FDP Herz statt Hartz

Nach elf Jahren Opposition: Die FDP putzt sich heraus fürs Regieren. Doch wie sieht die liberale Welt hinter Guido Westerwelle aus? Reise durch eine veränderte Partei

Wenn Wolfgang Gerhardt morgens in sein Bundestagsbüro kommt, dann ist die Frau mit dem schwarzen Kleid und den Lockenwicklern im Haar schon da. Sie ist hübsch zurechtgemacht, nur die Lockenwickler müssen noch raus. So sitzt sie dort, tagein, tagaus, und hält sich bereit, ausgeführt zu werden. Die fast ausgehfertige Frau ist Teil der Kunst, mit der Gerhardt sein Berliner Büro schmückt, Heike Mix hat die Künstlerin die lebensgroße Skulptur genannt. Sie könnte aber auch "FDP 2009" heißen, so sehr verkörpert sie die Situation der Partei. Die Liberalen haben sich zurechtgemacht fürs Regieren: Sie haben Landtagswahlen in Serie gewonnen, und bei den Umfragen auf Bundesebene erreichen sie historische Rekordwerte. Nur, um die Lockenwickler rauszunehmen, ist es noch zu früh.

Seit der Gründung der Bundesrepublik hat keine Partei so viele Jahre in der Regierung zugebracht wie die FDP – und keine Partei hat in dieser Zeit so viel Häme auf sich gezogen. Sie ist die Partei der Mehrheitsbeschaffer, der Umfaller, der Besserverdienenden gewesen. Sie ist Klientelpartei, Pünktchenpartei und Spaßpartei genannt worden. Nun hat die FDP elf Jahre Opposition hinter sich. Oppositionsjahre können für eine Partei eine Zeit der Besinnung, der Erneuerung sein. Bei der FDP scheinen sie eine Zeit der Reduktion gewesen zu sein. Einer Reduktion auf die Person Guido Westerwelle und das Thema Steuersenkungen. Und so ist auch das aktuelle Wahlprogramm "vor allem eine Zusammenfassung des üblichen Wirtschaftsliberalalas", wie ein FDP-Bundestagsabgeordneter sagt. Steuerreform, Bürgergeld, Lockerung des Kündigungsschutzes.

Den Nachwuchs eint, was einer das "Helga-Loepp-Trauma" nennt

Doch die FDP ist mehr als nur ein Hort des Immergleichen, sie kann auch erfrischend, nachdenklich und manchmal sogar ein wenig überraschend sein. Je nachdem, wo man ihr begegnet. In dem Büro des Düsseldorfer Landtags wirkt sie auf den ersten Blick minimalistisch. Es gibt kein Papier, keine Zettel, nur ein aufgeklappter Laptop steht auf dem Schreibtisch. "Bei mir wird alles weggepe-de-eft", sagt Christian Lindner, seit 2000 Landtagsabgeordneter, seit 2004 Generalsekretär der FDP in NRW und 30 Jahre jung. "Weggepe-de-eft" bedeutet, dass Lindner seine Unterlagen elektronisch verwaltet. Und doch hat er vor Kurzem eine Menge Papier produziert. Zusammen mit seinem Parteikollegen Philipp Rösler, Niedersachsens Wirtschaftsminister, hat er ein 366 Seiten dickes Buch herausgegeben. Unter dem Titel Freiheit: gefühlt – gedacht – gelebt versucht sich da die junge FDP-Generation an einer sozialverträglichen Interpretation von Liberalismus. Sie nennen sich die 94er, nach dem Jahr, in dem die meisten von ihnen in die FDP eingetreten sind. Und sie eint, was Christian Lindner das "Helga-Loepp-Trauma" nennt.

1994 war die FDP vor der CDU endgültig in die Knie gegangen, war sich nicht zu schade für den Slogan "FDP wählen, damit Kohl bleibt". Damals hat Lindner am FDP-Wahlkampfstand in Wermelskirchen geholfen. Doch die Leute wollten seine Flyer nicht, selbst die blau-gelben Plastikkugelschreiber nahmen sie nicht an. Da ist Helga Loepp vom CDU-Stand gegenüber gekommen und hat Lindner einen CDU-Pappbecher mit CDU-Kaffee und einen mitleidigen Blick geschenkt.

Freiheit für die Partei der Freiheitsverfechter – das ist es, was Lindner und die 94er antreibt. So soll ihr Buch Wegweiser für eine Politik der Eigenständigkeit sein. Denn die Herausforderung, vor der die FDP steht, ist, Unabhängigkeit von der Union zu demonstrieren und sich gleichzeitig zu ihr als Koalitionspartner zu bekennen. Jürgen W. Möllemann hat Christian Lindner den Namen "Bambi" gegeben. Hans-Dietrich Genscher hat über Lindner gesagt, wenn er Reden halte, sehe er aus wie Wladimir Putin. Im Gespräch wirkt Lindner weder scheu wie ein Reh noch autokratisch wie ein russischer Machthaber. Er präsentiert sich mit einer klaren Vorstellung, wie die FDP sein soll: eine Partei, die für Fairness eintritt. Mit Fairness meint er, "allen in dieser Gesellschaft möglichst viele Lebenschancen zu eröffnen". Zum Beispiel in einem Bildungssystem, in dem frühkindliche Förderung nicht mit der Einführung eines Vorschuljahrs abgetan wird; das Paten für Jugendliche bereitstellt, die eine "Zuwanderungsgeschichte" haben. Lindner will mit neuen Begriffen politische Themen besetzen, die über das Wirtschaftsliberale hinausgehen: "Steuern runter, Arbeit rauf, so ein Satz taugt höchstens noch als Applausstelle bei einer Parteitagsrede." Nun ja, in der FDP-Zentrale benutzen sie diesen Satz für die Telefonwarteschleife, unterlegt mit der Melodie des Abba-Songs Money, Money, Money.

Auch wenn die 94er sich als "Westerwelles Prätorianergarde" bezeichnen, zählen sie zu seinen Kritikern. Zu deutlich betonen sie im Vorwort ihres Buchs, dass es Westerwelles Verdienst gewesen sei, der FDP mit dem Wiesbadener Grundsatzprogramm von 1997 ein Profil gegeben zu haben, um dann in ihren Beiträgen die Mängel des Programms herauszuarbeiten. "Westerwelle und Steuersenkungen sind eine tolle Schaufensterdekoration. Aber auch im Laden muss das Angebot stimmen", sagt Lindner.

Die Hoffnung auf das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist es gewesen, die Holger Zastrow auf die Straße und dann in die Politik getrieben hat. Wenn sein Name fällt, dann bekommen sie bei der FDP ein Leuchten in den Augen und sagen Sätze wie: "Das ist schon doll, was der Holger da macht." Zastrow ist Landes- und Fraktionschef der Sachsen-FDP, und er hat hier aus den Liberalen das gemacht, was sie bundesweit so gerne sein möchten – eine Volkspartei. Ihre Wähler kommen aus allen Gesellschaftsschichten, es gibt sogar eine liberale Arbeitnehmervertretung, und bei der Landtagswahl im August hat die FDP beste Chancen, in die Regierung zu kommen. Das war nicht immer so. Noch vor ein paar Jahren hat sie bei Landtagswahlen weniger Stimmen geholt als die Tierschutzpartei. Was also macht Zastrow "Dolles", dass die FDP so erfolgreich ist?

Heimelig ist es im Wintergarten der Stadtvilla in Dresden-Neustadt, es fällt schwer, auf der Couch aus abgelebtem braunem Leder aufrecht sitzen zu bleiben, so bequem ist es hier im "Liberalen Haus", der Geschäftsstelle der FDP. Zastrow kommt zu spät, "ist viel los", entschuldigt er sich. Vor wenigen Stunden ist bekannt geworden, dass Barbara Lässig, die bisher für die Linkspartei im Dresdner Stadtrat sitzt, bei den Kommunalwahlen für die FDP antritt.

Zastrow hat eine Stimme, rau wie Schmirgelpapier: "Der Staat darf und soll Firmen wie Opel und Qimonda nicht helfen." Am Qimonda-Standort in Dresden ist gerade die Produktion eingestellt worden. Betriebe, die aus eigener Kraft nicht überleben könnten, mit staatlichen Hilfen künstlich zu erhalten sei die Methode des Sozialismus gewesen, sagt Zastrow. "Den wollte ich nicht mehr, ich wollte die Marktwirtschaft. Dafür bin ich 1989 in Dresden auf die Straße gegangen." Insolvenz statt Bürgschaften – da ist Zastrow fast konsequenter, als es die FDP im Wahljahr 2009 erlaubt.

In Sachsen spendet jeder Abgeordnete seine 316 Euro Diätenerhöhung

Das ist ein Grund, warum viele in der FDP Zastrow "doll" finden. Er hat sich an eine eigenständige Politik getraut, die sich nicht immer nach der Bundespartei richtet. So hat Zastrow den letzten Wahlkampf mit dem sehr unliberalen Slogan "Herz statt Hartz" bestritten. Was nach Versorgungsstaat klingt, hat für ihn mit Leistungsgerechtigkeit zu tun – und die ist ein urliberaler Wert. Das Hartz-IV-Gesetz sei Gleichmacherei, weil es den Leistungen des Einzelnen nicht gerecht werde, sagt Zastrow. Es wäre leicht, ihm hier Populismus zu unterstellen, hätte er an anderer Stelle nicht gezeigt, dass er es ernst meint mit seinen Forderungen. Da ist zum Beispiel die Sache mit den Abgeordnetendiäten. Die FDP hat sich gegen eine weitere Erhöhung ausgesprochen und darüber hinaus beantragt, die Erhöhung aus der letzten Legislaturperiode rückgängig zu machen. Sie hat sich nicht durchsetzen können. Also hat sie einen Verein gegründet, der gemeinnützige Projekte in Sachsen unterstützt. Für den spendet jeder FDP-Landtagsabgeordnete monatlich 316,33 Euro – das ist der Nettobetrag der letzten beiden Diätenerhöhungen.

Es ist die Sehnsucht der Liberalen, nicht nur als Marktradikale wahrgenommen zu werden, die sich in Sachsen erfüllt hat. Zastrow scheint in der Praxis. so weit sich das in der Opposition beweisen lässt, zu gelingen, woran Lindners 94er sich in der Theorie versuchen: eine FDP-Politik zu gestalten, die zeigt, dass soziale Kälte nicht der ständige Weggefährte des Liberalismus sein muss.

Während die FDP in Sachsen erfolgreich ist, weil sie sich an eine Erneuerung gewagt hat, ist die Bundes-FDP offenbar erfolgreich, weil sie am Althergebrachten festhält. In Zeiten einer Sozialdemokratisierung der Wirtschaftspolitik bleibt sie ihren wirtschaftsliberalen Überzeugungen treu. In der Krise kann Beständigkeit ein Wert an sich sein. Und so sind auch Gesichter, die fast schon der FDP-Vergangenheit angehörten, nun wieder präsent. Etwa das von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie war 1995 als Bundesjustizministerin zurückgetreten, weil die FDP dem großen Lauschangriff zugestimmt hatte. Die Frau, die mit ihrem Rücktritt die Liberalen als Kohls Erfüllungsgehilfen vorgeführt hatte, könnte bald wieder am Kabinettstisch sitzen. Vom großen Lauschangriff hat sich die FDP distanziert. Leutheusser-Schnarrenberger noch einmal zur Ministerin zu machen wäre die symbolische Rückkehr zum ureigenen liberalen Thema Bürgerrechte – Schlussstrich und Neuanfang zugleich. Ein Schlussstrich unter die späten Kohl-Jahre, in denen die FDP zum Anhängsel der CDU verkommen war. Ein Neuanfang für eine FDP, die in einer möglichen schwarz-gelben Regierung für eine Politik steht, die mehr zu bieten hat als Westerwelle und Steuersenkungen.

Die Frau mit den Lockenwicklern in Wolfgang Gerhardts Büro hält sich bereit.

 
Leser-Kommentare
  1. das Gute schafft?

    Bei Licht betrachtet ist die FDP heute ein erschreckend hoch konzentriertes Sammelsurium von Lobbyismus- und Tiefenlobbyismusvertretern.

    Bei genauer Analyse zählen zu den führenden Vertretern dieser Organisation, bei der ich es aus Gründen der Sprachhygiäne vorziehe, den Begriff "Partei" nicht zu benutzen, zu einem wahren Eldorado von Herolden, Agitatoren und Propagandisten der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und der dazu gehörigen Absiedelungen in Form von Foren, Vereinigungen usw.

    Und wer dann auch noch die Frage stellt: Wer finanziert eigentlich diese INSM? Der findet recht schnell, dass hier der Unternehmerverband Gesamtmetall am Werke ist. Gesamtmetall, zu dem u.a. auch als führende Interessenträger und Meinungsgestalter die Betriebe der deutschen Waffenindustrie zählen und welche mit gezielten Wahlkampfspenden ganz konkret Politik machen. Nicht ohne Hintersinn deshalb auch hier der Querverweis auf den SPDler Johannes Kahrs, der als Vorsitzender des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages über die Bewilligung der Erhöhung der "Entwicklungszuschüsse" für den neuen Schützenpanzer sein vehements Eintreten mit dem Dienst an der Sicherheit unseres Landes dokumentiert.

    Man kann das auch so wie Johannes Kahrs sehen.

    Wer aber hinter die Geheimnisse des "deep lobbying" gucken möchte, der guckt unter www.lobbycontrol.de nach, liest sich durch und überweist seine 5-50 Euro als Finanzierung für die Ausforschung der Machenschaften, für die die in Sachsen so eindrucksvoll wirkende FDP in der Praxis steht.

    Die DDR ist am Widerspruch zwischen Theorie und Praxis zugrunde gegangen.

    Der totalitäre und diktatorische Funktionärsapparat, der sich damals gegen die Interessen der Bevölkerung seine - zugegebenermassen - sehr burgeoisen Statussymbole im Stile des Gelsenkircheners Barock auf Kosten der Mehrheitsbevölkerung leistete und dem heutigen von Kapitaleignern dominierten Funktionärsapparat unterscheidet sich eigentlich nur dadurch, dass die Statussymbole der heutigen Alphatiere und Exzellenzelitatristen von Daimler Benz und BMW und eben nicht von Volvo sind.

    So gesehen bleibt die FDP in guter deutscher Tradition einer sich totalitär inszenierenden und gebärdenden Funktionärsclique, welcher die sozialen, kulturellen, zivilisatorischen und wirtschaftlichen Interessen der Mehrheitsgesellschaft herzlich gleichgültig sind und die ihre Machttheorie als "alternativlos" proklamiert.

    Experience is the only way to understand.

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    zwischenzeitlich Kunde davon vernommen, daß die FDP in den Anfangsjahren dieser Republik die Partei war, die durchaus auch im Gegensatz zu der Nazi-verfilzten Adenauer-CDU die Partei war, die am konsequentesten hinter der Idee der tatsächlich sozialen Marktwirtschaft und des demokratischen Rechtsstaats war? Hat Sie die Nachricht erreicht, daß es in dieser Partei zwischenzeitlich auch Leute wie Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Lord Ralf Dahrendorf gab?

    Sie sprechen das Kernproblem der FDP deutlich an: anstatt das Ideal der Freiheit für alle zu vertreten vertritt sie die Interessen der oberen reichen 10% der Bevölkerung zu Lasten des Restes der 90% der Armen im Land, einschliesslich des armen Mittelstandes. Sie vertritt das Steinzeit-System der Hierarchie und lehnt die klassenlose kommunistische Gesellschaft der Zukunft ab. Das kann es nicht sein. Sie muss sich auf ihren Wert konzentrieren: Freiheit für alle. Dann klappt es auch bei der nächsten Wahl und ich mache mir über die Zukunft der Freiheit keine Sorgen.

    Wir hier müssen dann nur noch diskutieren, wie Freiheit konkret im Alltag aussehen soll. Für mich gehört der Sechs-Stunden-Arbeitstag sicher dazu. Danach kann dann jeder seinen Tag in voller Freiheit selbst gestalten.

    zwischenzeitlich Kunde davon vernommen, daß die FDP in den Anfangsjahren dieser Republik die Partei war, die durchaus auch im Gegensatz zu der Nazi-verfilzten Adenauer-CDU die Partei war, die am konsequentesten hinter der Idee der tatsächlich sozialen Marktwirtschaft und des demokratischen Rechtsstaats war? Hat Sie die Nachricht erreicht, daß es in dieser Partei zwischenzeitlich auch Leute wie Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Lord Ralf Dahrendorf gab?

    Sie sprechen das Kernproblem der FDP deutlich an: anstatt das Ideal der Freiheit für alle zu vertreten vertritt sie die Interessen der oberen reichen 10% der Bevölkerung zu Lasten des Restes der 90% der Armen im Land, einschliesslich des armen Mittelstandes. Sie vertritt das Steinzeit-System der Hierarchie und lehnt die klassenlose kommunistische Gesellschaft der Zukunft ab. Das kann es nicht sein. Sie muss sich auf ihren Wert konzentrieren: Freiheit für alle. Dann klappt es auch bei der nächsten Wahl und ich mache mir über die Zukunft der Freiheit keine Sorgen.

    Wir hier müssen dann nur noch diskutieren, wie Freiheit konkret im Alltag aussehen soll. Für mich gehört der Sechs-Stunden-Arbeitstag sicher dazu. Danach kann dann jeder seinen Tag in voller Freiheit selbst gestalten.

  2. zwischenzeitlich Kunde davon vernommen, daß die FDP in den Anfangsjahren dieser Republik die Partei war, die durchaus auch im Gegensatz zu der Nazi-verfilzten Adenauer-CDU die Partei war, die am konsequentesten hinter der Idee der tatsächlich sozialen Marktwirtschaft und des demokratischen Rechtsstaats war? Hat Sie die Nachricht erreicht, daß es in dieser Partei zwischenzeitlich auch Leute wie Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Lord Ralf Dahrendorf gab?

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    • Hipper
    • 14.04.2009 um 9:31 Uhr

    Direkt nach dem Krieg war die Braunfärbung der FDP (ähnlich wie bei deren östereichischen "Schwesterpartei" FPÖ) deutlich stärker ausgeprägt als bei der Union - ich möchte in diesem Zusammenhang nur (u.a.) auf die "Naumann-Affäre" hinweisen. Die Zeit von Dahrendorf, Baum usw. kam später, nämlich zum Ende der 60er Jahre.

    Hat Sie die Nachricht erreicht, daß es in dieser Partei zwischenzeitlich auch Leute wie Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Lord Ralf Dahrendorf gab?

    Leider brauchen wir eine Partei, die man nicht 1969 hätte wählen sollen, sondern 2009 wählen kann.

    • Hipper
    • 14.04.2009 um 9:31 Uhr

    Direkt nach dem Krieg war die Braunfärbung der FDP (ähnlich wie bei deren östereichischen "Schwesterpartei" FPÖ) deutlich stärker ausgeprägt als bei der Union - ich möchte in diesem Zusammenhang nur (u.a.) auf die "Naumann-Affäre" hinweisen. Die Zeit von Dahrendorf, Baum usw. kam später, nämlich zum Ende der 60er Jahre.

    Hat Sie die Nachricht erreicht, daß es in dieser Partei zwischenzeitlich auch Leute wie Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Lord Ralf Dahrendorf gab?

    Leider brauchen wir eine Partei, die man nicht 1969 hätte wählen sollen, sondern 2009 wählen kann.

  3. "Hat Sie die Nachricht erreicht, daß es in dieser Partei zwischenzeitlich auch Leute wie Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Gerhart Baum und Lord Ralf Dahrendorf gab?"

    Aber, aber die Zeit davor wollen Sie doch nicht ausblenden?

    Denn den oben genannten wollen und sollten wir doch nicht zu nahe treten?

    http://www.udo-leuschner....

    Viel Spaß beim Lesen!

  4. Innovationsfrei wie immer seit dem Ende der Ära von Genscher und den von Viscount genannten Größen.

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    werter Abu Zoff. Und auch exakt der Grund dafür, daß ich nicht Parteimitglied der FDP bin. Aber nach wie vor ist diese Partei diejenige, die meinen persönlichen Überzeugungen unter allen im Parlament vertretenen Parteien am nächsten kommt.

    werter Abu Zoff. Und auch exakt der Grund dafür, daß ich nicht Parteimitglied der FDP bin. Aber nach wie vor ist diese Partei diejenige, die meinen persönlichen Überzeugungen unter allen im Parlament vertretenen Parteien am nächsten kommt.

  5. werter Abu Zoff. Und auch exakt der Grund dafür, daß ich nicht Parteimitglied der FDP bin. Aber nach wie vor ist diese Partei diejenige, die meinen persönlichen Überzeugungen unter allen im Parlament vertretenen Parteien am nächsten kommt.

  6. Was soll dieser schmierige Artikel ueber den grandiosen Hoehenflug der so wirtschaftskompetenten FDP? Erfolgsrezept: "Die Bundes-FDP ist ihrer marktliberalen Haltung treu geblieben". Klasse, zusammengebrochene Finanzmaerkte, neue Staatsschulden von weltweit mehrere Billionen Dollar, ein Truemmerhaufen fuer die kommende Generation, sozialisierte Verluste, das sind nur einige Folgen des FDP-Wirtschaftsbilds. Die ZEIT findet das ganze auch noch toll und macht indirekt Werbung fuer die Partei, deren Konsequenz aus der Wirtschaftskrise ist, dass die Schere zwischen arm und reich noch viel weiter auseinandergehen muss (kein Mindestlohn, dafuer Steuersenkungen fuer die "fleissigen Buerger" unter uns *kotz*).

    Demokratie ist eine der schoensten Sachen die es gibt, doch was grade in Deutschland und in den Medien abgeht, ist unerklaerlich, traurig und so bitter.

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    Wenn Sie fordern dass die Schere zwischen Arm und Reich endlich geschlossen werden muss rennen Sie bei mir offene Türen ein. Dazu gehört aber auch, dass Hartz-IV-Empfänger und Millionäre das gleiche Monatseinkommen erhalten. Sie fordern also nicht mehr und nicht weniger als die kommunistische Revolution. Haben Sie das schon einmal bedacht?

    Zum Trost: nach der kommunistischen Revolution brauchen wir weder Mindestlohn, noch Steuern und alle Menschen sind fleissig - über die Generationen hinweg.

    - wir brauchen keinen Mindestlohn, weil alle jeden Monat pünktlich ihren Einheitslohn von der Bank überwiesen bekommen. Das gibt individuelle Planungssicherheit
    - wir brauchen keine Steuern, weil nur der Nettolohn überwiesen wird
    - wir haben keine Unterschiede zwischen den Generationen, weil auch Kinder und Alte gleiches Einkommen haben.

    Das geht...

    Wenn Sie fordern dass die Schere zwischen Arm und Reich endlich geschlossen werden muss rennen Sie bei mir offene Türen ein. Dazu gehört aber auch, dass Hartz-IV-Empfänger und Millionäre das gleiche Monatseinkommen erhalten. Sie fordern also nicht mehr und nicht weniger als die kommunistische Revolution. Haben Sie das schon einmal bedacht?

    Zum Trost: nach der kommunistischen Revolution brauchen wir weder Mindestlohn, noch Steuern und alle Menschen sind fleissig - über die Generationen hinweg.

    - wir brauchen keinen Mindestlohn, weil alle jeden Monat pünktlich ihren Einheitslohn von der Bank überwiesen bekommen. Das gibt individuelle Planungssicherheit
    - wir brauchen keine Steuern, weil nur der Nettolohn überwiesen wird
    - wir haben keine Unterschiede zwischen den Generationen, weil auch Kinder und Alte gleiches Einkommen haben.

    Das geht...

  7. ...gab es eine FDP, deren Basis damals von freiheitlichem Gedankengut geprägt war.

    Hildegard Hamm-Brücher, Burkhard Hirsch, Ralf Dahrendorf, Gerhart Baum, ja auch ein Walter Scheel, sogar ein Herr Genscher verkörperten damals eine politische Denkrichtung, die Bürgerrechte und deren Wahrnehmung in den Mittelpunkt des politischen Wirkens stellte.

    Frau Leutheusser-Schnarrenberger ist wohl das letzte - gerade noch flammenzuckende - Überbleibsel dieser äusserst achtbaren und wählbaren Riege liberaler Politiker in der Republik.

    Nur...die heutige FDP, eine Lobbygruppe für die Finanzindustrie, Pharmaindustrie, Versicherungswirtschaft u.ä. mehr, ein Verein schamlos agierender, sich Politiker nennender Interessenvertreter als fürsorgliche Partei für die Interessen der Bevölkerung verkaufen zu wollen...das geht einfach nicht.

    Was, bzw. wer aber erwartet sie?

    Hier ist eine denkbare Antwort zu sehen.
    http://www.spiegel.de/img...

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    > Nur...die heutige FDP, eine Lobbygruppe für die Finanzindustrie, Pharmaindustrie, Versicherungswirtschaft u.ä. mehr .... <

    Wer hat sich denn von der Industrie (Hartz) den 'neuen Sozialstaat' diktieren lassen? Das war doch wohl die SPD. Gibt es, außer den Linken, eine Partei die keine Rücksicht auf die Wirtschaft nimmt und alles damit entschuldigt, dass sonst Arbeitsplätze in Gefahr sind? Es ist so einfach jetzt auf die FDP einzuprügeln weil sie unter anderem schuld an der Finanzkrise ist? Ist mir alles zu einseitig. Und das Wort 'Neoliberal' kann schon nicht mehr hören.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Sie haben Recht: Die FDP ist von diversen Lobbyguerillas infiltriert. Aber gilt das nicht auch für alle anderen Parteien? Beispielweise stimmen Gerhard Schröder, Wolfgang Clement, Ulla Schmidt bereitwillig die Schlachtgesänge der Energie- bzw. Pharmalobby an.

    Jede Partei in Deutschland (wie auch in anderen Ländern und insbesondere auch auf EU-Ebene) befindet sich im Zangengriff der Finanz-, Energie-, Pharma- und Automobillobbyisten, alle haben überall ihre Finger im Spiel. Das ist sehr traurig, wenn man mal genauer drüber nachdenkt. Die soziale Marktwirtschaft wurde schon vor langer Zeit "abgewrackt".

    > Nur...die heutige FDP, eine Lobbygruppe für die Finanzindustrie, Pharmaindustrie, Versicherungswirtschaft u.ä. mehr .... <

    Wer hat sich denn von der Industrie (Hartz) den 'neuen Sozialstaat' diktieren lassen? Das war doch wohl die SPD. Gibt es, außer den Linken, eine Partei die keine Rücksicht auf die Wirtschaft nimmt und alles damit entschuldigt, dass sonst Arbeitsplätze in Gefahr sind? Es ist so einfach jetzt auf die FDP einzuprügeln weil sie unter anderem schuld an der Finanzkrise ist? Ist mir alles zu einseitig. Und das Wort 'Neoliberal' kann schon nicht mehr hören.

    Gruß, Bernd
    *** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***

    Sie haben Recht: Die FDP ist von diversen Lobbyguerillas infiltriert. Aber gilt das nicht auch für alle anderen Parteien? Beispielweise stimmen Gerhard Schröder, Wolfgang Clement, Ulla Schmidt bereitwillig die Schlachtgesänge der Energie- bzw. Pharmalobby an.

    Jede Partei in Deutschland (wie auch in anderen Ländern und insbesondere auch auf EU-Ebene) befindet sich im Zangengriff der Finanz-, Energie-, Pharma- und Automobillobbyisten, alle haben überall ihre Finger im Spiel. Das ist sehr traurig, wenn man mal genauer drüber nachdenkt. Die soziale Marktwirtschaft wurde schon vor langer Zeit "abgewrackt".

  8. "Liberalismus ist die der geistigen und sozialen Freiheit.
    Libereralismus ist Feind der Demokratie, sofern sie
    sich als doktrinärer Selbstzweck und nicht als Mittel
    gebärdet. Als Mittel also zur zur Auslese der Besten im
    Staatsinteresse. Damit erlangt man soziale Freiheit.

    Der Staat hat den Austausch zwischen den Schichtern zu
    organisieren, damit Oben immer die Besten sind im wohl-
    verstandenen Interesse des Staates. Staatswichtig ist
    ohne Zweifel die möglichst vollkommene Übereinstimmung
    der persönichen und sozialen Rangordnung. Darum muss
    man auf Mittel sinnen, das Bildungsprivileg des Besitzes zu
    vereiteln. Deshalb ist die Demokratisierung der Bildungsmittel
    bedeutsam.

    Bildung ist das einzige Korrektiv, um den totalen
    Staat zu verhindern. Mit dem Erziehungsgedanken für alle
    Menschen wird die politische Frage dahin zurückverlegt,
    wo sind hingehört: In die Hände des Freien Bürgers, der
    des Sozialstaates weitgehend nicht bedarf.",

    soweit Thomas Mann in seinen Betrachtungen eines Unpolitischen.

    Man darf jetzt hinterfragen, wo steht der Liberalismus heute,
    wenn er nur mit Worthülsen von "Weniger Staat, weniger Steuern"
    die Macht zurückgewinnen will. Auch die Fairness allein genügt
    nicht um die Bürgerschaft in ihrem bildungsnahen Teil über-
    zeugen zu können.

    Der Liberalismus nach dem Muster von
    Herrn Westerwelle ist Dekorationsmittel - sonst aber über
    kurz oder lang tot.

    ___________________________________________________________
    Die Aufklärung darf kein leerer Wahn werden in einer Zeit der Anmaßungen.

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