Die Frage: Alexandra und Hanno führen eine harmonische Beziehung. Nur hatten sie leider noch nie Sex. Anfangs meinte Hanno, er wolle die Beziehung nicht mit Sex beginnen. Dann sagte er, er brauche Zeit. Als sie irgendwann versuchen, miteinander zu schlafen, stellt sich heraus, dass Hanno impotent ist. Gespräche über das Thema vermeidet er und tröstet seine Freundin: "Das geht wieder weg, du musst nur Geduld haben." Oder er droht: "Du setzt mich unter Druck." Alexandra sagt, dass Sex für sie zu einer Liebesbeziehung gehört, und schlägt irgendwann vor, dass sie sich einen anderen für das Bett suchen würde. Das findet Hanno gar nicht witzig. Er kündigt an, die Beziehung sofort zu beenden, wenn Alexandra sich einen Sexualpartner suchen würde. Nach der Auseinandersetzung ist die Beziehung sehr verkrampft. Soll Alexandra sich entschuldigen?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Wenn Alexandra die Beziehung zu Hanno weiterführen will, muss sie sich entschuldigen. Schließlich hat sie ihn gekränkt. Allerdings wird sie sich dann wohl damit abfinden müssen, dass er nicht mit ihr schläft und dennoch keine anderen Männer duldet. Das ist unlogisch – wie Eifersucht eben ist. Hanno hat ihr deutlich gemacht, dass er sich nicht mit seiner Impotenz beschäftigen will. Es ist unwahrscheinlich, dass er sein Verhalten ändern wird, wenn seine Vermeidungsstrategie auch von Alexandra übernommen wird. Hanno ist in den Abgrund zwischen Macho und Softie gestolpert; er möchte gerne Eroberer sein, wagt nicht, über seine Schwächen zu sprechen, kann sie aber auch nicht überwinden. Vielleicht erwacht er aus seinem erotischen Koma, wenn Alexandra nicht nur redet, sondern handelt.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009

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Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.