Zentralbanken
Die Welt in ihrer Hand
Einst hat er die globale Wirtschaft ruiniert, nun will der Club der Zentralbankiers die Depression verhindern – und bricht alle Tabus
In Basel ist eine Weltmacht zu Hause, die kaum einer kennt. Wer vom Schweizer Bahnhof in Basel zur Innenstadt läuft, stößt nach ein paar Metern auf ein Gebäude, das nicht in die beschauliche Kleinstadt passt. Ein Zylinder mit kupferfarbenen Außenwänden ragt in die Höhe. Getönte Fensterscheiben versperren den Blick ins Innere.
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist die Dachorganisation aller Zentralbanken. In ihrem Gemäuer traf sich im Herbst 2007 – als viele noch dachten, die Krise würde schnell vorüberziehen – die vielleicht geheimste Runde der Weltwirtschaft. Elf Herren waren gekommen. Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), war dabei. Axel Weber, Präsident der Bundesbank, saß dort ebenso wie Abgesandte anderer führender Notenbanken. Vor allem aber Donald Kohn, der Vizepräsident der amerikanischen Federal Reserve Bank. Er redete über die Lage in den USA, und die anderen hörten zu. Danach ahnten sie: Die Welt stand vor der ökonomischen Katastrophe.
Die große Bewährungsprobe für die verschwiegene Gemeinschaft der Zentralbanker hatte begonnen. Im Rampenlicht mögen dieser Tage zwar die Staatschefs mit ihren Gipfeltreffen und großen Reden stehen, aber den Ausschlag geben die Entscheidungen im Hauptquartier der Europäischen Zentralbank in der Frankfurter Kaiserstraße oder in der Zentrale der Federal Reserve an der Constitution Avenue in Washington.
Die Chefs der Notenbanken sind dafür zuständig, die Welt mit genug Geld für eine Erholung zu versorgen. Dabei müssen sie eine Gratwanderung bewältigen: gerade so viel Geld drucken, dass die Wirtschaft wieder anläuft – aber nicht zu viel. Sonst droht die große Inflation. Eine gewaltige Aufgabe ist das: Die Krise muss bekämpft werden, ohne dabei gleich wieder eine neue Krise auszulösen. Die Bruderschaft der Zentralbanker – so nennen sich die Währungshüter selbst – ist ein globaler Verein. Man hat seine Rituale und Orte. Die Meister des Geldes treffen sich auf internationalen Tagungen, zur jährlichen Fachkonferenz mit Sommerfrische in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming und seit über 70 Jahren immer wieder in Basel.
Und man hat eine Geschichte. Bei ihrer ersten großen Bewährungsprobe in den zwanziger Jahren haben die Zentralbanker versagt. Die wichtigen Notenbankiers hießen damals Hjalmar Schacht, Präsident der Reichsbank, Montagu Norman, Gouverneur der Bank von England, Benjamin Strong von der New Yorker Federal Reserve Bank und Emile Moreau, Präsident der Banque de France. Mit fast religiösem Eifer wollte das Quartett den Goldstandard, der seit dem Ersten Weltkrieg aufgeweicht worden war, wiederherstellen. Goldstandard bedeutet: Die Währungen sind durch Gold gedeckt. Eine Zentralbank darf nur dann mehr Geld drucken, wenn sie auch mehr Gold in ihre Tresore einlagert. Das galt als Inbegriff wirtschaftlicher Stabilität und moralischer Integrität.
Die Zentralbankiers setzten sich durch: Nach und nach koppelten die großen Länder ihre Währungen wieder ans Gold. Kaum jemand ahnte damals, dass sie damit einen Kollaps der Weltwirtschaft vorbereiteten. Wohl aber der aufstrebende britische Ökonom John Maynard Keynes, der verzweifelt versuchte, die Rückkehr zum Gold zu verhindern. Als Ende der zwanziger Jahre die Finanzmärkte einknickten und die Konjunktur in die Knie ging, hätten die Volkswirtschaften dringend mehr Geld und Kredit gebraucht. Aber es gab zu wenig Gold. Wie hätte da Geld gedruckt werden sollen? So wurde aus einer Rezession die Große Depression. »Die Zentralbanken verpassten der Weltwirtschaft Fußtritte, obwohl sie längst am Boden lag«, urteilt der amerikanische Wirtschaftsprofessor Barry Eichengreen 90 Jahre später.
Die Zentralbanker haben sich seither oft geschworen, dass die Geschichte sich nicht wiederholt. In der heutigen Krise drehen sie den Geldhahn auf. Rund um den Globus haben sie ihre Zinssätze gesenkt, wieder und wieder. Sie stocken Reserven des Internationalen Währungsfonds auf. Sie retten Banken. Und sie tun sogar das lange Undenkbare: Sie drucken Geld für die Finanzierung von Konjunkturpaketen.
Am Dienstag, dem 17. März, ist der Hermann-Josef-Abs-Saal in Frankfurt prall gefüllt. Jean-Claude Trichet, das graue Haar akkurat gescheitelt, tritt auf die Bühne. Er soll nicht über die Finanzkrise sprechen, sondern über kulturelle Identität in Europa. Das Thema ist trotzdem wie gemacht für den Liebhaber europäischer Literatur und Poesie. Er beginnt bei Dante, Cervantes, Shakespeare, macht Halt bei Goethe und Heine, endet bei Lacan und Derrida, lobt die bunte Vielfalt der europäischen Kultur.
Kühl und streng beschreibt er hingegen seinen eigenen Job. Trichet sagt, er sei ein technokratischer Diener, ein »Hüter des Gemeinwohls«, und diese Art der Selbsteinschätzung eint die Zentralbanker. Viele von ihnen waren Wirtschaftsprofessoren oder hohe Beamte, sie können auf einen Stab bestens ausgebildeter Ökonomen zurückgreifen. Ihre Entscheidungen mögen politische Konsequenzen haben, sie selbst sind aber im Grunde unpolitisch. Es geht darum, ein festgelegtes Ziel – stabile Preise und Wachstum – mit möglichst geringen Nebenwirkungen zu erreichen. Der Lärm der Parteien, die Kriege und ideologischen Konflikte der großen Politik haben die Gemeinschaft nie sonderlich berührt. Als der Eiserne Vorhang Europa teilte, trafen sich Notenbanker aus Ost und West heimlich in den Räumen der Baseler Bank der Banken.
Trichet und seine Kollegen haben in der Krise von allen Akteuren den größten Handlungsspielraum. Die meisten Zentralbanken sind unabhängig. Ihre Präsidenten bleiben für die Dauer ihrer Amtszeit praktisch unkündbar, sie brauchen sich nicht mit Parteien oder Parlamenten abzustimmen, sie müssen keine Wähler überzeugen. Sie sind die heimlichen Herren der Weltwirtschaft.
»Wenn wir von einer Sache überzeugt sind, setzen wir sie genau so um«
»Politik ist ein mühsames Geschäft. Sie müssen Kompromisse eingehen, Interessen berücksichtigen, die öffentliche Meinung«, drückt es ein hochrangiger Notenbanker aus. Ganz anders das eigene Metier: »Wenn wir von einer Sache überzeugt sind, dann setzen wir sie genau so um.« Das ist viel wert in Zeiten, in denen unpopuläre Entscheidungen schnell getroffen werden müssen. Als die New Yorker Investmentbank Bear Stearns im vergangenen Frühjahr gerettet werden musste, konnte außer der Federal Reserve niemand die nötigen Mittel schnell genug auftreiben. Bei der Hypo Real Estate half die Bundesbank mit einer Milliardenspritze.
Bloß, woher nehmen die Zentralbanken dieses Geld?
»Wir nennen es nicht Geld, wir nennen es Liquidität«, sagt Paul Mercier, der stellvertretende Leiter der Abteilung Marktoperationen bei der EZB. Ein kräftiger Belgier mit grauen Haaren, Hobbypilot, er hat im zweiten Stock des Euro-Towers in Frankfurt sein Büro. Wer zu ihm will, muss durch Sicherheitsschranken und Stahltüren. An den Wänden hängen ein Tim-und-Struppi-Poster und ein Foto seines Sportflugzeugs. Wenn man von seinem Büro aus den Flur entlanggeht, gelangt man zu einem kleinen, hellen Raum mit orange gestrichenen Wänden. Computer mit Monitoren stehen darin, auf ihren Bildschirmen sind Marktdaten und die neuesten Nachrichten zu sehen.
Hier entsteht das Geld jeden Dienstag. Die EZB hält eine Auktion ab. Sie versteigert Zentralbankgeld an Banken. Die Banken dürfen es für einige Zeit behalten, in der Regel eine Woche lang, dann beginnt die nächste Auktion.
Normalerweise geben 400 bis 500 Banken Gebote ab. Sie laufen auf einem Computer in Merciers Büro ein. Die Banken müssen mindestens anbieten, den aktuellen Leitzins für das geliehene Geld zu bezahlen; den Zuschlag bekommt aber, wer am meisten zahlt und genügend Sicherheiten vorweisen kann. Jede Bank hat ein Konto bei der Zentralbank, dort wird der Betrag gutgeschrieben.
Aber noch mal, woher kommt dieses Geld?
Praktisch aus dem Nichts. Es wird bei der Buchung geschaffen – und später wieder zerstört, sobald es an die Notenbank zurückgezahlt wird. So lief das mehr oder weniger reibungslos bis zum September 2008. Dann kollabierte an der Wall Street die Investmentbank Lehman Brothers. Mercier kann sich an den Tag erinnern. Er saß vorm Computer, und auf einmal spielten die Daten verrückt. »Keiner hat gedacht, dass so etwas möglich sein würde«, sagt er. Auch die Bankchefs nicht. Fortan trauten sie fast niemandem mehr, erst recht nicht ihresgleichen. »Wir haben uns früher darauf verlassen, dass auch die Banken sich untereinander Geld leihen«, erzählt Mercier. »Jetzt müssen wir diese Aufgabe übernehmen.« Tatsächlich leiht die EZB heute jeder Bank zum Leitzins so viel Geld, wie sie haben will. Andere Zentralbanken treiben es noch toller.
London, Threadneedle Street. Das Hauptquartier der britischen Zentralbank gleicht einer Festung. Schwere Bronzetüren, eine fensterlose, etwa zwanzig Meter hohe Mauer aus Kalkstein. Die Bank von England gibt es seit 1694, sie hat den Aufstieg des britischen Empires finanziert und konnte den Niedergang nicht aufhalten. Mervyn King führt diese Zentralbank, ein ehemaliger Wirtschaftsprofessor und leidenschaftlicher Fußballfan. King hält nicht viel von öffentlichen Auftritten, doch er muss jetzt öfters vor Kameras erklären, weshalb die Bank von England sich auf das vielleicht gewagteste Experiment ihrer Geschichte einlässt. Sie kauft Anleihen des Staates und der Unternehmen auf.
Das dafür nötige Geld entsteht zwar so ähnlich wie im Computerraum des Herrn Mercier in Frankfurt. Jedoch verleiht die Bank von England ihr Geld fortan an den Banken vorbei direkt an die Wirtschaft. Die Unternehmen können sich – genauso wie der Staat – auf diese Weise wesentlich günstiger Geld borgen als über den Umweg der Banken. King tut das, weil die Banken so viel Geld verloren haben, dass sie kaum mehr Kredite vergeben können.
Die Federal Reserve in den USA hat ebenfalls schon mit dieser Art des Geldverleihs begonnen. Und in der EZB arbeitet man seit einigen Wochen insgeheim an einem Plan für den Aufkauf von Staats- und Unternehmensanleihen – für den Fall, dass die europäischen Banken ebenfalls streiken.
Doch unter allen Zentralbanken ist die EZB die Kathedrale der Vorsicht. Entsprechend schwierig sind die Verhandlungen. Einigen Notenbankern gefällt es nicht, dass eine Zentralbank Staatsanleihen kauft. Denn was geschieht, wenn ein Unternehmen, dem die EZB Geld geliehen hat, seine Anleihen nicht mehr bedienen kann? Irgendwann könnten die Zentralbanken so viele Verluste in ihren Büchern stehen haben, dass der Staat frisches Geld nachschießen muss. Das schüfe Abhängigkeiten. Anderen missfällt der Gedanke, darüber entscheiden zu müssen, welche Firmen mit Kredit versorgt werden. Mit dem unpolitischen Leben wäre es dann vorbei. »Stellen Sie sich vor, wir kaufen Anleihen von Siemens, meiden aber die von BMW«, sagt ein Frankfurter Währungshüter. »Natürlich wird sich die Politik einmischen. Ich habe keine Lust, dass hier ständig irgendwelche Finanzminister aufkreuzen.«
Es geht aber auch um eine Lehre aus der Geschichte: Zentralbankgeld für den Staat und für die Wirtschaft, das klingt nach Weimar, nach Hyperinflation. Manche Experten entwerfen das Horrorszenario wieder. »Uns implodiert das Geldsystem«, wettert Thorsten Polleit, der Chefökonom bei Barclays Capital in Frankfurt. Niedrige Zinsen hätten einst die Krise überhaupt erst verursacht – und wer jetzt versuche, sich ihr mit einer noch größeren Geldflut entgegenzustemmen, der verschiebe nur die nötigen Anpassungen in die Zukunft.
Ausgerechnet Otmar Issing sorgt sich nicht um die Stabilität des Geldes
Aber es gibt auch die Gegenmeinung. Otmar Issing ist gelassen, und das, obwohl er in der Welt der Zentralbanken als Hohepriester der Geldwertstabilität bekannt ist. Der Deutsche war bis vor drei Jahren Chefvolkswirt bei der EZB. Viele Politiker haben sich an ihm die Zähne ausgebissen, als sie die Notenbanken zu Zinssenkungen bewegen wollten. Doch nun steht er an der Bar eines Frankfurter Hotels und sagt, die Zentralbanken sollten in der Krise »die Schleusen öffnen«. Ausgerechnet Issing!
Um ihn zu verstehen, muss man sich den Weg des Geldes genauer ansehen. Die Zentralbank steuert zwar die Geldversorgung – doch Geld wird auch woanders geschöpft. Es entsteht auch, wenn Banken oder Sparkassen Kredite vergeben. Das tun sie im Augenblick bloß viel seltener als vor der Krise. Die Notenbanken gleichen deshalb mit ihren Milliardenspritzen nur diese Ausfälle aus, damit der Geldfluss nicht versiegt. Selbst wenn dadurch die Geldmenge insgesamt wieder schneller wachsen sollte, muss das nicht heißen, dass auch Güterpreise steigen oder Aktienkurse klettern – sprich dass dann die große Inflation ausbricht. Das geschieht nur, wenn Käufer und Anleger von der Kauflust gepackt werden. Deshalb achten viele Währungshüter nicht mehr auf das Geld, sondern auf die Nachfrage der Konsumenten und das Verhalten der Banken.
In Europa wird es bereits dunkel, als Ben Bernanke am vorigen Freitag um 12 Uhr Ortszeit in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina das Wort ergreift. Er ist Ehrengast einer Konferenz über Kreditmärkte. Wenn eine Krise kommt, hat er vor einigen Jahren gesagt, dann müsse die Zentralbank einfach nur mit dem Hubschrauber Geld abwerfen. Helikopter-Ben nennen sie ihn seither.
Doch heute soll Bernanke über den zweiten Teil der Rettung der Weltwirtschaft reden: über die Frage, ob das viele abgeworfene Geld später wieder rechtzeitig eingesammelt werden kann, bevor es Schaden anrichtet. Die Reichsbank hatte da einst versagt. Sie hörte nicht auf damit, Geld in den Markt zu pumpen, als sich die Wirtschaft längst erholte und wieder Geld durch die Banken und sonstige Kreditgeber geschöpft wurde. Ergebnis: 1923 stiegen die Preise um 40 Prozent pro Tag. Bernanke kennt auch diesen Teil der Geschichte. Aber, sagt er, seine Federal Reserve könne es besser, sie habe dafür »eine Reihe von Instrumenten« zur Verfügung. Technisch betrachtet, ist das Einsammeln ja auch nicht schwer: Die Notenbank erhöht die Zinsen und verkauft die Staatsanleihen in ihren Tresoren. Dafür erhält sie Geld, das sie dann einbehält. Weg ist es.
Das funktioniert aber nur, wenn die Politik auch akzeptiert, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen. Wenn sie bereit ist, die Steuern zu erhöhen und die neuen Schulden mühsam abzutragen, statt sie durch eine hohe Inflation zu entwerten. Erst dann wäre die Rettung geglückt.
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- Datum 9.4.2009 - 18:26 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 08.04.2009 Nr. 16
- Kommentare 21
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Das Problem ist meiner Meinung nach ein alter Denkfehler. Geld ist nicht der in Zahlen ausgedrückte Gegenwert von Gütern und Diensten sondern die Voraussetzung für das Entstehen der meisten Güter und Dienstleistungen.
Damit Wirtschaftswachstum entstehen kann muss genug Geldmenge im System vorhanden sein um die sich füllenden Ladenkassen, Girokonten und Sparbücher mit irgendwas zu füllen. Gleichzeitig darf die Menge aber nicht höher sein als das zu erwartende Wirtschaftswachstum - die Geldmenge muss quasi immer etwas der Zukunft angepasst sein; die Zentralbanken können insofern nichts zum Wachstum beitragen aber sehr viel tun um das Wachstum zu behindern oder gar abzuwürgen. Den besten Job machen Zentralbanken wenn sie keinerlei Einfluß auf die Realwirtschaft haben - indem sie ihre Prognosen gut erledigen und immer genug Geld im System umgewälzt wird um steigender Wertschöpfung, steigender Bevölkerung und höheren Lebensstandards entsprechende Liquidität zu geben.
Das Problem was wir aktuell haben ist dass das Wachstum der Realwirtschaft eigentlich in Ordnung war, im Großen und Ganzen, aber durch die zu Beginn reine Finanzkrise die Liquidität die umgewälzt wird rasch verringert wurde. Da die Banken das Geld bei sich behalten, eben nicht mehr über Kredite und Zinsen umwälzen. Das ist für Unternehmen und Konsumenten der selbe Effekt als ob die Zentralbanken selbst das Geld einziehen würden. Dementsprechend kann die Zentralbank auch die nun fehlende Liquidität in den Markt geben, die Banken ersetzen.
Das funktioniert wunderbar.
Bis zu dem Punkt an dem die Banken, aus welchen Gründen auch immer im Einzelfall, wieder anfangen das Geld was sie haben in den Kreislauf zurück zu geben - umwälzen zu lassen. Solange die Zentralbank dies genau registriert und im selben Maß eigenes Geld aus dem Markt nimmt ist alles OK und im Idealfall ist die Krise damit dann durchgestanden. Und es kann dabei verdammt viel schief gehen.
Hier wird die Intransparenz durch mangelnde Regulierung ein Problem. Wenn die Zentralbank nicht weiss wieviel Geld die Banken (wieder) in den Markt geben - woher soll sie wissen wieviel Geld sie aus dem Markt nehmen muss?
Wenn sie das nämlich nicht wie beschrieben tut und diese feine Balance erhält DANN haben wir Inflation in pikanter Höhe.
"Die Chefs der Notenbanken sind dafür zuständig, die Welt mit genug Geld für eine Erholung zu versorgen."
Solange man diesen Satz noch in einer Qualitätszeitung lesen kann, sind wir noch nicht so weit, die Probleme lösen zu können, die wir lösen müssen, um diese Krise nicht lediglich symptomatisch zu kurieren.
Toll, dass wir jetzt über Tim und Struppi informiert sind, nicht allerdings darüber, dass die EZB ausdrücklich nur für die Geldwertstabilität und nicht für Wachstum verantwortlich ist. Auch nicht darüber, dass die Zentralbanken absolut nicht im politikfreien Raum agieren. Auch nicht darüber, dass nicht allein Zentralbanken und Banken über die Geldmenge entscheiden, sondern, dass es dazu eines Kreditnehmers bedarf. Und der Kreditnehmer streikt, vor allem in den USA - die oft zitierten, nicht saufenden Pferde. Zumindest die, die nicht GM oder Chrysler heißen.
Der monetaristische Ansatz ist mir ja nicht unsympathisch, ist aber bisher vornehmlich an einem Punkt gescheitert und wird dies auch in Zukunft tun: Dem Menschen und seinen Schwächen.
Kann er der Versuchung widerstehen, mit ein bischen Inflation die Konjunktur "ankurbeln" zu wollen? Vor allem vor Wahlen? Weil die Stimmung dann so gut ist? Weil die Klientel gepflegt werden muß? Weil es grade regnet? Nein, das kann der homo politicus nicht, wie sich bisher gezeigt hat.
Zum zweiten: Weder Herr Bernanke noch irgendein anderer hat die für die Steuerung notwendigen Mittel und auch nicht das erforderliche Wissen. Wenn grade derjenige, der mit seiner "Druckmaschine" wesentlich für die jetzige Krise verantwortlich zeichnet und von ihr überrascht wurde, behauptet, er habe die erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Instrumente, ist das nur lächerlich. Eine Selbstüberschätzung problematischen Ausmaßes, an der auch die sozialistischen Kommandostaaten gescheitert sind.
Leider, leider muß der arbeitende Teil der Bevölkerung die Unintended Consequences dieser Selbstüberschätzung und Begehrlichkeiten tragen.
Wenn es doch so einfach wäre .......... und frisches Geld die Produktion antriebe - ja dann ............... dann wäre Simbabwe das produktivste Land der Welt.
Solange ein Artikel über die Zentralbanken, der unter den Schlagworten
* Bank »
* Bankenaufsicht »
* Finanzkrise »
* zinsen »
läuft, mit Struppi, Fensterfarben und ähnlichem Firlefanz aufgepeppt wird, solange kann ich keine Qualitätszeitung erkennen. Vielleicht erhebt man den Anspruch, vielleicht ist man doch zu feuilletonistisch ausgerichtet, vielleicht politisch zu korrekt, vielleicht ...
so, wie man es früher nannte: Geldfälschung. Kurz und knapp.
Daß wir beide darüber hinaus vollkommen einer Meinung sind, haben wir ja schon mehrfach festgestellt, daran hat sich auch nicht das geringste geändert.
eine Antwort zu #2
"Normalerweise geben 400 bis 500 Banken Gebote ab. ... Die Banken müssen mindestens anbieten, den aktuellen Leitzins für das geliehene Geld zu bezahlen; den Zuschlag bekommt aber, wer am meisten zahlt und genügend Sicherheiten vorweisen kann. ...
Aber noch mal, woher kommt dieses Geld?
Praktisch aus dem Nichts. Es wird bei der Buchung geschaffen – und später wieder zerstört, sobald es an die Notenbank zurückgezahlt wird." (alle Notenbanken arbeiten nach diesem Prinzip)
Soweit klar, und woher kommt das Geld für die Zinsen? Nun, lösen wir das Rätsel gleich, es kommt aus neuen Krediten. Warum dies so ist? Die Herren sind der Meinung so ließe sich Wachstum generieren (oder auch erzwingen). Damit haben sie natürlich irgendwie auch recht, Fragen nach der Art des Wachstums und dessen Verhältnis zur Realwirtschaft (und irgendwo auch den Menschen an sich) gehören aber anscheinend nicht unbedingt zum Thema. Kann man bei "technokratischen Dienern" und "Hütern des Gemeinwohles" (hier wurde mir schlecht) natürlich verstehen, muß man aber nicht.
"... – doch Geld wird auch woanders geschöpft. Es entsteht auch, wenn Banken oder Sparkassen Kredite vergeben. Das tun sie im Augenblick bloß viel seltener als vor der Krise.
[im Artikel vorweg stehend]
"Jedoch verleiht die Bank von England ihr Geld fortan an den Banken vorbei direkt an die Wirtschaft. ..., weil die Banken so viel Geld verloren haben, dass sie kaum mehr Kredite vergeben können.
Nun haben wir gelernt, auch anders kann Geld "geschöpft" werden. Natürlich steht auch hier die Zinsfrage im Raum. (Allerdings sollte man unabhängig von der eigenen Einstellung zu Zinsen nicht den Fehler begehen, die Zinsfrage einer Privatbank mit der Zinsfrage der Notenbank zu vermischen. Die Finanzierung eines "Geschäftes" ist etwas anderes als die Geldversorgung an sich.)
Beunruhigt hat mich dieser Aspekt aber besonders aus einem anderen Grund. So habe ich doch einmal gehört, es gibt Länder auf diesen schönen Planeten in denen Banken bereits mit einem Eigenkapital von 2% Kredite vergeben können. Der Rest ist eigentlich reiner "Buchungswert". Was mich zu der Frage führt, welche Kreditausfälle müssen denn in der Wirtschaft bisher unbemerkt geblieben sein, um das Eigenkapital der Banken und damit die weitere Kreditvergabe so zusammenbrechen zu lassen? Oder, wo ist das ganze schöne Geld geblieben?
Um es etwas abzukürzen, ich habe da so eine Theorie. All die tollen Meldungen der Art -Geldhahn aufdrehen-, -Geld in den Markt pumpen-, -frisches Geld drucken-, ..., sind völliger Schwachsinn. Das einzige was schlußendlich ständig erhöht wird ist die Geldmengenforderung, die schon bei den Notenbanken generell höher als der in das System eingebrachte Verfügungswert ist. Nun konnte dies bisher noch mit der Erhöhung der Gesamtgeldmenge und allen möglichen Buchungsschiebereien irgendwie geregelt werden. Da sich hierbei aber systembedingt auch die ganzen feinen Buchwerte ständig vermehrt haben, entstand vor einiger Zeit ein Betrag in Form einer Prozentzahl welcher faktisch eine Grenze des tollen Spieles bildet. Nämlich dann, wenn der verfügbare Geldmengenteil in der Realwirtschaft/ im Umlauf die Forderungen des wesentlich höheren Geldmengenteils der im Finanzsektor verwaltet wird nicht mehr erfüllen kann. Eine nicht unwesentliche Rolle dürfte hierbei auch die Frage der Trennung des Finanzsektors von der realen Wirtschaft spielen. Für Hans Müller bedeutet dies schlußendlich nichts anderes als, wie man mittlerweile gemerkt haben sollte, entweder Reallohnverzicht (den Gürtel enger schnallen) oder höhere Verschuldung (wobei die eingebrachten Sicherheiten nicht unbedingt real sein müssen), oder beides.
Wenn unsere "technokratischen Diener" und "Hüter des Gemeinwohl" (hier wurde mir schlecht) jetzt mit ganz großer Klasse daran arbeiten, durch ihre weitsichtige Fiskalpolitik die ganz große Inflation durch die "dauerhafte" kleine Inflation zu vemeiden bin schlicht begeistert, von Dankbarkeit ergriffen und zu Tränen gerührt. Mit einem Vergleich gesprochen, statt unserem Wirtschaftsfallschirmspringer ein Taschentuch an die Seile zu hängen, haben sie ein Handtuch genommen. Schließlich haben wir ja für die Aussicht auch bezahlt, genießen wir sie.
Genießen wir sie, bis alles wieder gut wird in unserer Gesellschaft, bis;
"Die Notenbank erhöht die Zinsen und verkauft die Staatsanleihen in ihren Tresoren. Dafür erhält sie Geld, das sie dann einbehält. Weg ist es.
Das funktioniert aber nur, wenn die Politik auch akzeptiert, dass die Zinsen irgendwann wieder steigen. Wenn sie bereit ist, die Steuern zu erhöhen und die neuen Schulden mühsam abzutragen, statt sie durch eine hohe Inflation zu entwerten." - und wir nach diesen heldenhaften Schritten und Maßnahmen alle endlich vom großen Übel der Krise erlöst sind.
PS: Der Artikel wurde gespeichert und gedruckt, als Lehrstück für unsere Nachkommen, warum diese ganze Bande eines Tages zur Verantwortung gezogen werden wird.
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Ich fordere für alle Personen in Führungsverantwortung.
- jährlich eine Woche Sozialarbeit
- wöchentlich 3Stunden Geschichtsunterricht
- eine monatliche Buchbesprechung eines Science-Fiction-Romans.
Man kann fast Mitleidsgefühle bekommen: Eine Gruppe von historischen Versagern nimmt sich überaus wichtig und ist eifrig besorgt, die Fehler von gestern und vorgestern zu vermeiden. So wie Kinder, die nicht werden wollen wie ihre Eltern und dadurch letztendlich genau dies realisieren.
- Die Geldmengenerhoehung hat mitnichten keine Auswirkungen. Sie "kann" vorerst keine Auswirkungen haben, wenn die erhoehte Geldmenge gebunden wird ("gespart"). Sobald aber ein groesserer Teil der Bevoelkerung verstanden hat, dass die wirkliche Kaufkraft des Geldes (Kaufkraft, wenn alles Geld fliessen wuerde), kleiner ist als gedacht, wird sicherlich eine Inflation losgetreten.
- Aufgrund der niedrigen Loehne vieler Arbeitnehmer wurde insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten auf Pump konsumiert. Wenn grosse Teile der Bevoelkerung weder genug Geld verdienen noch kreditwuerdig sind, dann kann man soviel Geld in das System pumpen, wie man will: Man wird an diesem Zustand nichts aendern.
Man muss daher das Problem an der Wurzel packen und die Verteilung von Einkommen und Vermoegen umkehren zu Gunsten der Verlierer der letzten Jahrzehnte, sprich den Arbeitnehmer und die Kleinstselbstaendigen staerken. Wie dies zu geschehen hat, darueber muesste in der Politik diskutiert werden! Man koennte dies klassisch mit hohen Steuern auf Vermoegen/Einkommen versuchen (http://www.jjahnke.net, http://www.nachdenkseiten.de), Vermoegen kappen (warum eigentlich nicht, wenn z.B. das Vermoegen aufgrund der schieren Groesse nie mehr konsumiert werden kann? Siehe z.B. www.meudalismus.dr-wo.de) oder grundlegende Geldeigenschaften aendern (z.B. http://userpage.fu-berlin...).
Im Grunde müßte sich die Politik nur umgekehrt zu ihren aktuellen geplanten und durchgeführten (Un)Taten verhalten.
Wenn wir von Steuern sprechen, dann müssen die Gewinnsteuern (Einkommenssteuer und Körperschaftssteuer) hoch und die Verbrauchssteuern (Mehrwert-, Mineralöl-, Energiesteuern) runter. Zusätzlich dazu müssen noch die Sozialabgaben in Deutschland drastisch gesenkt werden ( was relativ einfach wäre, wenn jeder Deutsche Pflichtmitglied in den gesetzlichen Sozialversicherungen wäre, die Beiträge prozentual vom Einkommen ohne Beitragsbemessungsgrenzen erhoben und die Rentenleistungen begrenzt würden ).
Dadurch würde mehr Geld in den Konsum fließen und auch verbraucht werden. Wenn die Spitzensteuersätze auf Einkommen gesenkt werden, wird das übrigbleibende Geld zu einem großen Teil gewinnbringend angelegt werden. Bei Firmen würde mehr Geld investiert werden, in Inventar und Arbeitsplätze.
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