Leon de Winter macht es sich in seinem Artikel Besessen vom Leid (ZEIT Nr. 15/09) viel zu leicht. Europas Verantwortung Israel und den Palästinensern gegenüber ist nicht allein dem Zweiten Weltkrieg und seinen furchtbaren Verbrechen geschuldet, wie de Winter behauptet. Schon 1920, nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches, übernahm Großbritannien das Mandat für Palästina. Nachdem der britische Außenminister Balfour dem jüdischen Volk 1917 die Unterstützung für "eine nationale Heimstätte in Palästina" zugesagt hatte, wurden in den Jahren der britischen Mandatsmacht die Weichen für den bis heute andauernden Nahostkonflikt gestellt.

Es ist der Unfähigkeit der Europäer zuzuschreiben, keine für jüdische Einwanderer ebenso wie für ansässige Palästinenser, Juden und Christen gemeinschaftliche Lösung in einem Staat gefunden zu haben. Dies führte dazu, dass sich nach zahlreichen Kämpfen und Aufständen die UN des Problems annahmen. Diese teilten den Staat 1947 auf dem Papier in zwei Hälften, führten den Plan jedoch nie vollständig durch. So gründete sich zwar 1948 der Staat Israel, über Palästina wird hingegen bis heute noch immer diskutiert.

Wer die Geschichte für seine Argumentation nutzt, wie de Winter es tut, sollte genau sein mit den historischen Daten. Demzufolge irrt de Winter auch, wenn er die Bedrohung Israels gleichsetzt mit der islamistischen Bedrohung der westlichen Welt. Nur oberflächlich betrachtet verfolgen Hamas und Hisbollah, die Taliban und al-Qaida die gleichen Ziele.

Wirklich verstörend aber wird der Text, wenn de Winter die in Gaza lebenden Menschen per se als "Feinde Israels" und "Judenhasser" bezeichnet. Unerträglich ist seine höhnische Schlussfolgerung, die Menschen in Gaza hätten nur darauf gewartet, endlich "Juden zu töten" – eine Möglichkeit, die Israel ihnen im Gazakrieg geboten habe. Hier überschreitet der Autor den schmalen Grad zwischen Polemik und Hass.

Elisabeth Knoblauch, 34, ist Redaktionsassistentin im Politischen Ressort der ZEIT