Bologna-Prozess "Der Bachelor ist ein vernünftiger Abschluss"

Warum Porsche Bachelorstudenten gerne eine Chance gibt. Ein Interview mit Personalchef Thomas Edig

DIE ZEIT: Muss sich Deutschland Sorgen um seinen Akademikernachwuchs machen?

THOMAS EDIG: Auf Porsche trifft das sicher nicht zu. Jedes Jahr kommen über 500 Studenten zu uns ins Unternehmen, als Praktikanten, Werkstudenten oder Diplomanden. Die allermeisten sind hoch motiviert und kenntnisreich.

ZEIT: Die Dummen gehen also woandershin?

EDIG: Das kann ich nicht beurteilen. Allerdings halte ich die Diskussion über die Qualität des akademischen Nachwuchses für übertrieben. Fest steht, dass die Absolventen jünger werden, statt mit 27 kommen manche jetzt mit 22 zu uns. Natürlich wirkt sich das auf den Reifegrad aus, aber die Verjüngung war politisch gewollt.

ZEIT: Jetzt sagen Sie es selbst: Die Studenten sind heute weniger reif als früher.

EDIG: Das ist mir zu pauschal. Die Bachelorabsolventen kommen mit einer vergleichbar geringen Studien- und Lebenserfahrung zu uns, doch wir haben auch die Masterabsolventen mit ausgeprägteren theoretischen Kenntnissen – und die Doktoranden. So differenziert sich das Feld unserer akademischen Bewerber, was gut ist.

ZEIT: Was für Bachelorabsolventen Hilfstätigkeiten und niedrige Einstiegsgehälter bedeutet?

EDIG: Bachelorabsolventen bekommen bei uns eine adäquate Aufgabe und tarifliche Eingruppierung. Im europäischen Maßstab ist der Bachelor ein vernünftiger und notwendiger akademischer Abschluss. Gute Bachelorabsolventen werden die Gehaltsdifferenz zum Master über ihre Erfahrung relativ schnell wettmachen.

ZEIT: Die Begeisterung der Wirtschaft für den Bachelor ist für manche der Beweis, dass ihm die wissenschaftliche Dimension fehlt.

EDIG: Ich kann solche Stimmen sogar verstehen. Aber wir befinden uns nun einmal in einem internationalen Wettbewerb, wir brauchen junge Menschen, die nach wenigen Jahren einen ersten wirklich berufsqualifizierenden Abschluss erzielen. Da muss die Praxis im Vordergrund stehen. Im Master hingegen ist es hilfreich und wichtig, wenn sich die Studenten verstärkt im humboldtschen Sinne der Wissenschaft und bereits der Grundlagenforschung widmen. Das gilt noch umso mehr für die Promotion.

ZEIT: Gibt es überhaupt irgendetwas, was Sie an der Hochschulreform stört?

EDIG: Natürlich. Das Curriculum ist zu gedrängt, es lässt nicht mehr genug Zeit für notwendige fachbezogene Praktika. Da müssen die Hochschulen nachsteuern. Wichtig aber ist: Wir brauchen uns mit unseren Bachelorstudenten vor Franzosen oder Briten nicht zu verstecken. Deutschland hat eine ruhmreiche universitäre Historie, auch um die Zukunft dieser akademischen Kultur mache ich mir keine Sorgen.

Thomas Edig, 50, ist Personalchef des Porsche-Konzerns

Die Fragen stellte Jan-Martin Wiarda

 
Leser-Kommentare
  1. haben nicht nur gemeinsam, dass sie mit der Stirn arbeiten, sondern auch, dass man sie gerne kastriert, bevor man sie vor den Pflug spannt.

    Ich verließ die Universität, weil ich die Leute satt hatte, deren Fachkenntnisse auf "XY for Dummies"-Niveau lagen und zu keinerlei eigenen Gedanken fähig waren. Aber ich muss mich wohl geirrt haben: Was von der Firma Porsche kommt, KANN ja gar nicht falsch sein...

    http://www.zeno.org/Philo...

    ...fällt mir nur so ein.

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