Stiftungen Barmherzigkeit nach Kassenlage
Die Stiftungen in Deutschland spüren die Wirtschaftskrise: Ihre Finanzgrundlage und ihre Förderarbeit leiden
Der Donnerstag war kein guter Tag für den größten Anteilseigner des weltgrößten Automobilzulieferers: Die Robert Bosch GmbH kündigte für 2009 erstmals seit 50 Jahren rote Zahlen an. 92 Prozent des Kapitals der Robert Bosch GmbH gehören der gleichnamigen Stiftung. Und der stehen magere Zeiten bevor: Kein Gewinn heißt keine Dividende.
Die globale Finanzkrise erreicht die Förderkultur. Ausgaben für Forschung, Bildung und das Gesundheitswesen stehen auf dem Prüfstand. Die Finanzchefs der Stiftungen bereiten sich auf Dürrezeiten vor. Für 2009 wird sich am Etat von rund 60 Millionen Euro bei der Bosch Stiftung zwar noch nichts ändern. "Das Geld, das wir dieses Jahr erhalten, hat die Robert Bosch GmbH vergangenes Jahr verdient", sagt Dieter Berg, Geschäftsführer der Stiftung. Nächstes Jahr allerdings wird die Krise voll zu Buche schlagen. Dann muss die Stiftung auf Rücklagen zurückgreifen – oder den Rotstift ansetzen.
"Theoretisch können wir zwei Jahre ohne Dividende überwintern", sagt Wolfgang Koeckstadt, Finanzchef der Bertelsmann Stiftung. Die Stiftung, die jährlich circa 70 Millionen Euro ausgibt, hat seit Mitte der 1990er Jahre die Pflicht, Rücklagen in Höhe eines doppelten Jahresbudgets zu bilden. Schon heute überlegen die Stiftungsmanager aber, wo sie sparen könnten. "Wir prüfen sorgfältig, wo wir langfristige Zusagen gemacht haben und welche Projekte wir auch ohne größere Probleme aussetzen können", sagt Koeckstadt. Dabei hat Bertelsmann für dieses Jahr öffentlich noch keine Kürzung der Dividende angekündigt.
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erwartet, dass sich die Rezession mit Verzögerung auf die Stiftungen auswirkt. "Es werden langfristig weniger Mittel für wichtige soziale, wissenschaftliche und kulturelle Projekte zur Verfügung stehen", sagt Andreas Schlüter, Generalsekretär des Verbands. Die Stiftungen, die Anteile eines Unternehmens besitzen und sich in erster Linie aus Gewinnausschüttungen finanzieren, sind ähnlich betroffen wie die, die von ihrem Anlagekapital leben. Der Stifterverband rechnet zunächst mit einem Rückgang der Stiftungsausgaben in Höhe von 10 bis 15 Prozent.
Damit stehen die deutschen Stiftungen vergleichsweise noch gut da. Ihre eher konservative Anlagestrategie zahlt sich jetzt aus. Sie haben zumindest im Schnitt daher nicht so viel Geld verloren wie ihre Pendants in den USA. So hat die Stiftung der Harvard-Universität seit Mitte vergangenen Jahres 22 Prozent ihres Vermögens eingebüßt und rechnet bis Mitte 2009 mit einem Verlust von 30 Prozent.
Neue Vorhaben werden bei der Hertie-Stiftung "sehr gründlich geprüft"
Auf 100 Milliarden Euro schätzt der Bundesverband die in deutschen Stiftungen angelegten Gelder. Ihre Fördermittel belaufen sich inklusive Spenden auf etwa 30 Milliarden Euro im Jahr. Nach dem Gesetz muss die Substanz des Vermögens erhalten bleiben, damit Stiftungen dauerhaft ihren Zweck erfüllen können. Daher sind Immobilien und festverzinsliche Staatsanleihen beliebte Investments, gemixt mit Aktien, Unternehmensanleihen oder Pfandbriefen.
Manche Stiftungen brauchen eine deutliche Erholung der aktuellen Kapitalmarktrenditen, um ihre frühere Leistungsfähigkeit wieder zu erreichen. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung in Frankfurt, mit rund 800 Millionen Euro Vermögen eine der fünf größten Privatstiftungen im Lande, verlor 15,4 Millionen Euro, weil sie ihre Aktienquote auf neun Prozent reduzierte und dabei Verluste hinnehmen musste. Sie lebt allein von ihrer Investmentstrategie, da sie nicht mehr in Besitz von Unternehmensanteilen ist. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten führten zu Abschreibungen von 29,1 Millionen Euro sowie zum Abbau stiller Reserven. Unterm Strich blieb ein Minus von 9,2 Prozent. "Wir haben auch unsere Kratzer abbekommen«, sagt Vorstandsvorsitzender Michael Endres. Im Vergleich sei man aber »noch recht glimpflich" davongekommen.
- Datum 04.05.2009 - 13:02 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Kann da der Staat nicht endlich mal wieder was verbieten? Das kann doch nicht angehen, das Stiftungen Geschenke kürzen. Im letzten Jahr wurde doch schon soviel gegen Stiftungen gewettert, da wundert es mcih doch, das man da noch nichts gemacht hat.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren