Stil Das Parfum als Designobjekt

Unser Kolumnist erklärt, warum gute Düfte heute auch noch gut aussehen müssen

Yves Saint Laurent hatte viele bewegende Ideen in der Mode – und eine bewegende Idee in der Welt der Düfte. Als er Rive Gauche auf den Markt brachte, wollte er einen besonderen Flakon entwerfen. Er sollte kein Glasfläschchen sein, sondern aussehen wie ein Modeaccessoire. Das Ergebnis war ein blau-schwarz gebänderter Zylinder, der perfekt in die Handtasche passte. Damit war der Parfüm-Flakon als Designobjekt geboren. Seitdem wird es immer wichtiger, wie die Flasche aussieht, in die ein Duft verfüllt wird.

Mittlerweile sind es immer öfter große Designer, die sich der Duftbehältnisse annehmen. Der amerikanische Interior-Designer Ron Arad schuf einen Flakon für Kenzo. Der Designer der Flasche von Guerlain Homme ist sogar ein Autodesigner: Andrea Pininfarina, der kürzlich tödlich verunglückt ist, schuf, bevor er sich um Flakons kümmerte, das das Erscheinungsbild von Sportwagen.

Diese Bemühungen zeigen zum einen, wie eng es auf dem Markt für Düfte geworden ist. Sie sind zur Saisonware geworden. Von über hundert neuen Düften, die jedes Jahr erscheinen, werden nur wenige ein Jahr später noch produziert. Wer in dieser Wolke überleben möchte, muss mehr bieten als eine gefällige Marke. Wer signalisieren möchte, dass ein Parfüm besonders wertvoll ist, macht am besten ein Designobjekt daraus.

Besonderen Wert auf ein gutes Design gelegt hat nun Narciso Rodriguez. Er ist einer der Lieblingsmodeschöpfer von Michelle Obama, aber in Deutschland vor allem wegen seines Duftes For Her bekannt. Kam jener noch in einem relativ unauffälligen Flakon in die Läden, ist sein neuer sonniger Duft Essence fast ein Kunstwerk. Der Flakon wurde vom amerikanischen Designer Ross Lovegrove gestaltet. Lovegrove arbeitete schon am Design des Sony-Walkman und schuf viele Objekte, die aussehen wie extraterrestrische Raumsonden oder schwebendes Quecksilber. Auch bei Essence blieb er sich treu.

Der Flakon ist eine von innen mit Silber verspiegelte Flasche. In ihr spiegelt sich nicht nur die Umgebung, sie hat auch einen besonderen Vorteil: Niemand kann sehen, wie viel Parfüm noch drin ist. "Wenn der Flakon leer ist, kann man ihn einfach als Designobjekt im Badezimmer stehen lassen", sagt Ross Lovegrove. Dafür muss die Besitzerin gar nicht mehr besonders riechen.

 
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