TV-Serie Kinder nach Wiener Art
Kochen kann so schön sein – im Gutfernsehen!

© ARTE/Dan Zoubek
Zwölf Kinder lassen sich in ihren Sommerferien von Star-Köchin Sarah Wiener in die Töpfe schauen
Vor ein paar Jahren lief ein berührender Dokumentarfilm im Kino: Sein und Haben zeigte das Leben einer französischen Zwergschule, in der sich der Lehrer noch kümmert und die Schüler sich Mühe geben. Zu den Sommerferien nimmt der Lehrer traurig Abschied von seiner Klasse.
Die zehnteilige Doku-Reihe Sarah und die Küchenkinder, die am Montag, dem 6. April, auf Arte anläuft, weist einige Parallelen zu diesem Film auf: Sie spielt ebenfalls in ländlicher Kulisse, die Klasse ist klein, die Schüler sind unterschiedlich alt, die Lehrerin gibt sich Mühe.
Vordergründig geht es in dem Film um eine Gruppe von zwölf Mädchen und Jungen, denen Sarah Wiener, die Restaurant- und Fernsehköchin, das Kochen beibringen will: Artischocken, Frikadellen, Apfelkuchen. In der Tiefe aber stillt dieser Film die Sehnsucht der Erwachsenen nach einer Schule, in der wirklich alles in Ordnung ist. Die Kinder sind ausnahmslos so, wie sie sich Arte-Zuseher wünschen: mutig, aufgeweckt, intelligent.
In der Kochschule gibt es keine Handys, keine Computerspiele, kaum mal einen Streit. Wenn diese Schüler toben wollen, springen sie in den Pool. Überschüssige Kraft verarbeiten sie mit dem Schneebesen, und Mut beweisen sie in der Schlachterei. Die Kinder gehen zur Schule in der Provence, der Zuschauer macht Ferien von Winnenden.
Alle Kinder, das war Bedingung, sollten sowohl Deutsch und Französisch beherrschen, und so kam in dem Landhaus eine Gruppe zusammen, wie sie sich Lehrer wünschen: Die Kinder sind neugierig, wollen unbedingt lernen, helfen sich gegenseitig. Pablo findet Metaphern, die wunderbar passen, Matthew, ein Schweizer, spricht sogar fünf Sprachen. Max legt schlüssig dar, weshalb es gut ist, das Schlachten zu erleben. Es vergrößere seinen Respekt vor dem Fleisch. In einer Szene philosophieren zwei Jungs darüber, ob der Hase, den sie gerade zubereiten, froh gewesen wäre, wenn er gewusst hätte, so zu enden.
Diese Kinder sind die Antipoden jener Kinder auf den anderen Kanälen, die die nächsten Topmodels werden wollen. Es ist sehr entspannend, diese Serie zu sehen und sich wenigstens für eine Weile sicher zu fühlen: Es gibt sie noch, die gute Jugend.
Und die Köchin Sarah Wiener ist das Gegenmodell zur gestrengen Heidi Klum: Sie bringt den Kindern etwas bei, ohne sie kleinzumachen. Sie lobt, wo immer es geht ("Vielleicht noch ein kleines bisschen mehr Salz. Aber toll!").
Als sie die Kinder nach den Dreharbeiten wiedertraf, fragte sie jedes Kind, ob es denn nun auch zu Hause koche. Die meisten tun es. Sarah Wiener, die Zwergschullehrerin, nickt erleichtert.
"Sarah und die Küchenkinder", Arte, vom 6. bis 17. April, montags bis freitags, jeweils um 20.15 Uhr
- Datum 07.04.2009 - 09:30 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 02.04.2009 Nr. 15
- Kommentare 2
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Die Frau muss weg aus deutschen Medien!
So etwas ist für Kinder nicht so einfach zu verkraften. Es gibt bessere Möglichkeiten, Kindern zu erklären, wo das Fleisch herkommt. Hier sollte doch eigentlich der Spass am Kochen im Vordergrund stehen. Das wäre ja durchaus auch vegetarisch möglich gewesen.
Ferner muss betrachtet werden, dass in vielen deutschen Haushalten Kaninchen als Freunde wie Hund und Katze gehalten werden und dieses Fleisch sowieso nicht auf deren Spesekarte kommt.
Ich bin als Kind überraschend aus dem Mittagsschlaf erwacht und habe ungewollt
die Schachtung eines Huhnes miterlebt. Ich sehe das Huhn noch heute ohne Kopf laufen und habe es durch dieses Schockerlebnis auch bis heute nicht verkraftet. Es ist schon über 40 Jahre her.
[...] (Bitte unterlassen Sie persönliche Beleidigungen. Die Redaktion /ft] Das, was sie getan hat, ist auch auf keinen Fall mit Jaimie Olivers Demonstration der Eintagskükenvergasung zu vergleichen, der damit auf die tierquälerische und nicht artgerechte Haltung hinweisen wollte.
Die Kinder, die bei der Sendung dabei waren, waren größtenteils geschockt. Hoffentlich bleibt ihnen kein Trauma. Dann müßte Sarah Wiener sogar wegen Körperverletzung verklagt werden.
die ich seit langem gesehen habe. Solche persöhnlichen Initiativen, wie die von Frau Wiener, sollte es an jeder Schule geben.
@kiki.zwilling: Anstatt ihre Ängste und Vorurteile auf andere zu projezieren und damit zu gängeln, sollten Sie mal einen Blick auf sich werfen. Ist ja grausam egozentrisch und stupide, was Sie da von sich geben. Hören Sie auf, so kleinkariert zu denken. Würde Ihnen und sicherlich auch ihrem Umfeld gut tun.
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