Verfassungsklage gegen neues BKA-Gesetz Jeder ist verdächtig
Das BKA-Gesetz stellt die Bürger pauschal unter Verdacht und schafft eine Polizei neuen Typs – halb FBI, halb CIA. Warum ich gegen dieses Gesetz klage: Eine Intervention

© Mario Tama/Getty Images
Vorsicht Spähangriff: Nichts ist mehr sicher vor dem Aufklärungswahn des Staates
Es geschah im vorigen November bei einem festlichen Abendessen der politischen Klasse in Berlin, kurz nach dem Dessert. Die Gäste waren von ihren Plätzen im Glassaal des Jüdischen Museums aufgestanden und wanderten zwischen den Tischen herum, auf der Suche nach gleichwertig wichtigen Gesprächspartnern. Mit der ironischen Leutseligkeit des Alterspräsidenten im Deutschen Bundestag beugte sich der ehemalige Innenminister Otto Schily, SPD, zu seinem Nachfolger Wolfgang Schäuble, CDU, herab und gratulierte ihm zur fast fertigen Novelle des Bundeskriminalamt-Gesetzes: "Ihnen ist vergönnt, was ich nicht fertigstellen konnte." Der Minister dankte.
Die Große Koalition hat es möglich gemacht: Die sicherheitsfixierte Aufrüstung des Wiesbadener Polizeiapparats setzt den grundgesetzlich verbrieften Freiheiten der Bürger neue Grenzen, was vor geraumer Zeit noch zu öffentlichen Protesten und Ministerrücktritten geführt hätte. Der verbotene "Lauschangriff" des Verfassungsschutzes gegen den Atomphysiker Traube erboste in den siebziger Jahren die halbe Republik und beendete die Karriere des damaligen Innenministers Maihofer.
Heute ist er erlaubt und die Regel. Die Bürger haben sich an ihre "informationelle" Entmündigung gewöhnt. Mehr noch, Millionen junger Menschen offenbaren ihre innersten Gefühle für jedermann sichtbar im Internet. Konten, Adressen, Vorlieben und Konsumverhalten sind öffentlich-elektronisches Gut geworden. In diesem Klima des Verzichts auf Diskretion und Privatheit konnte der staatliche Zugriff auf zahlreiche Grundrechte mithilfe des novellierten Bundeskriminalamt-Gesetzes ohne großes Aufsehen gedeihen.
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Dieter Wiefelspütz, der ganz gewiss auch einmal gegen die Notstandsgesetze demonstriert hat, steht heute in der Tradition jener Sozialdemokraten, die ihre Staatstreue nicht heftig genug betonen können: "Es ist das beste Polizeigesetz, das es in der Welt gibt." Ganz anders urteilt der ehemalige Staatssekretär der rot-grünen Regierung und Präsident a.D. des Bundesnachrichtendienstes, Hans-Jörg Geiger: "Der Einzelne gerät zunehmend in Gefahr, Objekt staatlicher Ausforschung zu werden." Das liegt vor allem am "besten Polizeigesetz der Welt". Aber nein, sagt Wolfgang Schäuble: "Verdächtigungen gegen den Rechtsstaat sind unangemessen." Doch wer bestimmt das rechte Maß, wenn nicht die Verfassung und ihr Gericht?
Das Gesetz, das am 1.Januar dieses Jahres in Kraft trat, genehmigt dem Bundeskriminalamt (5560 Beschäftigte) die denkbar größten staatlichen Eingriffe in das allgemeine Persönlichkeitsrecht, in die Pressefreiheit, in die Unverletzlichkeit der Wohnung und in das neue, sogenannte Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme – also der Computer und Laptops im Büro und zu Hause. Beschnitten wird das Zeugnisverweigerungsrecht von "Berufsgeheimnisträgern" wie Ärzten, Anwälten und Journalisten (nicht jedoch von Geistlichen und, natürlich, von Abgeordneten).
Präventiv tätig werden kann das BKA zur Abwehr internationaler terroristischer Verbrechen. Wohin und auf wen die Beamten ihren Verdacht auch lenken – das Gesetz steht ihnen bei, und niemand, auch nicht die Bundesanwaltschaft, kann sie aufhalten.
Beamte wollen Macht, immer mehr Macht
Als Folge der Föderalismusreform, aber auch im Ereignisschatten des Terror-Anschlags auf das World Trade Center in New York ist in Deutschland eine übermächtige zentrale Polizeibehörde entstanden, die den Vätern und Müttern des Grundgesetzes historisch bekannt vorgekommen wäre und die sie so nicht wollten. In den Worten des ehemaligen Staatsanwalts und Kommentators der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl: "Der Staat setzt auf Prävention – und er nimmt dafür Mittel in Anspruch, die früher nur gegen konkrete Verdächtige angewendet werden konnten. Dieser Präventionsstaat muss, das liegt in seiner Logik, dem Bürger immer mehr Freiheit abnehmen, um ihm dafür vermeintliche Sicherheit zu geben; das trägt den Hang zur Maßlosigkeit in sich, weil es nie genug Sicherheit gibt."
Das BKA-Gesetz ist der Inbegriff solcher Maßlosigkeit, und weil das so ist, legen in dieser Woche zwei Anwälte, unter ihnen der FDP-Politiker Gerhart Baum, ein Arzt, – der Präsident der Bundesärztekammer Jörg-Dietrich Hoppe –, ein Psychologe und zwei Journalisten (auch der Autor dieses Artikels) in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde gegen das BKA-Gesetz ein.
- Datum 28.04.2009 - 14:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
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Ich habe mich über diesen Artikel sehr gefreut und halte ihn und die Verfassungsbeschwerde für außerordentlich wichtig.
Vor wenigen Tagen habe ich zum Thema Internetzensur ("Blocken von Kinderpornographie-Seiten") diesen Kommentar geschrieben, daher zitiere ich ihn an dieser Stelle noch einmal, er passt hier ebenso:
"Diese Gesetzesvorlage unterwandert sämtliche Grundfesten unserer demokratischen Ordnung, der "Schutz" ist abgesehen davon gegen jeden einigermaßen versierten Nutzer technisch völlig wirkungslos. Weiterhin verhindert dieses Vorgehen nicht die eigentliche Tat.
Mit einem derart kleinen Schutzmechanismus darf in diesen Breiten niemals ein derart rabiater Eingriff in unsere Grundrechte gerechtfertigt werden!
Eine Bundesbehörde wie das BKA muss der demokratisch organisierten Kontrolle der Politik unterliegen und darf niemals geheimdienstliche Rechte verbrieft bekommen!
Dieser Vorgang ist nur ein Glied in der Kette von Gesetzesvorschlägen und mittlerweile realen Gesetzen, die unter dem Vorwand des Schutzes der Allgemeinheit schleichend Demokratie und Transparenz in unserem politischen System abbauen.
Ob Schäuble, Zypries, von der Leyen, viele führende Regierungsvertreter und deren Fraktionen im Bundestag haben für mich mit ihren Gesetzen und ihrem Abstimmungsverhalten ihre Demokratieverachtung bewiesen. Diese Generation von Politikern ist nicht in der Lage eine mehr und mehr digitalisierte Gesellschaft zu regieren und zu schützen. Durch ihre technische, also fachliche und politische Inkompetenz lassen sie sich dazu verleiten, Verbrechen, und wie in anderem Zusammenhang, den Terrorismus, ja plakativ ausgedrückt das Böse, zu einem den Inhalt vieler aktueller Gesetze bestimmenden Faktor zu machen.
Für mich als Erstwähler sind eine solche demokratieunwillige Regierung und die dazugehörigen Parteien nicht tragbar.
~ h."
habe ich mich sehr gefreut. Für mich, als möglicherweise Letztwähler, ist es von Trost, dass die Wachsamkeit unserer jüngeren Generation auf den Erhalt unserer demokratischen Freiheiten gerichtet ist.
Ansonsten ist Ihrem Kommentr nichts hinzuzufügen. Nehmen Sie also nur meinen Dank entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Ironicus
zum ausspionieren der Buerger ist ein Schlag in's Gesicht ! Niemals bei dieser Parteienstruktur die Kompetenzen erweitern, die "Politelite" weiss
schon warum es keine Volksabstimmungen zu geben hat, das wird so einfach mal DEMOKRATISCH BESTIMMT ! ja, ja, der Herr Schaeuble, der
bellt nicht, der knurrt nicht, der beisst !arno-cote d'azur
habe ich mich sehr gefreut. Für mich, als möglicherweise Letztwähler, ist es von Trost, dass die Wachsamkeit unserer jüngeren Generation auf den Erhalt unserer demokratischen Freiheiten gerichtet ist.
Ansonsten ist Ihrem Kommentr nichts hinzuzufügen. Nehmen Sie also nur meinen Dank entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Ironicus
zum ausspionieren der Buerger ist ein Schlag in's Gesicht ! Niemals bei dieser Parteienstruktur die Kompetenzen erweitern, die "Politelite" weiss
schon warum es keine Volksabstimmungen zu geben hat, das wird so einfach mal DEMOKRATISCH BESTIMMT ! ja, ja, der Herr Schaeuble, der
bellt nicht, der knurrt nicht, der beisst !arno-cote d'azur
Vielen Dank,
es freut mich sehr, dass es noch mutige Bürger gibt. Der Wert ihrer Klage für ein demokratisches Deutschland ist sehr hoch.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg.
Ich stehe voll hinter Ihnen und wünsche viel Erfolg.
habe ich mich sehr gefreut. Für mich, als möglicherweise Letztwähler, ist es von Trost, dass die Wachsamkeit unserer jüngeren Generation auf den Erhalt unserer demokratischen Freiheiten gerichtet ist.
Ansonsten ist Ihrem Kommentr nichts hinzuzufügen. Nehmen Sie also nur meinen Dank entgegen.
Mit freundlichen Grüßen
Ironicus
Ich danke Ihnen.
Leider lässt sich hier jedoch nicht von einer politisierten Generation sprechen, denn solche Reaktionen sind die weniger Einzelpersonen.
Im Querschnitt gesehen nimmt (natürlich subjektiv gesehen) das Bewusstsein für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte leider ab. Es gibt viele junge Menschen, die vieles auf der Welt ungerecht finden, jedoch leider wenige, die Lust haben, sich durch ein immer komplizierter werdendes Regelwerk der Politik zu kämpfen, nur um irgendwo eine kleine oder große Ungerechtigkeit aufzuspüren, gegen die man - sprach der Zeitgeist - ja sowieso nichts ausrichten könne. Die Revolution ist abgesagt. Leider.
~ h.
Ich danke Ihnen.
Leider lässt sich hier jedoch nicht von einer politisierten Generation sprechen, denn solche Reaktionen sind die weniger Einzelpersonen.
Im Querschnitt gesehen nimmt (natürlich subjektiv gesehen) das Bewusstsein für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte leider ab. Es gibt viele junge Menschen, die vieles auf der Welt ungerecht finden, jedoch leider wenige, die Lust haben, sich durch ein immer komplizierter werdendes Regelwerk der Politik zu kämpfen, nur um irgendwo eine kleine oder große Ungerechtigkeit aufzuspüren, gegen die man - sprach der Zeitgeist - ja sowieso nichts ausrichten könne. Die Revolution ist abgesagt. Leider.
~ h.
Sicherlich könnte man wieder damit anfangen, dass ein Osama Bin-Laden als Bundesinnenminister kaum mehr Schaden hätte anrichten können -- kaum öfter das Volk auf den Weg nach Karlsruhe hätte zwingen können, als es Herr Schäuble dies "geschafft" hat. Aber das ist müßig, denn zu offensichtlich ist dessen Bemühen, einen "anderen, bevormundenden Staat" etablieren zu wollen. Im Quartalstakt hagelt es neue Gesetze aus dem Hause Schäuble (oder dessen Satelliten), die dem Bürger Schritt für Schritt entmündigen, die demokratische Kontrollen einschränken oder abschaffen, und die informationelle Auslieferung des Bürgers an den Staat als Selbstverständlichkeit & Normalzustand definieren.
Bei all der Ungerechtigkeit und Rückwärtsgewandtheit Richtung feudaler Zustände, die die Schäubles, Bosbachs, Uhls und Leyens (politisch) herbei bomben wollen -- was ist deren Ziel? Wem soll das nützen, dass wir in einem Volk angepasster Duckmäuser und Bullerofen-Bidermeier landen? Ist das deren Vorstellung eines zukunftsfähigen, kreativen, aufgeschlossenen und VOR ALLEM ZUKÜNFTIG WETTBEWERBSFÄHIGEN Staat?
Wo antizipieren diese Damen und Herren, dass wir zukünftig MEHR Kreativität und Eigenverantwortung (nicht die im Sinne der FDP..) des Einzelnen brauchen - und dass sich der Staat aus dem Privaten der Menschen heraus zu halten hat? Der Paternalismus, den diese konservativen Menschen mit ihren Gesetzen etablieren, führt zu millionen braver Ingenieure, Fabrik- und Vorarbeitern -- aber nicht zu Millionen, die kreativ die tatsächlichen Herausforderungen der Zukunft stemmen können.
Bei aller berechtigter Verärgerung über diesen Amoklauf der Konservativen (die ich durchweg teile): Hat irgend jemand schon einmal die wahren Motive analysiert und die Vorstellungen sichtbar gemacht, wie Schäuble & Co. sich das Resultat ihrer Bemühungen positiv ausschmücken?
Ich bin seit nunmehr drei Jahren in einem Zustand zunehmender Irritation über das Demokratieverständnis der konservativen Organe des Staates - Irritation bis hin zur vollständigen Verständnislosigkeit der z.T. offensichtlichen Lügen (z.B. Frau Leyen bzgl. der Speicherung von IPs bei der vorgeblichen Sperrung kinderpornografischer Inhalte).
Entsprechend freue ich mich als normaler Bürger sehr darüber, dass es Menschen gibt, die dem Rabulismus des Gesetzgebers genügend Kompetenz zur Anrufung des Bundesverfassungsgerits entgegen setzen. Dafür möchte ich Herrn Naumann und die an der Verfassungsklage beteiligten Personen meinen aufrichtigen Dank aussprechen!
F. Mayer
Diese geht nun wirklich sehr weit zurück!
ist uns Herr Schaeuble als Kanzler erspart geblieben, das ist doch schon
was.......!arno-cote d'azur
Diese geht nun wirklich sehr weit zurück!
ist uns Herr Schaeuble als Kanzler erspart geblieben, das ist doch schon
was.......!arno-cote d'azur
Es freut mich das sie den Versuch unternehmen. Die Vorratsdatenspeicherung ist ein noch grösseres Problem, aber das Thema ist ja durch. Vielleicht können sie ja dem Überwachungsstaat wenigstens einen seiner Reisszähne ziehen.
Viel Erfolg.
Davon kann nicht mehr die Rede sein.
Man muß sich ernsthaft fragen, was unserem Land bzw. den Bürgern noch alles, an so genannten politischen Entscheidungen, zugemutet werden kann.
Der Wahnsinn wird nun noch systematisiert!
Herr Naumann, kämpfen Sie!
Diese geht nun wirklich sehr weit zurück!
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