Automobilkrise Voll gegen die Wand
Die Autozulieferer sind eine österreichische Schlüsselindustrie. Jetzt geht ihnen die Luft aus
Deutschlandsberg
Es ist still. Beinahe zu still.« Etwas zu lang lässt Dechant Johann Kollar seine Worte nachklingen. Dann zieht er sich rasch wieder hinter den Schreibtisch in seiner Pfarrkanzlei zurück. Nein, von Unruhe habe er noch nichts bemerkt, selbst bei der Sonntagsmesse seien die Kirchenbänke nicht dichter besetzt. »Die Zeiten, in denen man in der Not das Gebet suchte, sind vorbei«, behauptet der Gemeindehirte, der vom Typ her ein mildtätiger Fernsehpfarrer sein könnte. Ein »leider« nach kurzer Pause kann er sich nicht versagen. »Man muss abwarten.«
Seit vier Monaten wartet ein ganzer Ort ab. Im Jänner erreichte die Wirtschaftskrise Deutschlandsberg, ein Städtchen in der Weststeiermark mit knapp 8000 Einwohnern. Der Autozulieferer Epcos zog die Konsequenzen aus dem erodierenden Markt und schickte 1000 seiner 1200 Beschäftigten in Kurzarbeit. Damit war der Hightechlieferant einer der Ersten, der angesichts leerer Auftragsbücher seine Leute in den Zwangsurlaub schickte. Doch was für die Menschen, für die Stadt viel schwerer wiegt: Kaum eine Region in Österreich ist so abhängig von einem einzigen Arbeitgeber wie Deutschlandsberg von Epcos.
Die Autozulieferindustrie ist in Österreich zu einer Schlüsselbranche geworden. 17 Milliarden Euro setzt dieser Wirtschaftszweig um und übertrifft damit Schwergewichte wie Elektro- oder chemische Industrie. 65000 Beschäftigte entwickeln und fertigen Auspuffanlagen, Motoren, Sitzbezüge, Steuergeräte oder Allradsysteme. Ein riesiger Bauchladen, aus dem sich die Welt bedient: Die Exportquote liegt bei über 90 Prozent, 176000 Jobs hängen direkt und indirekt von der einst pulsierenden Zulieferindustrie ab.
Nun wurde sie allerdings von der Absatzkrise der Automobilproduzenten in Tiefschlaf versetzt. Wie Epcos. Im Jänner meldete die Münchner Zentrale des Elektronikkomponenten-Herstellers alarmierende Zahlen: Allein die Sparte keramische Bauelemente brach um 42 Prozent ein, jener Bereich, dessen Entwicklung und Produktion in Deutschlandsberg angesiedelt ist.
- Datum 29.04.2009 - 15:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
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