Gärten Der Garten über der Stadt

Hier kommt man ins Schnaufen! Doch der malerische Hofgarten belohnt den Spaziergänger mit faszinierenden Ausblicken auf Landshuts gotische Skyline

Dieser Park ist wie das hohe grüne Rückenpolster eines Sofas, an das die alte Stadt sich lehnt. Landshut ist gotisch – eine Stadt der Vertikalen mit spitzigen Giebeln und ragenden Backsteintürmen. So passt es, dass auch ihr größter Park ein steiler Berggarten ist: Unmittelbar hinter den Altstadtdächern steigen die dicht bewaldeten Hänge an. Das Erklimmen geht nicht ganz ohne Schnaufen. Am Schanzl oder Stadtblick wird man dann belohnt mit tiefenscharfen Panoramen des historischen Stadtgebildes, pittoresk wie selten eines in Bayern.

Der Hofgarten auf den Anhöhen ist eine weitläufige Landschaft – 33 Hektar Laubwald und abschüssige Wiesen, schattige Schluchten und kleine Teiche, durchsetzt von den mittelalterlichen Bastionen und Wehrbauten der Burg Trausnitz auf dem südlichsten Sporn des Hofbergs. Schon im 15. Jahrhundert gab es hier oben den Haag, den Wildpark der wittelsbachischen Herzöge, in dem riesige Scharen Kunigln (Karnickel) und Däntln (Damwild) herumhoppelten, zum Abschuss bei den höfischen Vergnügungsjagden freigegeben. Den faulen weißscheckigen Däntln in ihrem heutigen Gehege geht es eher zu gut, sie sind etwas überversorgt mit Brot und Äpfeln von Landshuter Kindern – seit 1837 ist der Hofgarten ein Park der Bürger.

Am frühen Morgen zeigt er sich am anmutigsten. Dunst liegt noch über den gemuldeten Hangwiesen, Kleiber rasen die Buchenstämme abwärts, nur ein paar Hundehalter führen ihre angeleinten Kleinmeuten spazieren. Still ist es bis auf die Zwitscherkulisse aus dem Geäst der mächtigen Bäume, viele Raritäten unter ihnen wie der australische Zürgelbaum oder der chinesische Götterbaum, Ailanthus altissima.

Der Pfauenschrei vom Nymphäumsteich gellt allerdings weit, bis hinüber zum abgeschiedenen Herzoggarten, einem klassizistischen »Park im Park« mit Freundschaftstempelchen, abblätterndem Triumphbogen und Ehrenvasen für die berühmten Gartenbauer Sckell. Wir wandeln hier einsam, zwischen Halden blauer Buschwindröschen im Buchenlaub, durch eines ihrer verwunschenen Frühwerke. Und dann sind es nur ein paar Minuten hinab, steil abschüssig durch diese erquickende englische Baum- und Auenlandschaft, ins Getriebe der Altstadt, wo wir uns bei einem Morgenkaffee in der Stadtresidenz bei König Ludwig I. bedanken können: Dieser Monarch hat den Landshuter Hofgarten per Machtwort vor Parzellierung und Besiedelung bewahrt und so uns Nachkömmlingen eine der schönsten bayerischen Parkanlagen überliefert.

Hofgarten Landshut, Informationen über das Stadtgartenamt, Tel. 0871/881280, www.landshut.de. Ganzjährig geöffnet 6–21 Uhr (bis 15. Mai) beziehungsweise 22 Uhr (bis Ende August), Eintritt frei

 
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    • Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
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    • Schlagworte Stadt | Landshut | Garten | Reise | Bayern
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