritisch sein und selbst überprüfen, was man für plausibel hält und immer wieder bereit sein das bisher gelernte zu hinterfragen. Selbst in einer Grundlagenveranstaltung für Mathematik werden zunächst Axiome festgelegt, die niemand hinterfragen darf, denn ansonsten würde Mathematik, wie wir sie heute kennen überhaupt nicht funktionieren. Auch Grundannahmen in der Logik (z.B. die Notwendigkeit von Widerspruchslosigkeit) sind nicht unangreifbar.
    Aus meiner Sicht ist eine solide philosophische Basis (einschließlich Logik) eine der wichtigsten Grundlagen für den Bürger in einer aufgeklärten Demokratie.

    Und hier können wir uns durchaus treffen, wenn ich sage, dass man überprüfen solle was plausibel ist. Natürlich sollte man die Prämissen darauf beziehen, was man für die Wirklichkeit hält. Alles andere wäre "relativ falsch", was nach unserem wissenschaftlichen Modell dem "relativ richtigen" weichen sollte.

    Das Problem in der Philosophie ist nun, dass schon weitgehend alles, was gesagt werden sollte, auch gesagt wurde und trotzdem noch Menschen Veröffentlichungen machen müssen z.B. um zu promovieren oder zu habilitieren oder schlicht um zu Geld und Ruhm zu kommen. Da werden Unmengen an Altpapier produziert. Dadurch kriegt die Philosophie einen unnötig schlechten Ruf. Aber in der Jurisprudenz ist es genau dasselbe. Das erstreckt sich über die ganzen Geisteswissenschaften (aber natürlich nicht auf jeden einzelnen Akteur!). Es muss ständig neues produziert werden, auch wenn es nichts zu sagen gibt. Eine riesige Ressourcenverschwendung. Der Fehler liegt aber im universitären System nicht z.B. in der Philosophie oder der Jurisprudenz selbst. Als Konsument dieser wissenschaftlichen Abhandlungen steht man nun vor der schwierigen Aufgabe das wenige wichtige sehr intensiv zu lesen und auf den Rest zu verzichten, denn sonst vergeudet man selbst ebenfalls Unmengen an Zeit. Gerade vor diesem Hintergrund halte ich es für unabdingbar sich klar auszudrücken und systematisch vorzugehen, damit die eigenen Ergüsse auch für andere Menschen schnell nachvollziehbar sind. Ansonsten trägt man nicht zur Lösung bei, sondern ist Teil des Problems. Und wenn gewisse Grenzen überschritten sind, dann kann man auch nicht mehr von Wissenschaft sprechen, denn Wissenschaft verläuft nach bestimmten strengen Parametern, die wir selbst für die Wissenschaft festlegen und ich kann mir schwer vorstellen, dass man für die Wissenschaft Parameter festlegen sollte, die Erkenntnisverhinderung als Ziel haben, denn dies widerspricht gerade dem Sinn, den wir bisher mit Wissenschaft verbinden.

    Darf ich Ihren Namen KAIROSOPHIA und Ihren Betrag 'Erkenntnis?' (= Aufforderung zur Relevanz und Wirklichkeitsbezug des Wahrheitsstrebens) mit 'sich der Geniepunkt-/Tipping-Point-Praxis hingeben' übersetzen? Oder auch, 'das als richtig Erkannte im Maximum tun' verstehen? Wenn Ja, dann liegen wir beim Wahrheitsbegriff richtig, den Goethe formulierte : 'der höchste Grad wechselweitiger Entwicklung ist wahr'.

    Auf der Grundlage von Chaosphysik und Evolutionsprozessphysik habe ich mich für diese Haltung entschieden. Erst auf der evolutionsprozess- und chaosphysikalischen Theoriegrundlage, die ich für meine Projektziel: 'Exodus in die folgende Weltordnung des KREATIVEN', entwickelt habe, wird der Begriff des Wahren operational und für Politik, Wirtschaft, Management und das eigene Leben umsetzbar. Für die Kunst war der 'subjektive Maximalismus', den ich hier formuliere, ja schon immer das existenzielle Muß. Und Sloterdijk war und ist für mich jener Philosoph/Literat, der den 'subjektiven Maximalismus' auch praktizierte. Ich schätze ihn sehr. Er kam, nach meiner Einschätzung, mit seiner 'Kritik der politischen Kinetik' in seinem Buch 'Eurotaoismus' sehr nahe an die Zusammenhänge heran, die ich als 'Steuerungssystemtheorie des Evolutionsprozesses' für meine politische Praxis entwickelt habe.

    Da könnte man nun viel zu sagen. Sie scheinen die Erkenntnis durch Wissenschaft anzuzweifeln und gleichzeitig aber Ihren Sinnen zu trauen, wenn Sie aus dem Fenster schauen. Eine derartige Position ist aus meiner Sicht erklärungsbedürftig, jedenfalls ergibt das möglicherweise deswegen wenig Sinn, weil z.B. Naturwissenschaften doch weitgehend auf empirischen d.h. sinnlich erfahrbaren Daten aufbauen.

    Mit Erkenntnis bezog ich mich auf relative Erkenntnisse. Wir können bisher nichts endgültig (absolut) beweisen, denn jeder Beweisversuch bisher ist, soweit ich weiss, am Münchhausen Trilemma gescheitert. Meine These entspricht damit im wesentlichen dem kritischen Rationalismus (mit der Einschränkung, dass ich nicht behaupte, dass Letztbegründungen unmöglich sind, denn man begeht einen performativen Widerspruch, wenn man mit Letztbegründungsanspruch die Unmöglichkeit von Letztbegründungen behauptet) d.h. ich glaube (!), dass es absolute Wahrheiten gibt, aber wir diese mit unseren eingeschränkten Erkenntnismöglichkeiten bisher nicht erkennen können. Auch was man sieht, wenn man aus dem Fenster schaut ist nicht absolute Wahrheit, sondern eben nur genau das, was unser Gehirn durch unsere Sinne erfährt. Objektiv ist daran zunächst mal nichts. (Deswegen lässt sich bisher auch der Cartesianische Zweifel nicht widerlegen)

    Nun kann man natürlich fragen was soll das alles mit Wissenschaft, wenn man ohnehin nichts endgültig erkennen kann. Und ist das dann überhaupt noch Erkenntnis?

    Darauf würde ich antworten, dass ich mich dafür entschieden (!) habe, dass aus meiner Sicht relativ richtige Erkenntnisse immer noch besser sind als relativ falsche. Es gibt für mich gute und schlechte Argumente und es gibt Annahmen, die man nachvollziehen kann und andere die man nicht nachvollziehen kann. Das relativ richtige ist damit das beste was wir haben und damit müssen wir uns abfinden.
    Unser westliches Modell relativer Richtigkeit hat viele technische Errungenschaften hervorgebracht, obwohl es noch recht jung ist. Ich habe mich auch dafür entschieden, weil ich ein Interesse an Richtigkeit habe und dies mein Interesse bisher am besten befriedigt. Deswegen akzeptiere ich es grundsätzlich auch, wenn Menschen z.B. Religion gegenüber Wissenschaft bevorzugen.

    Ganz unabhängig davon ist die Philosophie strenggenommen nicht dazu da, um Impulse in die Gesellschaft zu tragen, denn auch der klügste Philosoph muss sich schlicht für bestimmte Werte entscheiden, wenn er z.B. der Politik konkrete Handlungsanweisungen gibt. Das ist ja ein zweischneidiges Schwert: Auch der Kommunismus und der Nationalsozialismus hatten eine philosophische Grundlage. Politische Inhalte sollte man nicht hinter dem Mantel vermeintlicher Objektivität oder Wissenschaftlichkeit verbergen, denn um zu konkreten politischen Inhalten zu gelangen bedarf es persönlicher und z.T. irrationaler Entscheidungen. Wenn ein Philosoph politische Impulse gibt, dann handelt er grundsätzlich nicht als Philosoph d.h. als Wissenschaftler, sondern als politischer Akteur. Seine Meinung ist dann nur noch eine Meinung und nicht gewichtiger, als z.B. die von meinem Friseur, denn der hat genauso eine Meinung über politische Themen.

    Philosophie ist trotzdem nicht nutzlos. Im Gegenteil. Es gibt kaum etwas wichtigeres aus meiner Sicht. Es hilft immerhin kritisch zu sein gegenüber allem, was mit Letztbegründungsanspruch oder vermeintlicher Notwendigkeit daherkommt. Es sind alles nur Theorien. Man sollte daher kritisch sein und selbst überprüfen, was man für plausibel hält und immer wieder bereit sein das bisher gelernte zu hinterfragen. Selbst in einer Grundlagenveranstaltung für Mathematik werden zunächst Axiome festgelegt, die niemand hinterfragen darf, denn ansonsten würde Mathematik, wie wir sie heute kennen überhaupt nicht funktionieren. Auch Grundannahmen in der Logik (z.B. die Notwendigkeit von Widerspruchslosigkeit) sind nicht unangreifbar.
    Aus meiner Sicht ist eine solide philosophische Basis (einschließlich Logik) eine der wichtigsten Grundlagen für den Bürger in einer aufgeklärten Demokratie.

    Und hier können wir uns durchaus treffen, wenn ich sage, dass man überprüfen solle was plausibel ist. Natürlich sollte man die Prämissen darauf beziehen, was man für die Wirklichkeit hält. Alles andere wäre "relativ falsch", was nach unserem wissenschaftlichen Modell dem "relativ richtigen" weichen sollte.

    Das Problem in der Philosophie ist nun, dass schon weitgehend alles, was gesagt werden sollte, auch gesagt wurde und trotzdem noch Menschen Veröffentlichungen machen müssen z.B. um zu promovieren oder zu habilitieren oder schlicht um zu Geld und Ruhm zu kommen. Da werden Unmengen an Altpapier produziert. Dadurch kriegt die Philosophie einen unnötig schlechten Ruf. Aber in der Jurisprudenz ist es genau dasselbe. Das erstreckt sich über die ganzen Geisteswissenschaften (aber natürlich nicht auf jeden einzelnen Akteur!). Es muss ständig neues produziert werden, auch wenn es nichts zu sagen gibt. Eine riesige Ressourcenverschwendung. Der Fehler liegt aber im universitären System nicht z.B. in der Philosophie oder der Jurisprudenz selbst. Als Konsument dieser wissenschaftlichen Abhandlungen steht man nun vor der schwierigen Aufgabe das wenige wichtige sehr intensiv zu lesen und auf den Rest zu verzichten, denn sonst vergeudet man selbst ebenfalls Unmengen an Zeit. Gerade vor diesem Hintergrund halte ich es für unabdingbar sich klar auszudrücken und systematisch vorzugehen, damit die eigenen Ergüsse auch für andere Menschen schnell nachvollziehbar sind. Ansonsten trägt man nicht zur Lösung bei, sondern ist Teil des Problems. Und wenn gewisse Grenzen überschritten sind, dann kann man auch nicht mehr von Wissenschaft sprechen, denn Wissenschaft verläuft nach bestimmten strengen Parametern, die wir selbst für die Wissenschaft festlegen und ich kann mir schwer vorstellen, dass man für die Wissenschaft Parameter festlegen sollte, die Erkenntnisverhinderung als Ziel haben, denn dies widerspricht gerade dem Sinn, den wir bisher mit Wissenschaft verbinden.

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