Strafverfolgung Gestehen Sie endlich!Seite 6/6
Die Kompetenz eines Kriminalbeamten wird meist danach beurteilt, ob er einen Beschuldigten zum Sprechen bringt. Die gelungene Motivierung zum Geständnis bei Kollegen und Vorgesetzten häuft »symbolisches Kapital« an. Darum legen manche Ermittler die Vorschriften zur Belehrungspflicht »sehr weitherzig aus«. Das jedenfalls berichtet der Essener Professor Jo Reichertz, der sich als Kommunikationswissenschaftler intensiv mit den psychosozialen Prozessen in der Polizeibefragung beschäftigt hat und bei Polizeifortbildungen als kritischer Referent gefragt ist. Der Verdächtigte gelte bei den Verhörspersonen als schwer einzunehmende »Trutzburg«, die immer wieder verlustreich berannt und schließlich erobert werden müsse.
Doch klugen Vernehmungsbeamten ist auch klar, dass sie mit Gewalt und Drohung wenig erreichen und höchstens Gefahr laufen, durch ein erpresstes falsches Geständnis ihren Ruf zu verlieren. Deshalb gehen sie mit Offenheit und Freundlichkeit zu Werke. Sie legen vor der Befragung allen Abscheu vor der Tat, allen Grimm und alle Verachtung für den Täter ab und stürzen sich in eine tiefe Beziehung zu ihm. Der geschickte Kriminalbeamte wird zum besten Freund des Beschuldigten, zu seinem Beichtvater, zum Einzigen, der ihn versteht. Er ringt mit ihm, weint mit ihm. Er dringt vor in seine Gedankenwelt, in seine Seele, spürt seine weichen Stellen auf, schleicht sich in sein Wertesystem – und spielt dann alles gegen ihn aus.
Der Weg zum Vertrauen eines Verbrechers kann lang sein – manchmal jahrelang. Denn die meisten Kriminellen sind Menschen, die zahllose Enttäuschungen hinter sich haben. Von Misstrauen zerfressen, scannen sie die Umwelt nach Zeichen der Unaufrichtigkeit ab und werden zu wahren Sachverständigen für das Aufspüren aller Arten von Verrat. Einem Beamten, dem es gelingt, sich in das Herz des Täters zu stehlen, gelingt es auch, den Bauplan der Trutzburg zu erfassen. Dann wird die Vernehmung für beide Beteiligten zu einer existenziellen Begegnung. »Wenn seine Anstrengung schließlich mit einem Geständnis belohnt wird, also der Aufbau einer tragfähigen Beziehung zum Beschuldigten gelungen ist, dann ist das ein ganz großer Moment im Leben eines Kriminalbeamten«, sagt Reichertz.
Manchmal überdauern die so entstandenen Bindungen zwischen Verbrecher und Kommissar sogar den »Treubruch« des Vernehmers, der im Prozess als Zeuge der Anklage auftritt: Mancher Kriminalbeamte bekommt auch nach der Verurteilung des Angeklagten noch lange Post aus dem Knast. Mancher geht auch selbst über Jahre regelmäßig in die Justizvollzugsanstalt, um dort einen Menschen zu besuchen, mit dem er diesen letzten, großen Kampf um die Wahrheit gekämpft hat. Dann sitzen sie einander wieder gegenüber – der Vernommene und der Vernehmer. Und sie wissen, dass sie durch jene Zeit der Nähe für immer zusammengeschweißt sind.
- Datum 20.05.2009 - 16:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
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in dem artikel adressierten unterschichtler ( incl. moi ) sich gar kein bild mehr davon machen, was sie erwarten kann, wenn der schatten eines
schrecklichen verdachts über ihrem horizont erscheint , aber die attraktive frau komissarin trotzdem so herzlich nett ist...
in dem artikel adressierten unterschichtler ( incl. moi ) sich gar kein bild mehr davon machen, was sie erwarten kann, wenn der schatten eines
schrecklichen verdachts über ihrem horizont erscheint , aber die attraktive frau komissarin trotzdem so herzlich nett ist...
... sich nur um das Opfer der Attacke und ihre bis an ihr Lebensende traumatisierten Hinterbliebenen ähnliche Sorgen machte, wie um den mutmaßlichen Täter ...
Aber da es bei solchen Artikeln um die Ausstellung der eigenen moralischen Überlegenheit geht, empört sich die Autorin - wie in linksliberalen Kreisen üblich - lieber über die suspekte Staatsgewalt ...
Ein pervertierter Gerechtigkeitsbegriff, wenn der Verdächtige zu einem vom System Unterdrückten stilisiert wird - einer Art Ersatz-Arbeiterklasse.
Es ist eine zynische Eitelkeit, die sich als grenzenlos vorurteilsfrei und gerecht tarnt.
Dieser Gestus kostet nichts. Die Geltungssucht und Gier nach der moralischen Deutungshoheit lässt das Leid der Opfergruppe schließlich weit weg und vernachlässigbar erscheinen.
... ist voll von Buzzwords, hat aber keine Substanz.
Wer den Artikel gelesen hat, insbesondere den geschilderten Fall Frank D., kann ja wohl nicht ernsthaft leugnen, dass es hier ein Problem gibt in Form von "vom System Unterdrückten".
Ihre populistischen Kopf-Ab-Forderungen kosten in unserem gesellschaftlichen Klima nichts. Die Ausführungen der Autorin erfordern da schon mehr Mut.
sind Opfer!
...bedeutet auch: Unschuldig bis zur richterlichen Verurteilung.
Auch wenn Leute, die "linksliberal" als Schimpfwort betrachten, das nicht gern hören...
Interessant, ich habe den Artikel ganz anders verstanden, nämlich:
1. Der Täter wird womöglich unbestraft bleiben, wegen Formfehler in Ermittlung (das ist schon eine Form von Sorge über die Hinterbliebenen)
2. Es gibt mehrere Ursachen, warum sich die Formfehler einschleichen: vom Druck, dem die Polizei ausgesetzt ist, bis zur persönlichen Eitelkeiten.
3. Form muss dennoch gewährt bleiben, ansonsten können Unschuldige bestraft werden.
Was im Artikel nicht steht, aber Ihnen auch so bekannt sein müsste, ist, dass ein gerechter Staat (was nicht immer deckungsgleich mit "Rechtstaat" ist) es vermeiden muss, Unschuldige zu bestrafen. Es ist ungerecht, einen Schuldigen nicht zu bestrafen. Es ist doppelt ungerecht, einen Unschuldigen zu bestrafen: einerseits wegen des Leidens, dem man ihm antut, anderseits weil der Schuldige dadurch wieder unbestraft bleibt.
Im Übrigen (das geht an Andere, die Ihnen geantwortet haben) meine ich nicht, dass Hitler unschuldig war, nur weil ihn kein Gericht für schuldig befunden hat!
... ist voll von Buzzwords, hat aber keine Substanz.
Wer den Artikel gelesen hat, insbesondere den geschilderten Fall Frank D., kann ja wohl nicht ernsthaft leugnen, dass es hier ein Problem gibt in Form von "vom System Unterdrückten".
Ihre populistischen Kopf-Ab-Forderungen kosten in unserem gesellschaftlichen Klima nichts. Die Ausführungen der Autorin erfordern da schon mehr Mut.
sind Opfer!
...bedeutet auch: Unschuldig bis zur richterlichen Verurteilung.
Auch wenn Leute, die "linksliberal" als Schimpfwort betrachten, das nicht gern hören...
Interessant, ich habe den Artikel ganz anders verstanden, nämlich:
1. Der Täter wird womöglich unbestraft bleiben, wegen Formfehler in Ermittlung (das ist schon eine Form von Sorge über die Hinterbliebenen)
2. Es gibt mehrere Ursachen, warum sich die Formfehler einschleichen: vom Druck, dem die Polizei ausgesetzt ist, bis zur persönlichen Eitelkeiten.
3. Form muss dennoch gewährt bleiben, ansonsten können Unschuldige bestraft werden.
Was im Artikel nicht steht, aber Ihnen auch so bekannt sein müsste, ist, dass ein gerechter Staat (was nicht immer deckungsgleich mit "Rechtstaat" ist) es vermeiden muss, Unschuldige zu bestrafen. Es ist ungerecht, einen Schuldigen nicht zu bestrafen. Es ist doppelt ungerecht, einen Unschuldigen zu bestrafen: einerseits wegen des Leidens, dem man ihm antut, anderseits weil der Schuldige dadurch wieder unbestraft bleibt.
Im Übrigen (das geht an Andere, die Ihnen geantwortet haben) meine ich nicht, dass Hitler unschuldig war, nur weil ihn kein Gericht für schuldig befunden hat!
... ist voll von Buzzwords, hat aber keine Substanz.
Wer den Artikel gelesen hat, insbesondere den geschilderten Fall Frank D., kann ja wohl nicht ernsthaft leugnen, dass es hier ein Problem gibt in Form von "vom System Unterdrückten".
Ihre populistischen Kopf-Ab-Forderungen kosten in unserem gesellschaftlichen Klima nichts. Die Ausführungen der Autorin erfordern da schon mehr Mut.
Die meisten Menschen vergessen, daß Polizei und Staatsanwaltschaft von Gesetzes her eigentlich verpflichtet sind, sowohl Tatsachen zu ermitteln, die für die Tat sprechen wie auch die, die zu Gunsten des Beschuldigten sprechen.
Leider wird dieses in Deutschland äußerst selten praktiziert. Wie so schön beschrieben wurde, sobald die Ermittlungsbehörden erst einmal einen plausiblen Verdächtigen haben, werden andere Spuren nicht mehr verfolgt.
Gerade aus diesen Gründen ist eine lückenlose Protokollierung extrem wichtig, bei Vernehmungen am besten per Video. Denn nur so läßt sich der Hergang der Ermittlungen einigermaßen belegen und den Behörden notfalls auch Versäumnisse nachweisen.
Was die meisten auch nicht wissen, in deutschen Strafgerichten werden die Verhandlungen keinesweg mitprotokolliert. Das bedeutet, daß auch hier höheren Instanzen auch eventuelle Beweise über Fehlinterpretierungen entzogen werden können. Wir werden durch die amerikanischen Gerichtsfälle im Fernsehen getäuscht, weder gibt es einen Protokollstenographen, noch einen Hammer, noch wird der Richter mit Euer Ehren angeredet!
sind Opfer!
...bedeutet auch: Unschuldig bis zur richterlichen Verurteilung.
Auch wenn Leute, die "linksliberal" als Schimpfwort betrachten, das nicht gern hören...
...bis zur richterlichen Verurteilung !?
Aber sind wir uns nicht dort einmal sicher ob unseres Rechtssystems? Können bzw. dürfen wir das überhaupt?
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
...bis zur richterlichen Verurteilung !?
Aber sind wir uns nicht dort einmal sicher ob unseres Rechtssystems? Können bzw. dürfen wir das überhaupt?
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
...bis zur richterlichen Verurteilung !?
Aber sind wir uns nicht dort einmal sicher ob unseres Rechtssystems? Können bzw. dürfen wir das überhaupt?
;-)
“When I give food to the poor, they call me a saint. When I ask why the poor have no food, they call me a communist." — Dom Hélder Câmara
Solange man nicht verurteilt ist, ist man unschuldig!!! Das gilt auch für vermeintlichen Mr. Holzklotztäter.
Es ist doch der absolute Müll, dass dieser Mensch bis zu seiner richterlichen Verurteilung unschuldig ist. Als Drogesüchtiger ist er Verbrecher, ist er auf jeden Fall schuldig. Selbst wenn er nicht der Mörder war gehört er lebenslang eingesperrt - und seine Rechtsverdreher kämen auch in die gleiche Zelle, wenn es nach mir ginge.
In anderen Ländern werden Menschen wegen dem Besitz von Drogen sogar hingerichtet.
... nur leider sachlich falsch: Drogenkonsum ist in Deutschland nicht strafbar; die Sucht erst recht nicht. Wäre ja auch noch schöner.
Dem Himmel sei Dank geht es aber nicht nach Ihnen!
In Deutschland leben wir (mehr oder weniger, siehe Artikel)) in einem Rechtsstaat, in dem eine "Rübe-ab-Mentalität" keinen Platz hat. Das verdanken wir allerdings weniger dem Himmel, sondern mehr den Verfassern unserer Verfassung.
Dass das so ist, ist gut und richtig und damit es so bleibt, brauchen wir eben auch jene kritisch-distanzierte Berichterstattung, die uns der obige Beitrag (nein, nicht Ihrer, Rudolpho) geliefert hat.
Kranke Menschen einsperren zu wollen deutet auf gewisse Defizite der Menschlichkeit und des Wissens. Dass suchtkranke Menschen aufgrund von Beschaffungskriminalität immer wieder strafrechtlich in Erscheinung treten, ist ein anderes Thema. Das würde und werde ich aber sicher nicht mit Ihnen diskutieren!
... nur leider sachlich falsch: Drogenkonsum ist in Deutschland nicht strafbar; die Sucht erst recht nicht. Wäre ja auch noch schöner.
Dem Himmel sei Dank geht es aber nicht nach Ihnen!
In Deutschland leben wir (mehr oder weniger, siehe Artikel)) in einem Rechtsstaat, in dem eine "Rübe-ab-Mentalität" keinen Platz hat. Das verdanken wir allerdings weniger dem Himmel, sondern mehr den Verfassern unserer Verfassung.
Dass das so ist, ist gut und richtig und damit es so bleibt, brauchen wir eben auch jene kritisch-distanzierte Berichterstattung, die uns der obige Beitrag (nein, nicht Ihrer, Rudolpho) geliefert hat.
Kranke Menschen einsperren zu wollen deutet auf gewisse Defizite der Menschlichkeit und des Wissens. Dass suchtkranke Menschen aufgrund von Beschaffungskriminalität immer wieder strafrechtlich in Erscheinung treten, ist ein anderes Thema. Das würde und werde ich aber sicher nicht mit Ihnen diskutieren!
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