Lehrer Boni für die Besten
Gerade im Bildungssystem wären leistungsorientierte Gehälter sinnvoll. Denn eine besonders motivierte Lehrerschaft ist am Ende vor allem gut für die Schüler
Seit ein paar Wochen fegt eine Medienlawine durchs Land. Neue Studie belegt: Wer ein schlechtes Abi hat, wird Lehrer! titelte etwa die Bild -Zeitung auf der ersten Seite. Den Stein ins Rollen gebracht hatten wohl – ganz unbeabsichtigt – einige Berechnungen, die ich am ifo Institut München zur deutschen Lehrerschaft angestellt hatte. Dabei sind diese Befunde nicht wirklich neu: Nur Gymnasiallehrer haben einen ähnlichen Abiturdurchschnitt wie andere Hochschulabsolventen; Grund-, Haupt- und Realschullehrer liegen um einiges darunter. Dies gilt nicht nur im Vergleich mit Universitätsabsolventen mit Diplom oder Staatsexamen, sondern auch im Vergleich mit Fachhochschulabsolventen. Nichts liegt mir ferner, als dem Ansehen des Lehrerberufs schaden zu wollen. Ganz im Gegenteil habe ich absolute Hochachtung vor jedem, der diesen für die Zukunft unserer Gesellschaft so wichtigen Beruf motiviert und kompetent ausführt.
Die Qualität unserer Lehrerschaft ist, wie Forschungsergebnisse belegen, zentral für die Bildungsleistungen unserer Kinder. Gerade deshalb muss mehr darüber diskutiert werden, wie wichtig eine hochkarätige Lehrerschaft ist und wie wir sie bekommen.
Es gibt Lehrer mit Einser-Abitur, die ihren Schülern nichts vermitteln können
Die fachliche Kompetenz der Lehrer ist eines der ganz wenigen Merkmale, für die ein systematischer Zusammenhang mit den Lernleistungen der Schüler empirisch belegt ist. Ein grober Indikator dafür können in Deutschland die Abiturnoten sein. Natürlich genügt es nicht, sie als alleinigen Maßstab heranzuziehen: Es gibt schwache Abiturienten, die hervorragende Lehrer werden, und Einser-Abiturienten, die Schülern nichts vermitteln können. Aber dies sind die Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Überhaupt ist es wichtig, nicht alle Lehrer über einen Kamm zu scheren, weil es eklatante Unterschiede in Leistung, Motivation und pädagogischen Fähigkeiten gibt. Die Schulnoten aber gar nicht anzuschauen wäre so abenteuerlich, wie sie als einziges Kriterium zu betrachten.
Nun aber werden verschiedene Befunde kontrovers diskutiert. So schrieb die ZEIT vor einigen Wochen: »Nicht die schlechten Abiturienten werden Pädagogen, sondern die motivierten« – und bezog sich damit auf eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung. Interessanterweise bestätigt diese Untersuchung an baden-württembergischen Abiturienten genau meine oben genannten deutschlandweiten Befunde zu den Abiturnoten angehender Lehrer. Gleichzeitig macht sie darauf aufmerksam, dass sich Lehramtsstudenten gerade auch in ihren beruflichen Interessen von anderen Studierenden unterscheiden. So geben Nichtgymnasiallehramtsstudenten zwar ein geringes intellektuell-forschendes, aber ein ausgeprägtes soziales Interesse an.
Allein wegen dieses sozialen Berufsinteresses aber sofort die rosarote Brille aufzusetzen ist leider keine gute Idee. Eine vom Hochschul-Informations-System durchgeführte, bundesweit repräsentative Befragung von Studienanfängern im Wintersemester 2007/08 zeigt, dass nur 44 Prozent der Lehramtsstudenten anstreben, in fachlicher Hinsicht Überdurchschnittliches leisten zu wollen, was unter den Studierenden aller Fächer (60 Prozent) mit Abstand am geringsten ist.
Umgekehrt ist der Anteil derer, die anstreben, viel Freizeit zu haben, unter den Lehramtsstudenten mit 41 Prozent mit Abstand am größten. Der einzige positive Aspekt besteht darin, dass 87 Prozent der Lehramtsstudenten viel mit Menschen umgehen wollen. Auch deuten erste Befunde einer erziehungswissenschaftlichen Längsschnittstudie, die baden-württembergische Lehramtsstudenten bis in den Beruf begleitet hat, an, dass ein großer Teil der Lehrer, die sich im Beruf überfordert fühlen, schon während des Studiums wenig motiviert war. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass dem mangelnden Engagement eines Teils der Lehramtskandidaten eine größere Bedeutung für die Qualität der Lehrerschaft zukommen dürfte als Burn-out-Effekten.
Wer also behauptet, alle Lehrer seien höchst kompetent, der lässt genauso viel Realitätssinn vermissen wie derjenige, der der Lehrerschaft pauschal Kompetenzen und Motivation abspricht.
Wie kommen wir aber dahin, eine durchweg leistungsstarke Lehrerschaft zu bekommen? Die größte Aufmerksamkeit innerhalb dieser Diskussion erhielt der Vorschlag von Bundesbildungsministerin Schavan, die Unternehmen sollten ihre besten Mitarbeiter für zwei Stunden pro Woche als Lehrer abstellen. Nichts gegen eine Ausrichtung der Schulen auf »die Welt da draußen«, aber an dem allgemeinen Problem der Lehrerschaft ändert ein solcher Vorschlag nichts. Auch Forderungen nach einem Numerus clausus für das Lehramt greifen zu kurz. Es liegt auch nicht am generellen Niveau des Gehalts: Wie ein weiterer Teil meiner Berechnungen zeigt, verdienen männliche Lehrer im Durchschnitt genauso viel wie andere Hochschulabsolventen, weibliche Lehrerinnen sogar erheblich mehr als ihre Kolleginnen. Interessanterweise liegt in Finnland, wo sich vielfach die Besten eines Jahrgangs um den Lehramtsberuf bewerben, das Lehrergehalt auf einem eher niedrigen Niveau.
Die Ausbildung geht an der Realität in den Klassenzimmern vorbei
Dennoch dürfte in der Gehaltsstruktur ein wichtiger Ansatzpunkt für eine leistungsfähigere Lehrerschaft liegen. Derzeit lassen die Gehälter jegliche Anreize vermissen, die leistungsbewusste Menschen in den Lehramtsberuf locken könnten. Lehrer haben so gut wie keine Aufstiegsmöglichkeiten. Außerhalb des Gymnasiums werden alle Lehrer automatisch in eine Besoldungsgruppe eingeordnet, an der sich im Laufe ihres Berufslebens nichts mehr ändert.
Eine leistungsorientierte Vergütung würde helfen, um die Besten in die Klassenzimmer zu holen. Wer seinen Schülern das meiste beibringt, sollte mit entsprechenden Boni belohnt werden. In Finnland gibt es diverse Zulagen für Lehrer, die sich zusätzlich engagieren, in benachteiligten Gebieten unterrichten oder besondere Leistungen in der Lehre erbringen. Es ist kein Zufall, dass der Lehrermangel in Deutschland gerade in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern besonders groß ist. Studierenden dieser Fächer stehen auf dem Arbeitsmarkt weit lukrativere Möglichkeiten offen – und die Leistungsorientiertesten unter ihnen werden sich eher nicht für den Lehramtsberuf entscheiden. In Deutschland ist Lehrer kein Beruf für diejenigen, die Leistung entlohnt sehen möchten. Wenn wir aber motivierten Menschen mehr materielle Anreize geben und durch Zugangsbeschränkungen zum Studium eine Auswahl der Besten anstreben, könnte dies ein klares Signal dafür sein, wie wichtig dieser Beruf für die Zukunft unseres Landes ist.
Schließlich sind für eine Qualitätsoffensive im Lehrerberuf nicht zuletzt Reformen in der Lehrerausbildung dringend notwendig. Das Gewinnen möglichst guter Kandidaten für den Lehrerberuf und die darauf aufbauende Ausbildung der Lehrer schließen sich nicht aus, sondern verfolgen das gleiche Ziel. Schon seit Jahrzehnten ist die in den meisten Bundesländern viel zu starre Aufteilung zwischen einer ersten Phase der theoretischen (und vielfach an der Realität in den Klassenzimmern vorbeigehenden) Ausbildung und einer zweiten Phase der praktischen Ausbildung als Problem erkannt. Zuständigkeitsgeplänkel zwischen Kultusministerien und Universitäten verhindern eine Lösung, die beide Phasen zeitlich und inhaltlich (in beide Richtungen) besser integriert. Ziel muss es sein, dass alle angehenden Lehrer die fachlichen und didaktischen Fähigkeiten erwerben, die sich empirisch als relevant für einen guten Unterricht erwiesen haben.
In den nächsten Jahren wird ein großer Anteil der Lehrer in Rente gehen und durch junge Pädagogen ersetzt werden müssen. Über 55 Prozent der Lehrer sind älter als 50 Jahre – bei den sonstigen Beschäftigten mit Hochschulabschluss sind es unter 33 Prozent. Dies hat mit der Bildungsexpansion in den siebziger und achtziger Jahren zu tun: Während 1984 weniger als ein Prozent der Lehrer älter als 60 war, sind es heute zwölf. Nur noch 20 Prozent sind heute zwischen 30 und 45 Jahre jung, damals waren es noch 70 Prozent. Die sich daraus ergebenden Veränderungen sind eine große Chance für unsere Schulen – aber auch ein großes Risiko. Je eher die Bildungspolitik sich daranmacht, Weichenstellungen für eine bessere Lehrerschaft vorzunehmen, desto besser.
- Datum 13.04.2009 - 09:22 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
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Die Einseitigkeit in der Bildungsdiskussion ist für mich das eigentliche Problem.
Und alles wird auf abprüfbare "Leistung" getrimmt. Dabei lehrt die Schule für's Leben, bildet den Charakter und nicht nur Arbeitnehmer.
Dementsprechend fallen Geisteswissenschaften, Kunst oder auch Sport immer mehr hinten runter. Was der Mangel an Bewegung mit dem Körper macht das macht der Mangel an Beschäftigung mit vermeintlich unwichtigen Geisteswissenschaften mit dem Geist. Ich bin durch das bayrische Schulsystem gegangen und PISA und Co sagen mir ich habe damit ein weitaus höheres Bildungsniveau erreicht als zB die Norddeutschen mit ihrem Notabitur, wie es gerne spöttisch genannt wird. Und es ist sicher kein Zufall dass in einem Rohstoffarmen Land wie es die Bundesrepublik ist jene Länder mit guten PISA Ergebnissen auch ausnahmslos jene Länder sind in denen die Ökonomie am besten läuft, selbst innerhalb der neuen Länder gibt es dieses Gefälle ja schon (Thüringen und Sachsen haben gute Bildungserfolge, und sind die erfolgreichsten Neuen Länder und hängen schon so manches Westland ab).
Das muss also EBENSO wichtig sein wie die Bildung der kleinen Persönlichkeiten zu Demokraten und vernunftbegabten Erwachsenen die aber auch mehr kennen als Fakten und Zahlen.
Bildung heißt mehr als Pauken! Schon rein sprachlich, siehe "bildende Künste" etc.
Jedoch hat man hier das Problem: wie hier "Standards" setzen und gar überprüfen? Und da es auch unter Lehrern wenig Universalgenies gibt, ein Englischlehrer ist vielleicht nicht ganz so effizient beim pattern drill und Vokabular aufbauen wie sein Kollege, hat dafür aber ein Talent die Feinheiten der Sprache und ein Sprachgefühl zu vermitteln, sowie Spaß im Umgang mit dem Englischen was die Schüler motiviert in der Freizeit und auch nach ihrer Schulzeit nicht von dieser tollen Sprache zu lassen. Was ihnen auch beruflich im Zweifel mehr hilft.
Aber wie kann man das abprüfen, und den Lehrer entsprechend entlohnen? Es geht nicht. Daher plädiere ich für eine bessere Ausbildung und bessere HILFE - auch für Lehrer! Laufende Fortbildung, laufende Hilfsangebote von Experten die die Schulbehörden bereitstellen und die nichts zu tun haben als Kollegen zu helfen. Auch Lehrer haben mal persönliche Probleme und anstatt dass die unter der Doppelbelastung ausbrennen könnte ein Teil zB der Korrekturaufgaben an einen dieser "Springer" abgegeben werden oder er übernimmt mal außer der Reihe eine Stunde, hilft bei der Unterrichtsvorbereitung oder bringt den jüngeren Kollegen kniffe bei. Dies wäre eine ideale Aufgabe für routinierte Lehrer die das freiwillig im Ruhestand erledigen, klar gegen Bezahlung, und ihre Erfahrung den jungen Kollegen mitgeben.
Solche Dinge braucht es. Nicht noch mehr Kontrolle und Normen und so weiter. So motiviert man niemand, so fördert man nur stromlinienförmiges Verhalten und nachmachen der aktuellen Moden die sich die Pädagogen in den praxisfernen Instituten und Behörden so ausdenken.
Zur Bezahlung noch:
was den Lehrern am wenigsten fehlt ist der richtige Sold. Zumindest in Bayern werden alle Lehrer verbeamtet und ein Oberstudienrat erhält im Monat über 6.000 Euro und zählt damit zu den am besten bezahlen Lehrkräften in der ganzen Welt. Nicht jeder wird Fachbereichsleiter ("Oberstudienrat") aber auch die "normalen" Lehrkräfte haben eine gute Lohnentwicklung von der sich gut und sorgenfrei leben lässt.
Was natürlich nicht geht ist dass Lehrer im Norden nur im befristeten Angestelltenverhältnis arbeiten, über die Sommerferien gar entlassen werden damit für diese 6 Wochen kein Gehalt gezahlt werden muss und locker 1.000 Euro im Monat (netto) weniger verdienen als die Kollegen in Bayern. Das führt dazu dass die Besten nach Bayern gehen und nur größte Idealisten, Lehrer die familiär vor Ort gebunden sind oder jene die das bayrische Kultusministerium nicht will im Norden bleiben. Was sicher deren Motivation und die Lernerfolge nicht erhöht.
Will man Schülern helfen muss man zuerst Lehrern helfen, das sind die Bildungsmultiplikatoren! Und jene die die Arbeit schließlich erledigen.
nee, also, die mit den 6.000 € (netto oder brutto?) sind, wenn überhaupt "studiendirektoren" (koordinatoren mit A15); der "normale" oberstudienrat kommt auf rd. 4.500 brutto - wiederhole: brutto. netto dann - je nach familienstand usw. - um die 3.000 - 3.400 € netto.
in bayern mag das etwas anders sein...
nee, also, die mit den 6.000 € (netto oder brutto?) sind, wenn überhaupt "studiendirektoren" (koordinatoren mit A15); der "normale" oberstudienrat kommt auf rd. 4.500 brutto - wiederhole: brutto. netto dann - je nach familienstand usw. - um die 3.000 - 3.400 € netto.
in bayern mag das etwas anders sein...
Da stellt sich zunächst die Frage, wie definiert sich "Leistung"? Möglichst viele Einser und Zweier in jeder Klassenarbeit? Das lässt sich leicht korregieren! Bestmögliches PISA-Vorbereitungstraining? Okay, gehen wir zurück zur Paukanstalt der 1950er!
Aber dem Artikel scheint mir noch ein ganz anderer Grundirrtum unseres ökonomistischen Zeitalters zu Grunde zu liegen, nämlich, dass Menschen im Wesentlichen für Geld etwas tun. Sicherlich, wessen Einkommen kaum für's Überleben reicht (wie vielen Hartz-Aufstockern oder auch Referendaren), dem geht schnell die Motivation verloren oder die Sorgen um's Finanzielle mindern die Leistungsfähigkeit. Doch Menschen haben andere Ziele als nur Finanzielle: Anerkennung, Wertschätzung, das Miteinander.
Warum werden so wenig Naturwissenschaftler Lehrer? Wegen des Geldes? Nein!
Selbst wer "auf Lehramt" sein Studium beginnt, wechselt häufig später. Sei es, weil Professoren eher zum "richtigen Abschluss" raten, sei es, weil man während des Studiums merkt, dass man praktisch fast alles Erlernte - Kohomologiegruppentheorie, Differentialtopologie oder Krümmungstensoren - niemals gebrauchen, dafür fast alles Nötige - Gruppendynamik, Erziehungsmethoden, Umgang mit Eltern oder der Pubertät - niemals im Studium erlernen wird.
Nebenbei bemerkt: Zum Verständnis der Differentialtopolgie ist ein Einserabitur quasi eine Art Mindestvoraussetzung, zum Verständnis Pubertierender hilft es hingegen wenig.
Wie man bessere Lehrer bekommt? Zum Einen bekommt man sie durch eine bessere Ausbildung, zum Anderen durch bessere Arbeitsbedingungen (Klassengrößen, Zustand und Ausstattung von Schulen, weniger Belastung durch Bürokratie,...).
Wie man mehr naturwissenschaftliche Lehrkräfte bekommt? Im Prinzip erhält man sie auf gleichem Wege. Darüber hinaus dürfte es nicht mehr die Unterscheidung zwischen Lehramtlern und "richtigen Studenten" geben, die Ausbildung zum Mathematiklehrer sollte kein Abfallprodukt auf dem Weg zum Diplommathematiker/Master/Doktor sein. Das ist aber eine Frage der Wertschätzung, nicht des Geldes.
Es mag sein, dass sich Menschen durch ein höheres oder abgestuftes Gehalt motivieren lassen. Allerdings halte ich den Geldaspekt für den kleineres Teil des Problems.
Lehrer haben auf der einen Seite eine hohe Gestaltungsfreiheit in ihrer Unterrichtsgestaltung, alles was über normale Methoden hinausgeht, muss aber heftig erkämpft werden. Gerade in den naturwissenschaftlichen Fächern müssen Ausgaben für Lehrmittel teilweise selbst aufgewendet werden (jedenfalls zu meiner Zeit als Schüler), weil es für wiederkehrende Ausgaben kein Budget gibt.
Wenn Lehrer versuchen, bestimmte Probleme anzusprechen, so - jedenfalls wurde mir das erst vor einigen Tagen von einem aktiven Lehrer berichtet - versucht eine Schulleitung alles, das Problem zu unterdrücken, statt es zu lösen. Die Angst vor Öffentlichkeit ist teilweise sehr stark ausgeprägt (und wer kann es den politisch besetzen Schulleitungen verdenken, die ständig dabei sind, Mittel zu erbetteln).
Es entsteht ein Klima, in dem jede Lehrperson ihr eigenes Süppchen kocht. Das Kollegium einer Schule arbeitet in ihren Kernaufgaben leider - systemimmanent - nicht zusammen. Aber Einzelkämpfer müssen sehr gefestigte Persönlichkeiten sein, damit sie dauerhaft motiviert sind.
Statt also das Problem über Gehalt anzugehen, sehe ich ein Defizit an aktiver Leitung der Lehrpersonen durch Vorgesetzte. Diese haben dazu meistens gar nicht die Zeit. Aber ständige Verbesserung einer Schule kann auch dort nur durch aktives 'Personalmanagament' passieren.
Das ist auch das Fazit, das ich aus den Beispielen über Vorzeigeschulen, Grundschulen und finnische Schulen ziehe: Eine aktive, ständige Zusammenarbeit der zahlreichen Lehrerinnen und Lehrer, erkennbare Ziele für die Lehrer, die über das Tagesgeschäft hinausgehen.
"Die Ausbildung geht an der Realität in den Klassenzimmern vorbei"...
ja, das ist absolut richtig -- unter anderem bzw. vor allem auch die in psychologischer Hinsicht, weil sie nämlich so gut wie garnicht stattfindet!
Der Artikel liest sich ein wenig wie ein FDP-Bildungsprogramm. Gratulation, der Ton ist nicht leicht zu treffen. Klar ist: Die Besten gibt's nur dort, wo es das meiste Geld gibt. Das bestätigen die Banken...
Was mich bei der Forderung nach leistungsorientierter Bezahlung immer wieder freut - egal, ob es um Hochschule oder Schule geht -, ist der Mangel an praktikablen Vorschlägen, wie man denn die "Leistung" auf diesen Gebieten bemisst. Bei Professoren wird über Quotation Indexes diskutiert, die nur dazu führen, dass Akademiker publizieren, um sich selbst zitieren zu können. Im Lehramt wird nun auch Leistungssold gefordert. Wie aber wird die Leistung bemessen? An den Noten der Schüler?! - Wohl kaum. An ihrem Abschneiden in Lernstandserhebungen wie PISA?! - Wohl kaum, denn die sind anonym und überdies das Ergebnis gezielten, kurzatmigen Trimmens. Vielleicht sollten wir noch eine Kommission einberufen und hochdotierte "Experten" bezahlen, die sich darüber den Kopf zerbrechen, statt die Fragen zu diskutieren, die viel wichtiger sind für schulischen Erfolg: Wie sieht der Lernort Schule aus? Wie soll ein Lehrer Bestleistung erbringen, wenn er in der Schule keinen eigenen Arbeitsplatz hat? Wie sollen die Betreuungsverhältnisse besser werden, wenn Lehrerinnen und Lehrer aus diesem Grund nur halbtags in der Schule sein können?
Im Übrigen: An der Hochschule hat die Veränderung der Lohnstrukturen zugunsten sog. Leistungsboni zur effektiven Gehaltskürzung geführt (siehe W-Professuren). Ich sehe überhaupt keinen Grund, nicht davon auszugehen, dass sich hinter dem Label "Leistung" am Ende nur ein gefundenes Hintertürchen findet, das Einstiegsgehalt zu kürzen.
Die gesamte Debatte führt am Ziel und an der Schule vorbei. Über zu wenig Geld klagen die wenigsten Lehrer. Zu große Klassen, zu schlechte Infrastruktur, zu schlechter Gebäudezustand, zu schlechte Ausbildung... das sind Themen, die mir aus der Schule bekannt vorkommen.
Ich lese hier von Statistiken, die den Geist betreffen und ihn in ein mathematisches Korsett pressen wollen. Goethe würde sich im Grab rumdrehen.
Wir wollen also den Geist der Menschen in Zahlen ausdrücken und dann Boni dafür bezahlen. Wer will sich diesen Maßstab anmaßen ? Soll Ebengenannter geklont und auf das Problem angesetzt werden ?
Es wird in dem Artikel doch schon erwähnt, daß die Noten (also die 6 Schubladen, in die der Mensch, pardon, das Kind, gepresst wird) scheinbar nur sehr bedingt aussagefähig ist, was den Nutzen für die Gesellschaft angeht. Weil es aber immer so war und weil man keine andere Idee hat, nutzt man dieses System dann doch und schüttet Boni aus, wenn die Humanratingagentur die Schüler hauptsächlich mit Tripple A bewertet hat.
Wo die Mathematik uns manchmal selbst bei scheinbar 'ungefährlichen' Themen hinführt, das haben die Boni und Bewertungen unserer Ökonomie doch bewiesen.
Wann immer man versucht, die Natur in ein mathematisches Korsett zu zwängen, wird sie dieses mit Sicherheit sprengen. Die Natur hält sich nicht an unsere Regeln und der Mensch erst recht nicht, hoffentlich !
da bin ich aber mal gespannt, wie der kriterienkatalog aussehen wird, nach dem dann bemessen wird, welcher kollege mehr und welcher weniger bekommt.
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