DIE ZEIT: Viele empören sich über horrende Gehälter und exorbitante Bonuszahlungen an Manager. Sie nehmen die Manager in Schutz. Wie kommen Sie dazu?

Rüdiger Hossiep: Man kann den Managern nicht vorwerfen, Boni zu kassieren. Sie hatten Zielvereinbarungen, die sie übererfüllt haben. Das ist nicht sittenwidrig. Aufregen muss man sich über das System dieser Gehaltsfindung.

ZEIT: Das System ist schuld? Also trägt keiner die Verantwortung?

Hossiep: Doch, diejenigen, die diese Regeln in die Unternehmen eingepflanzt haben: Vorstände und Personalexperten. Sie haben ihre Macht an ein System delegiert, das falsche Anreize setzt. Da werden zwischen den Mitarbeitern und ihren Chefs Umsatzziele und Ertragsziele vereinbart, für ein ganzes Jahr, ein Quartal, einen Monat, einen halben Tag. Diese falschen Anreize haben die Finanzkrise mit verursacht. Und sie werden weiterhin Unheil anrichten, denn sie gehören in vielen Unternehmen zur Normalität.

ZEIT: Was soll an diesen Anreizen so falsch sein?

Hossiep: Wenn jemand in einer Woche fünf Investmentsparanlagen verkaufen muss und am Mittwoch erst zwei verkauft hat, dann hat er ein Problem, weil er weniger Sonderzahlungen erhält.

ZEIT: Der Leistungsdruck steigt. Na und?