Gastgewerbe
Luxus nur für Gäste
In Münchner Hotels sollen scheinselbstständige Zimmermädchen geputzt haben. Sie wurden weit unter Mindestlohn bezahlt
Erinnert sich noch jemand an Antonia H.? 23 Jahre alt, dunkle Haare, schmale Augenbrauen, für ein paar Tage waren ihre Züge das Gesicht eines Skandals: Schuften in Hamburger Nobelhotels für weniger als zwei Euro pro Stunde.
Gut zwei Jahre liegt die öffentliche Aufwallung zurück, die ein Bericht in der Hamburger Lokalpresse über Arbeitsbedingungen und Löhne von Hotelzimmermädchen bundesweit auslöste. Am Ende stand ein branchenspezifischer Mindestlohn: 8,15 Euro pro Stunde in Westdeutschland, im Osten nicht weniger als 6,58 Euro.
Und heute?
Mirela Popescu, die in Wirklichkeit anders heißt, aber ihren Namen aus Angst vor ihren ehemaligen Auftraggebern nicht in der Zeitung sehen möchte, hat nach eigenen Angaben als Zimmermädchen in dem Münchener Luxushotel Bayerischer Hof weniger als fünf Euro pro Stunde verdient. »Das ist nicht viel«, sagt die Frau, die nur ein paar Brocken Deutsch spricht. »Aber find erst mal einen besseren Job!«
Gerade geht der Streit um die Hungerlöhne der Zimmermädchen in die nächste Runde. Auf ihrer Seite steht nun, dank Mindestlohn, der Zoll, der Schwarzarbeit und illegale Zuwanderung bekämpft. Ende Oktober 2008 durchsuchte er 13 Münchener Hotels, darunter bekannte Fünfsternehäuser wie das Mandarin Oriental und eben den Bayerischen Hof. Die Razzia richtete sich zunächst gegen eine von den Hotelbetreibern beauftragte Reinigungsfirma. Der Verdacht: illegale Beschäftigung von Ausländern und Lohndumping.
Wer Mirela Popescu zuhört, erkennt schnell, dass die Reinigungsbranche durchaus auf den neuen Mindestlohn reagiert hat, allerdings nicht so wie vorgesehen. Einen Arbeitsvertrag hat die junge Frau nie bekommen. Vielmehr sollte sie als Selbstständige mit Gewerbeschein arbeiten – so wie viele ihrer Kolleginnen aus Rumänien, Russland oder Ungarn. Pro Zimmer bekam sie 4,25 Euro, für Suiten das Doppelte. Einen Teil ihrer Rechnungen schickte Mirela Popescu der Reinigungsfirma, für die sie arbeitete, einen anderen einer Landsfrau, die ihr den Job vermittelt hatte. So sollte offenbar der Anschein entstehen, die Sub-Sub-Unternehmerinnen hätten mehrere Auftraggeber.
»Zehn bis elf Zimmer« habe sie an einem normalen Arbeitstag im Bayerischen Hof geschafft, berichtet Mirela Popescu. Sie wischte und saugte den Staub weg, sie putzte die Bäder, ergänzte die Bestände in den Mini-Bars und legte Prospekte und Postkarten für die Gäste bereit. »Flure und die Lagerräume sollten wir auch sauber halten – das wurde aber nicht bezahlt.« Waren ihre Vorarbeiterinnen nicht zufrieden, wurde ihr ohnehin karger Lohn weiter gekürzt. »Einmal lag die Bettdecke nicht ganz gerade. Da wurden mir vier Zimmer gestrichen. ›Damit du lernst, wie es gemacht wird!‹, hat die Vorarbeiterin gesagt.«
»Selbstständige Zimmermädchen gibt es nicht«, sagt René Matschke, der die Abteilung Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Münchener Zolls leitet. Bislang konzentrierte der Zoll sich auf die Reinigungsfirmen, die Scheinselbstständige beschäftigen. Die Hoteliers wurden dagegen zunächst lediglich darauf hingewiesen, wie viel sie ihrem Dienstleister zahlen müssten, um nicht mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten.
Nun geht es erstmals den Auftraggebern der dubiosen Firmen an den Kragen. »Mehr als die Hälfte« der geprüften Hoteliers müssten nun Bußgeldbescheide in Empfang nehmen, sagt Cheffahnder Matschke. Die Strafen schwankten zwischen 10000 und 30000 Euro, noch sind sie nicht rechtskräftig. Die Namen der Häuser bleiben geheim, Bußgeldverfahren sind grundsätzlich nicht öffentlich.
Der Bayerische Hof versichert auf Nachfrage, »bisher keinen Bußgeldbescheid erhalten« zu haben. Das Hotel beschäftige »fast ausschließlich« eigene Zimmermädchen; so weit externe Unternehmen beteiligt seien, habe man »Verträge abgeschlossen, um sicherzugehen, dass die Fremdfirmen die Mindestlöhne einhalten«. Deren Zahlung und »auch etwaige Urlaubs- und Krankheitszeiten sowie die Verwaltungskosten« würden bei der Kalkulation berücksichtigt. Im Übrigen, als mache das die Sache besser, hätten »so gut wie alle Luxushotels in München Personal von besagter Firma bezogen«.
Das Mandarin Oriental lehnte jede Stellungnahme mit Blick auf die »laufenden Sachverhaltsermittlungen« des Zolls ab. Ob sie mit dem zweifelhaften Reinigungsdienst weiter zusammenarbeiten und gegebenenfalls ein Bußgeld zahlen würden, ließen beide Häuser offen.
Den Verantwortlichen der Reinigungsfirma steht laut Zoll ein Strafverfahren bevor. Mehrere Hunderttausend Euro Sozialversicherungsbeiträge sollen sie nachzahlen. Zudem droht ihnen eine Geldstrafe oder gar Gefängnis. Zu einer Stellungnahme war auch dieses Unternehmen »mit Rücksicht auf das laufende Strafverfahren« nicht bereit, seine Anwälte baten, »von weiteren Rückfragen Abstand zu nehmen«.
Mirela Popescu hat mehrere Hundert Euro Bußgeld bezahlt, weil sie für ihren Job als de facto angestelltes Zimmermädchen eine Arbeitserlaubnis hätte beantragen müssen. Für ihre Reinigungsdienste in den Wochen vor der Zollrazzia hat sie bis heute keinen Cent bekommen. »Dabei war der Oktober mein bester Monat«, sagt sie. Die 1000 Euro, die ihr nach eigener Auskunft mindestens noch zustünden, wird sie wohl kaum erhalten.
- Datum 1.5.2009 - 09:38 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 30.04.2009 Nr. 19
- Kommentare 18
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Man sollte nicht vergessen, dass im Gastgewerbe - und da ganz besonders in den hochpreisigen Lagen - ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb läuft, der einzig und allein über den Preis läuft. Luxus pur ist für 50 Euro pro Nacht pro Person nun einmal nicht zu haben, auch nicht im sogenannten "Last-Minute".
"Last-Minute"-Angebote sind aus meiner Sicht sowieso absolut kontraproduktiv. Statt dessen sollte man der bestehenden Überkapazitäten im Beherbergungsgewerbe Herr werden. Dort gilt immer noch "Big is beautiful" - und zwar auf Teufel komm raus. Da ist es egal, wie viele Zimmer langfristig leer stehen, Hauptsache, man bietet von Jahr zu Jahr mehr an.
Mein Tip an den Verbraucher: Es ist besser, privat in kleinen Hotels und Pensionen zu buchen. Meine persönliche Erfahrung - nicht nur als Touristiker sondern auch als Reisender - ist, dass dort das Preis-Leistungsverhältnis ganz einfach noch stimmt.
"in den hochpreisigen Lagen - ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb läuft"
Da sieht man mal wieder, das es da nur pervers zugeht wo der Dinge zuviel sind. Luxus bieten, aber den Service für lau. Besch .... Welt.
________________________________________
Früher wurde der Mensch durch "gebildete" Kleriker verdummt.
Heute sind es die modernen "intellektuellen" Marketingstrategen.
Wann darf der Mensch zu Gott finden und endlich frei sein?
Gerade abgefragt für die Nacht vom 1. auf den 2. Mai:
Bayerischer Hof: 215,00 + 26,50 (Frühstück)
Mandarin Oriental: 450,00 + 34,00 (Frühstück)
Und das sind HRS-Preise ...
Alles Gute
Kai Hamann
Man kann einfach nur noch Kotzen bei solchen Geschichten. Und es gibt zahlreiche andere Branchen (Call-Center, alle anderen Dienstleistungen, vor allem bei den Ketten), wo evtl. ein wenig besser bezahlt wird, das Prinzip aber immer das Gleiche ist: Mitarbeiter werden bis zum Geht-Nicht-Mehr ausgenutzt, will heissen sie kriegen so wenig Geld wie es nur irgendwie geht und sollen aber selbstverstaendlich Spitzenleistung erbringen. Und fuer wen? Fuer irgendwelche Firmengewinne, die unter den ohnehin schon mehr als Reichen noch mehr zum Aufteilen bieten.
NIcht falsch verstehen, dem Sozialismus will ich nicht das wort reden, im Gegenteil, aber genaus deshalb, muessen diese Auswuechse endlich ein Ende haben. Daraus wird natuerlich nichts. Jene, denen es gut geht, sind offensichtlich von einer solchen Gier getrieben und von einer solchen sozialen Inkompetenz, dass sie nur ihr eigenes Konto im Blick haben, und die anderen, haben Angst statt 'fast Nichts' ploetzlich 'gar Nichts' mehr zu haben. Was fuer eine kranke Gesellschaft. Was zeichnet uns Menschen eigentlich noch gegenueber den Tieren aus, wenn wir es nicht schaffen, dass das Geld fuer den Menschen da ist, sondern wenn die Menschen fuer das Geld da sind. Selten daemlich.
Manchmal wuensche ich mir fast, dass es soziale Unruhen - wie derzeit an der ein oder anderen Stelle ein leises Thema - mal geben wuerde. Der derzeitig Zustand ist jedenfalls keiner auf dem eine zukunftsorientierte, humane Gesellschaft sich langfristig tragen sollte und tragen wird. Diese masslose, voellig ueberzogene Gier nach immer mehr - hoffentlich frisst sie uns nicht irgendwann selbst auf wie ein boesartiges Krebsgeschwuer.
Aber das interessiert ja wohl eh keinen, Hauptsache es gibt ein neues Auto dank Abwrackpraemie und die Fussball-Nationalmannschft kommt ins WM-Finale.
Wenn sich jemand findet der den gleichen Job für 5 Euro macht, den ein anderer nur für 10 Euro machen würde, warum sollte man dann 10 Euro zahlen. Buchen sie einen Flug für 300 Euro wenn die gleiche Strecke auch für 150 Euro fliegen können? Ich bin mir 100% sicher das sie den 150 Euro Flug nehmen, oder sogar den 100 Euro Flug wenn sie ihn bekommen.
"in den hochpreisigen Lagen - ein gnadenloser Verdrängungswettbewerb läuft"
Da sieht man mal wieder, das es da nur pervers zugeht wo der Dinge zuviel sind. Luxus bieten, aber den Service für lau. Besch .... Welt.
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Früher wurde der Mensch durch "gebildete" Kleriker verdummt.
Heute sind es die modernen "intellektuellen" Marketingstrategen.
Wann darf der Mensch zu Gott finden und endlich frei sein?
Wenn sich jemand findet der den gleichen Job für 5 Euro macht, den ein anderer nur für 10 Euro machen würde, warum sollte man dann 10 Euro zahlen. Buchen sie einen Flug für 300 Euro wenn die gleiche Strecke auch für 150 Euro fliegen können? Ich bin mir 100% sicher das sie den 150 Euro Flug nehmen, oder sogar den 100 Euro Flug wenn sie ihn bekommen.
Sie haben vergessen, daß in diesem Lande die Meinung vorherrscht, daß Wohlstand und Freiheit immer nur von den anderen bezahlt werden sollen - deshalb ist der Hinweis auf den Marktmechanismus in diesen Gebreiten auch politisch inkorrekt. Niedrige Löhne - ein Skandal! Aber wer würde denn deshalb gleich teurere Produkte kaufen wollen...?
Dabei mache ich übrigens keine Unterschiede zwischen oben und unten. Die Bankgesellschaft, die sich über Staatsgeld saniert, gehört für mich ebenso in den Bereich wie der Sozialhilfeempfänger, der von Transferleistungen besser und bequemer lebt als von eigener Tätigkeit.
Kikkoman schrieb:
"Wenn sich jemand findet der den gleichen Job für 5 Euro macht, den ein anderer nur für 10 Euro machen würde, warum sollte man dann 10 Euro zahlen."
Weil man über soziale Kompetenz verfügt, ein Bewusstsein was Recht ist und was Unrecht, sowie Empathie seinen Mitmenschen resp. Mitarbeiter/innen gegenüber. Ach ja und Verantwortungsbewusstsein. Das lernt man - by the way - u.a. in einem guten Elternhaus. Das andere wäre gesunder Geschäftssinn, der langfristig denkt. Was dabei herausgekommen ist, sieht man ja explizit.
"Buchen sie einen Flug für 300 Euro wenn die gleiche Strecke auch für 150 Euro fliegen können? Ich bin mir 100% sicher das sie den 150 Euro Flug nehmen, oder sogar den 100 Euro Flug wenn sie ihn bekommen."
Natürlich würde ich den günstigeren Flug nehmen solange eine seriöse airline dahintersteht. Letztens hätte ich für 0!!!! Euro zzgl 10 Euro Steuern fliegen können, na merci Mausi. Ganz sicher nicht.
Ihre Argumentationskette kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Ihre getätigten Aussagen schon: "Der Ruach ist unter uns!"
Sie haben vergessen, daß in diesem Lande die Meinung vorherrscht, daß Wohlstand und Freiheit immer nur von den anderen bezahlt werden sollen - deshalb ist der Hinweis auf den Marktmechanismus in diesen Gebreiten auch politisch inkorrekt. Niedrige Löhne - ein Skandal! Aber wer würde denn deshalb gleich teurere Produkte kaufen wollen...?
Dabei mache ich übrigens keine Unterschiede zwischen oben und unten. Die Bankgesellschaft, die sich über Staatsgeld saniert, gehört für mich ebenso in den Bereich wie der Sozialhilfeempfänger, der von Transferleistungen besser und bequemer lebt als von eigener Tätigkeit.
eine intellektuelle Meisterleistung.
Kikkoman schrieb:
"Wenn sich jemand findet der den gleichen Job für 5 Euro macht, den ein anderer nur für 10 Euro machen würde, warum sollte man dann 10 Euro zahlen."
Weil man über soziale Kompetenz verfügt, ein Bewusstsein was Recht ist und was Unrecht, sowie Empathie seinen Mitmenschen resp. Mitarbeiter/innen gegenüber. Ach ja und Verantwortungsbewusstsein. Das lernt man - by the way - u.a. in einem guten Elternhaus. Das andere wäre gesunder Geschäftssinn, der langfristig denkt. Was dabei herausgekommen ist, sieht man ja explizit.
"Buchen sie einen Flug für 300 Euro wenn die gleiche Strecke auch für 150 Euro fliegen können? Ich bin mir 100% sicher das sie den 150 Euro Flug nehmen, oder sogar den 100 Euro Flug wenn sie ihn bekommen."
Natürlich würde ich den günstigeren Flug nehmen solange eine seriöse airline dahintersteht. Letztens hätte ich für 0!!!! Euro zzgl 10 Euro Steuern fliegen können, na merci Mausi. Ganz sicher nicht.
Ihre Argumentationskette kann ich leider nicht ganz nachvollziehen. Ihre getätigten Aussagen schon: "Der Ruach ist unter uns!"
So sehe ich das auch.Aber wer über ein scharfes Gewissen verfügt, der müsste in vielen Dingen anders handeln als er es tut. Das fängt beim Umweltschutz an und hört beim Kauf fair gehandelter Produkte auf. Gerade eben geraten die Milchbauern in diesem Land in Existenznot und die Öffentlichkeit und die Politik sehen zu.Die Billigflugangebote sind auch ein gutes Beispiel.Das gehört zu der allgemeinen Schnäppchenjägerei, die sich stark verbreitet hat.Die Zahl der Mogelpackungen wächst unaufhaltsam und der gewissenhafte, ordentliche Kaufmann stirbt allmählich aus, weil wir ihm keine Chance lassen, im fairen Wettbewerb zu überleben.
Natürlich prüfen sie vorher jedesmal ob bei dem Unternehmen auch alles mit rechten Dingen zugeht und ob der Flugpreis denn auch wirklich nicht auf kosten der Angestellten geht. Derartige Märchen können sie ihrer Oma erzählen.
So sehe ich das auch.Aber wer über ein scharfes Gewissen verfügt, der müsste in vielen Dingen anders handeln als er es tut. Das fängt beim Umweltschutz an und hört beim Kauf fair gehandelter Produkte auf. Gerade eben geraten die Milchbauern in diesem Land in Existenznot und die Öffentlichkeit und die Politik sehen zu.Die Billigflugangebote sind auch ein gutes Beispiel.Das gehört zu der allgemeinen Schnäppchenjägerei, die sich stark verbreitet hat.Die Zahl der Mogelpackungen wächst unaufhaltsam und der gewissenhafte, ordentliche Kaufmann stirbt allmählich aus, weil wir ihm keine Chance lassen, im fairen Wettbewerb zu überleben.
"...weil wir ihm keine Chance lassen, im fairen Wettbewerb zu überleben."
...gibts normalerweise Gesetze, damit für den Bürger das Beste rauskommt. Nur wurde das in den letzten Jahrzehnten mit der EU-Gleichschaltung und der allgegenwärtigen Liberalisierung irgendwie vergessen.
eine intellektuelle Meisterleistung.
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