Autotest Zu perfekt, um wahr zu sein

Marc Brost, wirtschaftspolitischer Korrespondent im Hauptstadtbüro, verzichtet im BMW 740i auf die angenehmste Autofahrt seines Lebens

BMW 740i

BMW 740i

Dies ist der erste Autotest des ZEITmagazins, bei dem das Auto keinen Meter fährt. Ich sitze am Lenkrad des neuen Siebener. Um den Motor zu starten, müsste ich jetzt nicht einmal den Zündschlüssel benutzen, denn der Wagen erkennt den Schlüssel auch in meiner Hosentasche. Ich könnte also den Rückwärtsgang einlegen, in der Mittelkonsole würde ein Bildschirm aufleuchten, und eine im Heck des Siebener eingebaute Kamera würde mir den Weg weisen. Ich könnte mich beim Rückwärtsfahren an zwei Linien auf dem Bildschirm orientieren: Die grüne Linie würde mir zeigen, wohin ich fahren soll. Die rote würde mir zeigen, dass ich bei diesem Einschlagwinkel des Lenkrads direkt einen Pfosten ansteuere.

Ich könnte auch die beiden seitlichen Kameras einschalten, die in den Außenspiegeln montiert sind, damit ich beim Ausparken nichts streife. Ich könnte nun losfahren und müsste den Blick dabei nicht einmal von der Straße wenden. Meine Geschwindigkeit würde als digitale Anzeige direkt an die Windschutzscheibe projiziert und, viel wichtiger noch, auch die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung. Die im Innenspiegel eingebaute Kamera würde während der Fahrt die Straße abfilmen, sie würde alle Straßenschilder erkennen und mir jedes Tempolimit melden.

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Ich könnte auch das Navigationssystem benutzen. Ich könnte den dreidimensionalen Modus einschalten, und alle Gebäude, an denen ich vorbeifahre, würden fotorealistisch auf meinem Bildschirm erscheinen, fast wie bei einem Computerspiel: das Brandenburger Tor. Der Reichstag. Das Kanzleramt.

Ich könnte auf die Autobahn fahren und den Tempomaten auf die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit einstellen. Ich könnte dann einen zweiten Knopf drücken, und der BMW würde ganz von allein den Mindestabstand zu den vor mir fahrenden Autos einhalten. Ich könnte sogar das Bremsen vergessen, denn der Siebener würde im Notfall auch das für mich erledigen.

Ich könnte. Aber dann müsste ich selbst ja gar nichts mehr tun, nur die Hände am Lenkrad halten, doch zum Autofahren gehört ja wohl mehr als bloß lenken. Also schließe ich die Augen und bleibe einfach ein Weilchen stehen. Aus den Boxen klingt Musik, von der im Siebener eingebauten Festplatte. Es ist gute Musik. Die Leute von BMW haben sie für mich ausgesucht. Ein Auto, zu perfekt, um wahr zu sein.

Leser-Kommentare
  1. abfilmen der temposchilder ist gut. da nämlich -als folge der verkehrssubsidiarisierung - jeder bürgermeister seine achziger-zone auf der bundesautobahn bekommen hat (bestechung der bremsbelaghersteller ? einer ist schon pleite ...), bzw. es strategie des verkehrspolitischen verwaltungswasserkopfes zu sein scheint, möglichst viele bundesautobahnen und -straßen mittels locker und ohne ersichtlichen grund eingestreuter langsamfahrzonen zu streßquellen zu machen (weil irgendwo im gebüsch ja >pünktchen< und anton mit ihren Laserschwertern lauern könnten).
    da ist es ein verdienst dieses autos, diesem verkehrs(berhinderungs)kindergarten ohne allzuviel nervenaufwand gerecht werden zu können.
    leider muß ich den job des auslesens der schilder weiterhin köpfisch
    erledigen, indem ich angstvoll in den straßenseitenraum starre, um ja keine
    bremsanweisung zu übersehen. oft ist die ordnungsmacht, bzw. die macht in vertretung wahrnehmende baufirmen, besonders gemein, indem sie einfach die aufhebungsschilder einer 30er, 50er oder 70er Zone vergessen
    haben. da soll man dann kilometerweit 30 oder 50 auf geraden, leeren landstraßen fahren, was aber wohl doch nicht intendiert war.
    cool, da könnte man in dem spur haltenden super-bmw ein paar comicclips
    in die scheibe einblenden lassen oder ein bischen im internet surfen, bis die langsamfahrstelle vorbei ist :) es gibt ja bstimmt manipulationssoftware,
    um diese goodies auch während der fahrt nutzen zu können =:||

    der autor ist da natürlich von der ganz cleveren truppe, was die interpretation der gesinnung angeht, die von der hauptstadt ausströmt.
    er lauscht in der finsternis der tiefgarage dem aus den membranen perlenden wohlklang und erholt sich vom streß des wirtschaftspolitischen
    trackings.

    • peto1
    • 09.04.2009 um 13:59 Uhr

    Aber eine Kaffemaschine hat es nicht ;-)

  2. Das ist ein sehr schöner Text.
    Mir geht das manchmal so: ich will es haben weil es so großartig ist. Ich könnte es besser wissen, denn ich brauch es nicht, habe keine Zeit es zu benutzen oder bin gar nicht in der Lage dazu. Dann Rennrad, Riesenglotze, Luxuslimusine kaufen und hinterher kapieren, daß das "Kaufen" der eigentliche Spaß schon war. Aber Spaß macht es schon! Na, bei dem BMW bin jetzt gewarnt.

  3. schlappe 75000.-€. So ein Schnäppchen. Dass es ein Umweltsünder par excellence ist, versteht sich von selbst. So richtig was für Leute, die nicht wissen, was die Uhr geschlagen hat und wie man mit sich, seiner Umgebung und der Welt umgeht.

  4. Immerhin hatte ich wirklich geglaubt, hier würde doch noch irgendwas kommen, mit einer Aussage die Mensch nutzen könnte. Ob Mensch sich sowas leisten (können) wollte oder nicht.

    Aber so?

    Vertane Zeit und Geld für Gehirnschmalz, Speicherplatz, Papier, Datenübertragung bei Sender und Empfänger.

    Für mich zuviel Verzicht. Auf solch Geschreibsel kann Mensch gut verzichten.

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