Wer denkt für morgen? Das Tier, das "Wir" sagt
Michael Tomasello sucht nach der Einzigartigkeit des Menschen und findet sie in dessen Kooperationsfähigkeit
Irgendwann«, so erzählt Michael Tomasello, »haben wir gelesen, Menschen seien die einzige von 180 Primatenarten, die Weißes in den Augen hat. Wir haben uns nur angesehen und ›Wow!‹ gesagt.« Der Psychologe strahlt, als er von diesem Erkenntnisblitz erzählt. Und seine Mitteilungslust führt direkt ins Zentrum seiner Forschung: »Die anderen Grundemotionen – Angst, Freude, Wut – haben wir mit den Affen gemein; die Freude jedoch, etwas mit anderen zu teilen und gemeinsam zu tun, ist ein menschliches Gefühl.« Wenn er etwa mit Kindern ins Labor gehe, so erzählt der Forscher selbst voller Begeisterung, »dann fragen die: ›Was machen wir jetzt?‹ – Wir!«
Der Mensch – das ist für Tomasello das Tier, das mitteilt. Das Tier, das »wir« sagt. Und das Freude hat an der Kooperation.
»Wer die Affen versteht, leistet mehr für die Metaphysik als Locke«, so zitiert der gebürtige Amerikaner Charles Darwin, aber begonnen hat Tomasello mit Untersuchungen der kindlichen Intelligenz in der Tradition Piagets. Er entdeckte die Rolle der sozialen Praxis und der Werkzeuge für das menschliche Denken. Und dann die Affen. »Ein glücklicher Zufall. Die Emory-Universität hatte dieses große Primatenzentrum. Ich sah die Schimpansen und war sofort fasziniert: So ähnlich und doch so unterschieden von uns.« In Leipzig, im hellen Bau des Max-Planck-Instituts (MPI) für evolutionäre Anthropologie und im Primatenzentrum des Zoos, versuchen Michael Tomasello und seine Mitarbeiter (die er im Gespräch durchgängig erwähnt) seit einem Jahrzehnt, den Unterschied immer präziser zu bestimmen. Sie testen, wie »menschenähnlich« Affen sich verhalten können; und umgekehrt: wie Kleinkinder denken, wenn sie noch nicht in Sprache und Konventionen sozialisiert sind.
Damit arbeiten sie – neben den Genetikern, Linguisten, Primatologen und Paläontologen, die im MPI forschen – an einem Menschenbild, das den Homo sapiens in das Kontinuum der Naturgeschichte stellt und aus ihr heraus seine Einzigartigkeit erklärt. Empirisch sammeln sie, um mit Nietzsche zu sprechen, »mit strenger Methode kleine unscheinbare Wahrheiten«, auf dem Weg zu einer »naturalistischen« Theorie vom Menschen, die gleichwohl nicht reduktionistisch ist wie viele der Erklärungen, die im Jahrzehnt des Gehirns oder des Genoms die endgültige Auflösung des Menschheitsrätsels versprachen.
»Unser Wissen ist immer noch sehr unvollkommen« – Sätze wie dieser sprenkeln Tomasellos Aufsätze. Populäre Weisheiten versagt er sich, den Kontakt zu Journalisten meidet er – zum Bedauern seiner Mitarbeiter, die ihn als »forderndes, aber faires Alphatier« schätzen. Und wenn ein Interview sein muss, verschickt er vorher lange Lektürelisten, um den Besucher auf die Komplexität des Gegenstandes einzustimmen. Allenfalls in Vorwörtern gestattet er sich aphoristische Zuspitzungen, wie die, ob die Geschichte der abendländischen Philosophie nicht anders aussähe, wenn Aristoteles bei seinen Spaziergängen in Athen regelmäßig Schimpansen begegnet wäre. Im Gespräch geht Tomasello mit »großen« Gedanken eher sparsam um, redet lieber so schlank, wie er auch von Statur ist, über die »kleinen Wahrheiten«.
Noch lieber demonstriert er sie. In dem peinlich aufgeräumten Büro – es könnte auch einem Ingenieur gehören – zeigt er mit knapp gezügeltem Stolz Videos über pfiffige Versuchsdesigns. Im ersten bedienen zwei Schimpansen zusammen einen Apparat, um an Futter zu gelangen, aber sobald es ans Teilen geht, trickst der schnellere seinen Partner aus. »Das hat er zweimal gemacht, danach hat der andere nicht mehr kooperiert.« Im zweiten Film hilft ein zweijähriges Menschenkind dem langsameren Partner bei einer ebenso komplexen Operation, sodass beide ihre Belohnung erhalten. Zwischen beiden Verhaltensweisen liegen zwei Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte. Vielleicht auch nur wenige Hunderttausend.
Es ist fraglich, ob wir jemals exakt wissen werden, wann unsere Primatenart einen eigenen Entwicklungspfad einschlug, aber die vergleichende Psychologie rekonstruiert im Laborversuch den Prozess, der irgendwann im Dunkel unserer Gattungsvorgeschichte stattgefunden haben muss. Dessen Resultat nennt Tomasello shared intentionality oder »Wir-Intentionalität«. Gemeint ist damit keine Ursubstanz, kein »Baustein« des Menschen, sondern die Fähigkeit, »mit anderen zusammen an kooperativen Aktivitäten mit geteilten Zielen und gemeinsamen Absichten« teilzunehmen. Nicht operative Intelligenz, das Verständnis von Raum, Mengen und Kausalität unterscheidet uns – hier ähneln sich die Leistungen von Schimpansen und zweijährigen Menschen –, sondern die soziale Kompetenz, uns in andere hineinzudenken, mit ihnen zu kommunizieren und gemeinsam zu handeln.
In Hunderten von vergleichenden Experimenten haben Tomasello und seine Mitarbeiter diese Soziogenese untersucht. Zum Beispiel den Unterschied im Blickverhalten: Schimpansen folgen den Kopfbewegungen anderer – Kleinkinder schauen überdies zurück auf den, dessen Blick sie folgen. Joint attention – gemeinsame oder geteilte Aufmerksamkeit – ist für Tomasello ein Schlüsselbegriff. Kinder zeigen auf interessante Gegenstände, nicht nur, um zu fordern, sondern um etwas mitzuteilen; » apes don’t point for apes «, sagt Tomasello, Affen zeigen anderen Affen nichts. Affen »äffen« auch nicht nach, während Menschenkinder durch Imitieren lernen. Sie kooperieren mit Freude, Schimpansen benutzen den Partner wie ein Werkzeug.
»Ich weiß, dass du weißt, dass ich weiß, dass wir gemeinsam diesen Turm bauen wollen.« Dieser Sockel der gespürten »Wir-Intentionalität« ist der Urgrund der menschlichen Kommunikation sowie des späteren Lebens in Institutionen, Normsystemen, Ethiken. Und natürlich für die Sprache. Die ist für Tomasello ein wesentliches Merkmal unserer Gattung, wenn auch nicht das fundamentale. Seit er vor 35 Jahren akribisch den Spracherwerb seiner Tochter dokumentierte, widerlegen seine Forschungen die Annahmen einer »angeborenen Grammatik«, mit der Noam Chomsky eine Generation von Linguisten prägte. Aufregend zu lesen, wie Tomasello die »Konstruktion der Sprache« durch das Kind nachzeichnet: von den ersten »Holophrasen«, kindlichen Einwortsätzen über das allmähliche Hantieren mit syntaktischen Formen des Forderns und Mitteilens bis hin zur Grammatik erster Narrative, mit denen Kinder über zeitlich und räumlich Entferntes sprechen. Solche Aufzeichnungen belegen: Sprache wird nicht »gelernt«, sondern im sozialen Handeln buchstäblich erarbeitet; die bizarren Analogien und logischen Fehler der Kinder sind ein genaues Protokoll der Wege und Irrwege ihrer Weltaneignung.
Am Anfang steht die Wir-Intentionalität zu gemeinsamem Handeln – im Spiel der Kinder und ebenso im Leben der ersten Menschen. Irgendwann vor zwei Millionen oder 250.000 Jahren müssen Hominidengruppen durch neue, kooperative Arten zu sammeln und zu jagen einen Vorteil gegenüber anderen errungen haben. Gruppenselektion stabilisierte diese »kulturelle Revolution«, kooperierende Gruppen waren erfolgreicher und schufen sich kulturelle Nischen, in denen neue Erfindungen und Werkzeuge entstehen konnten – und die Anatomien und Gehirne der Menschen begünstigten, die mit ihnen umgehen konnten. Die Menschensprache, zunächst Begleiterscheinung dieser kulturellen Evolution, wurde zum Katalysator immer komplexerer kollektiver Praktiken.
Affen fangen in jeder Generation neu an, der Homo sapiens hingegen kann Erfahrungen durch Werkzeuge und Wörter auf Dauer stellen. Dieser »Wagenhebereffekt« ermöglichte die Entstehung des historischen Menschen in einer evolutionären Zeitspanne, in der bloße Mutationen sie nie hätte bewirken können. Die Fähigkeit zur kulturellen Weitergabe ist in einem dialektischen Prozess biologisch erworben – das ist die Quintessenz einer »naturalistischen«, aber nicht reduktionistischen Theorie der Gattung.
Tomasellos Begriff der Wir-Intentionalität bezeichnet nicht nur trennscharf die Gattungsgrenze, sondern ist auch eine fruchtbare Plattform für die Bearbeitung offener Fragen: So arbeiten Neurologen mit dem Theorem der »geteilten Aufmerksamkeit«, um den Autismus zu verstehen; Linguisten erforschen den Zusammenhang der 6000 Menschensprachen mit der Geschichte der Technologien und Wanderungen. Tomasellos Team selbst wendet sich den »sozialen Gefühlen« zu, fragt, wie Scham und Schuldgefühle in unsere Physiologie einwandern. »Sie sind nicht fest verdrahtet«, vermutet Tomasello, »aber die Fähigkeit, sie zu empfinden, haben wir fest erworben.« Und durch welche – strafenden, isolierenden, tötenden – Mechanismen haben sich die frühen Gruppen von ihren nicht kooperationsfähigen Alphatieren befreit? Hinter jeder Erkenntnis klaffen neue Forschungslücken, und die zu weit gespannten soziobiologischen Analogien oder genetischen Reduktionismen überbrücken sie immer nur auf Zeit.
Keine » simple story« also, die Menschwerdung, wie Tomasello in einem seiner seltenen, populären Aufsätze in der New York Times anmerkte, aber diese nüchterne Sicht auf den Homo sapiens hat auch etwas Ermutigendes: Wenn die Fähigkeit zur Kooperation, die Freude an ihr, nicht erst mühsam herbeigezwungen werden muss, sondern uns als konstituierendes Merkmal innewohnt, dann muss man nicht scheitern an der Herausforderung, vor der unsere Gattung steht – ein gemeinsames, globales Wissen und Gewissen zu entwickeln.
- Vordenker
Jean Piaget (1896–1980) untersuchte die kognitive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen streng naturwissenschaftlich und schuf damit die Grundlage für die moderne Entwicklungspsychologie und die Sozialisationsforschung. Tomasello führt diesen Ansatz fort, hat ihn aber zugleich stark erweitert
- Mitdenker
Der Psychologe Jerome Bruner (*1915) zeigte den Einfluss der Umwelt auf das Lernen und erforschte insbesondere die Bedeutung sozialer Interaktionen für den Spracherwerb. Damit liegt er auf einer Linie mit Tomasello. In den USA wirkten Bruners Arbeiten zum sozialen und »entdeckenden« Lernen« als Gegengewicht zum lange dominierenden Behaviorismus in der Pädagogik
- Gegendenker
Der Linguist Noam Chomsky (*1928) vertrat die Theorie, dem Menschen sei eine universale Grammatik angeboren, und beeinflusste damit ganze Generationen von Sprachforschern. Dem widerspricht Tomasello: Dessen eigene Forschungen belegen, dass Kinder die Sprache konstruieren und sie sich im sozialen Handeln buchstäblich erarbeiten
Auf die Frage, ob eine große anthropologische Erzählung nicht doch einiges zum Werden einer globalen Gesellschaft beitragen könnte, antwortet er, mit Zweifel im Gesicht: »Vielleicht«. Der Zweck der Wissenschaft sei nicht, die Menschheit zu retten. Aber vielleicht könne sie helfen, nicht zu vergessen, dass die Ausweitung unserer Loyalitäten immer prekär bleibt. Die Fähigkeit zur Kooperation und damit zur Solidarität und Friedfertigkeit sei über Jahrhunderttausende an das Leben kleiner Gruppen gebunden gewesen. In den sesshaften Zivilisationen mit Ackerbau und Eigentum, Städten und Staaten, Herrschaft und Klassen hätten andere Mechanismen gewirkt. Für diese gesellschaftlichen Prozesse habe der Historiker Marx »einen ganz guten Blick gehabt«, sagt Tomasello lakonisch und ergänzt: »Es gibt viel, was wir jederzeit verlieren können.« Die große Aufgabe bestehe nun darin, »die Gruppe auf eine neue Weise zu definieren«. Aber das sei »leichter gesagt als getan«.
Und doch: Wenn man sich nur ein paar Tage lang in das weltweite Netzwerk von Psychologen, Paläontologen und Genetikern hineinzoomt, die das Rätsel der Menschwerdung in kleine Wahrheiten verwandeln, ihr Wissen teilen und hartnäckig, aber friedlich streiten – dann kommt bei diesem Unternehmen zur Aufklärung der conditio humana etwas wie die Ahnung einer kooperierenden globalisierten Gemeinschaft mit shared intentionality auf, eine, die universeller wäre als alle Glaubenssysteme.
Als unser Gespräch zu Ende geht, freut sich Tomasello. Er hat zu tun. In der Regel von morgens bis in die Nacht. Aber eine Frage bleibt noch: Was war so aufregend am Weißen im menschlichen Auge? »Eine Erleuchtung. Wir hatten so lange die joint attention studiert, aber darüber nie nachgedacht. Der andere kann durch das Weiße im Auge meinem Blick genauer folgen und so besser erkennen, was ich sehe oder vorhabe.« Der Besucher will sich schon mit dieser Aufklärung begnügen, aber der Forscher denkt noch eine Kurve weiter: »Was habe ich davon? Es muss mir ja – darwinistisch gesprochen – einen Vorteil bringen. Also liegt auf der Hand: Das Weiße war nützlich, aber nur in Gruppen, die schon auf sehr engem Raum kooperierten.« Weil sie damit erfolgreich waren, setzte sich die kleine Mutation durch. Und so können wir in unseren Augen den Ursprung des Homo sapiens sehen, des Tiers, das klug wurde, weil es kooperiert. Tomasello lacht noch einmal hell und knapp, dann wendet er sich mit schnellen Schritten der nächsten unscheinbaren kleinen Wahrheit zu.
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- Datum 04.09.2009 - 21:56 Uhr
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- Serie Wer denkt für morgen
- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
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ein Nachweis, dass der wahre Homo Ökonomicus, wie in manchen Wirtschaftstheorien vertreten/beschrieben, auf schlechte persönliche Erfahrung, falsche Erziehung oder mentale Störungen zurückgeführt werden kann. Denn der wäre vom Verhalten anscheinend eher dem Schimpansen zuzurechnen....
hier und so könnte man eine Gemeinsamkeit der modernen (vergleichenden Verhaltens-)Wissenschaft mit den großen Endzeitreligionen finden und sehen. Ja, ein Gott, ein über allen stehendes kollektives Über-Ich (bzw. ein Über-Uns), - ein In-Uns ja letztlich aber eben, das ist halt auch so eine verbindende Vorstellung. Wir sind bzw. wären dann ein bis zuletzt, bis zum Geht-nicht-mehr harmonisch kooperierendes Wesen. Dass hierbei auch Trauer und Enttäuschung mit im Spiel sein kann (ja wohl auch muss), wie sich dies sehr gut ja im Christentum ausdrückt, das zeigt halt die große Rolle der Emotionen, der emotionalen Intelligenz in unserer Art - die Freude liegt dann nur noch in der Kooperation, nicht mehr im sonstigen großen Lebensgenuß, wie der Fortpflanzungs-Freude. Kein Tier konnte und kann friedlich-wohlorganisiert und eben quasi bewusst aussterben - der Mensch allein, so scheint es, kann wohl auch dies.
Hätte Tomasello Paviane beobachtet wäre er nicht zu so falschen Schlüssen gekommen.
Die Paviane haben ein Wir-Gefühl und kennen Kooperation.
Wenn das Teilen wirklich den Menschen ausmacht, weshalb haben wir eine Finanzkrise, weshalb gibt es soviel Armut auf der Welt. Den Zusammenbruch von Kooperation gibt es auch beim Menschen. Man schlage bei den Wirtschaftswissenschaften unter Marktversagen und Staatsversagen nach.
Der Artikel erweckt den Eindruck als pflege hier jemand sein Steckenpferd.
Forschung, die nach Unterschieden zwischen Affen und Menschen sucht, geht den falschen Weg. Aber dieser falsche Weg hat seinen guten Grund.
Je mehr Gemeinsamkeiten zwischen Affen und Menschen gefunden werden, umso fragwürdiger werden Zoos und Tierversuche.
Eines Tages muß die Geschichte der Affen umgeschrieben werden. Spätestens dann erschrickt der Mensch vor seiner verlogenen Ethik.
...indirekt auf Ihre Frage "Wenn das Teilen wirklich den Menschen ausmacht, weshalb haben wir eine Finanzkrise, weshalb gibt es soviel Armut auf der Welt", indem er darauf hinweist, dass sich das von ihm beobachtete Verhalten evolutionär in Kleingruppen entwickelt hat und folglich in diesen auch am besten funktioniert.
Sehr schön deutlich wird das im Das-Weiße-im-Auge-Beispiel:
Der Mensch ist biologisch erst im Nahkontakt, auf Blickdistanz, darauf ausgelegt, Kooperation zu leisten. Technisch lässt sich das im 1:1-Kontakt überbrücken, etwa über Internettelefonie. Aber auf ein abstraktes Niveau hieven? Tomasello ist skeptisch, runzelt die Stirn und sagt mangels auswertbarer Daten ganz bescheiden "Vielleicht".
Die vom ZEIT-Autor verheißene globale Ausdehnung des Kooperationsprinzips erscheint mir angesichts dessen nicht mehr als eine Utopie, vulgo: Wunschdenken.
Solange die eigene Kleingruppe den ihr zugehörigen Menschen - wörtlich oder bildlich gesprochen - daraufhin trainiert, auf "den Fremden" zu schießen, sobald man "das Weiße im Auge" sieht, sobald also Empathie und Kooperation überhaupt erst in den Bereich des Möglichen rücken, solange ist an eine globale Kooperation nicht zu denken.
Und genau in diese Richtung entwickeln wir uns, indem wir - in den letzten Jahren wieder vermehrt - gesellschaftlich erst einmal alle und jeden verdächtigen, die nicht wie wir aussehen, arbeiten, sich kleiden, verhalten, wählen, nicht mit unserer Staatsbürgerschaft geboren sind oder nicht an das Selbe wie wir glauben.
Thomas Morus schrieb in Utopia vom Ideal, dass die Stadtbevölkerung einmal im Jahr auf's Land müsse und umgekehrt, um die jeweilige Lebenswelt der anderen kennenzulernen. Das gilt nicht nur für "Städter" und "Ländler", sondern für sämtliche sozialen Gruppen, deren Mitgliedern es ohne Begegnung an Empathie und "geteiltem Wir" mangelt. So etwas kann man in - und insbesondere zwischen - Gruppen einer gewissen Größe nicht mehr voraussetzen, sondern muss es bewusst erarbeiten.
Heutzutage begnen sich - von oberflächlichen Kürzkontakten ohne zwischenmenschliche Ebene abgesehen - in der Kindheit oftmals nicht einmal Haupt-, Real- und Gymnasial-Schüler; in der Jugend nicht einmal Azubis verschiedener Abteilungen im gleichen Konzern oder Studenten verschiedener Fakultäten, geschweige denn Azubis und Studenten untereinander; im Erwachsenenalter kaum noch Zugehörige unterschiedlicher sozialer Schichten oder anderer Kulturkreise.
Mangelnde Empathie: Das ist ein Problem, dessen Lösung nicht einfach ist; wie Morus schon früh erahnte und Tomasello nun naturwissenschaftlich untermauert hat, würde uns etwas mehr Durchmischung auf engerem Begegnungsraum gesamtgesellschaftlich allerdings guttun.
...indirekt auf Ihre Frage "Wenn das Teilen wirklich den Menschen ausmacht, weshalb haben wir eine Finanzkrise, weshalb gibt es soviel Armut auf der Welt", indem er darauf hinweist, dass sich das von ihm beobachtete Verhalten evolutionär in Kleingruppen entwickelt hat und folglich in diesen auch am besten funktioniert.
Sehr schön deutlich wird das im Das-Weiße-im-Auge-Beispiel:
Der Mensch ist biologisch erst im Nahkontakt, auf Blickdistanz, darauf ausgelegt, Kooperation zu leisten. Technisch lässt sich das im 1:1-Kontakt überbrücken, etwa über Internettelefonie. Aber auf ein abstraktes Niveau hieven? Tomasello ist skeptisch, runzelt die Stirn und sagt mangels auswertbarer Daten ganz bescheiden "Vielleicht".
Die vom ZEIT-Autor verheißene globale Ausdehnung des Kooperationsprinzips erscheint mir angesichts dessen nicht mehr als eine Utopie, vulgo: Wunschdenken.
Solange die eigene Kleingruppe den ihr zugehörigen Menschen - wörtlich oder bildlich gesprochen - daraufhin trainiert, auf "den Fremden" zu schießen, sobald man "das Weiße im Auge" sieht, sobald also Empathie und Kooperation überhaupt erst in den Bereich des Möglichen rücken, solange ist an eine globale Kooperation nicht zu denken.
Und genau in diese Richtung entwickeln wir uns, indem wir - in den letzten Jahren wieder vermehrt - gesellschaftlich erst einmal alle und jeden verdächtigen, die nicht wie wir aussehen, arbeiten, sich kleiden, verhalten, wählen, nicht mit unserer Staatsbürgerschaft geboren sind oder nicht an das Selbe wie wir glauben.
Thomas Morus schrieb in Utopia vom Ideal, dass die Stadtbevölkerung einmal im Jahr auf's Land müsse und umgekehrt, um die jeweilige Lebenswelt der anderen kennenzulernen. Das gilt nicht nur für "Städter" und "Ländler", sondern für sämtliche sozialen Gruppen, deren Mitgliedern es ohne Begegnung an Empathie und "geteiltem Wir" mangelt. So etwas kann man in - und insbesondere zwischen - Gruppen einer gewissen Größe nicht mehr voraussetzen, sondern muss es bewusst erarbeiten.
Heutzutage begnen sich - von oberflächlichen Kürzkontakten ohne zwischenmenschliche Ebene abgesehen - in der Kindheit oftmals nicht einmal Haupt-, Real- und Gymnasial-Schüler; in der Jugend nicht einmal Azubis verschiedener Abteilungen im gleichen Konzern oder Studenten verschiedener Fakultäten, geschweige denn Azubis und Studenten untereinander; im Erwachsenenalter kaum noch Zugehörige unterschiedlicher sozialer Schichten oder anderer Kulturkreise.
Mangelnde Empathie: Das ist ein Problem, dessen Lösung nicht einfach ist; wie Morus schon früh erahnte und Tomasello nun naturwissenschaftlich untermauert hat, würde uns etwas mehr Durchmischung auf engerem Begegnungsraum gesamtgesellschaftlich allerdings guttun.
...indirekt auf Ihre Frage "Wenn das Teilen wirklich den Menschen ausmacht, weshalb haben wir eine Finanzkrise, weshalb gibt es soviel Armut auf der Welt", indem er darauf hinweist, dass sich das von ihm beobachtete Verhalten evolutionär in Kleingruppen entwickelt hat und folglich in diesen auch am besten funktioniert.
Sehr schön deutlich wird das im Das-Weiße-im-Auge-Beispiel:
Der Mensch ist biologisch erst im Nahkontakt, auf Blickdistanz, darauf ausgelegt, Kooperation zu leisten. Technisch lässt sich das im 1:1-Kontakt überbrücken, etwa über Internettelefonie. Aber auf ein abstraktes Niveau hieven? Tomasello ist skeptisch, runzelt die Stirn und sagt mangels auswertbarer Daten ganz bescheiden "Vielleicht".
Die vom ZEIT-Autor verheißene globale Ausdehnung des Kooperationsprinzips erscheint mir angesichts dessen nicht mehr als eine Utopie, vulgo: Wunschdenken.
Solange die eigene Kleingruppe den ihr zugehörigen Menschen - wörtlich oder bildlich gesprochen - daraufhin trainiert, auf "den Fremden" zu schießen, sobald man "das Weiße im Auge" sieht, sobald also Empathie und Kooperation überhaupt erst in den Bereich des Möglichen rücken, solange ist an eine globale Kooperation nicht zu denken.
Und genau in diese Richtung entwickeln wir uns, indem wir - in den letzten Jahren wieder vermehrt - gesellschaftlich erst einmal alle und jeden verdächtigen, die nicht wie wir aussehen, arbeiten, sich kleiden, verhalten, wählen, nicht mit unserer Staatsbürgerschaft geboren sind oder nicht an das Selbe wie wir glauben.
Thomas Morus schrieb in Utopia vom Ideal, dass die Stadtbevölkerung einmal im Jahr auf's Land müsse und umgekehrt, um die jeweilige Lebenswelt der anderen kennenzulernen. Das gilt nicht nur für "Städter" und "Ländler", sondern für sämtliche sozialen Gruppen, deren Mitgliedern es ohne Begegnung an Empathie und "geteiltem Wir" mangelt. So etwas kann man in - und insbesondere zwischen - Gruppen einer gewissen Größe nicht mehr voraussetzen, sondern muss es bewusst erarbeiten.
Heutzutage begnen sich - von oberflächlichen Kürzkontakten ohne zwischenmenschliche Ebene abgesehen - in der Kindheit oftmals nicht einmal Haupt-, Real- und Gymnasial-Schüler; in der Jugend nicht einmal Azubis verschiedener Abteilungen im gleichen Konzern oder Studenten verschiedener Fakultäten, geschweige denn Azubis und Studenten untereinander; im Erwachsenenalter kaum noch Zugehörige unterschiedlicher sozialer Schichten oder anderer Kulturkreise.
Mangelnde Empathie: Das ist ein Problem, dessen Lösung nicht einfach ist; wie Morus schon früh erahnte und Tomasello nun naturwissenschaftlich untermauert hat, würde uns etwas mehr Durchmischung auf engerem Begegnungsraum gesamtgesellschaftlich allerdings guttun.
Sprache als Ausdrucks eines Wir-Gefühls
Weil wir die Dinge finden in der Natur machen wir sie, legen sie hinein in die Natur. Ja, kann man nach dieser Theorie Tomasellos, Sätze kritisieren? Tiere kennen kein Wir sagt er. Man fragt sich, woran Tomasello das festmacht, wenn er lediglich Affen beobachtet hat. Wenn er Hühner beobachtet hätte, würde er feststellen, das sie, sobald ein Korn entdeckt ist, darum herum gakkern, bis die Anderen kommen und es wegfressen. Was sagt das? Richtig, es sagt ebenso wenig, wie die Beobachtungen Tomasellos; auch wenn er diese sehr uneigennützig aus einem WIR heraus gemacht hat? „Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation“ hierin erklärt er die Entstehung der menschlichen Sprache. Auch wenn dieses Thema von Herder bis Chomsky besprochen ist, so wissen wir, dass wir hier nur glauben und raten können. Das Schließen von Affen auf Menschenkinder ist schwach. Das die menschliche Sprache nicht aus vokalen Urformen ist, sondern Zeigespiel, ist seit der Argumentation der Perlokution, dem das Sprechen ein Handeln ist wissenschaftliche Theorie.
Teil I.
Am Anfang war nicht die Stimme, sondern der Zeigefinger, das wusste schon Michelangelo bei der Ausmalung der sixtinischen Kapelle. Zum Zeigen (meint Wittgenstein) muss man schon Sprache beherrschen, (und Austin) man muss sagen, was man tun muss, statt etwas zu tun; das heißt die Dinge zeigen sich selbst. Wenn wir in ein fremdes Land gehen, verständigen wir uns mit allem was uns zur Verfügung steht, und zwar allem, auch der Sprache oder Geräuschimitation. Selbst wenn wir versuchen mit Affen oder anderen Tieren zu kommunizieren. Der Mensch spricht weil er ein soziales Wesen ist und er ist ein soziales Wesen weil er spricht. Also was? Wir wollen ebenso kooperieren und Gefühle teilen, wie Tiere im Rudel. Die Menschheit in ihrer Urgeschichte hat durch Gesten das kommunizieren mittels Stimme erweitert. Sicher mussten die Urmenschen auf der Jagd mit ihrer Stimme vorsichtig sein. Vieles könnte einleuchten, aber Tomasello dichtet Mythen und Märchen und das, warum nicht? Nur durch Mythen und Märchen kommen wir zu Vorstellungen, alles Logische wäre Hybris. Logik ist eine Frage der Evolution sie zeigt sich nicht im Sprechen; vielleicht in der Sprache, aber das ist eine andere Wissenschaft. Natürlich hat auch Chomsky zum Teil recht, die Sprache sei entstanden, damit die Menschen besser miteinander kommunizieren können. Man kann nur kommunizieren wenn man miteinander spricht. Das ist eine bekannte Weisheit. Man kann nicht mit der Sprache kommunizieren (SIC) !
Teil II
Die Sprache kommuniziert über die in ihr enthaltene Historie von Ereignis zum Rezipienten! Sie ist (Achtung) nicht nur eindeutig. Die Sprache ist immer undeutlich und ohne Sinn. Der sinn wir immer in das Sprechen hineingelegt und muss erst neu erschaffen werden. Das heißt jedes Sprechen ist ohne Sinn, ist UNSINN. Wie Chomsky sagt: „Es passiert uns häufig, dass wir einfache Intentionen und Gefühle, die wir einem anderen mitteilen wollen, nicht auszudrücken vermögen.“ Herder wies die These vom sozialen Zweck zurück. Meiner Ansicht hat Sprache nur die Funktion von Kommunikation. Aber nicht zur Übermittlung eigener Ideen, vielmehr, das wissen wir seit Kant ist jeder alleine, jeder muss selber denken. Die Idee man könnte Denken weitergeben ist Hybris! Vielleicht würde der Wilde, der Einsame im Wald auch sprechen, wir machen es auch, wenn wir alleine im Wald sind, man nennt es Angst, dann sage ich, wir sprechen nur weil wir Angst haben. Die beobachteten Affen hatten keine Angst und wenn sie Angst hatten, dann schrien sie im ersten Sprechen. Ludwig Wittgenstein hat viel gesagt. Auch, das wir über was wir nicht wissen können, schweigen sollen. Die ursprüngliche Kommunikation, darüber können wir nichts sagen, versuchen es aber immer wieder. Aber wie wir jetzt sprechen, darüber könnten wir viel sagen und auch spekulieren, wohin wir uns entwickeln im Sprechen (unter Berücksichtigung historischer Differenz).
weiteres auf www.freude.myblog.de
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