Johann Wolfgang von Goethe, unser aller Dichterfürst, war ein berüchtigter Vielschreiber. Trotzdem hat er kein Kochbuch hinterlassen. (Dies als Antwort auf die immer wieder gestellte Frage, wo denn mein Faust bleibe.) Aber gut gegessen und tüchtig getrunken hat der Geheimrat sein Leben lang; das hat nicht nur Eckermann diensteifrig notiert.

Der in Frankfurt geborene Dichter wird oft mit der Grünen Sauce in Verbindung gebracht, die in Hessen gern zu gekochtem Fleisch und zu Spargel gegessen wird. Doch mit den Servietten, die zu Goethes Zeiten noch Tischtuchgröße hatten, ist auch die Beliebtheit der Grünen Sauce kleiner geworden, und deshalb halte ich es für nicht angebracht, die Schlipse bekleckernde Kräutermischung zu beschreiben, wenn von Goethes Leibspeisen die Rede ist.

Darum nämlich geht es heute und in den nächsten Wochen: um die Lieblingsspeisen berühmter Menschen. Wobei es in vielen Fällen schwierig ist, mit Exaktheit zu sagen, welches die liebste Speise war. Bei Goethe hingegen, dessen Leben bis auf den Inhalt seiner Nachttöpfe detailliert beschrieben worden ist, besteht kaum Zweifel daran, was in den Töpfen seiner Küche für ihn zubereitet wurde.

So gehört ein Rezept, das Goethes Großmutter Anna Margareta Justina Textor, geborene Lindheimer, 1724 in ihr Kochbuch eintrug (also 25 Jahre vor seiner Geburt) nach Meinung der Goethe-Experten zu den Lieblingsspeisen des Dichters. Es handelt sich um "Kleine Frankfurter Pastetgen". Das war mit Milchbrötchen vermengtes Rinderhack. Gewürzt wurde die Masse mit Salz, Muskatblüte, Essig, Knochenmark und Zitrone. Diese Fleischmasse wurde in einem heißen Topf gerührt, bis sie weiß wurde, danach abgekühlt in mit Teig ausgelegte Formen geschüttet.

Dem Geschmack der Zeit entsprechend, aß Goethe dazu wahrscheinlich einen warmen Apfelbrei. Kräftig gewürzte Obstkompotte waren von der Renaissance noch gut in Erinnerung und blieben bis ins 19. Jahrhundert Bestandteil der deutschen Küche. Neuerdings süßen moderne Köche das Gemüse wieder und schließen damit an die Küchenmode des Mittelalters an.

Die Teltower Rübchen und den frischen Spargel, die ebenfalls zu den Leibspeisen des Geheimrats von Goethe zählten, wird er aber wohl naturbelassen gegessen haben. Weil der Wein dann besser schmeckt.

Frankfurter Pastetchen:

Für die Füllung:
650 g Rinderhack
1 Milchbrötchen
Fleischbrühe
300 g Knochenmark
Essig, Salz
Muskatblüte
Saft von 11/2 Zitronen

Für den Teig:
500 g Mehl
250 g Butter