Australien Hier will ich arbeiten!
Die Tourismusbehörde von Queensland hat den "besten Job der Welt" ausgeschrieben: Insel-Ranger auf Hamilton Island. 34.000 Leute haben sich beworben. Unser Autor hält sich für den idealen Kandidaten. Um es zu beweisen, flog er nach Australien
Noch dem allerletzten Streifen Licht schaue ich zu, bevor er von der Dunkelheit verschluckt wird. Die Dämmerung ist kurz in den Tropen, aber bis auch wirklich die blasseste rosa Schliere versickert ist, bleibt immer noch genug Zeit für zwei, drei Drinks. Jeden Abend wird bei gutem Wetter auf dem One Tree Hill von Hamilton Island eine Bar aufgebaut. Dann pilgern Dutzende Menschen zu diesem Sonnenuntergangsaussichtspunkt im Nordwesten der Insel. Sehen die schroffen, grün bewachsenen Whitsunday Islands im weichen Gegenlicht. Fähren in einem Meer, so ebenmäßig, als hätte jemand ein schweres Wachstischtuch glatt gezogen. Rauschende Palmenwedel in der warmen Abendbrise. Japanische Paare, die sich im Kimono fotografieren lassen. Kakadus, die aus Chipstüten klauen. Brautjungfern, die Hochzeitssträuße fangen. Klingt nach Urlaub? Für mich ist es Teil meiner Arbeit.
Dazu muss man wissen, dass ich nicht zum Spaß an die australische Ostküste geflogen bin. Ich bin wegen eines Jobs hier. Wegen des besten Jobs der Welt. Auf den bin ich so gekommen: Eine Freundin schickte mir den Internet-Link www.islandreefjob.com und schrieb dazu: "Vielleicht kann Arbeit doch Spaß machen."
Auf der Startseite sah ich hellblaues, offensichtlich sehr laues Meer, darin ein Inselchen mit Perlweiß-Strand. Aus dem satten Grün des Eilands sprossen die Lettern "The best job in the world". Weil der australische Bundesstaat Queensland einen Insel-Ranger sucht, hatte er eine weltweite Ausschreibung gestartet. Von Juli an soll der Ranger ein halbes Jahr auf Hamilton Island leben, dort und im nahe gelegenen Great Barrier Reef möglichst viel unternehmen und wöchentlich in einem Blog darüber berichten, was er alles erlebt hat. Also Tag für Tag schwimmen, tauchen, segeln, Kajak und Jetski fahren, Helikopter fliegen, Fische gucken und grillen und die Zehen in den heißen Sand bohren. Entgelt 150.000 Dollar, mehr als 80.000 Euro. Ich kenne einige Leute, die weniger verdienen und dafür mehr Zeit in engen Räumen verbringen.
Am Strand raten Schilder, einen Stinger-Suit anzuziehen. Wegen der Quallen
Die Idee der Queensländer ist: Da gibt es nur Schönes zu schreiben, das lesen die Leute weltweit und reisen noch lieber dort runter. Meine Idee ist: Raus aus dem Kieler Permagrau, Sport machen, braun und reich werden. Da würde ich mich überhaupt nicht schonen. Ich fand, unsere Visionen passten prima zusammen. Bastelte aus meinen schönsten Urlaubsfotos das geforderte 60-Sekunden-Bewerbungsfilmchen. Legte die Titelmelodie aus Die Leute von der Shiloh Ranch drunter; Didgeridoo-Musik kam mir zu ranschmeißerisch vor. Fand mich und mein Video überzeugend, dynamisch, kommunikativ, welterfahren und naturverbunden. Der ideale Mann für den Job. Weil der Erfolgreiche seine Ziele konkret visualisiert, fühlte ich mich schon abends auf einer Veranda sitzen, müde, aber gut durchblutet vom Tagwerk, unendlich entspannt im Bewusstsein, wieder einmal das Beste gegeben zu haben, einen warmen Luftzug im offenen Hemd, tropischen Sternenhimmel über mir, die Weite des Pazifiks direkt vor mir.
Habe es dann nicht mal unter die letzten paar Hundert von 34.000 Bewerbern geschafft. Inzwischen sind 16 Kandidaten für die Endausscheidung gekürt. Die fliegen Anfang Mai nach Hamilton Island. Mein brillanter Einfall: Ich werde ihnen zuvorkommen. Werde auf eigene Faust runterjetten und diesen Job und mich in ihm einige Tage ausprobieren. Ganz privat. Aber wenn ich Einsatz zeige, falle ich vielleicht einem Verantwortlichen auf, und er gibt mir eine Chance durch die Seitentür. Werde entdeckt wie ein Model im Straßencafé und ziehe in meine Villa, bevor die anderen Bewerber richtig gelandet sind.
Einmal auf der Insel angekommen, ist Schluss mit lustig. Ich ziehe ein straffes Programm durch. Für Jetlag und andere Unpässlichkeiten ist da keine Zeit. Ich gehe schwimmen, statt auszupacken. Den Ausblick aus meinem Hotelzimmer hoch über dem Strand nehme ich wahr. Sehr schön. Meine hochgradig calvinistische Arbeitsethik bewahrt mich davor, mit einer Dose Bier aus der Minibar auf dem Balkon zu versacken. Ich will eintauchen, statt faul draufzuschauen. Schilder am Strand raten mir, einen Stinger-Suit anzuziehen. Die dünnen Lycra-Ganzkörper-Überzieher sollen vor der giftigen Irukandji-Qualle schützen. Die ist bloß einen bis zwei Zentimeter groß, durchsichtig und praktisch unsichtbar im Wasser. Können diese kleinen Dinger denn wirklich so unangenehm werden, frage ich den Rettungsschwimmer. Tödlich, sagt er. So giftig?, frage ich. Hängt von ab, sagt er, aber es tut dermaßen scheißweh, dass du dich selbst umbringst, wenn du nicht ruck, zuck Morphium bekommst. Wohler wäre mir in der Schutzhülle. Muss mir aber nur vorstellen, jemand aus der Job-Jury sähe mich so, um leicht verzichten zu können.
- Datum 19.06.2009 - 23:12 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
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Ich halte Ihnen die Daumen. VIelleicht klappt es ja.
Sollte es nicht klappen, nehmen Sie gern Kontakt mit mir auf.
Ich habe eine true story, wie ein junger Mann sich ein Jahr durch Australien schlug und dabei nicht nur die vielfältigsten Job-Erlebnisse hatte. So ganz ohne Show, ganz ohne Geld und Kamera, aber mit dem Erlebnis von Hunger, blutigen Schultern vom Arbeiten, Spinnenbissen und verweigerter ärztlicher Versorgung, samt einem versuchten Piratenüberfall. Ein wirklich ungewöhnlicher Fall, der nichts mit Pauschaltouristen und nicht einmal mit den freien wilden Backpackertouristen etwas gemein hat, aber er dabei Elementarerfahrungen machte, die vom Feinsten und Schwersten zugleich waren.
Das ist dann zwar nicht mehr "der schönste Job der Welt" --- aber führ ihn vermutlich die spannendste Zeit seines Lebens, weil sie Tiefe und Ernst barg, Gefahren, Ungewissheiten, Risiken und das Erleben der eigenen Kraft auf eine Art, wie sie die Normalität nicht bieten kann.
den Film: Into The Wild
http://www.imdb.com/title...
Einer meiner Lieblingsfilme, er handelt von einem jungen Menschen der das Abenteuer seines Lebens erlebt als er versucht in der Wildnis Alaskas zu leben.
Das echte Leben schreibt immer noch die besten Filme.
Den Job des Hausmeisters hat jedenfalls mittlerweile ein Engländer:
http://orf.at/090506-3800...
den Film: Into The Wild
http://www.imdb.com/title...
Einer meiner Lieblingsfilme, er handelt von einem jungen Menschen der das Abenteuer seines Lebens erlebt als er versucht in der Wildnis Alaskas zu leben.
Das echte Leben schreibt immer noch die besten Filme.
Den Job des Hausmeisters hat jedenfalls mittlerweile ein Engländer:
http://orf.at/090506-3800...
den Film: Into The Wild
http://www.imdb.com/title...
Einer meiner Lieblingsfilme, er handelt von einem jungen Menschen der das Abenteuer seines Lebens erlebt als er versucht in der Wildnis Alaskas zu leben.
Das echte Leben schreibt immer noch die besten Filme.
Den Job des Hausmeisters hat jedenfalls mittlerweile ein Engländer:
http://orf.at/090506-3800...
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