In Basel ist eine Weltmacht zu Hause, die kaum einer kennt. Wer vom Schweizer Bahnhof in Basel zur Innenstadt läuft, stößt nach ein paar Metern auf ein Gebäude, das nicht in die beschauliche Kleinstadt passt. Ein Zylinder mit kupferfarbenen Außenwänden ragt in die Höhe. Getönte Fensterscheiben versperren den Blick ins Innere.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist die Dachorganisation aller Zentralbanken. In ihrem Gemäuer traf sich im Herbst 2007 – als viele noch dachten, die Krise würde schnell vorüberziehen – die vielleicht geheimste Runde der Weltwirtschaft. Elf Herren waren gekommen. Jean-Claude Trichet, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), war dabei. Axel Weber, Präsident der Bundesbank, saß dort ebenso wie Abgesandte anderer führender Notenbanken. Vor allem aber Donald Kohn, der Vizepräsident der amerikanischen Federal Reserve Bank. Er redete über die Lage in den USA, und die anderen hörten zu. Danach ahnten sie: Die Welt stand vor der ökonomischen Katastrophe.

Die große Bewährungsprobe für die verschwiegene Gemeinschaft der Zentralbanker hatte begonnen. Im Rampenlicht mögen dieser Tage zwar die Staatschefs mit ihren Gipfeltreffen und großen Reden stehen, aber den Ausschlag geben die Entscheidungen im Hauptquartier der Europäischen Zentralbank in der Frankfurter Kaiserstraße oder in der Zentrale der Federal Reserve an der Constitution Avenue in Washington.

Die Chefs der Notenbanken sind dafür zuständig, die Welt mit genug Geld für eine Erholung zu versorgen. Dabei müssen sie eine Gratwanderung bewältigen: gerade so viel Geld drucken, dass die Wirtschaft wieder anläuft – aber nicht zu viel. Sonst droht die große Inflation. Eine gewaltige Aufgabe ist das: Die Krise muss bekämpft werden, ohne dabei gleich wieder eine neue Krise auszulösen. Die Bruderschaft der Zentralbanker – so nennen sich die Währungshüter selbst – ist ein globaler Verein. Man hat seine Rituale und Orte. Die Meister des Geldes treffen sich auf internationalen Tagungen, zur jährlichen Fachkonferenz mit Sommerfrische in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming und seit über 70 Jahren immer wieder in Basel.

Und man hat eine Geschichte. Bei ihrer ersten großen Bewährungsprobe in den zwanziger Jahren haben die Zentralbanker versagt. Die wichtigen Notenbankiers hießen damals Hjalmar Schacht, Präsident der Reichsbank, Montagu Norman, Gouverneur der Bank von England, Benjamin Strong von der New Yorker Federal Reserve Bank und Emile Moreau, Präsident der Banque de France. Mit fast religiösem Eifer wollte das Quartett den Goldstandard, der seit dem Ersten Weltkrieg aufgeweicht worden war, wiederherstellen. Goldstandard bedeutet: Die Währungen sind durch Gold gedeckt. Eine Zentralbank darf nur dann mehr Geld drucken, wenn sie auch mehr Gold in ihre Tresore einlagert. Das galt als Inbegriff wirtschaftlicher Stabilität und moralischer Integrität.

Die Zentralbankiers setzten sich durch: Nach und nach koppelten die großen Länder ihre Währungen wieder ans Gold. Kaum jemand ahnte damals, dass sie damit einen Kollaps der Weltwirtschaft vorbereiteten. Wohl aber der aufstrebende britische Ökonom John Maynard Keynes, der verzweifelt versuchte, die Rückkehr zum Gold zu verhindern. Als Ende der zwanziger Jahre die Finanzmärkte einknickten und die Konjunktur in die Knie ging, hätten die Volkswirtschaften dringend mehr Geld und Kredit gebraucht. Aber es gab zu wenig Gold. Wie hätte da Geld gedruckt werden sollen? So wurde aus einer Rezession die Große Depression. "Die Zentralbanken verpassten der Weltwirtschaft Fußtritte, obwohl sie längst am Boden lag", urteilt der amerikanische Wirtschaftsprofessor Barry Eichengreen 90 Jahre später.