Thüringen Schuld und Bühne
Dieter Althaus hat die Chance auf einen politischen Neuanfang schon vertan. Die thüringische CDU kann das den Wahlsieg kosten

© Martin Schutt/dpa
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus auf seiner ersten Pressekonferenz in Erfurt nach seinem tragischen Unfall
Tiefstapeln, das ist nicht Sache der Thüringer CDU. Wer die Landesgeschäftsstelle in Erfurt betritt, der sieht Dieter Althaus auf Augenhöhe mit Konrad Adenauer, Helmut Kohl und Angela Merkel. Ihre Konterfeis hängen gerahmt an der weißen Wand hinter der Eingangstür. Ministerpräsident Dieter Althaus, der einzige Spitzenkandidat, den die CDU in Thüringen hat und haben will, regiert seit Montag wieder.
Ausgelassen geht es an diesem Montagmittag in der Landesgeschäftsstelle zu, es ist jene Art von leicht überdrehter Ausgelassenheit, die sich einstellt, wenn die Anspannung weicht. 110 Tage hat Landesgeschäftsführer Andreas Minschke nichts anderes getan, als gegen die öffentlichen Zweifel an einer Rückkehr von Althaus anzukämpfen.
Jetzt, wo Althaus wieder da ist, kann Minschke sich seiner liebsten Beschäftigung widmen: Wahlkampf. Am 30. August, vier Wochen vor der Bundestagswahl, wird in Thüringen gewählt. Minschke zeigt die ersten Wahlpräsente, ein schwarzer Plastiktopf mit Senf, auf dem steht: "Geben Sie ihren Senf dazu: Wählen Sie die CDU!" Er amüsiert sich prächtig über den holprigen Schüttelreim und legt nach: Sonnenschutztücher mit der Aufschrift: "Damit Sie im Sommer nicht rot werden." Jetzt haut sich Minschke vor Lachen auf den Oberschenkel. Erstaunlich plumpe Sprüche für eine Kampagne, die ganz auf Althaus zugeschnitten sein soll.
Ohnehin muss sich die CDU nach dem ersten Auftritt ihres Spitzenkandidaten fragen, ob mit der Person Althaus im Mittelpunkt die Wahlen zu gewinnen sind. Nicht, weil er gerade erst eine schwere Krankheit überstanden hat und sich womöglich übernehmen könnte. Auch nicht, weil er wegen fahrlässiger Tötung verurteilt worden und damit vorbestraft ist. Die CDU muss sich die Frage stellen, weil Dieter Althaus am Montagmorgen seine Chance auf einen glaubhaften Neuanfang vergeben hat.
Im Barocksaal der Staatskanzlei triumphiert die Wahrheit über den rund 80 Journalisten und Dieter Althaus – so der Titel des Deckengemäldes aus dem 18. Jahrhundert. Unten am Boden scheitert die Glaubwürdigkeit. In Althaus’ erster öffentlichen Rede nach dem Skiunfall am Neujahrstag, bei dem eine junge Mutter ums Leben gekommen ist, geht es um Schuld und Vergebung, Tod und Trauer. Es sollte eine Rede sein, in der Politisches und Menschliches miteinander verbunden sind, in der Menschlichkeit zum politischen Maßstab wird.
"Aus dem Rechtsgutachten ergibt sich, dass ich die Schuld trage. Daran trage ich schwer", liest Althaus die Sätze von seinem Redemanuskript ab. Es klingt emotionslos, hölzern, distanziert, so, als spreche er nicht über sich, sondern eine andere Person. Die Wohlgesinnten werden später sagen, er habe mit seinem Schuldeingeständnis dazugelernt, denn noch vor Kurzem habe er gesagt, Schuld sei nicht die richtige Kategorie, um ein solches Unglück zu bewerten. Die weniger Wohlgesinnten werden kritisieren, er habe in seiner Rede gerade einmal zwei Minuten für das tragische Unglück, für die Familie der Toten übrig gehabt, um sich dann übergangslos der Wirtschaftskrise zuzuwenden.
Doch Althaus’ Integrität ist nicht in Minuten, Begrifflichkeiten oder rhetorisch geschickten Übergängen zu messen, sondern an seinem Umgang mit der Schuld. Dem aber scheint er sich zu verweigern. Er könne sich an den Unfall nicht erinnern, sagt er. Und man "kann ja Dinge" nicht persönlich bewerten, die man nicht erlebt habe. Was er damit meint, wird am Abend in einem Fernsehinterview deutlich. Auf die Frage des Moderators, ob er das Geschehene durch die fehlende Erinnerung nicht persönlich als Schuld wahrnehmen könne, antwortet Althaus: "So ist das."
Wie sollen ihm die Menschen in Thüringen glauben, er trage schwer an einer Schuld, die er persönlich nicht empfinden kann? Wie sollen sie ihm in Zeiten der Krise die Verantwortung für ein Land anvertrauen, wenn sein Umgang mit der Verantwortung für das eigene Handeln nicht überzeugen kann? Und wie sollen sie ihm glauben, der Unfall habe seine Achtung gegenüber den Menschen noch gestärkt, wenn er "zu keiner Zeit" darüber nachgedacht hat, sein Amt und damit die Macht aufzugeben?
Die Chance, den Skiunfall aus dem Wahlkampf herauszuhalten, hat Althaus bereits vor einem Monat vertan: In einem Exklusivinterview mit der Bild- Zeitung hat er versucht, sich als Opfer der Ereignisse zu inszenieren, hat sein persönliches Schicksal mit der politischen Auseinandersetzung vermengt und damit einen Wahlkampf der schmutzigen, der unfairen Sorte eröffnet. Und nun kennt auch die Opposition keine Gnade mehr. Eine "seltsame Berührungslosigkeit" habe Althaus bei seinem ersten öffentlichen Auftritt gezeigt, sagt Bodo Ramelow, Spitzenkandidat der Linkspartei. SPD-Spitzenkandidat Christoph Matschie spricht von einem Fehlstart.
Die erneute Chance, sich den Thüringern nicht nur als machtbewusster Politiker zu präsentieren, sondern auch als Mensch, der an seinem Schicksal gewachsen ist, hat Dieter Althaus am Montag vertan.
- Datum 27.04.2009 - 07:38 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
- Kommentare 8
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In der Bananenrepublik Deutschland entscheiden also heute Skiunfälle Wahlen.
Nicht?! - Nun, Frau Rosenfeld, dann hätten sie sich vielleicht überlegen sollen, was sie zwischen den Zeilen dem Wähler zutrauen. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn eine Wahlniederlage der CDU am 1. September als Unzufriedenheit mit der Person Althaus bewertet wird.
Zugleich stimmt jedes Wort der Analyse dieser Pressekonferenz. Es ist aber auch eine skurrile Szenerie, die sich da entwickelt hat: "Dieter, tritt bitte vor die Presse, gib zu, dass Du schuld bist am Tod einer Frau und geh dann irgendwie geschickt zur Politik über." Gleichzeitig muss man sich fragen, warum eine so eigenartige Veranstaltung überhaupt nötig war ... Weil wir es hören und lesen wollen, befürchte ich?
Was, wenn es stimmt, dass Althaus keine Erinnerung an den Unfall hat und nun lernen muss, dass er diese Schuld trägt? Jede/r hat es schon einmal erlebt, für etwas verantwortlich zu sein, woran er sich in dieser Form nicht erinnern kann. Wenn es sich dabei um einen tödlichen Unfall handelt, muss dieser Lernprozess sehr hart sein.
Nicht, dass ich Herrn Althaus hier über die Maßen in Schutz nehmen möchte. Er hat sich - sicher auch mit Druck seiner Partei im Rücken - dafür entschieden, wieder in die Politik einzusteigen. Dass damit Öffentlichkeit verbunden ist, ist ebenso klar. Aber wir müssen uns fragen, wie wir reagiert hätten, wenn er zum Unfall nicht öffentlich Stellung bezogen hätte und uns fragen, wie viel Sensationsgier dabei war, wie groß der Wunsch nach einer Pressekonferenz wie dieser.
... so lautet der Titel eines Buches von G. Hartmann und U. Müller, das soeben erschienen ist und welches auf gesamtdeutscher Ebene anschaulich das analysiert, was den (tiefen?) Fall des Dieter Althaus im so kleinen und behäbigen Thüringen ausmacht: Dass es nämliche alte Kader der DDR und selbsternannte Eliten der Bundesrepublik Deutschland aufs Vortrefflichste verstanden haben, den Vereinigungsprozess zu missbrauchen, um Schlüsselpositionen des vereinten Deutschlands zu besetzen, ohne die Diktatur aufzuarbeiten und wenn schon nicht Täter und Mitläufer zur Verantwortung zu ziehen, wenigstens zu verhindern, dass diese wieder aufs machtpolitische Schild gelangen.
Nein; die Bilanz nach (bald) 20 Jahren Einheit ist schockierend ... nicht nur in Thüringen.
An Dieter Althaus und seinem Gebaren über die letzten Tage und Wochen erkennt man, woran es dem Manne mangelt: An Charakter- und Herzensbildung, deren ein solches Amt bedarf, um überzeugend vor die Bevölkerung treten zu können.
Sein westdeutscher Ziehvater Berhard Vogel hat den relativ jungen Althaus darin bestärkt: Augen zu und durch ... und dann business as usual.
Mit dieser menschlichen Haltung können Sie zwar nicht vor einer Grundschulklasse bestehen, aber im Parteiensystem der Bundesrepublik Deutschland, welches seit Jahrzehnten seltsame Persönlichkeiten mit teilweise autistischen Verhaltensweisen anzuziehen scheint, um so besser.
Die Parteien der neuen Bundesländer und seit Jahren zunehmend auch die der Alten verstehen sich als Kadergruppierungen, deren einzige Funktion darin besteht, mehr oder minder geeignetes Personal in gesellschaftliche Schlüsselpositionen zu bringen.
Deshalb erleben wir Ministerpräsidenten und Bundesminister, die zeithistorisch erschreckend ungebildet und machtpolitisch arrogant zugleich sind und wir haben auf allen Ebenen Parlamentarier, die allenfalls noch als parteipolitisches Stimmvieh nicht jedoch als souveräne Vertreter ihrer Bevölkerung taugen.
Und wir - die Wähler? Wir freuen uns in der Tat schon jetzt auf schwarzen Senf und kostenlose Badtücher für unseren Strandaufenthalt, weil wir uns seit zwei fast Jahrzehnten mit dieser parteipolitisch gesteuerten Verblödungstaktik arrangiert haben.
Und so wird in Thüringen im Sommer das folgen, was wir hier in Sachsen und im Bund seit einer Legislaturperiode schon haben: Eine bleierne große Koalition mit Altkadern wie Tillich oder Angie Merkel an der Spitze, sekundiert von Funktionern der Macht wie Wolle Tiefensee oder Steinmeier (genannt FW)in der zweiten Reihe.
In diesem unapptetitlichen gesamtdeutschen Schmierentheater ist kein Platz für Verantwortung und Sühne, nur für Egomanie und Großmannssucht.
In diesem Sinne also : Dieter; Thüringen braucht Dich.
Ulrich Ingenlath,
Sachsen
"Ulrich Ingenlath" beschreibt viele Gegebenheiten sehr treffend. Es ist eigentlich sehr schade, dass solche Feststellungen, die man immer wieder liest, nun, erst knapp 20 Jahre nach der Wende, wieder aufscheinen.
Möchte mich aber an den Bezugsartikel halten.
Zunächst möchte ich mal die provokante Frage stellen, was wäre, wenn das einem Spitzen-SPDler passiert wäre? Da würde doch die ganze "Springer-Meute" und der große Anhang in anderen Funk- u. Verlagshäusern das volle Programm durchspielen.
Dennoch sollte man fair bleiben. Die Justiz des freiheitlichen Staates Österreich hat die Sache nun einmal entschieden. Herr MP Althaus kann damit "leben".
Was mich allerdings mehr bedrückt ist dieses: In drei neuen Bundesländern gibt es CDU-Ministerpräsidenten. Es sind dies Althaus (Thüringen), Tillich (Sachsen und Böhmer (Sachsen-Anhalt). Alle drei kommen aus dem Nukleus der Blockpartei Ost-CDU. Sie waren alle drei "Altardiener des SED-Staates". Darüber regt sich niemand wirklich auf.
Man erinnere sich: Nach dem 2. Weltkrieg, bei uns im Westen, wußte der Adenauer-Staat, sich der hochbelasteten Leute aus der NS-Zeit zu bedienen (man erinnere sich an den Namen Hans Globke).
Die Moral von der Geschichte: Keiner darf etwas "Uanständiges" tun; man selbst tut es aber um so mehr! Die Doppelmoral gewisser "Polit-Christen" oder: das Etikett bürgt nicht für den Inhalt.
"Ulrich Ingenlath" beschreibt viele Gegebenheiten sehr treffend. Es ist eigentlich sehr schade, dass solche Feststellungen, die man immer wieder liest, nun, erst knapp 20 Jahre nach der Wende, wieder aufscheinen.
Möchte mich aber an den Bezugsartikel halten.
Zunächst möchte ich mal die provokante Frage stellen, was wäre, wenn das einem Spitzen-SPDler passiert wäre? Da würde doch die ganze "Springer-Meute" und der große Anhang in anderen Funk- u. Verlagshäusern das volle Programm durchspielen.
Dennoch sollte man fair bleiben. Die Justiz des freiheitlichen Staates Österreich hat die Sache nun einmal entschieden. Herr MP Althaus kann damit "leben".
Was mich allerdings mehr bedrückt ist dieses: In drei neuen Bundesländern gibt es CDU-Ministerpräsidenten. Es sind dies Althaus (Thüringen), Tillich (Sachsen und Böhmer (Sachsen-Anhalt). Alle drei kommen aus dem Nukleus der Blockpartei Ost-CDU. Sie waren alle drei "Altardiener des SED-Staates". Darüber regt sich niemand wirklich auf.
Man erinnere sich: Nach dem 2. Weltkrieg, bei uns im Westen, wußte der Adenauer-Staat, sich der hochbelasteten Leute aus der NS-Zeit zu bedienen (man erinnere sich an den Namen Hans Globke).
Die Moral von der Geschichte: Keiner darf etwas "Uanständiges" tun; man selbst tut es aber um so mehr! Die Doppelmoral gewisser "Polit-Christen" oder: das Etikett bürgt nicht für den Inhalt.
Was bitte kann man in Deutschland wählen? Die Parteien und ihre Programme unterscheiden sich eigentlich nicht. Es geht nicht um Lösungen sondern um Zementierung des Vorhandenen. Politiker mit menschlicher Größe sind nicht mehr vorhanden. Es geht um Macht und Machterhalt. Die Volksvertreter vertreten schon lange das Volk nicht mehr, sondern die Wirtschaft und ihre eigenen Interessen. Es ist nicht verwunderlich dass Althaus sich so verhält. Jeder andere würde sich genauso verhalten. Ich habe nichts anderes erwartet. Die Erkenntnis ist bitter.
Gruß, Bernd
*** Money helps the body to survive, but friends are needed to make the soul survive ***
Was bitte kann man in Deutschland wählen? Die Parteien und ihre Programme unterscheiden sich eigentlich nicht.
Das ist ja wohl eine ziemlich einfache Ausrede zur Resignation. Sicherlich haben Sie bei einigen der "großen" Parteien recht. Aber die Parteienlandschaft in Deutschland erstreckt sich glücklicherweise nicht nur über die drei oder vier "Großen".
Schauen Sie Sich doch einfach mal bei den vielen Kleinparteien um, es gibt durchaus interessante dazwischen. Das sind zwar meistens Spartenparteien, aber ich denke man kann seine Stimme auch ruhig nur für ein Thema einsetzen wenn man sich sicher ist damit das richtige zu tun, anstatt doch nur einen "Kompromiss" zu wählen.
Oder haben Sie etwa den Eindruck, Ihre Stimme verschenkt zu haben, wenn sie nur unter "Sonstige" erscheint? Tja, niemand fühlt sich gerne als Verlierer, da wählt man lieber die Partei, von der man eh erwartet dass sie gewinnt, nur um am Wahlabend mitfeiern zu können ;)
Was bitte kann man in Deutschland wählen? Die Parteien und ihre Programme unterscheiden sich eigentlich nicht.
Das ist ja wohl eine ziemlich einfache Ausrede zur Resignation. Sicherlich haben Sie bei einigen der "großen" Parteien recht. Aber die Parteienlandschaft in Deutschland erstreckt sich glücklicherweise nicht nur über die drei oder vier "Großen".
Schauen Sie Sich doch einfach mal bei den vielen Kleinparteien um, es gibt durchaus interessante dazwischen. Das sind zwar meistens Spartenparteien, aber ich denke man kann seine Stimme auch ruhig nur für ein Thema einsetzen wenn man sich sicher ist damit das richtige zu tun, anstatt doch nur einen "Kompromiss" zu wählen.
Oder haben Sie etwa den Eindruck, Ihre Stimme verschenkt zu haben, wenn sie nur unter "Sonstige" erscheint? Tja, niemand fühlt sich gerne als Verlierer, da wählt man lieber die Partei, von der man eh erwartet dass sie gewinnt, nur um am Wahlabend mitfeiern zu können ;)
Man kann Althaus keinen Vorwurf machen. Das Verdrängen und Vergessen des Unfalls ist der in jedem Menschen angelegte Abwehrmechanismus der verhindert, dass er unter der übergrossen Last der Schuld zusammenbricht. Das Verdrängen ins Unbewusste stellt sicher, dass Althaus seine Identität behalten kann. Das ist nicht rational sondern emotional, psychisch und geistig. Noch steht er unter Schock, aber die Vorfälle werden sein Bewusstsein demnächst wieder erreichen - nicht zuletzt unter dem Einfluss der öffentlichen Diskussion im Wahlkampf.
"Ulrich Ingenlath" beschreibt viele Gegebenheiten sehr treffend. Es ist eigentlich sehr schade, dass solche Feststellungen, die man immer wieder liest, nun, erst knapp 20 Jahre nach der Wende, wieder aufscheinen.
Möchte mich aber an den Bezugsartikel halten.
Zunächst möchte ich mal die provokante Frage stellen, was wäre, wenn das einem Spitzen-SPDler passiert wäre? Da würde doch die ganze "Springer-Meute" und der große Anhang in anderen Funk- u. Verlagshäusern das volle Programm durchspielen.
Dennoch sollte man fair bleiben. Die Justiz des freiheitlichen Staates Österreich hat die Sache nun einmal entschieden. Herr MP Althaus kann damit "leben".
Was mich allerdings mehr bedrückt ist dieses: In drei neuen Bundesländern gibt es CDU-Ministerpräsidenten. Es sind dies Althaus (Thüringen), Tillich (Sachsen und Böhmer (Sachsen-Anhalt). Alle drei kommen aus dem Nukleus der Blockpartei Ost-CDU. Sie waren alle drei "Altardiener des SED-Staates". Darüber regt sich niemand wirklich auf.
Man erinnere sich: Nach dem 2. Weltkrieg, bei uns im Westen, wußte der Adenauer-Staat, sich der hochbelasteten Leute aus der NS-Zeit zu bedienen (man erinnere sich an den Namen Hans Globke).
Die Moral von der Geschichte: Keiner darf etwas "Uanständiges" tun; man selbst tut es aber um so mehr! Die Doppelmoral gewisser "Polit-Christen" oder: das Etikett bürgt nicht für den Inhalt.
1. Dass die "Springer-Meute" die SPD totschreiben will ist ein echter Skandal.
2. Ich möchte nicht die SED mit der NSDAP in einen Topf werfen. Letztere war reiner Faschismus, der in den Orkus der Weltgeschichte gehört - mit Krieg, Aggression, Fremdenhass u.v.a.. Die SED will den Kommunismus der Gleichheit aller Menschen verwirklichen. Und dem gehört die Zukunft.
3. Was Sie über Globke gesagt haben unterstütze ich. Seine Einstellung war die Schuld Adenauers (CDU). Das unterscheidet CDU und SPD wirklich. Auch die CDU muss sich für eine konsequente Friedenspolitik entscheiden.
4. Wer die SED nur ein wenig positiver bewertet und das Gute an der DDR hervorhebt, kann auch die Ministerpräsidenten der Block-CDU positiver sehen. Dazu gab es gestern eine gute Anne-Will-Talkshow. Die Diskussion über die DDR scheint zu beginnen. Und das ist gut so. Sie wird der LINKEN nützen.
5. Bei uns im Dorf war nach dem Krieg auch ein grosser, dicker, starker HJ-Führer Vorsitzender der SPD - ein Freund der Frauen. Es geht also auch anders herum. Motto: "Dreck schwimmt immer oben. Starke Führer sind selten, sie passen in jedes Herrschaftssystem." Bei den Managern hört man das gleiche Lied der Seltenheit ihrer Qualifikation. In Wahrheit sind das Menschen, die für ihre Karriere über Leichen gehen.
Was bitte kann man in Deutschland wählen? Die Parteien und ihre Programme unterscheiden sich eigentlich nicht.
Das ist ja wohl eine ziemlich einfache Ausrede zur Resignation. Sicherlich haben Sie bei einigen der "großen" Parteien recht. Aber die Parteienlandschaft in Deutschland erstreckt sich glücklicherweise nicht nur über die drei oder vier "Großen".
Schauen Sie Sich doch einfach mal bei den vielen Kleinparteien um, es gibt durchaus interessante dazwischen. Das sind zwar meistens Spartenparteien, aber ich denke man kann seine Stimme auch ruhig nur für ein Thema einsetzen wenn man sich sicher ist damit das richtige zu tun, anstatt doch nur einen "Kompromiss" zu wählen.
Oder haben Sie etwa den Eindruck, Ihre Stimme verschenkt zu haben, wenn sie nur unter "Sonstige" erscheint? Tja, niemand fühlt sich gerne als Verlierer, da wählt man lieber die Partei, von der man eh erwartet dass sie gewinnt, nur um am Wahlabend mitfeiern zu können ;)
Hallo crs
Kleine Sparten- oder Themenparteien lehne ich wirklich ab. Mittlerweile haben wir fünf Parteien, die das gesamte politische Themenspektrum abdecken. Themenparteien entstehen meist nur aus Opposition und Besserwisserei. Man ist sich zu fein, um in eine etablierte Partei einzutreten und möchte etwas Eigenes machen. Motto: Wenn drei Deutsche zusammenkommen gründen sie einen Verein. Dementsprechend sehen dann die Stimmzettel aus. Nein. Wir brauchen einen Kanon von Parteien - und den haben wir schon. Es sind die in den Parlamenten vertretenen Parteien. CDU und CSU würde ich fusionieren. Das ist Stabilität.
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