1. Jetzt reden die Ersten schon vom Ende der Krise. Ist der Spuk wirklich schon vorbei?
Nein. Aber etliche Konjunkturbeobachter werden gerade von einer Art Frühjahrsstimmung gepackt. "Wir sehen Licht", steht da plötzlich in den Prognoseberichten, von "grünen Trieben" in der Wirtschaft ist die Rede, und solcher Optimismus ist offensichtlich ansteckend. An den Börsen sind zwischenzeitlich die Kurse gestiegen. Unternehmer und Verbraucher geben sich in Umfragen wieder ein kleines bisschen zuversichtlicher – nicht nur in Deutschland gibt es Hoffnungszeichen, auch in Frankreich, in China oder in den USA.

Aber passt das denn alles zusammen? Sind nicht gerade erst verheerende Konjunkturprognosen erschienen, die der ganzen Welt Minuswachstum vorhersagen und in denen Deutschland besonders schlecht wegkommt? Ja, auch das stimmt. Viele Ökonomen glauben, dass die Wirtschaftsleistung der Welt im ersten Quartal 2009 erstmals seit den 1930er Jahren geschrumpft ist und dass sie auch aufs Gesamtjahr gerechnet sinken wird. Hierzulande sagen die Forschungsinstitute voraus, dass die Wirtschaftsleistung 2009 sogar um sechs Prozent abnehmen werde. Der Internationale Währungsfonds prognostiziert für Deutschland ein Minus von 5,6 Prozent.

Das vertrage sich aber sehr gut mit der These von den "grünen Trieben", beharren die Optimisten. Die Schätzungen der Experten spiegelten nämlich vor allem die Vergangenheit. Die Wachstums- beziehungsweise Schrumpfungsprognosen fielen so schlecht aus, weil der Start ins Jahr 2009 so schlecht war. Allein im ersten Quartal ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt – der Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen – wohl um mehr als drei Prozent geschrumpft.

Von jetzt an wird es nach Ansicht der Optimisten weniger steil bergab gehen. Die Menschen kaufen zwar weniger ein als früher, verzichten aber nicht ganz aufs Shopping, zumal Benzin und Öl billiger geworden sind. Weil die Lager vieler Unternehmen nach dem scharfen Produktionseinbruch der vergangenen Monate leer sind, müssen die Firmen jetzt die Maschinen wieder anwerfen, um ihre Aufträge abarbeiten zu können. Es wird also wieder mehr produziert, die Wirtschaft stabilisiert sich. Zumindest vorübergehend.

2. Die Warnungen vor der Megakrise waren dann wohl ein Fehlalarm?
So einfach ist das leider nicht. Selbst wenn es stimmt, dass der große Absturz schon vorbei ist: Seine Folgen werden wir in den kommenden Monaten noch viel kräftiger zu spüren bekommen als bisher.

Das liegt daran, dass die Wirtschaft sich langsamer an veränderte Umstände anpasst, als man gemeinhin glaubt. Wenn Unternehmen weniger Aufträge bekommen, entlassen sie nicht gleich Leute – meistens zumindest. In der Regel versuchen sie, ihre Mitarbeiter über die Flaute hinweg zu halten, damit sie gerüstet sind, wenn es wieder aufwärtsgeht. In Deutschland hilft ihnen auch noch der Staat dabei, zum Beispiel durch das Kurzarbeitergeld. Deshalb ist die Arbeitslosigkeit hierzulande kaum gestiegen.