Autotest Das alte Porsche-Gefühl
Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der ZEIT, probiert mit dem Porsche Cayman lieber doch keinen Raketenstart
© Porsche

Ab geht's - wenn man will: Bernd Ulrich hat im Porsche Cayman lieber auf maximale Beschleunigung verzichtet
Diesmal ist die Testphase mit dem Porsche vor allem eine Zeitreise. Zunächst ganz schlicht: weil sich die Zeiten geändert haben. Als ich vor ein paar Jahren einen Boxster testen durfte, da musste ich nach Stuttgart fahren, um ihn abzuholen, und dann durfte ich das teure Gefährt nur eine Woche behalten. Diesmal wird mir der Cayman gebracht, und ich bekomme ihn für zwei Wochen. Man könnte meinen, auch Porsche sei in der Krise.
Merkwürdig aus der Zeit fällt auch das Gespräch mit dem Fahrer, der mir das Auto bringt und mich sogleich über die allerneueste Technologie aufklärt. Der Cayman verfüge, so sagt er, über ein Automatikgetriebe mit Doppelkupplung. Damit könne ich noch schneller von 0 auf 100 km/h kommen. Und zwar, indem ich den linken Fuß auf die Bremse setze und mit dem rechten das Gaspedal so weit runterdrücke, bis die Drehzahl bei 7000 ist. Wenn ich dann abrupt die Bremse loslasse, gehe das Auto ab wie eine Rakete.
Aha. Nun war mir noch gar nicht aufgefallen, dass ein Porsche zu langsam anfährt. Außerdem würde ich mich niemals trauen, einen Raketenstart auch nur zu probieren. (Erst recht nicht, seitdem ich beim Fifa-08-Fußballspielen an der Playstation gemerkt habe, um wie viel höher die Reaktionsgeschwindigkeit meiner Kinder ist.)
Aber was so befremdlich ist an dieser Technologie: Glauben die gewiss genialen Ingenieure von Porsche wirklich, dass eine gesparte Sekunde bei der Beschleunigung auf 100 km/h die zentrale Herausforderung unserer Tage ist? Nun muss man der Gerechtigkeit halber hinzufügen, dass dieses Auto zu einer Zeit erdacht wurde, als die Automobilindustrie sich noch einbilden konnte, auf den üblichen Innovationspfaden weitertrotten zu können.
Auf der anderen Seite kann man sich schon fragen, wieso um alles in der Welt sie sich das so lange einbilden konnte. Jedenfalls kommt mir die erste Fahrt in diesem brandneuen Cayman vor wie eine Reise in die Vergangenheit. Reichtum ausstellen und in die Umwelt dröhnen ist gerade total unangesagt; Kohlendioxid rausblasen, um schneller als andere vor der nächsten roten Ampel zu stehen, kommt einem nachgerade lächerlich vor.
Und so brauche ich diesmal eine Menge Kilometer, um all das da draußen, um die Welt von heute und morgen zu vergessen und wieder das gute alte Porsche-Gefühl zu bekommen. Wollen wir in einer Welt leben, in der es keine Porsches mehr gibt? In der Autofahren nur noch Fortbewegung von A nach B ist? Eher nicht.
- Datum 04.09.2009 - 19:52 Uhr
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- Serie Autotest
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
- Kommentare 16
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... goes Autobild.
Ohmanohmanohmanohman ....
ich bin ja froh dass ich hierfür schon lange kein geld mehr ausgebe.
Zitat:
Wollen wir in einer Welt leben, in der es keine Porsches mehr gibt?
Als ob das ein verlust wäre!!
Aber vielleicht ja in einer Welt in der teure, schnelle Autos nicht mehr so wichtig sind ... sondern andere Werte mit denen ich DIE ZEIT früher in verbindung gebracht habe ...
Zitat:
In der Autofahren nur noch Fortbewegung von A nach B ist?
Das wäre schön ... dann gäbe es nämlich weniger Verkehr und weniger Kinder würden überfahren ...
Zitat:
Eher nicht.
DOCH!!
Wer keine Selbstironie versteht, bei dem wundert es kaum, dass er dafuer kein Geld ausgibt.
Vielleicht haetten Sie es begriffen, wenn Sie den letzten Absatz auch noch gelesen haetten:
Wollen wir, dass Porsche-Ingenieure sich endlich mit Innovationen befassen, die es möglich machen, dass dieses schöne Auto auch noch in die Zukunft passt? Ja, das wollen wir. Und zwar ganz schnell.
eine autolose Gesellschaft wäre ja toll.
Eine porschefreie Zone wäre ja schon mal ein guter Anfang.
Wer keine Selbstironie versteht, bei dem wundert es kaum, dass er dafuer kein Geld ausgibt.
Vielleicht haetten Sie es begriffen, wenn Sie den letzten Absatz auch noch gelesen haetten:
Wollen wir, dass Porsche-Ingenieure sich endlich mit Innovationen befassen, die es möglich machen, dass dieses schöne Auto auch noch in die Zukunft passt? Ja, das wollen wir. Und zwar ganz schnell.
eine autolose Gesellschaft wäre ja toll.
Eine porschefreie Zone wäre ja schon mal ein guter Anfang.
lieber vorredner, gehen sie mal getrost davon aus, dass die wenigsten leute aus jux und dollerei mit dem auto fahren. wer keinen porsche mag (oder sich selbigen, wie ich, nicht leisten kann) muß keinen kaufen. aber diese ständige moralinsaure, zeigefingerhebende attitüde geht mir dann doch schon etwas auf die nerven.
von dem wir partout nicht wissen ob es ihn gibt? Ist das auch so eine Attitüde?
von dem wir partout nicht wissen ob es ihn gibt? Ist das auch so eine Attitüde?
Hr. Ulrich sollte mal in Stuttgart vorbeikommen, statt sich das Auto bringen zu lassen - dort ticken die Uhren noch etwas anders und das Auto hat seinen Stellenwert bei weitem noch nicht eingebüst. Und schneller an der nächsten Ampel sein ist immer noch wichtig. Das Auto sagt eben doch viel über die Region, aus der es kommt - und darüber, welche Probleme auf die Unternehmen dort noch zukommen werden, wenn sich die Mentalität der Ingenieure und Marketing-Spezialisten nicht bald ändert.
Wer keine Selbstironie versteht, bei dem wundert es kaum, dass er dafuer kein Geld ausgibt.
Vielleicht haetten Sie es begriffen, wenn Sie den letzten Absatz auch noch gelesen haetten:
Wollen wir, dass Porsche-Ingenieure sich endlich mit Innovationen befassen, die es möglich machen, dass dieses schöne Auto auch noch in die Zukunft passt? Ja, das wollen wir. Und zwar ganz schnell.
Glückwunsch an die Ingenieuere für diese Top-Leistung.
Trotzdem ist Umdenken dringend notwendig, sorry. Aber ich glaube, ihr schafft das :-)
den Marketingleuten die es schaffen eine 100 Jahre alte Technik immer noch als hochaktuell zu verkaufen. So eine Topleistung scheint mir das gar nicht, vor 20 Jahren dachten noch alle, im Jahr 2015 hätten die Autos keine Räder mehr, sondern flögen.
Alles mit Motor dient mir nur um von A nach B zu kommen und im Feierabendverkehr einer großen Stadt hat die altmodische U-Bahn noch die besten Karten in keinen Stau zu kommen.
Porsche könnte doch anfangen fliegende Busse zu bauen, die einen beim Raketenstart festhalten... Yeah, keine Ampeln, keine Staus und keine einstürzenden (U-Bahn) Neubauten.
[Entfernt wg. Doppelpostings. /Die Redaktion pt.]
eine autolose Gesellschaft wäre ja toll.
Eine porschefreie Zone wäre ja schon mal ein guter Anfang.
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