Autotest Durstiger Küchenchef

ZEIT-Autor Ralph Geisenhanslüke fährt den Audi Q5 3.0 TDI - und testet, wie viel Chardonnay der Wagen verträgt

Audi Q5 3.0 TDI

Audi Q5 3.0 TDI

Der Berliner Koch Tim Raue hat neulich im Fernsehen gesagt, die Deutschen gäben Unsummen für ihre Autos aus, aber bei dem, was sie sich selbst zuführten, "da nehmen sie den letzten Rotz". Man denkt an fehlernährte Männer in tiefergelegten Wagen auf Aldi-Parkplätzen und ist geneigt, dem ungeprüft zuzustimmen. Doch stehen nicht in Wahrheit noch viel mehr Autos mit Sternen vor Restaurants, die auch welche haben?

Vielleicht ist es die untersetzte Silhouette, vielleicht sind es die bratpfannengroßen Außenspiegel, die mich beim Q5 an einen Küchenchef denken lassen. Ein Schuhbeck-Typ, souverän, gutmütig, aber erstaunlich flink, wenn die Kamera sich auf ihn richtet. Gut vorstellbar, darin einen Weinberg hinaufzupflügen oder über schlammige Wege das Gehöft eines Züchters von Kobe-Rindern anzusteuern. Die Ladekapazität des Q5 reicht mit knapp 600 Kilo für einen soliden Wocheneinkauf samt einer Kiste Chardonnay. Das wichtigste Feature im Alltag ist die Heckklappe, die sich elektronisch öffnet und schließt, wenn man tütenbehangen aus dem Supermarkt kommt. Außerdem gibt es ein ausgeklügeltes System von Zurrgurten und Sicherungsstangen, um fragile Fracht im Kofferraum zu sichern.

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Seitdem große Geländewagen an Sozialprestige verloren haben, sind fast alle Hersteller mit smaller utility vehicles herausgekommen. Der Q5 ist nur ein paar Zentimeter kürzer und schmaler, doch wirkt er im Vergleich zum wuchtigen Q7 wie ein Feingeist. Ein noch kleinerer Q3 ist unterwegs. Schon unterhaltsam, wie diese anachronistische, ursprünglich auf den US-Markt zugeschnittene Automode in immer neuen Varianten durchdekliniert wird. Ähnlich wie Cargo-Jeans. Die musste dann irgendwann auch jeder tragen.

Beim Verbrauch habe ich trotz aller Hightech-Versprechen den Eindruck, dass etwas von dem guten Chardonnay in den Bordcomputer gelaufen ist. Laut Selbstauskunft des Q5 liegt sein Verbrauch bei 13 bis 15 Litern – Diesel, nicht Weißwein. Der Gourmet-Frachter entpuppt sich als Gourmand. Das gibt schon ein Gschmäckle. Vielleicht auch der Grund dafür, dass eines Morgens in meinem sonst sozialneidfreien Kiez in Berlin zwei Reifen platt waren.

"Kein Brot für Öl" heißt es. Deshalb lieber: Öl aufs Brot. Die schönste Erinnerung an den Q5 habe ich als Foto auf meinem Handy. Es zeigt eine Tüte mit Saiblingsfilets, angegurtet im Kofferraum. Die waren wirklich lecker.

Technische Daten:
Motorbauart: 6-Zylinder-Turbodieselmotor
Leistung: 176 kW (240 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 6,5 s
Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h
CO²-Emission: 199 g/km
Durchschnittsverbrauch: 7,5 Liter
Basispreis: 47.900 Euro

 
Leser-Kommentare
  1. Wozu braucht es solche energieverschwendenden Protzkisten
    und derart dürftige Artikel in der ZEIT?

  2. Schon wieder so ein mieser Spritfresser in der Zeit.

    Dabei geht es doch auch anders, wie Audi mit dem A2 1,2 TDI bewiesen hat und Toyota mit dem Prius zeigt.

    Dieser Q5 ist doch wirklich anachronistisch, hat weder mit Saibling noch mit Chardonnay etwas gemein, mit Herrn Schubeck schon eher.

    • bierus
    • 23.04.2009 um 17:09 Uhr
    3. Tja,

    liebe Vorkommentatoren, wenn ich könnte wie ich wollte hätte ich

    1. einen neuen Grand Voyager für die Familie (so muss es halt der alte weiter tun)
    2. einen Dodge RAM für Transporte jedweder Art
    3. Eine Dodge Viper nur für mein Vergnügen

    und alle drei Fahrzeuge, um Leute wie Sie zu ärgern. Ach ja, lieber dborrmann, den Vergleich eines A2 mit dem getesteten Fahrzeug finde ich wirklich amüsant. Und wenn sie mir den Nutzen solcher Prothesen für fünfköpfige Familien wie die meine erläutern könnten wäre ich Ihnen überaus dankbar.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Von vielen Kommentatoren seinzeit als ein Auto bezeichnet, dass seiner Zeit weit voraus ist.

    Ein Alu Space Frame, Magnesium-Lenkrad, Start-Stopp-Automatik, Freilaufdirektschaltgetriebe, Aluminiumdruckgußmotor, eine flinke und gut funktionierende Antriebsstrangelektronik. Das war einfach ein total geiles Auto. Problem war, dass keiner hinguckte und Audi keine Werbung dafür machte. Daher wurden nur ca. 4200 Stück davon verkauft. Abe was Autotechnologie angeht, ist dieses Auto auch der heutigen zeit immer noch voraus. Als ehemaliger Verkehrpilot weiß ich da ziemlich genau, was ich sage; es war ein Auto, dass sehr an modernste Flugzeugtechnologie erinnerte und dass auch ein Handlinggefühl übertrug, das vergelichbar vielleicht mit dem einer Cirrus ist.

    Wer plumpe Größe als Vergleichsargument betrachtet, wird natürlich ein großes Auto als besser betrachten. Wer Technologie anschaut, kann um den A2 1.2 TDI nicht herum. Wichtig für den Fall, dass sich noch einmal jemand dieses Auto anschauen will, der A2 1,4 TDI oder der A2 1,4 waren lane nicht so fortschrittlich; also exakt auf den 1.2 TDI schauen.

    Von vielen Kommentatoren seinzeit als ein Auto bezeichnet, dass seiner Zeit weit voraus ist.

    Ein Alu Space Frame, Magnesium-Lenkrad, Start-Stopp-Automatik, Freilaufdirektschaltgetriebe, Aluminiumdruckgußmotor, eine flinke und gut funktionierende Antriebsstrangelektronik. Das war einfach ein total geiles Auto. Problem war, dass keiner hinguckte und Audi keine Werbung dafür machte. Daher wurden nur ca. 4200 Stück davon verkauft. Abe was Autotechnologie angeht, ist dieses Auto auch der heutigen zeit immer noch voraus. Als ehemaliger Verkehrpilot weiß ich da ziemlich genau, was ich sage; es war ein Auto, dass sehr an modernste Flugzeugtechnologie erinnerte und dass auch ein Handlinggefühl übertrug, das vergelichbar vielleicht mit dem einer Cirrus ist.

    Wer plumpe Größe als Vergleichsargument betrachtet, wird natürlich ein großes Auto als besser betrachten. Wer Technologie anschaut, kann um den A2 1.2 TDI nicht herum. Wichtig für den Fall, dass sich noch einmal jemand dieses Auto anschauen will, der A2 1,4 TDI oder der A2 1,4 waren lane nicht so fortschrittlich; also exakt auf den 1.2 TDI schauen.

  3. 4. Tjahum

    @JensDecker & dborrmann
    Ich dachte ja auch zuerst, dass man einen Artikel derzeit kaum tagespolitikresistenter einleiten kann als so:

    ZEIT-Autor Ralph Geisenhanslüke fährt den Audi Q5 3.0 TDI - und testet, wie viel Chardonnay der Wagen verträgt

    Aber insgesamt ist des Autors Fazit ja durchaus spritsparschleuderkritisch, sofern ich ihn da nicht ganz falsch verstehe.

    @Redaktion
    Die Typenwahl in deutschen Autokolumnen, in DIE ZEIT eingeschlossen, wird mir generell ein ewiges Rätsel bleiben - ist es wirklich so, dass solche Tests nicht gelesen werden wenn es um etwas anderes als X3, Q5, Touareg, irgendeinen Jaguar, C-Klasse, etc. geht? Gibt es dazu Belege? Oder stellen Opel, Ford, Fiat, Peugeot usw. schlicht nichts zur Verfügung? Kaum vorstellbar.
    Letztlich war der einzige ZEIT-Autotest, der mir wirklich in Erinnerung geblieben ist, die Besprechung des Claas Lexion 550 anno 2005:
    http://www.zeit.de/2005/3...
    Alles andere ist eh jede Woche das selbe Einerlei mit demselben Fazit. Mal mehr, mal weniger beschämt stellen die Tester fest, dass einige der neuen Annehmlichkeiten (elektrischer Türschlossenteiser, selbstreinigende Motorhaube, auf Zuruf schliessende Heckklappe, die den nachspringenden Hund trotzdem nicht einklemmt, usw.) schoooooon irgendwie ganz nett sind.
    Wie in diesem Test halt.
    Insofern - zum Ausgleich zu den teuren Grossfahrzeugen bitte mehr Kleinwagentests, aber bitte noch viel mehr Tests von Mähdreschern, Muldenkippern, Eismannwagen, Golfwägelchen usw.

    @bierus:
    Ich habe auch eine Wunschvorstellung für ein Fahrzeug, dass ich so rein zum Spass gern in der Garage hätte, auch wenn ich nicht so ein Dodge-Fan bin wie Sie. Das heisst aber nicht, dass ich jeden Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen (in Irland mangels ÖPNV notgedrungen per Auto - im Stau auch auf Kürzeststrecken) mit Gefährten zurücklegen muss, die bei 2t und mehr Leergewicht liegen und entsprechende Mengen Sprit verbrauchen und Abgase produzieren. Sehen übrigens auch sämtliche Oberhäupter vier- und fünfköpfiger Familien in meinem Bekannten- und Kollegenkreis ähnlich. Einige von ihnen schaffen es sogar - trotz zwei Verdienern mit wirklich nicht zu knapp bemessenem Gehalt und Wohnort auf dem platten Land - ohne den "people mover" auszukommen und alle Strecken und Erledigungen ganz prima mit einem Fahrzeug der Kompaktklasse zuwege zu bringen.

    Ob das für jeden so klappen kann, sei dahin gestellt - es irritiert mich bloss zugegebenermassen arg, dass gerade ein mehrfacher Vater wie Sie keine Probleme damit zu haben scheint, fahrzeugtechnisch weitgehend bedenkenlos Ressourcen zu verbrauchen, die seine Kinder (und die anderer Leute) vielleicht noch brauchen könnten.

    • bierus
    • 23.04.2009 um 22:17 Uhr
    5. nun ja

    Ich lebe nicht auf dem platten Land, fahre täglich fünf Minuten mit dem Fahrrad zur Arbeit (genau wie meine Frau), unser Auto (wie gesagt, ein Voyager) hat eine jährliche Laufleistung von ca. 11000 km. Ich glaube also nicht, dass ich mir mehr vorzuwerfen habe als Leute, welche irgendwo in der Pampa gebaut haben, deshalb täglich x Kilometer hin- und herpendeln, sich diesen ihren privaten Lebensstil per Pendlerpauschale von der Allgemeinheit subventionieren lassen usw. usf. . Und sie werden es nicht glauben, meist sind am Wochenende bei unseren Ausfahrten sogar alle 7 Plätze in unserem Fahrzeug besetzt. Okay, das Gerät verbraucht 9 Liter, na und? Wenn sie das auf die Anzahl der Insassen umrechnen (welche dann noch immer nicht unter dem Sardinendosensyndrom leiden müssen) sieht die Rechnung schon freundlicher aus. Ansonsten gilt für Autos dasselbe wie für Wohnungen und Häuser, ZU groß geht es gar nicht.

  4. Immer wieder das Selbe. Kaum erscheint ein neuer SUV, schon schimpfen alle "Spritfresser", "Co² Schleuder" oder "Wer braucht so ein Auto?".

    Sehen wir der Wahrheit mal ins Gesicht. Vor ein paar Jahren haben sich die Leute, die viel transportieren wollen oder eine große Familie haben alle einen großen geräumigen Van gekauft. Diese Vans und Kleinbusse mit 2 Tonnen Leergewicht waren ja auch total praktisch. Über den Verbrauch von 10 oder mehr Litern hat sich niemand beschwert. Echte Geländewagen waren nur etwas für Enthusiasten und Abenteurer.

    Aber der Markt hat sich nunmal verändert. Vans sind für viele Leute zu "langweilig" geworden. Vielleicht sind sie sogar zu groß für die meisten Autofahrer geworden. Die SUVs decken genau diese Lücke zwischen Kombi und Van ab. Sie sehen dazu auch noch schick aus und wecken die verborgene "Abenteuerlust" des Autofahrers.

    Was ich damit sagen will? Früher hat sich niemand über spritschluckende Großraumvans beschwert. Viele SUVs sind mittlerweile nicht sehr viel größer als Mittelklasse-Kombis und die Motoren sind so modern, dass die meisten SUVs nicht mehr als 7-9l Diesel verbrauchen. Ich rede jetzt nicht von den "big utility vehicles" wie X5, Q7, M-Klasse oder Cayenne. Sondern ich rede von Autos wie dem VW Tiguan, Ford Kuga, Honda CR-V usw...

    Mein Beitrag ist Provokant und wahrscheinlich an manchen Stellen übertrieben, aber vielleicht sollten wir alle mal genauer nachdenken, denn schließlich ist ein SUV auch nicht mehr oder weniger Spritfressend oder Klimaschädlich, wie ein Familienvan.....

  5. Von vielen Kommentatoren seinzeit als ein Auto bezeichnet, dass seiner Zeit weit voraus ist.

    Ein Alu Space Frame, Magnesium-Lenkrad, Start-Stopp-Automatik, Freilaufdirektschaltgetriebe, Aluminiumdruckgußmotor, eine flinke und gut funktionierende Antriebsstrangelektronik. Das war einfach ein total geiles Auto. Problem war, dass keiner hinguckte und Audi keine Werbung dafür machte. Daher wurden nur ca. 4200 Stück davon verkauft. Abe was Autotechnologie angeht, ist dieses Auto auch der heutigen zeit immer noch voraus. Als ehemaliger Verkehrpilot weiß ich da ziemlich genau, was ich sage; es war ein Auto, dass sehr an modernste Flugzeugtechnologie erinnerte und dass auch ein Handlinggefühl übertrug, das vergelichbar vielleicht mit dem einer Cirrus ist.

    Wer plumpe Größe als Vergleichsargument betrachtet, wird natürlich ein großes Auto als besser betrachten. Wer Technologie anschaut, kann um den A2 1.2 TDI nicht herum. Wichtig für den Fall, dass sich noch einmal jemand dieses Auto anschauen will, der A2 1,4 TDI oder der A2 1,4 waren lane nicht so fortschrittlich; also exakt auf den 1.2 TDI schauen.

    Antwort auf "Tja,"

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  • Serie Autotest
  • Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
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