Liebeskolumne Kryptische Kontaktaufnahme

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Will er mir mit einem Foto sagen: Ich liebe dich?

Was soll sein Lonely-Rider-Bild aussagen?

Was soll sein Lonely-Rider-Bild aussagen?

Die Frage: Marianne hat Wolfgang im Internet kennengelernt und sich in ihn verliebt, obgleich sie verheiratet ist. Nach einer kurzen Affäre bricht Wolfgang den Kontakt ab, das alles gehe ihm zu schnell und zu nah, sagt er. Er verabschiedet sich in einen langen USA-Aufenthalt. Ihre Freundinnen sagen, sie solle sich emotional nicht zu sehr auf die Angelegenheit einlassen. Gerade hat sich Marianne entschlossen, ihn zu vergessen und sich wieder ihrer Ehe zuzuwenden, als Wolfgang ihr kommentarlos einige Bilder von sich und dem Wagen, mit dem er durch die USA reist, per E-Mail schickt. Marianne ist nun sehr verwirrt und weiß nicht, was sie von dieser kryptischen Kontaktaufnahme halten soll. Will er sie nur hinhalten oder ihr zeigen, dass er sie nicht vergessen kann? Sie schickt ihm eine SMS, er antwortet nicht. Was soll sie tun?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Solche kryptischen Kontaktaufnahmen wirken geheimnisvoll, weil es so schwer ist, auf den Einsatz der Sehnsuchtsbrille zu verzichten, um sie zu entschlüsseln. Vielleicht ist Marianne nur auf die Liste derer gerutscht, denen Wolfgang Urlaubsbilder schickt, um lockeren Kontakt zu pflegen. Bevor Marianne Stunden mit Deutungen verbringt, ein Vorschlag zur Ökonomie: Anrufen, nachfragen, wie es gemeint ist, eigene Gefühlszustände beschreiben, die des anderen abfragen. Wenn sie sich dabei eine Abfuhr holt, weiß sie, dass Hoffnung nicht angebracht ist. Wer eine Partnerschaft will, sollte sich ein Beispiel an Kindern nehmen. Ein Kind fragt die Mama nicht nur einmal nach einem Eis und ist dann zu stolz, es wieder zu tun. Es fragt so oft, bis

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de .

Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.

 
Leser-Kommentare
    • Chali
    • 09.04.2009 um 8:29 Uhr

    Liebe in Zeiten des Neoliberalismus.

  1. trifft es genau auf den Punkt. Auf den vorigen Kommentar bezogen: Ob die Kategorie Neoliberalismus hier zutrifft, sei dahingestellt, zweckdienlich ist diese Lehrminute in beziehungstechnischen Angelegenheiten aber auf jeden Fall. Vielen Dank für diese Gleichung zum Wochenausklang; ich nehme sie dankbar mit auf den weiteren Weg! Das Stichwort lautet also nun vereinfacht: Ein Eis bitte! Und wenn es dann mit dem geliebten Stratiatellaeis nicht klappen will, dann vielleicht mit einer Kugel Vanille- oder Schokoeis ...

    Wer eine Partnerschaft will, sollte sich ein Beispiel an Kindern nehmen. Ein Kind fragt die Mama nicht nur einmal nach einem Eis und ist dann zu stolz, es wieder zu tun. Es fragt so oft, bis es ein Eis hat oder Klarheit, dass es keines bekommt.

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  • Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
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  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Familie und Partnerschaft | USA | SMS | Kinder
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