Deutschlandkarte Kirchensterben
Wie viele Gotteshäuser in deutschen Städten von 2004 bis 2009 geschlossen wurden, sehen Sie auf unserer Karte
Selbst Menschen, denen an der Kirche nichts liegt, bedauern es, wenn ihre örtliche Kirche geschlossen wird, ist sie doch außer einem Symbol für das Christentum auch eines für Beständigkeit. Wer sich den Erhalt der Kirchengebäude wünscht, sollte nicht aus der Kirche austreten. Sie werden geschlossen, weil es an Mitgliedern und somit an Geld fehlt. Und weil die Kirchen sonntags so gut wie leer sind (Zum Öffnen der Karte klicken Sie bitte hier).
Man sieht: Im Süden des Landes, wo der Gottesdienstbesuch noch zum Leben gehört, wurde kaum eine Kirche geschlossen. Im Bistum Essen dagegen traf es besonders viele Kirchen, ungefähr jede vierte – das Bistum verlor in den letzten 50 Jahren mehr als ein Drittel seiner Mitglieder. Die wenigsten Gebäude werden abgerissen. Es werden Museen, Restaurants und Kindergärten daraus. Die evangelischen Kirchen verschwinden eher aus den katholischen Gegenden – die katholischen Kirchen eher aus den evangelischen Gegenden. Paradox: Das Land wird profaner und der verbleibende konfessionelle Graben etwas tiefer.
Redaktion: Matthias Stolz; Recherche: Nina Pauer
- Datum 22.04.2009 - 16:12 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
- Kommentare 4
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Der geringe Kirchenschwund im Süden ist darauf zurückzuführen, dass die Kirchen frömmer sind als im protestantischen Norden. Wer braucht schon Kirchen, wo der Pfarrer oder die Pfarrerin selbst nicht so richtig glaubt, was er/sie da zu verkünden hat. Ich habe selber eine Reihe von Theologiestudenten erlebt, die Angst davor hatten, den Pfarrdienst unter besonders gläubigen Menschen anzutreten. Der Galube der einfachen Gemeindeglieder wurde als "Gemeindetheologie" abgetan.
Da läuft seit Jahrzehnten eine Menge schief bei der Theologenausbildung. Man kann Kirchen auch leerpredigen, wenn die PredigerInnen den Glauben als eine Art allgemeines Gutsein mißverstehen. Es hat schon seine Gründe, dass manche eher evangelikal ausgerichtete von ungläubigen Theologen sprechen.
Wundergläubigkeit sehe ich auch eher in der IT-Branche als in den protestantischen Kirchen ;-)
Ein ziemlich krasses Gegenbeispiel ist Rumänien: Überall im Lande werden neue Kirchen errichtet und füllen sich. Erklärte Atheisten sind eine rare Spezies. Die Priester und Pfarrer sind deutlich volksnäher. Und die Katholiken bekommen - trotz Zölibat - genügend Priester. Übrigens steigt auch die Anzahl der Klöster. Mönche und Nonnen.
Es gibt in Deutschland sehr viele sehr gut besuchte Kirchen und Gemeinden von Migranten.
Manchmal kann man beobachten, dass zum evangelischen Gottesdienst in einer Kirche ein bis zwei Duzend Leute kommen. Zum anschließenden Gottesdienst der Migranten kommen dann hundert und mehr Leute, die oft von weit herfahren müssen.
Bonhoeffer, der nicht die höchste Auszeichnung des israelischen Staates "Gerechter der Völker" erhielt, meinte sinngemäß, dass Gott eine Hypothese ist, Kirche verkaufen, an Arme verschenken, Geistliche im weltlichen Beruf arbeiten, sollen. Dieser Meinung bin ich auch.
Glaube ist kein Wissen. Deutung keine Tatsache.
Ursächliche Überlieferung schon fragwürdig, sind es Vatikan, mit Kirchen(straf)recht und Reformatoren ebenfalls. Kultfeiern können die Konservativen, die imaginäre Figuren und Staturen brauchen, Angst haben, dass sie unter offenen Himmel nass werden, doch auch im Altenheim abhalten, anschließend ihrem Nachruf, mit Trauerrede, zusehen.
Regulären sogenannten Gottesdienst "Arme, Kranke, Witwen, Waisen, Gefangene, Feinde besuchen" und noch mehr, lässt sich Kirche ohnehin von bösen Privat-, Steuer-, Versicherungszahler, finanzieren. :-))
Namaste
gut, für mich keine Schreckensmeldung, Sorgen könnte man sich vielleicht um die Süddeutschen machen, die wieder mal nicht merken, wenn ein Zug abgefahren ist. Ich weiß nicht genau, ob mich das Wort "profan" stört, irgendwie haftet ihm doch ein pejorativer Klang an.
Ich habe nur den ersten Absatz des Artikel gelesen, der reicht mir vollends.
Wozu brauche ich bitte Konsistenz? Mir persönlich reicht da der Himmel und die Sonne. Konsistenz im allsonntäglichen Honig-in-die-Ohren-tröpfeln, das ich mir bisher zum Glück erst 3 Mal antuhen musste, Konsistenz im kleine-Jungen-Missbrauchen, ich könnte ewig so aufzählen, aber man muss schon ein ultra-konservatives, christlich erzogenes Dorfkind sein, um sich deswegen Sorgen zu machen. Das einzige was ich an der Kirche bzw. genauer den Kirchen respektiere ist die Architektur und Athmosphäre, aber die scheint sich auch Antichristen wie mir zu offenbaren und ich glaube das wird auch so bleiben ohne Quacksalber, die darin leben und Leuten die Unmündigkeit predigen, um dann von ihnen Geld einzusammeln (Kant hat versagt...).
Und deshalb sollen die Leute nicht aus der Kirchen austreten? Das ist wie als würde der Tennisclub unfallbedingte Rollstuhlfahrer bitten, doch weiter im Verein zu bleiben und zu zahlen aus Liebe zum Geräusch, das auftritt wenn ein Ball geschlagen wird. Nur, dass der Chef des Clubs wohl nicht von dem Geld nach Afrika geht und dort predigt, die Leute sollen sich nicht gegen das AIDS wehren, es kommt schließlich von Gott und sie haben es verdient. Ausserdem hätte er wohl nicht die selbe Autorität wie gewisse Andere, die das zu tun pflegen.
Tut mir Leid wenn ich polemisch werde aber mir kommt bei sowas einfach die Galle hoch. Wer hat den Artikel geschrieben, Herr Ratzinger persönlich?
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