Mein Deutschland (Teil 6) Ein unerhörtes Selbstbekenntnis

6. Juni 1971. Im "Stern" erklären 374 Frauen: "Ich habe abgetrieben!" Die Bundesrepublik stand Kopf

Es muss Ende April gewesen sein. In unserer Wohnung Rue d’Alesia im 14. Arrondissement klingelte das Telefon. Am anderen Ende der Leitung war Jean Moreau, mein Kollege vom Nouvel Observateur. Das linksliberale Wochenblatt hatte am 11. April 1971 »die Liste der 343 Französinnen« veröffentlicht, »die den Mut haben, das Manifest zu unterzeichnen: Ich habe abgetrieben!«. Die politische Provokation war die Idee des engagierten jungen Journalisten gewesen, und wir – ein Dutzend frischgebackener Feministinnen – machten sie zu unserer Sache. Mit dem Ergebnis, dass das Bekenntnis der 343 nicht nur Frankreich in Aufruhr versetzte, sondern auch international Aufsehen erregte.

Serie Mein Deutschland
Historische Momente aus 60 Jahren Bundesrepublik

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Doch nun machte Jean, der Vater des Gedankens, sich Sorgen. »Hör mal, Alice«, sagte er. »Bei uns hat eine komische deutsche Zeitschrift angerufen, Jasmin oder so ähnlich. Die wollen das Selbstbekenntnis nachstellen. Aber ich habe den Verdacht, die wollen daraus nur einen Werbegag machen. Kannst du nicht was tun?«

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Ich überlegte nur kurz. Dann griff ich zum Telefon und wählte die Nummer des stern - Redakteurs Winfried Maaß. Mit ihm hatte ich als freie Korrespondentin in Paris manchmal zu tun. Maaß wusste selbstverständlich von der Aktion. Und als ich ihn fragte, ob der stern mitziehen würde, wenn ich ihm 300 bis 400 Unterschriften von deutschen Frauen bringen würde, die sich selbst der Abtreibung bezichtigten, da überlegte Maaß nicht lange: »Wenn Sie das schaffen – sofort!«

Für die deutschen Studentinnen war die Frauenfrage ein »Nebenwiderspruch«

Einen Monat später hatte der stern die Liste von 374 Frauen auf dem Tisch. Und rückblickend staune ich bis heute, wie so eine Kleinigkeit wie ein Anruf ein ganzes Leben verändern kann. In diesem Fall nicht nur mein Leben, sondern das vieler Frauen.

Doch der Reihe nach. Ich lebte seit zwei Jahren wieder in Frankreich und war seit einigen Monaten eine der Aktivistinnen der Pariser Frauenbewegung. Doch ich erinnerte mich bestens an den Frankfurter »Weiberrat« und die legendäre Tomate, die anno 1968 eine Genossin ihren patriarchalen Genossen an den Kopf geworfen hatte, Motto: »Die Herrschaft der Schwänze hat ihre Grenze.« Ich ging also davon aus, dass ich nur bei der deutschen Frauenbewegung anklingeln müsste, und schon hätten wir unser Abtreibungsmanifest.

Doch weit gefehlt. Es gab zwar die Dollen Minnas in Holland und Women’s Lib in Amerika, aber (noch) keine Frauenbewegung in Deutschland. Für die aufmüpfigen Studentinnen von einst war die Frauenfrage nichts als ein »Nebenwiderspruch«, dem Hauptwiderspruch Klassenkampf nachgeordnet. Beim Frankfurter Weiberrat, dessen zwei, drei Dutzend Mitglieder eifrig »Kapitalschulungen« nach Marx machten, holte ich mir also eine kühle Absage; an einer so »reformistischen« und »kleinbürgerlichen« Aktion wolle man sich nicht beteiligen. Bei den Münchner Roten Frauen wäre ich auch beinahe gescheitert, wäre dort nicht eine Handvoll Frauen die Kapitalschulungen leid gewesen. Nur der unter DDR-Einfluss stramm organisierte Sozialistische Frauenbund Westberlin stieg kollektiv ein, in der Hoffnung auf Kontakt zu den Massen.

So kam etwa die Hälfte der 374 Unterschriften zusammen. Der Rest war Mundpropaganda: von Nachbarin zu Nachbarin, von Kollegin zu Kollegin, von Freundin zu Freundin. Ich reiste durchs Land und sammelte die Unterschriften. Denn meine Abmachung mit dem stern war strikt. Als Gegenleistung für die Unterschriften forderte ich von dem Magazin: ein kollektives Titelbild (also kein einzelner Star auf dem Cover), den ungekürzten Abdruck des politischen Appells und die Veröffentlichung meiner Reportage über die Aktion. Ich war schließlich nicht blauäugig. Mir war klar, dass ich auf der Hut sein musste, damit aus der Aktion keine Sensationshascherei würde.

Also übergab ich dem stern die 374 Unterschriften erst in der Nacht des Redaktionsschlusses. Erst als ich, nach zähem Gefeilsche, ganz sicher sein konnte, dass das Selbstbekenntnis der 374 angemessen präsentiert sein würde, überreichte ich die Mappe mit den Unterschriften. Inzwischen war es zwei Uhr morgens…

Am 6. Juni 1971 platzte die Bombe, nur zwei Monate nach dem Nouvel Observateur. Die Bundesrepublik stand kopf. Denn trotz der Liberalisierungsdebatte von 1969 an war Abtreibung noch immer ein Tabu. Eine Frau, die abtrieb, tat das meist in totaler Einsamkeit. Sie redete in der Regel weder mit der besten Freundin noch der eigenen Mutter, ja oft noch nicht einmal mit dem eigenen Mann darüber. Eine Frau, die abtrieb, hatte entweder das Geld für die Schweiz – oder sie riskierte ihre Würde und so manches Mal auch ihr Leben bei illegal abtreibenden Ärzten und auf dem Küchentisch von Engelmacherinnen.

Leser-Kommentare
  1. Ist es ein Ruhmesblatt, wenn man sich öffentlich des Rechtsbruches bezichtigt, und später dafür Straffreiheit erreicht?

    Man stelle sich vor Bankmanager würden sich des Betruges an der Öffentlichkeit bezichtigen und dafür straffrei bleiben. Oder Rauchgiftabhängige. >Ich habe Heroin genommen – ich fordere ein Recht auf Heroin<.

    Es sollte nicht schwer sein, für jede Fallgruppe eine Zahl von Delinquenten zu finden.

    Frau Schwarzer bezichtigt in ihrer bekannten Art ja gerne die Männer pauschal der Gewalttätigkeit gegenüber den Frauen. Wäre es bei den immerhin ca. 120.000 Abtreibungen im Jahr verfehlt, von tödlicher Gewalttätigkeit gegenüber werdendem Leben zu sprechen?

    Auf der einen Seite wird Leben getötet, andererseits wird viel Geld der Beitragszahler von Krankenkassen aufgewendet, um neues Leben zu ermöglichen.

    Das Leben von Frauen gilt es an erster Stelle zu erhalten. Dafür muss man gelegentlich Kompromisse eingehen, aber keine faulen.

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    "Man stelle sich vor Bankmanager würden sich des Betruges an der Öffentlichkeit bezichtigen und dafür straffrei bleiben."

    Ach, sind die Manager nicht straffrei geblieben? Dann habe ich von dem erst jüngst debattierten Beschluss, Manager im Extremfall mit bis zu einem Jahresgehalt haften zu lassen, wohl nur geträumt.

    Sei es drum. Hier geht es um Alice Schwarzers Artikel, bei dem einige Kommentatoren wieder den üblichen Beißreflex zeigen.

    Es geht auch nicht um Ruhm, Herr amadeusw, sondern um die Entstehungsgeschichte dieses "unerhörten Selbstbekenntnisses" aus subjektiver Sicht der Frau Schwarzer.

    Keine Frau Frau hat sich damals mit dieser Bekenntnis gerühmt. Es war vielmehr das erste Mal, dass in Deutschland öffentlich über Abtreibungen diskutiert wurde. Das war gut und wichtig. Damit ist eine Auseinandersetzung in Gang gesetzt worden, die es ohne diesen damaligen "Stern"-Titel nicht so schnell gegeben hätte.
    Und ohne Alice Schwarzer vermutlich ebenfalls nicht. Sie ist streitbar; das stimmt. Aber sie ist erfolgreich. Und sie ist eine Frau. Erfolgreiche, streitbare Frauen können manche Männer provozieren. Tja...so ist es eben, amadeusw

    "Man stelle sich vor Bankmanager würden sich des Betruges an der Öffentlichkeit bezichtigen und dafür straffrei bleiben."

    Ach, sind die Manager nicht straffrei geblieben? Dann habe ich von dem erst jüngst debattierten Beschluss, Manager im Extremfall mit bis zu einem Jahresgehalt haften zu lassen, wohl nur geträumt.

    Sei es drum. Hier geht es um Alice Schwarzers Artikel, bei dem einige Kommentatoren wieder den üblichen Beißreflex zeigen.

    Es geht auch nicht um Ruhm, Herr amadeusw, sondern um die Entstehungsgeschichte dieses "unerhörten Selbstbekenntnisses" aus subjektiver Sicht der Frau Schwarzer.

    Keine Frau Frau hat sich damals mit dieser Bekenntnis gerühmt. Es war vielmehr das erste Mal, dass in Deutschland öffentlich über Abtreibungen diskutiert wurde. Das war gut und wichtig. Damit ist eine Auseinandersetzung in Gang gesetzt worden, die es ohne diesen damaligen "Stern"-Titel nicht so schnell gegeben hätte.
    Und ohne Alice Schwarzer vermutlich ebenfalls nicht. Sie ist streitbar; das stimmt. Aber sie ist erfolgreich. Und sie ist eine Frau. Erfolgreiche, streitbare Frauen können manche Männer provozieren. Tja...so ist es eben, amadeusw

  2. "Viele Männer empfanden Kondome als kastrierend"
    "Denn ungewollt Schwangere treiben ab, egal, unter welchen Umständen"

    Kein Mann - weder heute noch damals - wird ernstlich behaupten, er stehe gefühlsmäßig der Verwendung von Kondomen genauso gegenüber wie der eigenen Kastration.

    (Hoffentlich) keine Frau wird nach einem positiven Schwangerschaftstest mal eben feststellen "Das hab' ich so nicht gewollt, na, dann muss wohl eine Abtreibung her."

    Ich gehe davon aus, dass den lt. Artikel rd. 114.000 Abtreibungen jährlich mindestens genauso viele ungewollte Schwangerschaften gegenüberstehen, die mit einer Geburt enden.

    Ist diese Frau überhaupt zur Differenzierung fähig? Was für eine verzerrte Wahrnehmung dieser Welt hat sie, wenn sie glaubt, mit dieser Art unreflektierter Polarisierung neue Anhänger für ihre alten Positionen zu bekommen? Die Realität ist doch längst weiter !!!

    JoshWolf, SLDD

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Ich bin entsetzt. Das Thema regt niemanden mehr auf, Ich denke, man muss wenigsten versuchen Reaktionen hervorzulocken.

    Am 25. 4.2009 wurde durch eine Volksbefragung entschieden, ob man in der Schule lieber Religionsunterricht oder einen Ethikunterricht haben wolle. Ethikunterricht wurde mehrheitlich gewünscht.

    Also Ethik. Frage: Darf eine Frau entscheiden, ob werdendes Leben geboren wird, oder vor der Geburt getötet wird. Die Frau als Richter über Leben und Tod.

    Die Prinzipienfrage, die ja anstelle religiöser Überzeugungen treten müsste, lautet also: Hat der Mensch das Recht, über das Lebensrecht anderer Menschen zu bestimmen?

    Trotz der vielen Änderungen des Abtreibungsrechtes hat sich der Staat um eine klare Antwort gedrückt und mit einem faulen Kompromiss geantwortet. >Wenn ihr euch vorher einer Beratung unterzieht, wollen wir nicht verfolgen<. Der Staat handelt gegen seine eigenen Prinzipien, wonach Gesetze einzuhalten sind. Von Frau Schwarzer wird das als >Gnade< verhöhnt, also Gnade vor Recht?

    Eine Gesellschaft, in der das Recht auf Leben aufgehoben ist, steht außerhalb religiöser, aber auch jeder ethischen Norm!

  4. ... war ja geradezu schwachsinnig. Zum Glück zeigt sie hier, dass sie es auch besser kann. Eine interessante Lektüre, danke dafür.

  5. Die (kath.) Kirche hat hier nichts verloren, und sollte sich wie sie auch in anderen Dingen mit denen sie nichts zu tun hat lieber zurückhalten.

    Abtreibung ist grausam und darf niemals als eine Art "Verhütung danach" missbraucht werden. Abtreibung ist aber für viele Frauen der letzte Ausweg aus einer verzweifelten Situation und eine schmerzhafte Entscheidung. In einer solchen Situation kriminalisiert zu werden setzt dem Ganzen die Krone auf. Es ist überaus wichtig, dass Abtreibung legal möglich ist. (ein gesetzliches Verbot würde es nicht verhindern, wie im Artikel schon erwähnt)

    Männern die das "Recht auf Leben" hochhalten und der Frau absprechen, über ihr eigenes zu verfügen (das sich nach einer Schwangerschaft vollkommen ändert und nach der sie ihre Unabhängigkeit und Freiheit verliert), sollten sich in Extremfälle hineinversetzen und sich fragen, wie sich jemand fühlt, der durch erzwungenen Geschlechtsverkehr seiner Würde beraubt, schwanger wird und das Kind vom Peiniger auch noch austragen soll?

    • ztc77
    • 28.04.2009 um 17:48 Uhr

    Liebe Leser,

    achten Sie genau auf den Tonfall der Kommentarschreiber wie "amadeusw" oder "joshwolf". Ursprung dieses Gesetzes "zur Rettung ungeborenen Lebens" war das Römische Reich. Eine Frau musste ihr Neugeborenes dem Mann zeigen: Hat er es gnädig akzeptiert, durfte es leben, - wollte er es nicht, war sie gezwungen, es zu töten. Wichtig war, dass der Mann entschied und nicht die Frau! Entschied die Frau selbständig, verwirkte sie ihr Leben.

    Zurück zum Tonfall. Frau Schwarzer formuliert klar: es geht um das Recht für die Frauen, selbst zu entscheiden. Gehen die Kommentarschreiber darauf ein? Oder greifen sie sich irgendeinen Vorwand, um Frau Schwarzer als Repräsentantin entscheidungsberechtigter Frauen zu diffamieren?

    Aber was red ich? Diese Kommentarecke ist vielleicht bewusst als Schonraum gedacht für Ingendeinen-Vorwand-Greifer.

    Ein Mann

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Eine Frau musste ihr Neugeborenes dem Mann zeigen: Hat er es gnädig akzeptiert, durfte es leben, - wollte er es nicht, war sie gezwungen, es zu töten. Wichtig war, dass der Mann entschied und nicht die Frau!
    Heutzutage hat man diese äusserst fragwürdige Regelung einfach in's Gegenteil verkehrt:
    Die Frau hat die alleinige Entscheidungsmacht über ein menschliches Leben, das sie UND DER KINDSVATER gezeugt haben.
    Akzeptiert die Frau "gnädig" den Embryo, darf er leben. Will sie es nicht, lässt sie es töten. Der Mann, der am Zeugungsprozess ganz genauso beteiligt war wie die Frau hat nichts, aber auch gar nichts zu entscheiden.

    Ist diese Regelung wirklich so viel besser, nur weil die Rollen vertauscht sind?

    Ich fordere bei diesem Thema endlich Gleichberechtigung für Männer! Es gäbe nämlich durchaus Möglichkeiten, Vater und Mutter bei der Entscheidung pro/contra Abtreibung gleiche Rechte zu gewähren, und zwar folgende:

    1. Der Embryo darf nicht abgetrieben werden.
    Die klassische Methode. Die Kirche wäre sicher begeistert, ansonsten altbekannte Pro-/Contro-Argumente.

    2. Der Embryo muss abgetrieben werden
    Unrealistisch - würde uns leider recht schnell aussterben lassen. ;-)

    3. Der Embryo muss abgetrieben werden, wenn einer der beiden Elternteile dies möchte.
    Unrealistisch, würde lauten Protest der Frauen hervorrufen . Würde schliesslich bedeuten dass werdende Mütter in die Lage kommen könnten ihr Kind zu verlieren, obwohl sie es behalten wollen. Das ist zwar die gleiche Situation mit der (mit vertauschten Rollen) jährlich viele Tausend werdende Väter konfontiert werden, allerdings müssen die halt nicht die Abtreibung über sich ergehen lassen.

    4. Der Embryo darf nur dann abgetrieben werden, wenn beide Elternteile zustimmen.
    Die letztlich wohl realistischste Möglichkeit. Der Unterschied zur jetzigen Regelung wäre, dass Frauen ihr Kind nicht abtreiben dürfen, wenn der Kindsvater das Kind behalten möchte.
    Neben dem Vorteil dass Vater und Mutter bei der Abtreibungsfrage gleichberechtigt wären hätte diese Regelung auch den Vorteil, dass sich endlich auch Frauen bereits vor dem Sex Gedanken über die Konsequenzen einer eventuellen Schwangerschaft machen müssten.
    Ich war mal eine Zeitlang in einem mehrheitlich von Frauen besuchten Online-Forum aktiv - und war entsetzt wie viele Frauen das Thema Verhütung nicht 100%ig ernst nahmen, mit der zwischen den Zeilen durchklingenden Begründung dass sie ja im schlimmsten Fall immer noch abtreiben könnten! Diese laxe Einstellung zum Thema Verhütung wäre nicht so verbreitet, wenn sich diese Frauen nicht darauf verlassen könnten, dass die "Notbremse Abtreibung" in jedem Fall zur Verfügung steht.

    Frau Schwarzer formuliert klar: es geht um das Recht für die Frauen, selbst zu entscheiden. Gehen die Kommentarschreiber darauf ein?
    Was für ein Quatsch.

    Das ist dieser schwachsinnige Versuch, etwas Umstrittenes zu rechtfertigen in dem man behauptet dass es eigentlich um etwas Anderes/Allgemeineres geht. z.B. wenn Jemand einen Anderen beleidigt und dann behauptet dass es dabei um das "Recht auf freie Meinungsäusserung" geht.

    Die Behauptung, es ginge beim Thema Abtreibung "um das Recht für Frauen, selbst zu entscheiden" ist so dreist, als wenn ein Vater der sich weigert Unterhalt für sein Kind zu bezahlen dies mit dem "Recht des Mannes, selbst zu entscheiden" begründen würde.

    Ein Mann
    Klar, und ich bin der Schah von Persien.

    Genau darum geht es, die Art und Weise, wie Frau Schwarzer mit Lügen (oder wie würden Sie ihren Umgang mit den Grautönen des Lebens sonst nennen?) versucht, die längst gekämpften Kämpfe der 70er und 80er noch einmal zu kämpfen. Sie wird so weder dem Motto noch dem Anliegen der Serie "Mein Deutschland" gerecht:

    Zum einen ist es (glücklicherweise) nicht ihr Deutschland, sondern unser aller, auch der Männer, auch der Kinder. Und zu diesen Kindern zählen nach der Entscheidung des Gesetzgebers eben auch die ungeborenen Kinder.

    Zum anderen erinnert sie sich nicht, wie es damals war, und berichtet mit der Distanz von fast vierzig Jahren darüber, sie agitiert.

    Und genau darum und nur darum ging es mir in meinem Kommentar - was man wohl auch hätte erkennen können -, und eigentlich hätte ich außerdem auch noch die ZEIT verdammen müssen dafür, dass sie Frau Schwarzer so etwas nun schon zum zweiten Mal innerhalb so kurzer Zeit einfach durchgehen lässt. Sicher hätte man ihr im Vorfeld nicht nur auftragen können, bei ihrem Artikel eine gewisse Länge nicht zu überschreiten, sondern auch die Auflage erteilen können, sachlich zu bleiben.

    Ja, verehrte ztc 77, auf die Sache selbst bin ich nicht eingegangen - ich glaube nämlich nicht, dass uns alle das weitergebracht hätte. Solche Themen werden hier doch (mit löblichen Ausnahmen) ohnehin meist nur schwarz-weiß abgehandelt. Von der ZEIT allerdings hätte ich mehr, Besseres erwartet.

    JoshWolf, SLDD

    Eine Frau musste ihr Neugeborenes dem Mann zeigen: Hat er es gnädig akzeptiert, durfte es leben, - wollte er es nicht, war sie gezwungen, es zu töten. Wichtig war, dass der Mann entschied und nicht die Frau!
    Heutzutage hat man diese äusserst fragwürdige Regelung einfach in's Gegenteil verkehrt:
    Die Frau hat die alleinige Entscheidungsmacht über ein menschliches Leben, das sie UND DER KINDSVATER gezeugt haben.
    Akzeptiert die Frau "gnädig" den Embryo, darf er leben. Will sie es nicht, lässt sie es töten. Der Mann, der am Zeugungsprozess ganz genauso beteiligt war wie die Frau hat nichts, aber auch gar nichts zu entscheiden.

    Ist diese Regelung wirklich so viel besser, nur weil die Rollen vertauscht sind?

    Ich fordere bei diesem Thema endlich Gleichberechtigung für Männer! Es gäbe nämlich durchaus Möglichkeiten, Vater und Mutter bei der Entscheidung pro/contra Abtreibung gleiche Rechte zu gewähren, und zwar folgende:

    1. Der Embryo darf nicht abgetrieben werden.
    Die klassische Methode. Die Kirche wäre sicher begeistert, ansonsten altbekannte Pro-/Contro-Argumente.

    2. Der Embryo muss abgetrieben werden
    Unrealistisch - würde uns leider recht schnell aussterben lassen. ;-)

    3. Der Embryo muss abgetrieben werden, wenn einer der beiden Elternteile dies möchte.
    Unrealistisch, würde lauten Protest der Frauen hervorrufen . Würde schliesslich bedeuten dass werdende Mütter in die Lage kommen könnten ihr Kind zu verlieren, obwohl sie es behalten wollen. Das ist zwar die gleiche Situation mit der (mit vertauschten Rollen) jährlich viele Tausend werdende Väter konfontiert werden, allerdings müssen die halt nicht die Abtreibung über sich ergehen lassen.

    4. Der Embryo darf nur dann abgetrieben werden, wenn beide Elternteile zustimmen.
    Die letztlich wohl realistischste Möglichkeit. Der Unterschied zur jetzigen Regelung wäre, dass Frauen ihr Kind nicht abtreiben dürfen, wenn der Kindsvater das Kind behalten möchte.
    Neben dem Vorteil dass Vater und Mutter bei der Abtreibungsfrage gleichberechtigt wären hätte diese Regelung auch den Vorteil, dass sich endlich auch Frauen bereits vor dem Sex Gedanken über die Konsequenzen einer eventuellen Schwangerschaft machen müssten.
    Ich war mal eine Zeitlang in einem mehrheitlich von Frauen besuchten Online-Forum aktiv - und war entsetzt wie viele Frauen das Thema Verhütung nicht 100%ig ernst nahmen, mit der zwischen den Zeilen durchklingenden Begründung dass sie ja im schlimmsten Fall immer noch abtreiben könnten! Diese laxe Einstellung zum Thema Verhütung wäre nicht so verbreitet, wenn sich diese Frauen nicht darauf verlassen könnten, dass die "Notbremse Abtreibung" in jedem Fall zur Verfügung steht.

    Frau Schwarzer formuliert klar: es geht um das Recht für die Frauen, selbst zu entscheiden. Gehen die Kommentarschreiber darauf ein?
    Was für ein Quatsch.

    Das ist dieser schwachsinnige Versuch, etwas Umstrittenes zu rechtfertigen in dem man behauptet dass es eigentlich um etwas Anderes/Allgemeineres geht. z.B. wenn Jemand einen Anderen beleidigt und dann behauptet dass es dabei um das "Recht auf freie Meinungsäusserung" geht.

    Die Behauptung, es ginge beim Thema Abtreibung "um das Recht für Frauen, selbst zu entscheiden" ist so dreist, als wenn ein Vater der sich weigert Unterhalt für sein Kind zu bezahlen dies mit dem "Recht des Mannes, selbst zu entscheiden" begründen würde.

    Ein Mann
    Klar, und ich bin der Schah von Persien.

    Genau darum geht es, die Art und Weise, wie Frau Schwarzer mit Lügen (oder wie würden Sie ihren Umgang mit den Grautönen des Lebens sonst nennen?) versucht, die längst gekämpften Kämpfe der 70er und 80er noch einmal zu kämpfen. Sie wird so weder dem Motto noch dem Anliegen der Serie "Mein Deutschland" gerecht:

    Zum einen ist es (glücklicherweise) nicht ihr Deutschland, sondern unser aller, auch der Männer, auch der Kinder. Und zu diesen Kindern zählen nach der Entscheidung des Gesetzgebers eben auch die ungeborenen Kinder.

    Zum anderen erinnert sie sich nicht, wie es damals war, und berichtet mit der Distanz von fast vierzig Jahren darüber, sie agitiert.

    Und genau darum und nur darum ging es mir in meinem Kommentar - was man wohl auch hätte erkennen können -, und eigentlich hätte ich außerdem auch noch die ZEIT verdammen müssen dafür, dass sie Frau Schwarzer so etwas nun schon zum zweiten Mal innerhalb so kurzer Zeit einfach durchgehen lässt. Sicher hätte man ihr im Vorfeld nicht nur auftragen können, bei ihrem Artikel eine gewisse Länge nicht zu überschreiten, sondern auch die Auflage erteilen können, sachlich zu bleiben.

    Ja, verehrte ztc 77, auf die Sache selbst bin ich nicht eingegangen - ich glaube nämlich nicht, dass uns alle das weitergebracht hätte. Solche Themen werden hier doch (mit löblichen Ausnahmen) ohnehin meist nur schwarz-weiß abgehandelt. Von der ZEIT allerdings hätte ich mehr, Besseres erwartet.

    JoshWolf, SLDD

    • ztc77
    • 28.04.2009 um 17:48 Uhr

    [Entfernt wg. Doppelpostings. /Die Redaktion pt.]

  6. Liebe Frau Schwarzer,

    es ist/war (in meinen Augen) ein Skandal, dass sich Frauen überhaupt zur Abtreibung gezwungen sehen - offenbar mangels menschenwürdiger Alternativen. Es wäre (war und ist ja teilweise geschehen) notwendig, für die Perspektiven von Frauen mit Kindern zu kämpfen - nicht für "das Recht auf Abtreibung".

    Immerhin erfreulich, dass es heutzutage keine Schande mehr ist, ein "uneheliches Kind" auf die Welt zu bringen (wie noch in den 50ern)! Wieviele Abtreibungen hätten sich - wenn dies bereits "damals" der Fall gewesen wäre - schlicht erübrigt?

    Wieviele Abtreibungen erübrigten sich, wenn den Damen wirkliche! Möglichkeiten aufgezeigt werden, die Erziehung eines Kindes ins eigne Leben zu integrieren? Hilfen angeboten?

    Schlecht, dass es heutzutage als "Dummheit" gilt, ein behindertes Kind auszutragen. Weil man ihm, dem Kind, "so ein Leben ja nicht zumuten" könne. Gerne wird an dieser Stelle vor Down und anderen geistigen Behinderungen gewarnt - ohne einen Augenblick daran zu denken, dass der nächste, dumme Unfall jeden von uns in eben diese "unzumutbare Situation" versetzen könnte (woher wissen wir eigentlich, dass so ein Leben "sich nicht lohnt"?)

    "Gefahr an Leib und Leben der Mutter" - hmm - zahlreich sind die Fälle aber nicht..... der Abbruch selbst bei Krebs- und Blutkrebserkrankungen der Mutter nicht unbedingt erforderlich: Oft gelingt es, das Kind noch vor Beginn der notwendigen Behandlungen zu holen (als Frühchen, nicht als Spätabtreibung).

    Ein letzter Grund spricht für mich gegen Abtreibung: Kriegt der Embryo wirklich von seiner Vernichtung "nichts mit"? Ich bin mir nicht so sicher, wenn ich mir die Entwicklungsstadien unter www.visembryo.com anschaue.

    Zitat aus "Bild der Wissenschaft" zur Gewinnung von Zellmaterial zur Behandlung Parkinsonkranker - Titel des betreffenden Hintergrundberichts vom 31.01.2002 - "Forschungspolitik: Debatte um Stammzellen: Deutschland Dammbruchland"

    dort dieses Zitat:

    ".... Embryonen, die abgetrieben werden, sind älter und besitzen in der Regel schon ein Gehirn, das es ihnen ermöglicht, auf die Umwelt zu reagieren, mit den Händen zu greifen und mit den Beinen zu strampeln. Sie sind klar als menschliche Wesen erkennbar. Wer nach einer Abtreibung zufällig den Embryo zu Gesicht bekommt und die ärztliche Abtreibungspraxis nicht gewohnt ist, ist meist geschockt......"

    Zusammenfassend: Ich bin mir nicht sicher, ob diese "Wesen" nicht eben doch erheblich "leiden" während ihrer Abtreibung - vielleicht sind Beteuerungen bezüglich ihrer Schmerzunfähigkeit schlicht falsch - ich weiß es nicht. Aber ich möchte niemanden - am wenigsten mein Kind - leiden lassen.

    Und das spricht für mich auf jeden Fall gegen Abtreibung.....

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