Der Horizont ist grau wie das Meer, das krachend gegen den Strand rollt. Das Gras duckt sich vor dem mächtigen Wind, den die Nordsee mit sich bringt. Nirgendwo sonst über dem deutschen Festland bläst er kräftiger als im Norden Schleswig-Holsteins. An der Westküste erreicht er Geschwindigkeiten von acht Metern pro Sekunde und weht damit im Schnitt mehr als dreimal so stark wie in Bayern. In diesem Landstrich liegt die Wiege der deutschen Windenergie – und wahrscheinlich auch ihre Zukunft.

So wie im nordfriesischen Galmsbüll, wo die meisten der 38 örtlichen Windkraftanlagen zwischen 1991 und 1994 in Betrieb gegangen sind. Mit einer Leistung von je 200 bis 500 Kilowatt (kW) gehören diese Maschinen technisch längst zum alten Eisen. "Moderne Turbinen können die Windkraft viel effizienter nutzen und in Strom umwandeln", sagt Torsten Levsen, Geschäftsführer des Bürgerwindparks Galmsbüll, der in den vergangenen zwei Jahren sämtliche Anlagen abgebaut und peu à peu durch leistungsstärkere ersetzt hat. "Repowering" heißt das im Fachjargon. Statt 38 drehen sich künftig nur noch 21 Windkraftwerke auf den weiten Flächen der 640-Seelen-Gemeinde. Diese werden voraussichtlich mehr als das Fünffache an Strom liefern, und zwar zu geradezu traumhaften Kosten, wenn es um Ökostrom geht.

"Dank der exzellenten Windbedingungen und der modernen Maschinen können wir den Strom für 7 Cent je Kilowattstunde erzeugen", sagt Levsen, zugleich Vorstandschef des Windplanungsunternehmens Denker & Wulf AG. Für die künftigen Windparks auf hoher See (Offshore) hat die Bundesregierung dagegen eine Vergütung von 15 Cent je kWh gesetzlich festgeschrieben. Grund ist der hohe Aufwand für den Bau der Windgiganten in bis zu 40 Meter Wassertiefe, teils 100 Kilometer vom Festland entfernt. "Wahnsinn", findet das Levsen, der auf das Potenzial für die Windkraft an Land verweist. "An den Küsten mit den besten Windbedingungen stehen teils die ältesten Windkraftanlagen der Republik", moniert er. "Doch die Politik blickt beim Wind immer nur in die Ferne."

Dabei liegt das Günstige so nahe, belegen Zahlen des Deutschen Windenergie-Instituts aus Wilhelmshaven. Mehr als 6000 heimische Windkraftwerke sind älter als zehn Jahre und verfügen über eine Durchschnittsleistung von nur rund 450 kW. Würde ein Drittel davon durch moderne, 3,5 Megawatt (MW) starke Maschinen "repowert", entstünde in Deutschland eine neue Ökostromleistung von mehr als 6000 MW. Sie wären deutlich günstiger zu haben als die Offshorekraftwerke. Mehr Strom aus weniger Rotoren – obendrein müsste die Landschaft auch nicht "verspargelt" werden. Doch bisher sind Repowering-Projekte in Deutschland die Ausnahme. 2007 stammten nach Auskunft der HSH Nordbank nur zwei Prozent der neu aufgestellten Windkraftleistung aus der Modernisierung.