Nahrungskrise Hunger-Warnung

© Farooq Naeem/AFP/Getty Images
Pakistanische Bauern bei der Weizenernte in der Umgebung von Islamabad. Weil die Erträge unter den Zielvorgaben blieben, muss die Regierung Getreide importieren
Während ein Ende der Weltwirtschaftskrise noch gar nicht absehbar ist, braut sich das nächste Unheil zusammen: Hunger. Kurz vor dem Treffen der G-8-Landwirtschaftsminister im italienischen Treviso am Ende dieser Woche warnt das von der Berliner Humboldt-Universität initiierte Forum für Nahrung und Landwirtschaft vor Knappheit, weltweit steigenden Preisen und Hungeraufständen. In dem Aufruf unter dem Titel »Food First« heißt es, die Nachfrage nach Nahrung werde allein wegen der wachsenden Weltbevölkerung weiter steigen, während das Angebot nur mithalten könne, wenn »sofort und dauerhaft« die Voraussetzungen dafür geschaffen würden.
Als größter Kostentreiber für die Landwirtschaft würden sich nach Einschätzung des Berliner Agrarökonomen Harald von Witzke die Energiepreise erweisen. Um den drohenden Nahrungsengpass zu verhindern, seien massive Investitionen in die landwirtschaftliche Forschung und Infrastruktur nötig, so das Humboldt-Forum. Zu seinen Mitgliedern zählen neben Wissenschaftlern Unternehmen wie BASF, Nestlé und die KWS Saat AG. (VO)
- Datum 15.04.2009 - 15:26 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 16.04.2009 Nr. 17
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Agarökonomen warnen vor Nahrungsmittelknappheit und Hungeraufständen. Gegner von genmanipuliertem Saatgut werden im Zeitartikel 'Teufelmais' ideologisiert. Die Leserbriefe zu diesem Thema sind äußerst engagiert. Die Fronten wurden abgesteckt.
Wir hatten noch nie so viele Menschen auf der Erde. Und es ist wohl jeden klar, dass Wasser und Nahrungsversorgung die Weltgesellschaft vor immer größere Probleme stellen wird.
Rückschau:
Vor zwanzig Jahren galt Wasser neben der Luft, noch als freies Gut. Wer dieses Gut verschmutzte, hatte Gebühren zu entrichten - volkswirtschaftlich gesehen, sogenannte soziale Kosten. Im Zuge der Globalisierung wurde aus dem Wasser ein Handelsgut und bei uns wurden die Wasserwerke privatisiert.
Mit dem Saatgut ist es komplexer. Landwirtschaft/Bauern gab es in fast jeder Region der Erde. Saatgut kam aus der Region und der Boden wurde von den Bauern gepflegt. Natürlich gab es Missernten. Aber dann konnten sich die Bauern anderes Saatgut auf dem freien Markt besorgen. Die neue Sorte kam mit den Bodenverhälten möglicherweise nicht so gut zurecht, aber es gab den freien Markt und funktionierenden Ackerboden. Der Bauer legte sich Saatgut für die nächste Aussaat zurück und war sein eigener Herr.
Was könnte geschehen:
Wenn drohende Hungersnot durch 'Roundup' vorbereite Gensaat bekämpft werden soll, werden regionale Nutzpflanzen verschwinden und das Bodenleben der Äcker wird umkippen. Eine Rückkehr zur alten, oder alternativen Anbaumethoden schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.
Mich beunruhigt, dass eine Übermacht von Biologen und Agarexperten (nicht ideologisch sondern) lobbyistisch argumentiert und man kaum wirklich unabhängige Stimmen ausmachen kann.
Zusammengefasst kommt mir die soziale Komponente zu kurz. Wir stehen sozusagen an einer Zisterne und spielen russisches Roulette.
Michel Katzentisch
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