Studiengebühren
Gebühr in Gefahr
Die Befürworter von Studienbeiträgen müssen wieder aus der Deckung kommen
Eine der wichtigsten Hochschulreformen verliert an Schwung: die Einführung von Studiengebühren.
Noch vor Kurzem reichte die Koalition ihrer Befürworter bis in die SPD hinein. Die unionsgeführten westlichen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und das Saarland schufen entsprechende Gesetze. Selbst der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) galt als Unterstützer der Idee, den Studenten einen kleinen Obolus zur Finanzierung ihres Studiums abzuverlangen.
Doch im vergangenen Jahr schaffte die damalige linke Mehrheit in Hessen die Gebühren wieder ab; CDU und FDP ließen das Thema aus Angst vor den Wählern fallen. Und obwohl die CDU in ihrem Grundsatzprogramm »sozialverträgliche Studienbeiträge« fordert, sprach sich kürzlich Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) vehement dagegen aus. In der SPD ist schon kein Befürworter der Gebühren mehr auszumachen.
Wenn sie also ein Roll-back in den anstehenden Wahlkämpfen verhindern wollen, dann müssen sich die Anhänger der Studiengebühren wieder aus der Deckung wagen.
Sind doch ihre wichtigsten Argumente aktueller denn je: Erstens brauchen die Hochschulen dringend mehr Geld, vor allem für die Lehre; dazu reichen staatliche Mittel nicht aus. Und zweitens sind Studiengebühren ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit. Denn die Studenten, die mehrheitlich aus der privilegierten Mittel- und Oberschicht stammen, profitieren vom Studium mehr, als sie – etwa in Form von Steuern – später der Gesellschaft zurückzahlen.
- Datum 30.4.2009 - 15:44 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
- Kommentare 84
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....denn die Studenten die mehrheitlich aus der privilegierten Mittel- und Oberschicht stammen.......
Ja, warum fehlen die anderen?
Weil sie - bzw. deren Eltern - weder Studiengebühren noch die Kosten für den Unterhalt schultern können.
Nach der Privatisierung sind die Energiekosten so gewaltig gestiegen, dass ein Teil der Studiengebühren für Licht und Heizung ausgegeben werden musste.
Das ist die Umverteilung von unten nach oben,
Recherchieren lohnt sich genau so wie analytisch zu denken!
Es ist eine Schande für die Zeit, ausgewiesenen Lobbyisten (siehe Aktionsrat Bildung, CHE, Bertelsmann, Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft) wie Herrn Kerstan zu beschäftigen. Seine dünnen
"Argumente" pro Studiengebühren (siehe auch Umfang des Kommentars) sind längst widerlegt und mehr als abgedroschen. Zudem ist es eine Unverschämtheit von einem "kleinen Betrag" zu reden, man muss ja wohl noch weitere Kosten dazu rechnen, oder nicht?
Ich weiß schon, warum ich seit Jahren keine Printausgabe der Zeit mehr kaufe. Solange die Zeit die unseligen Zusammenarbeit mit den o.g. Lobbyisten der Wirtschaft nicht beendet, wird sich daran auch nichts ändern!
Auch die Logik klappt nicht so ganz - denn Studiengebühren zahlen müssen nicht nur die, von denen Herr Kerstan meint, sie zahlen am Ende nicht genug Steuern zurück, sondern auch die anderen. Was das dann - der Logik des Argumentes zufolge - genau mit sozialer Gerechtigkeit zu tun hat, ist mir nicht so klar.
Ah und noch was:
Die Bereiche, für die Studiengebühren überhaupt ausgegeben werden dürfen, sind klar umgrenzt. Beispielsweise darf mit Studiengebühren (wenigstens in Baden-Württemberg) keine Professur finanziert werden. Dazu kommt, dass die Seminare und Institute das Geld innerhalb einer bestimmten Frist ausgeben müssen. Das führt bei einigen Seminaren zu der absurden Situation, dass sie nicht wissen, was sie mit dem Geld machen sollen, und dann davon Drucker und Scanner für die Bibliothek anschaffen, oder auch die Beträge für Sprachkurse am Sprachlabor zurückerstatten. Das ist zwar ganz nett - aber völlig unnötig und unfair für die, die z.B. gar keine Sprachkurse machen wollen. Der andere große Pool, für den Studiengebühren ausgegeben werden (dürfen), sind Tutorien, die es an der Uni Heidelberg jetzt im großen Umfang gibt. Auch das ist nett - aber auch das ist nicht unbedingt nötig. Unbedingt nötig wäre eine tatsächliche Verbesserung der Lehre, insbesondere in den Geisteswissenschaften, und der Betreuungsverhältnisse, vgl. z.B., was gerade in Heidelberg bei den Romanisten abgeht: http://www.spiegel.de/uni...
Aber dafür dürfen die Studiengebühren einerseits nur beschränkt ausgegeben werden, und andererseits ist der Betrag von 500 Euro pro Semester weniger als ein Tropfen auf den heißen Stein für die Uni, der so gut wie nichts ausrichtet, aber ein großes Problem für viele Studenten.
Denn die Studenten, die mehrheitlich aus der privilegierten Mittel- und Oberschicht stammen, profitieren vom Studium mehr, als sie – etwa in Form von Steuern – später der Gesellschaft zurückzahlen.
Die Rechnung auf der diese Behauptung fußt würde ich gerne mal sehen.
Oh mein Gott, wie naiv...
"Erstens brauchen die Hochschulen dringend mehr Geld, vor allem für die Lehre; dazu reichen staatliche Mittel nicht aus."
Ah, klar, Studenten sind ja bekannt dafür, mehr Geld zur Verfügung zu haben als der Staat. Das System, dass die Beteiligten zahlen und der Staat spart sieht man ja bei den Bankern, die haben ihr System ja auch selbst finanziert, als es Geld brauchte und den Staat außen vor gelassen, weil er ja nichtmal genug Geld hat, sich gute Bildung zu leisten. Gut, dass wir ne starke Autolobby haben, sonst müssten wir bei Leuten wie Kerstan wohl sogar die Straßen selbst bauen.
"Und zweitens sind Studiengebühren ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit. Denn die Studenten, die mehrheitlich aus der privilegierten Mittel- und Oberschicht stammen, profitieren vom Studium mehr, als sie – etwa in Form von Steuern – später der Gesellschaft zurückzahlen."
Da fehlt eindeutig das "Un"! Es müsste heißen "Und zweitens sind Studiengebühren ein Gebot der sozialen UNgerechtigkeit, denn nur durch sie kann sichergestellt werde, dass die Studenten auch weiterhin nur aus den priviligierten Schichten stammen, und nicht so viele Aufsteiger aus unteren Schichten sich den Weg an die Hochschule leisten können, ohne Angst vor einem Schuldenberg nach dem Abschluss.
Ich würde ja gerne etwas präziser Argumentieren, aber das der Verfasser das nicht für nötig (oder gar nicht für möglich?!) hielt, fehlt mir die Motivation dazu. Ich hoffe, das CHE CONSULT später eine andere Linie vertritt als CHE, sonst muss man sich ja bald schämen, den Holtzbrink-Verlag finanziell zu unterstützen, wenn man ne Zeit kauft...
Denn die Studenten, die mehrheitlich aus der privilegierten Mittel- und Oberschicht stammen, profitieren vom Studium mehr, als sie – etwa in Form von Steuern – später der Gesellschaft zurückzahlen.
Das Problem ist ganz einfach zu lösen: Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 65%, wirksam ab einem Jahreseinkommen von 150.000€ (300.000€ bei Verheirateten), Abschaffung aller Steuerschlupflöcher und Trockenlegung der Steueroasen.
Dann können die Damen und Herren Akademiker aus den feineren Kreisen ihren fairen Anteil an der Hochschulfinanzierung leisten.
"Und zweitens sind Studiengebühren ein Gebot der sozialen Gerechtigkeit. Denn die Studenten, die mehrheitlich aus der privilegierten Mittel- und Oberschicht stammen, profitieren vom Studium mehr, als sie – etwa in Form von Steuern – später der Gesellschaft zurückzahlen."
Mit den Studiengebühren sorgen wir dafür, dass die Studierenden auch weiterhin überwiegend aus Ober- und Mittelschicht stammen.
Studiengebühren sind eine versteckte Steuer, die jeden Studierenden gleich treffen, egal ob er aus reichem oder armen Elternhaus kommt; egal ob er später einmal viel oder wenig Geld verdienen wird.
Ein System, dass Menschen aufgrund der Größe ihres Portemonnaies Bildung verwehrt ist weder fortschrittlich noch gerecht.
Die Abschaffung der Studiengebühren ist ein Schritt zurück in die Zukunft.
In Bayern setzten wir dafür am 13. Mai ein Zeichen.
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