USA Meine Welt ist die Straße
Der Fahrer heißt Fliegender Wolf. Zu essen gibt es Chicken Wings aus der Kühlbox. Und draußen rauscht rotes Indianerland vorbei. Auf dem Beifahrersitz eines Trucks durch Arizona und Utah

© George Frey/Getty Images
Mit dem Truck durch Utah
Als wir mit 100 Sachen an Sedona vorbeifahren, habe ich das Gefühl, das Beste zu verpassen. Rings um dieses Städtchen in Arizona scheint es so etwas wie Steckdosen für Esoterikfans zu geben: Orte, an denen die Energie des Kosmos direkt in den Menschen fließt. Bis zu vier Millionen Besucher kommen jedes Jahr hierher, viele von ihnen lassen sich von einem Guru an diese kosmischen Stellen führen, um dort zu meditieren. Für manche, habe ich gelesen, liegt hier das »Herz-Chakra des Planeten«. Auch wenn ich mich nicht für Esoterik interessiere, hätte ich mir diesen New-Age-Zirkus gerne angeschaut. Doch das geht nicht. Ich throne auf dem Beifahrersitz eines Trucks, und mein Truck muss übermorgen eine Fuhre Energy-Drinks und Energy-Riegel in Salt Lake City abliefern, um 10.30 Uhr. Deshalb bleibt er schön auf der Interstate 17, biegt nicht auf irgendwelche Nebenstraßen ab. Ich werde weiterleben müssen, ohne das »Herz-Chakra des Planeten« gesehen zu haben.
Dass ein Lastwagen keine Touristenkutsche ist, war mir klar, als ich diese Reise bei Truckrideamerica buchte. Das Unternehmen gehört Werner Egli und Günther Zöchbauer. Der Schweizer Egli ist in den Siebzigern als Hippie durch die USA getingelt, hatte jahrelang eine Ranch und lebt nun als Schriftsteller bei Zürich und in Arizona. Zöchbauer stammt aus Österreich, ist wegen seiner Frau nach Amerika ausgewandert und leitet heute die Firma A&G Transportation LLC. Als Zöchbauer seinen Freund einmal auf eine Tour mitnahm, kamen sie auf ihre Geschäftsidee: Warum die Beifahrersitze der Trucks nicht an Touristen vermieten? Viele Menschen träumen davon, ein paar Tage aus dem eigenen Leben aus- und in ein anderes einzusteigen, wie ein Vagabund durch dieses weite Land zu reisen.
Meine Tour begann in Tucson, nahe der mexikanischen Grenze. Wohin die Reise gehen würde, erfuhr ich vor Ort – da Frachten sich bisweilen ändern, stehen die Strecken erst kurzfristig fest. Ich hatte Glück, mein Ziel ist Salt Lake City in Utah: hin und zurück insgesamt 3400 Kilometer – in vier Tagen das halbe Land sehen! In einem Industriegebiet wartete ein weißer, 21 Meter langer Kenworth-Truck. Der Fahrer Kent Hubert, ein Mittfünfziger mit schulterlangen grauen Haaren und Kraftfahrerbauch, öffnete die Beifahrertür. »Steig ein!«, rief er. »Ich habe extra geputzt.«
In den ersten Stunden auf dem butterweichen Beifahrersitz fühlte ich mich, als wäre ich in eine fremde Wohnung eingedrungen: an der Rückwand zwei übereinandermontierte Betten, an den Seitenwänden Stangen mit ein paar Kleiderbügeln, zwischen den Sitzen eine graue Kühlbox. Die Sehenswürdigkeiten sausten hinter den blitzsauberen Fenstern einfach vorbei. Der Picacho Peak, bei Wanderern beliebt, weil hier viele Wildblumen wachsen: für mich ein braungrauer Riesenzinken, der kurz links im Fenster auftauchte. Downtown Phoenix: aus meiner Sicht eine Ansammlung von Hochhäusern. Sedona: komplett verpasst. Jetzt, am Nachmittag, schlängeln wir uns in Flagstaff zwischen Motels und Restaurants hindurch – auf einem winzigen Stück der ehemaligen Route 66. Diesen Weg nahmen auch die Pioniere auf ihrem Treck nach Westen. Die hatten wenigstens Zeit, sich die Gegend anzuschauen!
Kent scheint meinen Unmut zu bemerken. Er deutet auf den kleinen Metallwolf mit Flügeln auf dem Armaturenbrett. »Mein Pseudonym für den Funk ist Fliegender Wolf«, sagt er. »Wölfe faszinieren mich, seit ich als Kind einem im Yellowstone Park begegnet bin.« »Fliegend« erinnert daran, dass Kent früher Pilot war. Eine weitere Figur lugt aus einem Fach in der Rückwand, ein grimmig blickendes Steinmännchen. »Das ist ein Gargoyle, ein Fabelwesen, das nachts lebendig wird. Er bewacht den Truck.«
Bist du abergläubisch? »Nun ja, ich betrachte mich als Hexer. Ich kann durch Handauflegen Schmerzen lindern und mit Runen weissagen.« Das kann ja lustig werden, denke ich, da zieht Kent hinter meinem Sitz auch noch eine Getränkeflasche aus Plastik hervor, in deren Deckel er einen Trichter gebohrt hat. »Meine Damentoilette. Habe ich gebastelt, damit Frauen nachts nicht rausmüssen.« Ich lobe seinen Erfindergeist und nehme mir vor, auf dieser Reise nicht mehr zu trinken als nötig.
Kent macht es sich bequem. Aus der Kühlbox holt er eine Plastiktüte mit Chicken Wings, kaut sie beim Fahren und wirft die Knochen lässig aus dem Fenster. »Das freut die Tiere am Straßenrand!« Viele Tiere sind dort allerdings nicht zu sehen – dafür ist die Landschaft nun wie verwandelt: Unendlich weit dehnt sie sich aus, nur hier und da stehen ein paar Hütten, vor denen ein Pony oder Maultier grast. Der karge rötliche Erdboden leuchtet in der Abendsonne. »Indianerland«, sagt Kent. »Navajo Nation ist das größte Reservat der USA.« Die Sonne sinkt immer tiefer, bald wird das Land grau, dann schwarz. Die Büsche und Hügel am Straßenrand erinnern nun an gigantische Maulwurfshügel. Mein Sitz wippt im Takt der Straße. Ich fahre auf einem Schaukelstuhl durch ein Land der Riesenmaulwürfe, über das eine Sternensippe wacht. Irgendwann funkeln die Sterne auch auf dem Boden: Es sind die Lichter der Stadt Page.
- Datum 19.05.2009 - 16:35 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.04.2009 Nr. 18
- Kommentare 9
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Na, danke. Da dann doch lieber Anhalter ;)
preis scheint ordentlich schmerzensgeld für 100 km reden drin zu sein ;-)
da ließ ich mir dann doch lieber innem mietwagen auf den kopf gucken -
und gucke mir die kenworth-trucks an den autohöfen von aussen an...
Das ist schade. Die roten Felsen von Sedona verpasst, an Page vorbeigekommen, aber allenfalls die Staumauer gesehen (und nichts vom Antylope Canyon oder vom Lake Powell).
Das wäre definitiv nichts für mich, in der Gegend gibt es so viel Interessantes, nur eben nicht gerade Phoenix oder Flaggstaff (ganz schlimm).
ausser vorbeiziehender Landschaft.
Eigentlich schade - denn an den Glanzpunkten der Strecke gibt es schönes zu sehen.
Salt Lake City nur vom Truck aus ist auch doof und in Odgen gibt es (neben dem Vergnügungspark) eine schönes Museumsdorf.
Schade.
Für eine solche Fahrt passen keine touristischen Reiserwartungen. Da geht es um Trucks und um endlose Highways. Und es geht um das Leben der amerikanischen Trucker um die uralte Legende der grossen Freiheit und des letzten Abenteuers. Dass man das nicht zum Schnäppchenpreis erhält, sollte klar sein. Super Sache. Dass man das nicht zum Schnäppchenpreis erhält, sollte eigendlich klar sein. Ich habe meinen Trip für den Sommer schon gebucht.
Gruss
Echse
ausser vorbeiziehender Landschaft.
Eigentlich schade - denn an den Glanzpunkten der Strecke gibt es schönes zu sehen.
Salt Lake City nur vom Truck aus ist auch doof und in Odgen gibt es (neben dem Vergnügungspark) eine schönes Museumsdorf.
Schade.
Für eine solche Fahrt passen keine touristischen Reiserwartungen. Da geht es um Trucks und um endlose Highways. Und es geht um das Leben der amerikanischen Trucker um die uralte Legende der grossen Freiheit und des letzten Abenteuers. Dass man das nicht zum Schnäppchenpreis erhält, sollte klar sein. Super Sache. Dass man das nicht zum Schnäppchenpreis erhält, sollte eigendlich klar sein. Ich habe meinen Trip für den Sommer schon gebucht.
Gruss
Echse
ausser vorbeiziehender Landschaft.
Eigentlich schade - denn an den Glanzpunkten der Strecke gibt es schönes zu sehen.
Salt Lake City nur vom Truck aus ist auch doof und in Odgen gibt es (neben dem Vergnügungspark) eine schönes Museumsdorf.
Schade.
Für mich war die Reise jeden Cent wert! Wenn ich die Sehenswürdigkeiten der USA (wieder) sehen möchte, nehme ich den Mietwagen oder das Motrorrad. Aber zu erleben, wie das nicht immer leichte Leben der US-Truckers abläuft, war einmalig. Das war eine Erlebnisreise abseits der Touristenpfade. Ich werde wiederkommen.
Ogden Museum? Da kommt man auch im Mietwagen hin. Ich habe die Fahrt Tucson-El Paso-Tucson in einem TRA-Truck gemacht. Leider nur zwei Tage. Beeindruckend! Mein Fahrer war Günther. Danke für ein unvergessliches Abenteuer. Das nächste Mal sind es aber 6 Tage.
Eine super sache Doch um 260€ am Tag ein Gschmalzener Preis ??????
Wenn man bedenkt das ja der Frechter ja sein geld mit Gütertransport verdient. Dies ja auch immer sehr deutlich erwehnt scheint es mir dan doch etwas übertrieben wenn man dann nicht einmal stehen bleiben kann um auf die Toilette zu gehen. Mir ist klar warum Termiendruck man mus pünktlich bei der Abladestelle sein. Ich kenne das nur zu genau bin ja auch so einer nur auf unseren EU-Strasen. des wegen erstaunt es mich das es anscheinend einige Dumme gibt die bereit sind so einen hohen Preis für nichts zu bezahlen. Eigentlich kann man um so einen Preis schon erwarten das es auch Pausen gibt auch wen das in USA nicht Vorschrift ist wie bei uns Dort darfst deine 11Stunden durchfahren. ich denke wenn ich das haben will brauchst dich nur mit Trucker an einem Interstate-Truckstop zusammen reden da gibt es genug die einem mitnehmen. Gratis
Die Idee ist gut werd ich auch anbieten wer will kann mitfahren um 250€ pro Tag sage Ich wo's hin geht und um 300€ kann man's sichs aussuchen. Es gibt Minimum 3 Tages, 6Tages Touren oder 2Wochen Tour desweiteren eine Tour übers Wochenende mit 400€ pro Tag von Freitag bis Montag in der Früh. MIT DEM TRUCK DURCH UNSER SCHÖNES EUROPA es mus ja nicht immer USA sein ODER????
Leute das ist mein ernst wer einmal soein richtiges Truckerabenteuer erleben will der meldet sich fritzwalters@sms.at
4,5h Fahrt-1h Pause; nach 9h Fahrt 4h Pause nach soundsoviel Stunden 8 h Pause. Sonntagsfahrverbot, überfüllte Rastplätze etc. .
(Bei den Zeiten bin ich mir nicht ganz so sicher; ist paar Jahre her, als ich das letzte Mal mit nem LKW mitgetrampt bin.)
260€/Tag find ich aber auch happig.
4,5h Fahrt-1h Pause; nach 9h Fahrt 4h Pause nach soundsoviel Stunden 8 h Pause. Sonntagsfahrverbot, überfüllte Rastplätze etc. .
(Bei den Zeiten bin ich mir nicht ganz so sicher; ist paar Jahre her, als ich das letzte Mal mit nem LKW mitgetrampt bin.)
260€/Tag find ich aber auch happig.
Für eine solche Fahrt passen keine touristischen Reiserwartungen. Da geht es um Trucks und um endlose Highways. Und es geht um das Leben der amerikanischen Trucker um die uralte Legende der grossen Freiheit und des letzten Abenteuers. Dass man das nicht zum Schnäppchenpreis erhält, sollte klar sein. Super Sache. Dass man das nicht zum Schnäppchenpreis erhält, sollte eigendlich klar sein. Ich habe meinen Trip für den Sommer schon gebucht.
Gruss
Echse
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