Cafe-Gespräche "Haben Sie einen schicken Salat?"

Die Theaterautorin Laura de Weck hat für das ZEITmagazin kleine und größere Dramen in deutschen Cafés belauscht

Café des Hotels Vier Jahreszeiten, Hamburg
Frau, Mann
Frau: Also, ich… Ich wollte dir sagen… Ich werde alt, und…
Mann: Du wirst nicht alt.
Frau: Doch, ich bin schon alt, und…
Mann: Du bist doch nicht alt…
Frau: Mensch, hör auf, wir sind beide alt und hässlich.
Mann: Na gut.
Frau: Und jetzt muss ich mich entscheiden.
Mann: Was?
Frau: Ich muss mich entscheiden, welcher meiner Lover der bessere ist.
Mann:
Frau: Ja, wenn man alt wird, muss man sich entscheiden.
Mann: Nicht unbedingt.
Frau: Doch, wir sollten uns entscheiden. Ich meine, man muss mit jemandem zusammen sein. Nicht alleine. Eines Tages muss man sich entscheiden. Auch du.
Mann: Ich weiß nicht…
Frau: Soll ich uns was bestellen?
Mann: Nein… Nein, ich muss… leider los. Ich ruf dich an, aber jetzt muss ich los.

Café Fleury, Berlin
Kellnerin, Gast
Kellnerin: Was darf ich bringen?
Gast: Haben Sie einen schicken Salat?
Kellnerin: Einen was?
Gast: Einen schicken Salat.
Kellnerin: Meinen Sie einen Salat, der gut aussieht, oder einen mit Hühnchen?

Kunsthalle-Café, Hamburg
Mutter, Sohn
Mutter: Nur noch neun Monate.
Sohn: Zehn.
Mutter: Neuneinhalb. Das ziehst du jetzt durch, dann kannst du dir immer noch überlegen, ob du was anderes machen willst.
Sohn: Weiß doch jetzt schon, dass ich was anderes machen will!
Mutter: Mensch, neun Monate hältst du doch noch aus.
Sohn: Neuneinhalb.
Mutter: Danach können wir zusammen im Internet gucken, vielleicht gibt es Zusatzstudien, die dich interessieren. Aber ohne Abschluss ist es eine doofe Situation, da kriegst du später nichts. Das kannst du vergessen.
Sohn: Na und, sonst werd ich halt Künstler.
Mutter: Und was machst du dann?
Sohn: Kunst und so.
Mutter:
Sohn: Malen und so.
Mutter: Du kannst doch nicht malen.
Sohn: Muss man dafür auch nicht können: Guck dir die Bilder doch an.
Mutter: Die können sehr wohl malen; oder konnten und entwickeln sich dann weiter.
Sohn: Ich bin dann halt schon weiter entwickelt.

Café Knut, Hamburg
Frau, Zigarette
Frau: Entschuldigen Sie? Kann ich hier rauchen, oder darf man hier nicht essen?

Mann, Mann
1. Mann: War doch klar, dass sie nicht brav zu Hause bleibt.
2. Mann: Ja, aber schon nach zwei Wochen. Das finde ich schon echt krass.
1. Mann: Ihr seid nicht mehr zusammen, da darf sie machen, was sie will.
2. Mann: Aber sie hätte doch wenigstens noch ein bisschen länger warten können, bevor sie mit dem Nächstbesten ins Bett springt!
1. Mann: Jetzt hör aber auf, du hast sie doch auch die ganze Zeit betrogen.
2. Mann: Ja, aber da war ich wenigstens noch mit ihr zusammen!

Café Konrad, Hannover
Alte, Alter
Alte: Guck mal, die junge Frau am Tisch dort. Die sitzt hier ganz allein und macht gar nichts.
Alter: Die arbeitet doch.
Alte: Die arbeitet? Die guckt immer zu uns rüber.
Alter: Sie schreibt doch was auf.
Alte: Warum guckt die denn immer so?
Alter: Vielleicht wartet sie auf jemanden.
Alte: Na, so lange würde ich aber nicht auf jemanden warten.
Alter: Dann arbeitet sie eben.
Alte: Wahrscheinlich hätte sie gern einen Mann.
Alter: Vielleicht hat sie ja einen Mann.
Alte: Nein. Die hätte gern einen Mann. Wie ich einen habe. Sonst würde sie doch nicht die ganze Zeit rübergucken.

Laura de Weck, 27, ist Schauspielerin und schreibt. Ihr jüngstes Stück heißt "SumSum"

 
Leser-Kommentare
  1. krass krasser am krassigsten

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  • Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
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