Film Als Coco noch nicht Chanel war

Der Film "Coco avant Chanel" erzählt, wie aus einem armen Mädchen die bekannteste Modedesignerin der Welt wurde – und eine Ikone der modernen Frau. Wir haben die Dreharbeiten begleitet

Große Ähnlichkeit: Audrey Tautou spielt Coco Chanel

Nordöstlich von Paris, in satter Wiesenlandschaft, steht das Château de Millemont, ein feudales Anwesen aus dem 18. Jahrhundert. Kletterrosen umranken die Sprossenfenster des Herrenhauses, dessen schneeweiße Fassade in der Sonne blendet. Ein Pferd wird herbeigeführt, seine Hufe rutschen unsicher über den feinen Kies der Auffahrt.

Drinnen im Haus räkelt sich Audrey Tautou auf einem Sofa, die Kameras laufen. Tautou ist mit einem seidenen Herrenpyjama bekleidet, trägt eine Perücke aus dickem, langem schwarzem Haar und zieht lasziv an einer Zigarette. Wie sie so daliegt, die Mundwinkel eine Spur nach unten gezogen und ihre Umgebung aus runden dunklen Augen musternd, sieht sie Fotos der jungen Coco Chanel verblüffend ähnlich.

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Audrey Tautou, 31, hat dieselben Augen und denselben androgynen Körperbau wie Chanel. Wie Chanel wuchs sie in der Auvergne auf, wie Chanel gilt sie als bodenständig, sturköpfig und ein bisschen scheu. Und natürlich ist sie, ebenfalls wie Chanel, seit ihrem Durchbruch in dem Film Die fabelhafte Welt der Amélie eine Art Nationalheiligtum Frankreichs.

Coco Chanel, geboren 1883, ist eine Heldin der Frauenbewegung, der Archetyp einer Frau, die sich aus eigener Kraft durch Talent, Intuition und geschicktes Networking eine glänzende Karriere aufbaute. Fast vierzig Jahre nach ihrem Tod wirkt sie so radikal und modern wie zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. Sie schaffte es als erste Frau an die Spitze der Modebranche, befreite das weibliche Geschlecht von der eingeschnürten Taille, ersetzte die überladenen Kopfbedeckungen ihrer Epoche durch schlichte Strohhüte und führte ein wildes Privatleben. Chanel war frei, unabhängig und mutig. Sie kam aus dem Nichts und starb als Ikone. Ein Leben, das Balzac oder Proust nicht besser hätten erfinden können.

Was ist das Geheimnis dieser Frau? Wie schaffte sie es nach oben, wer prägte sie? Die Regisseurin Anne Fontaine hat Antworten auf diese Fragen gesucht. Ihr Film Coco avant Chanel mit Audrey Tautou, der in Frankreich jetzt (und in Deutschland im Sommer) ins Kino kommt, widmet sich den unbekannten Entwicklungsjahren von Gabrielle "Coco" Chanel: ihrer armseligen Kindheit und den Jahren zwischen 20 und 30. Noch ist sie weit entfernt von Ruhm und Erfolg. Nur zwei Männer spüren, wie außergewöhnlich diese Frau ist: Etienne Balsan und Boy Capel.

Das Château de Millemont dient im Film als Kulisse für Schloss Royallieu, wo Coco Chanel mehrere Jahre als Mätresse von Balsan lebte, einem wohlhabenden Pferdezüchter. Begegnet waren die beiden sich im Theater, wo Chanel mit Anfang zwanzig an einer Gesangskarriere arbeitete – doch ihr knabenhafter Körper und ihre schwache Stimme lösten eher Heiterkeit als Bewunderung aus. Nur Balsan fand das freche Mädchen faszinierend und lud es auf sein Schloss ein. Chanel quittierte ihren Job als Näherin und zog nach Royallieu.

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