Literatur Nur Hasen
Ostern klassisch? Das gelingt mit diesen neu aufgelegten schönen Kinderbüchern
Das dickste Osterei, die schönste Frühjahrsüberraschung wurde in diesem Jahr schon Tage vor dem üblicherweise eisigen Ostersonntagmorgenstunden entdeckt. Nicht im Garten, in der Buchhandlung. Es ist das komischste, verrückteste Hasenbuch, das es je gab und dann nicht mehr und jetzt aber wieder. Esterhazy! Die Geschichte vom zart gewachsenen Hasen aus Wiener Geblüt, der im ruppigen Berlin sich eine Liebe suchen muss. Esterhazy war schon mit Erscheinen vor sechzehn Jahren ein Klassiker der Kinderliteratur. Weil auch älteste Kinder zu Lachtränen erregt wurden. Der Text von Irene Dische und H. M. Enzensberger: sehr doppelbödig. Die Bilder von Michael Sowa: Seelenstudien in den düsteren Kulissen der Menschenwelt.
Ähnliches gelingt einem anderen Osterklassiker, die Erzählung von Siegfried Lenz, Der Ostertisch, spielt in der feucht-nebligen Welt von Masuren, in den pastell-kreidigen Bildern von Jacky Gleich karg und schön dargestellt. Ein Vater und drei Söhne schlawinern sich aus der Armut heraus in einen köstlichen Osterspaß.
Übrigens in der Pointe nicht ganz so moralisch wie James Krüss, der im Sängerkrieg der Heidehasen die Bösen aussortiert, die Guten mit Liebe belohnt. Was da unterm grünen Rasen lauert, zeigt Ole Könnecke, mit Anleihen bei Holzsägearbeiten sowie Andy Warhol: gut bezahnte Typen, die es fett hinter den Ohren haben.
- Datum 09.04.2009 - 17:18 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
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