Neues Album Dr. Yusuf & Mr. Cat
Yusuf Islam, Allahs berühmtester Konvertit, immer noch besser bekannt als Cat Stevens, hat eine neue CD aufgenommen
Cat Stevens kann einem leidtun. Seit er den schönen, aber schwer kommunizierbaren Namen Yusuf Islam angenommen hat, versucht er alles, um ein Gott und den Menschen wohlgefälliges Leben zu führen. Er baut Schulen und stiftet Kindergärten, er gründet Stiftungen und betet fünfmal am Tag. Außerdem reist er als Botschafter des Guten rund um den Erdball. Während nun aber andere Wohltäter des Pop die ungeteilte Liebe ihres Publikums genießen, ist der Künstler, den wir einmal als Cat Stevens kannten, ein Wanderer zwischen den Welten geblieben. Und während andere die ungeteilte Liebe ihres Publikums genießen, steht Yusuf Islam unter Dauerverdacht.
Kaum hat Allahs berühmtester Konvertit ein neues Album angekündigt, da erhebt sich auch schon ein Raunen: Die Kritiker, die Glaubensbrüder, die alten Fans, die zu den Klängen seiner Songs ihre Unschuld verloren, alle haben sie ihre Ansprüche. Und während die einen seine Worte auf versteckte Subtexte hin scannen, gerade so, wie man früher aus rückwärts gespielten Schallplatten antichristliche Botschaften herauslas, ist den Mullahs bereits die Tatsache, dass er noch Musik macht, ein Dorn im Auge. In der Sprache des Managements nennt man so etwas eine No-win-Situation. Jetzt aber die gute Nachricht: Yusuf mag zwischen allen Stühlen sitzen, aber Cat macht das Beste draus.
Cat schreibt Melodien für Millionen, Yusuf sorgt für die spirituelle Note
Um die drängendste aller Fragen zuerst zu beantworten: Ja, es ist ein waschechter Cat Stevens geworden, mit Akustikgitarren, beseelten Frauenchören und dieser Stimme, die so schrecklich-schön nach den Teestuben der Siebziger klingt. Roadsinger (To Warm You Through The Night), so heißt das Werk, bringt uns das stevenssche Talent zurück, lagerfeuertaugliche Hymnen und menschheitsbewegende Fragen gemeinnützig zu kreuzen. Im Gegensatz zum ersten Comeback vor drei Jahren hat er es sogar geschafft, schlimmen Arrangementschwulst zugunsten einer Art Unplugged-Produktion zu vermeiden. Aber auch zwischen den beiden Polen seiner Persönlichkeit hat sich etwas getan. Wenn An Other Cup von 2006 für die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Yusuf und Cat stand, sind die beiden auf Roadsinger ein unschlagbares Team.
Statt sich gegenseitig im Weg zu stehen, verfahren sie jetzt arbeitsteilig. Cat ist der Musiker, Yusuf der Schriftgelehrte. Cat schreibt Melodien für Millionen, Yusuf sorgt für die spirituelle Note. Cat bringt sein Know-how aus alten Showbiz-Zeiten ein, Yusuf ist ein Mann der Bilder und der Gleichnisse. Zusammen ergänzen sie sich in ihrer Neigung, das Unterhaltsame mit dem Erhebenden zu verbinden.
Ein Paar wie Pech und Schwefel: Wenn der eine glaubt, angekommen zu sein, bringt ihn der andere zurück auf den Pfad der Pilgerschaft, und wenn der andere allzu transzendentale Wege geht, singt der eine von den Vögeln, den Fischen und all den Wesen unter der Sonne, die da kreuchen und fleuchen zum Lob des Herrn. Sollte es einen Subtext geben, dann diesen: Gott ist überall, man muss ihn nur suchen.
Es ist die Suche nach Erleuchtung, die die beiden Egos dieses Vielgereisten verbindet. Ob Yusuf im schwermütigen World O’Darkness eine Welt ohne Gott beklagt oder einfach nur ein bisschen zur Gitarre vor sich hinschwärmt, ob er in All Kinds Of Roses die mannigfaltigen Früchte im Garten der Erkenntnis besingt oder die altindische Weisheit aufwärmt, nur im Wandel sei Heil – stets begegnet er uns in der Gestalt des einsamen Wanderers. Bei Cat war aber auch schon immer der Weg das Ziel. Sollten Doktoranden der Populärwissenschaften sich irgendwann einmal die Mühe machen, sämtliche Schaffensphasen zu vergleichen, sie würden herausfinden, dass der Schlüssel zu seinem Werk in den Wörtern road und way liegt. Im Grunde ihres Sängerherzens sind sowohl Dr. Yusuf als auch Mr. Cat Kinder der Selbstverwirklichungsära.
Die Botschaft hinter den Songs: Werde vollkommen, so hilft dir Gott
So metaphysisch der Menschheit zugewandt jedenfalls hat seit dem seligen George Harrison keiner mehr vom Unterwegssein gesungen, und Songs, die intensiver nach Patschuli riechen als die elf von Roadsinger, sucht man vergeblich. Die niemals endende Suche ist aber auch der Grund dafür, dass Yusuf/Cat als Phänotyp wie aus der Zeit gefallen wirkt. Die Sechziger, in denen seine Anfänge liegen, sind Geschichte, die Hippie-Jahre, in denen er mit fernöstlichen Lehren liebäugelte, kamen und gingen. Die Welt hat sich mehrmals um ihre eigene Achse gedreht, nur er ist noch immer unterwegs auf seinem Trip durch die Zeit, ein Mann mit Gelehrtenbart und Brille, dessen Erleuchtungswille durch nichts zu bremsen ist. »Time goes on, and so we travel on«, singt er im Eröffnungsstück. Für Cat Stevens hat die Reise zu sich selbst nie aufgehört – mit dem Unterschied, dass er heute im Auftrag Allahs reist.
Zur Weiterbildung sei übrigens ein Bändchen des Autors Hadayatullah Hübsch empfohlen. In Peace Train leuchtet Hübsch, selbst ein Konvertit, bis ins Detail aus, wie das Wirken des großen Sinnsuchers Cat Stevens sich zu den Lehren Mohammeds verhält, des Urvaters so mancher Beatniks. Nach der Lektüre versteht selbst der Pop-Agnostiker, warum der arme Yusuf sich seine Botschaft erwandern muss. Sie lautet: Werde vollkommen, dann hilft dir Gott. Ob sie auch den Fundamentalisten aller Himmelsrichtungen gefällt, weiß nur der Wind, aber allen recht machen kann es bekanntlich selbst der Frömmste nicht. Der Herr liebt die Demütigen. Die Bigotten spuckt er wieder aus.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 01.05.2009 - 12:45 Uhr
- Serie Audio
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
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für einen Konvertiten(einen 200%igen), der sich weigert Frauen die Hand zu geben, auch noch Webung machen? Kopfschüttel!
Dass ich nicht lache, es ist wirklich unglaublich, was fuer einen Unsinn sich die Zeit Redaktion ausdenkt, nur im einen Artikel aufzupeppen.
Oder seid ihr da in der Redaktion total ahnungslos und wisst es nicht besser ? Was ist mit Muhammad Ali aka Casssius Clay ?????
In einem Artikel, in dem um den Sinn des Lebens und einen Suchenden danach geht, keinen Sinn zu finden, zeigt wie viel manche in diesem Forum solche Themen verstehen - oder sind Bildzeitungleser nur auf der Bildungreise in diesem Portal? Kopfschütteln!
Cat oder Yusuf, seine angenehme Stimme mit den sinnvollen Texten beruhigt einen und leitet ihn zum Denken.
In einem Artikel, in dem um den Sinn des Lebens und einen Suchenden danach geht, keinen Sinn zu finden, zeigt wie viel manche in diesem Forum solche Themen verstehen - oder sind Bildzeitungleser nur auf der Bildungreise in diesem Portal? Kopfschütteln!
Cat oder Yusuf, seine angenehme Stimme mit den sinnvollen Texten beruhigt einen und leitet ihn zum Denken.
selbst meine alte Mutter, einigermaßen fundamentalistische evangelische Christin, hat mit Cat Stevens/Yusuf Islam kein größeres Problem und liebt nach wie vor, als einzigen Popsong - 'Morning has broken'
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Die Welt ist größer als ein Kopf und der ist rund, damit das Denken auch mal die Richtung wechseln kann!
Mit seiner Musik habe ich auch absolut kein Problem. Mit der Tatsache, daß er das Todesurteil des Ayatolla gegen Salman Rushdy damals für richtig befunden hat, allerdings schon. Distanziert hat er sich davon meines Wissens nie. Nichtsdestotrotz höre ich zugegebenermaßen auch gelegentlich diverse alte Sachen von ihm, weil sie gut sind.
bitte sehr:
Podcast des SWR3
Wikipedia
bitte sehr:
Podcast des SWR3
Wikipedia
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Das war bisher an mir vorbei gegangen, ist mir sehr recht. So kann ich ihn jetzt auch wieder unbefangener hören, da ich seine Musik - wie gesagt - gut finde. 'Herumgeeiert' hat er allerdings schon und einige Seltsamkeiten bleiben. Aber okay, akzeptieren wir es 'mal.
Das war bisher an mir vorbei gegangen, ist mir sehr recht. So kann ich ihn jetzt auch wieder unbefangener hören, da ich seine Musik - wie gesagt - gut finde. 'Herumgeeiert' hat er allerdings schon und einige Seltsamkeiten bleiben. Aber okay, akzeptieren wir es 'mal.
Danke der Zeit-Redaktion, die die ambivalenten Gemüter um Konvertiten, die zum Islam übergetreten sind sehr schön dargestellt hat. Das ist ein Problem mit dem wir uns noch auseinandersetzen müssen. Vielmehr ist es unser Problem des Umganges mit der Verschiedenheit. Hätte sich Cat Stevens eine Lebensführung der Schamanen angenommen würden uns das weiter nicht stören, doch wehe er wird ein Muselmane, dann fahren wir die Geschütze auf und feuern mit Kanone auf Spatzen.
Ich freue mich auf sein neues Album. Damals hatte schon 'Morning has broken' die Herzen unserer Generationen höher schlagen lassen. Ich hoffe, dass auch dieses Album ein Comeback sein und Cat Stevens alias Yusuf noch mehr seiner Erleuchtungsongs herausgeben und singen wird.
Wer kennt denn noch Cat Stevens oder Yusuf Who? Nichts gegen "Dame von Welts" alte Mutter, aber "xxyyzzaabbcc" hat 100 Pro Recht: wenn denn überhaupt jemand so bezeichnet werden kann, dann natürlich Muhammad Ali!
„Berühmtester“ oder doch evtl. „zweit.., dritt ...berühmtester“ Konvertit, das ist doch nun wirklich das Unwichtigste des Artikels, allenfalls ein kleiner markanter Aufhänger! Künstlerische oder journalistische Freiheit sozusagen.
Im Grunde ist sich Cat Stevens alias Yusuf Islam im Kern seiner Ausstrahlung, seines Wesen treu geblieben; er wirkt und wirkte immer authentisch. Sanftmütig.
Er hat sich entwickelt in eine Richtung, die nicht oder nicht nur das rein Kommerzielle als Ziel hat! Und das finde ich gut!Und ist gar nicht so oft zu finden, in unserer heutigen materialisierten Welt.
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