Liebeskolumne Zu dir oder zu mir?

Jede Woche beantwortet der Paartherapeut Wolfgang Schmidbauer eine große Frage der Liebe. Diesmal: Soll ich zu ihm ziehen, weil er es will?

Die Frage: Andrea und Heiko sind erst seit einigen Monaten ein Paar. Von seiner früheren Partnerin hat sich Volker vor acht Monaten getrennt. Er lebt allein in einem Haus auf dem Land, das er in mühevoller Eigenarbeit selbst gebaut hat. In all den Jahren, in denen Heiko "nur gearbeitet und nicht gelebt" hat, wie er sagt. Das Haus hat einen Swimmingpool und ist groß – aber leider weit weg von der Stadt. Heiko möchte unbedingt, dass Andrea zu ihm zieht. Allerdings hat Andrea Kinder – und die möchten auf keinen Fall mit aufs Land. Einerseits möchte Andrea gern mit Heiko eine Zukunftsperspektive haben und auch mit ihm zusammenziehen. Aber sie fühlt sich unter Druck gesetzt. Ständig klagt Heiko darüber, wie sehr er darunter leidet, alleine zu sein. Soll sie sich über den Willen der Kinder hinwegsetzen?

Wolfgang Schmidbauer antwortet: Beide Bedürfnisse sind verständlich: Heiko will nicht alleine leben, Andrea möchte mit ihren Kindern in der Stadt bleiben. Das Problem ist der Leidensdruck, den Heiko aufbaut. Es ist gefährlich, wenn wir Gefühle übergehen, nur weil sie unpraktisch sind. Ein luxuriöses, halb leeres Haus, die teuren Mieten in der Stadt, da kann doch nur eine Zicke…? Mitnichten. Heiko muss begreifen, dass sich eine Familie nicht in ein Haus einpassen lässt wie eine Sauna. Schon gar nicht, wenn Kinder beteiligt sind. Männer, die in Eigenarbeit Häuser bauen können, tun sich manchmal schwer mit der Einsicht, dass menschliches Material auch auf gute Absichten mit Trotz reagiert. Vielleicht sollte Andrea Heiko vorschlagen, das schöne Haus zu vermieten und erst einmal zu ihr in die Stadt zu kommen.

Wolfgang Schmidbauer, 67, ist einer der bekanntesten deutschen Paartherapeuten. Sein Buch zu dieser Kolumne ist soeben erschienen: "Lässt sich Sex verhandeln?", Gütersloher Verlagshaus 2009

Haben Sie auch eine "große Frage der Liebe"? Schicken Sie eine E-Mail an liebeskolumne@zeit.de .

Welchen Problemen Wolfgang Schmidbauer in seiner täglichen Praxis begegnet, erzählt er im Interview mit ZEIT ONLINE.

 
Leser-Kommentare
    • A.S.
    • 23.04.2009 um 21:11 Uhr

    Wie alt sind die Kinder (vielleicht ziehen sie sowieso bald aus)? Wie stehen Kinder zu einem neuen Partner ( wenn sie mit ihm zusammenleben sollen )? Wie steht der Partner zu Erziehungsfragen? In wie weit würde die Mutter eine Einmischung in Erziehungsfragen hinnehmen? Wie funktioniert das mit den Arbeitsplätzen? Welche finanziellen Regelungen werden vereinbart? Was passiert im Falle eines Scheiterns? Wenn diese Fragen alle geklärt sind, dann ist das zu Dir oder zu mir ein verhältnismäßig kleines Problem.

    • A.S.
    • 23.04.2009 um 21:16 Uhr

    Was macht sie mit Heiko wenn sie zu Volker zieht?

  1. sollte Andrea Heiko vorschlagen, das schöne Haus zu vermieten und erst einmal zu ihr in die Stadt zu kommen..."

    Ja, vielleicht sollte sie das wirklich tun.
    Für den Fall, dass sie es tut, sollte sie aber vorsorglich einkalkulieren, dass es Toilettensitze gibt, die ausschließlich nur vom Ersterwerber benutzt sein wollen und selbsterbaute Wände, die die schlechte Aura von degenerierten Menschen, die es nötig haben, Häuser zu mieten anstatt sie zu bauen oder zu kaufen, für alle Zeit und nicht wieder rückkehrbar in sich aufsaugen.... -

    kein Witz!... es gibt Leute (über deren Degenerationsgrad ich mich an dieser Stelle nicht unbedingt äußern möchte), die glauben an sowas - und zwar felsenfest!

  2. Frauen werden meist gut erzogen: Zieh niemals zu ihm, sondern lass ihn bei Dir einziehen, dann kannst Du ihn jederzeit rausschmeißen.
    Das wird wohl ein unterschwelliger Grund sein, neben der Lage auf dem Land.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    diese regel gilt wohl für beide seiten.
    wer immer beim anderen einzieht läuft gefahr, zum neuen inventar in der wohnung des anderen zu werden.
    im konfliktfalle ist der günstigste kompromiß, ein neues, gemeinsames domizil zu eröffnen, in dem beide sich hineinentwickeln und gleichwertig sind.

    diese regel gilt wohl für beide seiten.
    wer immer beim anderen einzieht läuft gefahr, zum neuen inventar in der wohnung des anderen zu werden.
    im konfliktfalle ist der günstigste kompromiß, ein neues, gemeinsames domizil zu eröffnen, in dem beide sich hineinentwickeln und gleichwertig sind.

  3. diese regel gilt wohl für beide seiten.
    wer immer beim anderen einzieht läuft gefahr, zum neuen inventar in der wohnung des anderen zu werden.
    im konfliktfalle ist der günstigste kompromiß, ein neues, gemeinsames domizil zu eröffnen, in dem beide sich hineinentwickeln und gleichwertig sind.

    Antwort auf "Zusammenziehen."
  4. Der Kommentar trifft den Nagel auf den Kopf. Denn es ist höchst unwahrscheinlich, dass Heiko sich in die Stadtwohnung einfach so integrieren lässt, ohne massive Abstriche bei seiner Lebensqualität zu machen.
    Und sonst würde es immer ihre Wohnung bleiben...

    • ztc77
    • 27.04.2009 um 20:21 Uhr

    Ständig klagt Heiko darüber, wie sehr er darunter leidet, alleine zu sein. Sollte das nicht nur Fallbeispiel, sondern Realität sein, dann ist bei einer solchen Aussage allergrößte Vorsicht angesagt, egal ob von Mann oder von Frau!

  5. was fuer eine Unsinnskolumne ist das bloss. Es kann ja sein, dass es auch fuer sowas eine Art Nische gibt. Ich moechte der Zeit dennoch vorschlagen,
    ueber ein Absetzen nachzudenken. Und ueberhaupt: wie wird man eigentlich Paarterapeut ? Kann man davon leben ? Was sind die Honorare fuer 40 Minuten Beratung fuer "Mein will immer, ich aber nicht". ?

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  • Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
  • Kommentare 8
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  • Schlagworte Wolfgang Schmidbauer | Familie und Partnerschaft | Oder
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