Gentechnik : Dollys erfolgreiche Erben

Klone sind nichts Besonderes mehr. Seit der Geburt des ersten Klonschafs wurde die Kopiertechnik ständig verbessert. Nun ist sie reif für die Tierproduktion

Uschi ist alt geworden. Friedlich wiederkäuend, blickt die Kuh aus ihrem halb offenen Stall nach draußen. Saftige Weiden und grüne Wälder breiten sich vor ihr aus, eine bayerische Alpenvorlandidylle. Vor Kurzem ist Uschi, die erste Klonkuh Europas, sogar Urgroßmutter geworden. Am 23. Dezember 2008 feierte sie ihren zehnten Geburtstag. In aller Ruhe, ungestört von der Öffentlichkeit.

Es ist nichts Besonderes mehr, eine Klonkuh zu sein. Etwa 5000 geklonte Rinder stehen weltweit auf den Weiden. Mehr als zwölf Jahre nach der Geburt von Dolly, dem englischen Klonschaf, ist aus der Sensation ein methodischer Schritt der Tierzucht geworden. Anfangs noch aufgeladen mit Schreckensszenarien wie mit Heilsversprechen, ist das Verfahren längst im Alltag der Forschung angekommen: In weltweiter Arbeitsteilung ergründen, zerlegen, bewerten, nutzen und verbessern Forscher Schritt für Schritt die Technik des Klonens. Und allmählich kristallisiert sich heraus, welch mächtiges Werkzeug sie an der Hand haben.

Uschis Stall in Oberbayern ist der richtige Ort, um den Streifzug durch die aktuelle Klonforschung zu beginnen. Die Anfänge, der Fortschritt und die Hoffnungen, sie alle sind hier versammelt. Direkt neben Uschi steht Rosa, auch sie ist eine Klonkuh. Doch bei ihr handelt es sich nicht mehr um eine simple Kopie. Bevor die Forscher Rosa klonten, haben sie in ihr Erbgut ein fremdes Gen eingebracht. Deshalb ist sie eine transgene Kuh geworden.

»Dank des Gens stellt Rosa in ihren Immunzellen einen Antikörper her, der sich gegen menschliche Hautkrebszellen richtet«, sagt der Tiermediziner Gottfried Brem. Brem ist der Gründer des Biotechnologie-Unternehmens Agrobiogen, das den Stall betreibt. R28M, so lautet der Name des Antikörpers, hat sich bereits im Reagenzglas gegen menschliche Hautkrebszellen bewährt. Noch in diesem Jahr möchte Brem den Antikörper in ersten Studien krebskranken Menschen verabreichen.

Um das Mittel in ausreichender Menge zu erhalten, hat der Forscher weitere Kopien von Rosa geschaffen: Rorate, Roxane, Rosalinde – und Ronaldina. Sie wurde nach dem brasilianischen Fußballstar benannt. Insgesamt neun Kälber mit dem gleichen Erbmaterial wie Rosa glitten in den vergangenen Jahren ins Stroh. Gemeinsam bilden die transgenen Rinder eine kleine Biofabrik im Stall. Da in ihrem Blut die begehrten Antikörper schwimmen, werden sie regelmäßig zur Ader gelassen. Für die Tiere sei das nicht besonders belastend, sagt Brem. Man könne es sich vorstellen wie Blutspenden beim Menschen. Nur dass er den Kühen die Termine zur Spende vorgibt.

Mit ihren transgenen Ziegen haben es die Forscher der US-Firma GTC Biotherapeutics noch einfacher. Ihr Produkt, den Gerinnungshemmer Antithrombin III, geben die Tiere über die Milch ab. Antithrombin III schützt bei Operationen vor lebensgefährlichen Blutgerinnseln.

Um das wertvolle Medikament zu gewinnen, müssen die Tiere nur gemolken werden. Vor 15 Jahren hat das Unternehmen begonnen, die Ziegen genetisch zu manipulieren und zu züchten, damals noch ohne die Technik des Klonens. Nun hat GTC als erste Firma für ein Erzeugnis transgener Tiere eine Marktzulassung erhalten: Seit 2008 ist es unter dem Handelsnamen ATryn in Deutschland unter strengen Auflagen für Menschen erhältlich. Eine Herde von 200 Tieren, mittlerweile in der siebten Generation, steht in einer Anlage in Massachusetts im Nordosten der USA. Die einst ferne Utopie, Tiere als Arzneimittelproduzenten einzusetzen, ist Wirklichkeit geworden.

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Kommentare

6 Kommentare Kommentieren

"...erfolgreiche Erben"

Ich finde es schon erschreckend wie salopp mit dem Leben umgegangen wird. Das Klonen ist die eine Sache über die sich unter Umständen noch diskutieren lässt, aber Tiere heranzuzüchten und genetisch so zu veränden, dass sie automatisch eine schwerwiegende Krankheit entwickeln ist für mich der reinste Sadismus.

"An der Missouri University hat man mittlerweile schon ein Nationales Forschungszentrum für Schweinemodelle eingerichtet. Vergangenen September wurden dort erstmals transgene Schweine mit Mukoviszidose geboren. Nun warten die US-Wissenschaftler darauf, dass die Schweine im Alter die für Mukoviszidose typische Lungenerkrankung entwickeln."

Wie kann man mit gutem Gewissen so einen Absatz verfassen? Tiere leiden hier unendliche reale Schmerzen, die aber anscheinend nicht einmal erwähnenswert sind für den Autor.

Die Schizzophrenie mit der viele Menschen immer noch dem Leid der Tiere gegenüberstehen ist beängstigend. Man sollte sich einfach mal vorstellen, dass seinem geliebten Haustier dies alles angetan wird. Spätestens dann sollte man sich doch so seine Gedanken machen ob man das in den Kauf nehmen will.

Sadismus?

Wenn Sie bedenke was der Mensch in der Lage ist seiner eigenen Spezies anzutun, dann muß sie nicht wundern das Tiere noch viel schlechter behandelt werden.
Diese Schizzophrenie, die sie beschreiben, lässt sich auch eins zu eins auf den Menschen übertragen. Stichwort Afrika. Aber das sind ja Menschen mit brauner Hautfarbe weit weit weg.

Mein Problem mit der Klonwissenschaft ist, das sich die Forscher immer nur fragen was machbar ist und nicht ob sie es auch machen sollten.

"Klonen kann sich lohnen" singt Max Raabe ironisch

Lohnen wird es sich auf jeden Fall für die Kloner und dahinter stehenden Gen-Manipulateure der Konzerne - die eine riesige Industrie werden wird. Dann wird alles geklont und genmanipuliert, was nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Brokkoli ist schon patentiert, uralte Schweinsgene hat sich Monsanto patentieren lassen, die auch bei normalen Rückzüchtungen vorhanden sind.

Irgendwann wird man Pflanzen, Tiere und Menschen aus dem Katalog nach Eigenschaften zusammenklicken können (wenn man das bezahlen kann) für eine angeblich bessere und gesündere Welt.

Allerdings geht es den Konzernen wohl eher nicht um die bessere Welt, sondern um bessere Gewinne und Marktmacht.

Aber so wie das der Autor hier abhandelt, darf man wohl das schlimmst erwarten.
BSE und Vogelgrippe - wo kamen die eigentlich her?

Nur "kleine Unfälle" auf dem Weg zum "verbesserten" Tier?

@Duckandcover - ich bin zu 100% bei Ihnen.

Klonen ist ein Riesengeschäft

Ich persönlich habe kein Problem mit dem Klonen.
Womit ich ein Problem habe, ist die Möglichkeit Gene zu patentieren und diese somit einer allgemeinen Nutzung zu entziehen. Nur ein Beispiel: Am 16.07.2004 hat die US-Firma Monsanto unter der Nummer 04778518.3 ein Patent auf die Zucht von Schweinen beim Europäischen Patentamt eingereicht. Diese Patent wurde am 16.07.2008 zugelassen!

Das ist für die Firma Monsanto eine Lizenz zum Gelddrucken. Hier werden nach üblicher Manier biologische Vorgänge einem Patentschutz unterworfen, damit dieser Konzern normale Züchtungen verbieten kann. In Kanada wurde ein Biobauer zur Lizenzzahlung an Monsanto verurteilt, weil seine Felder unbeabsichtigt von angrenzenden Feldern mit Monsantomais über die Luft verunreinigt wurden.

Normalerweise sind mathematische Formeln, Leben und natürliche biologische Vorgänge nicht patentierbar. Da das Europäische Patentamt in München aber mit jedem zugelassenen Patent richtig Geld verdient, werden diese Regeln vorsätzlich zu Lasten der Allgemeinheit umgangen!

Der grosse Irrglaube

Eine sehr verschönte und romantische Darstellung, unsere liebe Vorzeige Kuh, Uschi. Die Millionen Versuchstiere sehen weder Weide noch Himmel. Wir Menschen sind nur ein Teil der Schöpfung, und unserer Umgang und unser abnehmendes Verständnis für diese unsere Umwelt bestätigen nur dass wir mit der Anforderung "Schöpfung zu verstehen" heillos überfordert sind.