DONNERSTALK Die nächste Million
Alfred Dorfer hat das Gespräch zweier prominenter Häfenbrüder belauscht
Sie verbrachten zwei Nächte unter einem gemeinsamen Dach: Julius Meinl V., Banker auf Schleuderkurs, und sein Jagdfreund Alfons Mensdorff-Pouilly, Graf unter Korruptionsverdacht, beide zu Gast in der Haftanstalt Josefstadt. Nehmen wir an, Julius V. wird in die Zelle gebracht. Der Graf: »Grüß dich, Fünfer. Das ist aber fesch, dass d’ vorbeischaust!« Julius: »I’m not amused.« – »Geh, verlier nicht schon wieder die Contenance!« – »Shocking! Sogar meinen Dege&Skinner-Schlips hat mir dieser Plebs abgenommen!« – »Na ja, weißt…« – »Wenn mich der Karl-Heinz so sieht; obwohl, dem seine Bermudas damals auf der Jacht, ridiculous…« – »Apropos, was macht eigentlich deine Falcon?« – Julius (stöhnt): »Schon aufgetankt war der Jet. Und die Spängi hat in der VIP-Lounge mit einem Küppli gewartet.« – Der Graf grinst verstohlen. Pause. Plötzlich: »Du, Fünfer, könnt ma da nicht a kleines G’schäft… so eine Investmentfonds-Airline, mit einem feschen Grasser-Pin-up hinten auf der Heckflosse. Dass ma halt seinen Waschbrettbauch sieht. Des andere is eh nicht so wichtig.« – »Let me think.« – »Des wär doch eine quasi mündelsichere Angelegenheit…« – »Die Route Jersey–Liechtenstein vielleicht. Erstklassige Destinationen.« – Graf (seufzt): »In Jersey müsste man sein.« Julius (versonnen): »Ja, in Jersey…« Graf (grübelt): »The sky’s not the limit…« Julius (sinniert): »Meinl Airways International.« – Graf (mutlos): »Schön wär’s schon. Da brauchat ma halt 100 Millionen. Aber eben subito!« – Julius (strahlt): »Well, old chap, wären 54 Minuten schnell genug?«
- Datum 17.04.2009 - 13:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
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